Tag Archives: Stephen Hendry

Zwischen WM-Frust und Comeback von Stephen Hendry

23 Apr

Was ist das bitte für eine verrückte Snooker-WM in diesem Jahr? Im Achtelfinale treffen sich Ken Doherty und Alan McManus. Das alleine ist schon unglaublich. Die beiden Oldies holten sich ihr Ticket mit Siegen über John Higgins und Stuart Bingham. Natürlich gibt es in jedem Jahr Überraschungen, aber gerechnet hatte ich damit nicht.

Und der Knaller kam ja noch: Ding Junhui, Gewinner von fünf Ranking-Events in dieser Snooker-Saison, musste ebenfalls die Segel streichen. Er unterlag Michael Wasley, der ein dermaßen eindrucksvolles Crucible-Debüt gab, dass man nur ungläubig mit dem Kopf schütteln konnte. Eine solche Sensation hat es lange nicht mehr gegeben.

Da ist die souveräne Vorstellung von Neil Robertson schön zu sehen, der – sollte es gut laufen – bei dieser WM die Marke von 100 Centurys in einer Saison knacken könnte. Aktuell steht er bei Nummer 95, aber das Match gegen Robbie Williams läuft noch. Zuvor durften wir uns durch das Match Judd Trump gegen Tom Ford quälen.

Ford, der in der Qualifikation Matthew Stevens bezwungen hat und deswegen auf meiner persönlichen Lieblinge-Liste den mit Abstand letzten Platz einnimmt. Dabei hatte ich von Trump wesentlich mehr erwartet, aber es war scheinbar nicht sein Tag. Er hatte das Glück, auf einen Gegner zu treffen, der ebenfalls nicht auf einem Top-Level agierte.

Wie gesagt, es ist eine komische WM und aktuell muss man Robertson neben O’Sullivan als großen Favoriten auf dem Zettel haben. Andererseits ist die WM lang und vielleicht darf sich Judd Trump freuen, den Tiefpunkt schon erlebt zu haben und trotzdem nicht abreisen zu müssen. Auch Mark Selby hatte viel Glück beim 10:9 gegen Michael White.

Ich glaube, ich wiederhole mich, wenn ich erneut schreibe, dass die Leistungsunterschiede nicht mehr so enorm groß sind, wie noch vor einigen Jahren. Genau so hatte es Barry Hearn beabsichtigt, der den Spielern jenseits der Top 16 mehr Duelle mit den Top-Profis geben wollte. Somit bekommen die Spieler mehr Erfahrung und erstarren auch nicht in Ehrfurcht, wenn sie auf die Top-Stars treffen.

Andererseits kommen Spieler wie Mark Williams, John Higgins, Stephen Maguire und wie sie alle heißen auch langsam in ein Alter, in dem sie eben nicht mehr als Geheimfavoriten gelten. Die nachfolgende Generation ist da und der Machtwechsel wohl längst vollzogen – mit Ausnahme von Ronnie O’Sullivan, der einfach ein Jahrhundertspieler ist.

Wo wir gerade Barry Hearn angesprochen haben: Der Snooker-Boss hat heute eine Pressekonferenz gegeben und das Spiel erneut ein wenig aufgebrochen. Er will, wie ich gerade schon schrieb, eine offene Tour, die transparent ist und allen Spielern die Möglichkeit gibt, an den Geldtöpfen zu schnuppern.

Weiter sagte Hearn, dass in Zukunft nur die Top 16-Spieler gesetzt sind, alle anderen Spieler – insgesamt 144 – müssen sich in die Qualifikation begeben. Das bedeutet, in Runde eins müssen die restlichen 128 Snooker-Profis um ein Ticket kämpfen. In Shanghai startet dieses Format 2015, in Australien 2016.

Interessant sind auch die Änderungen für die kommende WM. Auch dort wird ein Feld von 144 Spielern starten und nur die Top 16 sind gesetzt. Bitter für den Spieler, der nach den China Open auf Rang 17 liegt. Er muss sich, wie alle anderen, durch die komplette Qualifikation kämpfen. Interessant ist, dass alle ehemaligen Weltmeister eine Einladung für die erste Runde erhalten.

Ob sich das Format ändern wird, ist schwer abzusehen. Hearn erklärte, dass es in allen Runden mindestens ein Best-of-19 geben wird. Was das für das Finale bedeutet, wird sich in der Zukunft zeigen. Auch, welche ehemaligen Profis eine Einladung für ausgewählte Turniere bekommen. Denn Hearn möchte Spieler belohnen, die sich um den Sport verdient gemacht haben. Sicher dabei sind Stephen Hendry und Steve Davis.

O’Sullivan: Maximum und Welsh Open-Sieg

2 Mrz

Ronnie O’Sullivan hat die Welsh Open gewonnen, Ding Junhui im Vorbeigehen mit 9:3 besiegt und damit in dieser Saison sein erstes Ranglistenturnier gewonnen. Doch am Ende stand dies nicht im Vordergrund. Denn im letzten Frame des Turniers spielte O’Sullivan sein zwölftes Maximum Break und ist damit alleiniger Rekordhalter.

Dazu war es der 26. Titel bei Weltranglistenturnieren und O’Sullivan schob sich hinter Stephen Hendry und Steve Davis – vorbei an John Higgins – auf Rang drei der Rangliste. Dabei war der deutliche Spielverlauf so nicht zu erwarten gewesen, denn die beiden besten Spieler der letzten Monate hatten in den vorherigen Runden teilweise sehr starke Leistungen gezeigt.

14 der 51 Centurys gingen auf das Konto von O’Sullivan sowie Ding Junhui, aber der Chinese erwischte in der ersten Session einen rabenschwarzen Tag. Böse Fehler mischten sich mit Pech und O’Sullivan brauchte sich nicht groß anzustrengen, um eine hochverdiente 7:1-Führung auf das Scoreboard zu zaubern und die Messe war gelesen.

Ronnie O'Sullivan gewinnt die Welsh Open

Ronnie O’Sullivan gewinnt die Welsh Open

Dabei darf man nicht vergessen, dass Ding Junhui im Verlauf der Saison bereits vier Ranglistenturniere gewonnen hat – er ist sozusagen in der Form seines Lebens und konnte das auch bei den Welsh Open bis zum Finale bestätigen. Warum aber war er gegen Ronnie O’Sullivan so deutlich unterlegen? Kein Spieler kann permanent seine Form behaupten und es ist nur menschlich, einen schlechten Tag zu erwischen. Eine recht einfache Erklärung.

Man darf auch nicht vergessen, dass Ding die Chance zum 2:3 hatte, jedoch mit dem Queue abrutschte und seinem Gegner so das 4:1 schenkte. Ein weiterer Nackenschlag, der nicht unbedingt förderlich für die Motivation ist. Andererseits war das Kind zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht in den Brunnen gefallen, es hatte sich allerdings schon weit über den Rand gelehnt.

Denn es ist fraglich, ob das 2:3 einen Wendepunkt hätte markieren können. Solche Überlegungen sind rein hypothetisch und vielleicht wäre O’Sullivan ins Grübeln gekommen. Aber mir fehlt der Glaube und ich habe für mich eine andere Erklärung gefunden – und damit stehe ich nicht alleine auf weiter Flur: Es liegt einfach ein O’Sullivan.

Rolf Kalb hatte es in der ersten Session kurz angesprochen und meinte: „Als würde der Respekt von Ronnie O’Sullivan ihn lähmen.“ So abwegig dies im ersten Moment klingt, O’Sullivan hat eine enorme Ausstrahlung, gilt weiterhin als der Spieler, der mit dem Queue auf die Welt gekommen ist. Und trotz seiner vielen Pausen umgibt ihn eine ganz gewisse Aura.

Dabei ist es erschreckend, dass er im Vergleich zu Spielern wie Mark Williams oder John Higgins im Alter besser wird. Ist er in den Bällen, gibt es nichts, was ihn stoppen kann. Aber es wirkt, als ob O’Sullivan sich entwickeln würde. Dabei spielt er wesentlich mehr Safetys, schenkt die Frames bei Rückständen nicht sofort ab und ist einfach variabler geworden.

Joe Perry hatte es ebenfalls per Twitter geschrieben: „Es ist schwer zu beschreiben, wie groß der Unterschied ist, ob man gegen Ronnie oder einen anderen Gegner spielt. Und ich denke, die anderen Profis sehen es ähnlich.“ Ein klares Statement, denn als Spieler steht man ab dem ersten Stoß gewaltig unter Druck, in dem Wissen, keine Fehler machen zu dürfen.

Und Ding hat bisher keine großen Erfahrungen gemacht, wenn es um Final-Duelle gegen O’Sullivan geht. Vielleicht kamen ihm auch noch Erinnerungen an das Masters-Finale 2007, was ich aber nicht glaube. Und ob dieser Respekt nun wirklich der Grund für die Niederlage war? Wahrscheinlich war es ein Gemisch aus schlechten Tag und dem Druck.

Klar ist, Ronnie O’Sullivan hat den Titel hochverdient errungen und ist – wie seit Jahren – in jedem Turnier der große Favorit auf den Titel. Dazu denke ich, braucht ein Spieler eine gewisse Mentalität, um O’Sullivan wirklich schlagen zu können. Spontan fällt mir Mark Allen ein, denn der Nordire hat ein gewaltiges Ego und gegen den Weltmeister braucht es das manchmal.

Ding Junhui und die neue Leichtigkeit

22 Nov

Ronnie O’Sullivan, John Higgins und Mark Williams sind drei der besten Snooker-Spieler aller Zeiten. Doch sie alle haben es nicht geschafft, drei Ranglisten-Turniere in Folge zu gewinnen. Dieses Kunststück gelang nun Ding Junhui, als erstem Spieler seit Stephen Hendry im Jahr 1993.

Seit Barry Hearn sich dem Snooker angenommen hat, ist der Sport zu einer globalen Marke gereift. In den Zeiten von Steve Davis oder Stephen Hendry fristete der Sport zwar ein sehr erfolgreiches Dasein, der Großteil der Turniere fand jedoch in England, Schottland, Wales oder Irland statt. Zudem zeigte sich der Kalender bei maximal zehn Ranglisten-Turnieren sehr übersichtlich.

Diese Zeiten gehören der Vergangenheit an. Snooker ist längst eine internationale und globale Marke geworden. Mit Neil Robertson steht ein Australier auf Platz eins der Weltrangliste, die PTC-Tour sorgt für einen vollen Terminkalender und in Asien gibt es eine Vielzahl an Spielern, die mit aller Macht auf die Main Tour drängen.

Ding Junhui: Ein Volksheld in China

Ding Junhui nach seinem Hattrick

Ding Junhui nach seinem Hattrick

Ding Junhui ist dabei als Vorreiter anzusehen. Er ist ein Volksheld in China und wenn er am Tisch steht, schnellen die Einschaltquoten in die Höhe. Sein Hattrick – er gewann das Shanghai Masters, die Indian Open sowie die International Championship – ist dabei ein neuer Meilenstein. Denn zuletzt schaffte dies Stephen Hendry im Jahr 1993.

Ding Junhui hat fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Bei den UK Championship triumphierte er bereits zwei Mal und auch beim Masters trug er sich in die Siegerliste ein. Einzig ein Erfolg bei der Snooker-WM steht noch aus. Aber der Chinese ist gerade einmal 26 Jahre alt und Ronnie O’Sullivan erklärte einst, Ding Junhui habe das Zeug, ein vielfacher Weltmeister werden.

Karrierebeginn im Alter von neun Jahren

Im Alter von neun Jahren begann Ding Junhui mit dem Snooker. Sein Vater sah das Talent des Sohns und überredete dessen Mutter, das Haus zu verkaufen, um dem Jungen eine Karriere als Profi zu finanzieren. Acht Stunden pro Tag stand er am Tisch und genoss jeden Moment, in dem er einen Queue in der Hand hielt. Viele Interessen außerhalb des Sports gab es nicht.

Sein Weg war vorgezeichnet und ganz China hatte in ihm einen Helden gefunden, als die ersten Erfolge sich einstellten. Mit 15 gewann er die Asian U21-Championship sowie die Asien Championship und im September 2003 bekam er von der World Professional Billiards & Snooker Association ein Ticket für die Main Tour, wurde Profi.

Zu dieser Zeit spielte Ding Junhui befreit auf und im März 2005 gewann er als 18-Jähriger sein erstes Ranglistenturnier – im Finale der China Open besiegte er Stephen Hendry. In China sahen 110 Millionen Menschen dieses Match – bis heute Rekord für ein Snooker-Übertragung. Im Dezember des selben Jahres holte er sich auch den Sieg bei den UK Championship – ein weiterer Meilenstein.

Das Wunderkind aus China

Längst war er das Wunderkind aus China, Vergleiche mit Ronnie O’Sullivan – dem talentiertesten Spieler aller Zeiten – wurden angestellt. Als er dann vor seinem 20. Geburtstag auch noch die Northern Ireland Trophy gewann, war er neben John Higgins einer von zwei Spielern, die dieses Kunststück fertiggebracht hatten und kletterte im Provisional Ranking bis auf Platz fünf.

Doch auf einmal verlor Ding Junhui seine Leichtigkeit. Der Druck war spürbar, gerade bei Turnieren in der Heimat lastete viel Verantwortung auf seinen Schultern. Unvergessen ist natürlich auch das Finale beim Masters im Jahr 2007, als Ronnie O’Sullivan seinem jungen Gegner eine Lehrstunde erteilte. Beim Stand von 3:8 aus Sicht des Chinesen flossen erste Tränen.

Dennoch gab es ein versöhnliches Ende, als O’Sullivan ihn in den Arm nahm und später erklärte, dass nur Ding Junhui in der Lage wäre, einen Spieler so verwundbar zu machen, wie seinerzeit Paul Hunter es konnte. Ding Junhui sagte der Daily Mail: „Der Unterschied zu den China Open ist groß, hier fühle ich mich ziemlich alleine.“

Es war eine neue Welt für den jungen Chinesen, der sich als Teenager plötzlich in einer neuen Welt und einer neuen Kultur behaupten musste. Zudem machten es ihm die Fans nicht leicht. Er galt als Roboter ohne Gefühlsregungen und beim Masters-Finale musste er sich zudem noch mit feindseligen Kommentaren auseinander setzen.

Ding Junhui: Ein Spieler wie Stephen Hendry

Sein Talent war unbestritten und sein erstes Maximum spielte er am 14. Januar 2007 beim Masters im Spiel gegen Anthony Hamilton. Sein Breakbuilding ist eine Augenweide und Stephen Hendry meinte unlängst zum express.co.uk: „Ding Junhui ist nach Ronnie O’Sullivan der beste Spieler auf der Tour.“ Nur fehlte es zunächst an Beständigkeit.

Die Durststrecke endete in der Saison 2009/10, als er zwei Finals erreichte und erneut die UK Championship gewann. Die Spitze im Snooker ist mit der Übernahme von Hearn dichter geworden. Viele Spieler aus der zweiten Reihe bekommen durch die neue PTC-Tour mehr Spielpraxis und neuerdings müssen sich die Top-Profis bei Turnieren ab der ersten Runde durch das Feld quälen.

Auch Ding Junhui hat gelernt, wenn auch in anderen Dimensionen. Da viele Spieler aus Asien den Weg auf die Main Tour gefunden haben, ist sein soziales Umfeld stabiler geworden. Auch hat er gelernt, mit dem Druck umzugehen. Insgesamt ist die Akzeptanz auch bei den Fans größer geworden. Das liegt an seinem Spiel, aber auch an der Globalisierung.

Mittlerweile hat Ding Junhui über 300 Century Breaks sowie fünf Maximum Breaks gespielt, neun Ranking Events, zwei Minor-Events und das Masters gewonnen. In der Weltrangliste liegt er auf Rang drei, die beste Platzierung seiner Karriere. In der heutigen Zeit ist es schwer, eine Dominanz zu erreichen, wie Hendry und Steve Davis es schafften.

Unbestritten ist allerdings, dass Ding Junhui es schaffen kann, die WM im Crucible Theatre zu gewinnen. Nachdem er Marco Fu im Finale des International Masters besiegt hatte, sagte Fu: „Ding spielt im Bereich Break Building wie Hendry zu besten Zeiten.“ Wie seine Zukunft auch aussehen mag, ein besseres Kompliment kann man einem Spieler nicht machen.

Snooker-WM in Sheffield: Tag 11

1 Mai

Ich schaue schon wirklich lange Snooker, bin praktisch mit Jimmy White aufgewachsen und habe die große Zeit von Stephen Hendry mitbekommen. Ich kann also durchaus behaupten, schon das eine oder andere Spiel gesehen zu haben. Mit Superlativen sollte man grundsätzlich vorsichtig sein, dennoch kann ich mit Fug und Recht behaupten, gestern eine Sternstunde gesehen zu haben.

Ihr habt es wahrscheinlich auch gesehen, es sei denn, Euer Name ist Thorsten und ihr habt den Nachmittag beim Segeln verbracht. Ronnie O’Sullivan hat Stuart Bingham komplett auseinander genommen und sich die erste Session mit 7:1 geholt. Dabei spielte er Breaks von 79, 111, 60, 87, 133 und 78. Es war die beste Leistung eines Spielers, an die ich mich erinnere.

Klar, Bingham hat Fehler gemacht und O’Sullivan Chancen hingelegt. Aber eine Lochquote von zeitweise 98 Prozent ist nicht nur mit leichteren Einsteigern zu schaffen. Gerade die Long Pots fielen reihenweise und der Spielball fand auf dem kompletten Tisch keine sichere Ablage. Mit seinem langen Spiel hatte O’Sullivan zuletzt immer wieder gehadert.

Aber bei dieser WM klappt alles. Ali Carter und Mark Williams haben es via Twitter geschrieben und eigentlich sind sich alle Experten einig, Ronnie O’Sulivan spielt momentan in einer anderen Liga und ist nicht zu schlagen. Zumindest kommt die Frage auf, wer ihn schlagen kann. Und Stuart Bingham ist ja auch kein Fallobst, aber praktisch ohne Chance.

Ronnie O'Sullivan

Ronnie O’Sullivan ist nicht zu stoppen

Vielleicht hat Bingham den Fehler gemacht, das Spiel von O’Sullivan mitgehen zu wollen. Vielleicht muss man es wirklich wie Peter Ebdon machen und dem Spiel komplett das Tempo nehmen, es ein wenig verschleppen. Aber dazu muss man der Typ sein und darf sich selber nicht aus dem Rhythmus bringen.

Von den verbleibenden Spielern fällt mir so niemand ein, der eine realistische Chance hat – sollte O’Sullivan auf dem Level bleiben. Judd Trump und Shaun Murphy zeigen momentan Licht und Schatten. Ihr Match ist spannend ohne Ende, beide gönnten sich allerdings eine komplette Session-Auszeit und logischerweise steht es dort 8:8.

Ding Junhui und Barry Hawkins ….. Hawkins ist ein beinharter Spieler. Vielleicht wäre er der passende Gegner, um O’Sullivan zu stoppen. Gegen Ding Junhui führt er mit 9:7 und ist vielleicht so ein Typ, der sich nicht beeindrucken lässt und sein Spiel gnadenlos durchziehen würde. Bei Ding habe ich da so meine Zweifel, auch wenn er natürlich das Zeug hat, um zu gewinnen.

Ricky Walden spielt zwar eine sehr gute WM, doch halte ich es für unwahrscheinlich, dass er O’Sullivan gefährden könnte – von Debütant Michael White ganz zu schweigen. Spannend wird es, sollte O’Sullivan eine schlechte Session erwischen. Auf seine Reaktion wäre ich sehr gespannt. Fraglich nur, ob es überhaupt so kommt und ob der Gegner dann in der Lage ist, davon zu profitieren.

So sind es bisher die Festspiele des Ronnie O`Sullivan und die Leistungen der anderen Spieler wie Michael White, Ricky Walden usw. geraten ein wenig ins Hintertreffen. Davon kann auch ich mich nicht ausschließen, aber nach der Session gestern bin ich heute immer noch begeistert und freue mich sehr, dass ich die Zeit hatte, um mir diese Sternstunde anzusehen.

Snooker-WM in Sheffield: Tag 8

28 Apr

Während ich gestern fieberhaft überlegt habe, zu welchem Thema es sich denn lohnen würde, ein paar Worte zu Papier zu bringen, ist das heute nicht so wirklich eine schwierige Aufgabe. Denn Mark Selby wird nicht der vierte Spieler in der Geschichte des Snooker sein, der sich die Triple Crown holt. Masters und UK Championship hatte er gewonnen, die WM ist für ihn nun vorbei.

Steve Davis, Stephen Hendry und Mark Williams hatten das Kunststück geschafft, alle drei Turniere in einer Saison zu gewinnen. Und ganz ehrlich, Selby hatte beste Chancen, in diesen Kreis einzutreten. Aber dieser Barry Hawkins …. In meiner Vorschau hatte ich erwartet, dass er gegen Selby im Achtelfinale scheitern wird, aber ihn auch als harten Spieler bezeichnet.

Er steht nicht umsonst in den Top 16 und wusste in den letzten Monaten durchaus zu beeindrucken. Dazu hat er die Erfahrung und ließ sich gegen Mark Selby auch von einem Rückstand nicht erschrecken. Diese Erfahrung ist gerade bei der WM unglaublich wertvoll. Nun ist also der nächste Top Favorit schon ausgeschieden und man darf sich fragen, wo das noch hinführen soll.

Barry Hawkins schaltete Mark Selby aus (by World Snooker)

Barry Hawkins schaltete Mark Selby aus (by World Snooker)

Auch im letzten Jahr sind einige der Top Spieler bereits früh gescheitert. Das ist zwar richtig, doch darf man nicht vergessen, dass jener Selby beispielsweise unter den Folgen einer Nackenverletzung angetreten war. Stuart Bingham unterlag immerhin Stephen Hendry und Martin Gould war auch gesetzt, aber kein Spieler, der zwingend die zweite Runde erreichen musste.

In diesem Jahr ist es eine andere Geschichte – zumindest meiner Meinung nach. Man kann sicherlich damit argumentieren, Williams und Higgins haben keine gute Saison gespielt. Das ist richtig, aber die Breite der Überraschungen ist schon außergewöhnlich. Dabei war das Aus von Maguire schon eine Überraschung und das Scheitern von Robertson eine Sensation.

Aber warten wir ab, wie sich die Achtelfinals entwickeln. Mit dem Spiel von Judd Trump gegen Shaun Murphy haben wir ja schon einen absoluten Knaller, auf den ich mich jetzt schon freue. Dabei ist die obere Hälfte des Draws meiner Meinung nach die, aus der der Weltmeister hervorkommen wird. Bleibt die Frage, wer sich noch durchsetzen wird.

Sollte Ronnie O’Sullivan gegen Ali Carter gewinnen, trifft er auch Stuart Bingham oder Mark Davis. Das sind vier starke Spieler, die den Halbfinalisten unter sich ausmachen. Und unten? Da stehen momentan Michael White, Ricky Walden, Robert Milkins, Barry Hawkins, Mark King und Ding Junhui noch in der Verlosung.

O’Sullivan gegen Trump und Ding Junhui gegen Michael White wären doch zwei klasse Halbfinals. Aber mal sehen, wer sich letztlich durchsetzt. Dazu ist mir übrigens noch aufgefallen, dass mittlerweile viel über die Kicks gesprochen wurde. Ich weiß nicht mehr genau, welcher Profi es war.

Aber im Vorfeld hatte ein Spieler erklärt, es würde ihm auf die Nerven gehen, wenn die Kommentatoren immer darüber sprechen würden. Also praktisch jeden Fehler mit einem möglichen Kick zu erklären. Denn Spieler würden einfach Fehler machen und nicht immer wäre es ein schlechter Ballkontakt. Seit dem höre ich oft, wie die Kommentatoren es explizit erwähnen, wenn es ein Kick war oder eben ein Fehler – achtet mal drauf.

Snooker-WM: Der Favoritencheck Teil III

14 Apr

Noch immer habe ich also noch nicht die Katze aus dem Sack gelassen und erklärt, wer denn nun die Snooker WM im Crucible Theatre zu Sheffield gewinnen wird. Andererseits sind nur noch acht Spieler übrig und darunter versteckt sich auch mein Favorit. Im dritten Teil sehe ich mir die Leistungen von Graeme Dott, Mark Williams, Stephen Maguire und Shaun Murphy an – vielleicht ist der Titelträger ja hier zu finden.

Graeme Dott

Interessanterweise hat Graeme Dott nur drei Ausreißer nach oben, schaut man sich die Historie bei der Snooker-WM an. Diese haben es jedoch in sich. Denn 2006 holte er sich den WM-Titel und stand 2004 sowie 2010 im Finale. Dort unterlag er, körperlich am Ende, dem Australier Neil Robertson. 2011 zog der Pocket Dynamo nochmals bis ins Viertelfinale ein.

Ansonsten war immer nach spätestens der zweiten Runde das Aus gekommen. Und auch seine aktuellen Leistungen in der Snooker-Saison 2012/13 sind eher überschaubar. Sein bestes Ergebnis fuhr Dott beim Masters ein, als er das Halbfinale erreichte. Dort unterlag er Mark Selby nur knapp mit 5:6. Ansonsten gibt es noch zwei Viertelfinal-Einzüge zu bestaunen.

Dabei schaue ich wirklich nur auf die Ranking Events und vernachlässige Sonderformate wie das Snooker-Shootout oder einzelne PTC-Events. Denn zumindest Geschichten wie das Shooutout geben mir keinen Aufschluss darüber, wie die aktuelle Form des Spielers ist. Aber wenn ich schon dabei bin, beim sechsten PTC Turnier in Europa erreichte Dott auch ein Finale.

Erneut war der Gegner Mark Selby, erneut setzte es eine knappe Niederlage. Ohnehin hat Dott eine äußerst negative Bilanz gegen den Jester from Leicester, verlor zehn von 14 Matches. Aber ein weiteres Duell wird es in dieser Saison nicht geben. Runde zwei ist drin, dann sehe ich Shaun Murphy als Favorit und erneut findet Dott sein Ende in Runde zwei der WM.

Shaun Murphy

Schließen wir doch gleich mit Shaun Murphy an, der es 2005 als Qualifikant fertiggebracht hat, Matthew Stevens im Finale der WM zu besiegen. Das werde ich ihm bis ans Ende meines Lebens übel nehmen. Aber ich bin auch ein Fan des Magician. Murphy ist ein unheimlich netter und lustiger Kerl und mit seiner Art und seinem Spiel nahezu in jeder Halle ein Publikumsliebling.

Für mich ist er immer ein Kandidat auf den Titel und seine bisherige Saison läuft zwar nicht überragend, aber kann sich durchaus sehen lassen. Einzig, es fehlt der Titel. Niederlagen kassiert Murphy meist nur gegen absolute Top-Spieler. So unterlag er im Finale der UK Championship einem starken Mark Selby und erreichte nebenbei noch vier weitere Halbfinals.

Mark Williams

Wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, wohnt Murphy auch nicht weit entfernt vom Crucible. Für ihn war es zumindest mal eine Art Wohnzimmer. Falls jemand da genauere Informationen hat, möge er sie mir bitte geben. Der Engländer ist einer der Spieler, denen ich den Titel zutraue. Auch wenn nach seinem verlorenen Finale 2009 seine WM-Leistungen rückläufig waren.

Im letzten Jahr verlor Murphy in Runde eins einem wie entfesselt aufspielenden Jamie Jones, hatte dabei auch ein wenig Pech. Ich bin gespannt, gegen wen er in diesem Jahr antreten muss. Wie es aber auch kommt, noch eine Erstrunden-Niederlage halte ich für ausgeschlossen und in Runde zwei trifft er wie erwähnt auf Dott. Das Viertelfinale ist machbar und mein Tipp.

Mark Williams

Mark Williams ist einer dieser Spieler, die man immer auf dem Zettel haben muss. Schon einmal wurde er abgeschrieben, riss sich dann zusammen und stand nach der WM 2011 wieder auf Platz eins der Weltrangliste. Um es vorweg zu nehmen, eine ähnliche Aufholjagd halte ich für ausgeschlossen. Momentan liegt Williams auf Platz zehn.

Und seine Saison ist wirklich keine Augenweide. Er gehört zu den Spielern, die wirklich enttäuschende Leistungen abgeliefert haben. Mal ein Viertelfinale und das Halbfinale beim Shanghai Masters stehen auf dem Zettel. Ansonsten kassierte der Waliser teilweise böse und klare Niederlagen, die ihn nicht unbedingt zu einem Favoriten bei der WM machen.

Eine solche Einschätzung wäre schwer zu erklären. Was gibt es Positives zu berichten? Williams ist ein Kämpfer und wie gemacht für lange Distanzen. Er kann Gegner mit seinem Minimalsnooker zermürben und ist der Meister der kleinen Breaks. Einzig Mark Selby dürfte ein härteres Matchplay haben und für eine WM sind das zumindest keine schlechten Voraussetzungen.

Stephen Maguire präsentiert die Trophäe

Stephen Maguire präsentiert die Trophäe

Im unteren Teil des Draws angesiedelt würde mich zu diesem Zeitpunkt sehr interessieren, gegen wen er in Runde eins antreten muss. Ich habe kein gutes Gefühl bei Williams und es würde mich nicht überraschen, wenn er eine Niederlage zum Auftakt hinnehmen muss. Ansonsten ist Schluss in Runde zwei, denn dort erwarte ich Stephen Maguire als Gegner.

Stephen Maguire

Schließen wir doch mit dem Schotten ab, der selbst im hohen Alter immer noch dazulernen kann. Das Gefühl habe ich bei ihm zumindest. Denn auch er ist nicht mehr das nervliche Wrack, wenn es in die entscheidende Phase eines Matches geht und dort auch noch Safe-Duelle anstehen. Emotional ist der Merlin of Milton, aber mittlerweile sehr gefestigt.

So gewann er auch die Welsh Open. Mit 5:7 lag Maguire gegen Stuart Bingham bereits im Hintertreffen, führte dann plötzlich mit 8:7 und musste doch in den Decider, den er mit einem 82er Break gewann. Erwähnenswert sind noch die China Open, dort unterlag er Neil Robertson erst im Halbfinale mit 5:6.

Den Rest der Saison müssen wir nicht groß bewerten, denn mehr als Niederlagen innerhalb der ersten beiden Runden finden sich dort nicht. Trotzdem ist der Schotte nicht zu unterschätzen, wobei ihm die ganz langen Distanzen nicht immer entgegen kommen. An einem guten Tag spielt er Snooker vom anderen Stern, an einem schlechten Tag ……

Zwei Halbfinal-Teilnahmen erreichte Maguire in seiner WM-Historie. Im vergangenen Jahr scheitere er in der Runde der letzten Vier an Ali Carter, schlug zuvor Stephen Hendry vernichtend mit 13:2. Das zeigt auch, wie gefährlich er sein kann. Ob Maguire jemals die WM gewinnen wird? Ich denke eher nicht, denn es fehlt im die Konstanz eines John Higgins oder das B-Spiel eines Ronnie O’Sullivan. In diesem Jahr reicht es für das Viertelfinale.

Mark Selby – der Weg zur Legende

21 Jan

Mark Selby hat das Masters gewonnen. Im Finale setzte er sich doch klar mit 10:6 gegen Neil Robertson durch und holte sich nach 2008 und 2010 den dritten Titel beim wichtigsten Einladungsturnier im Snooker-Zirkus. Judd Trump wird neidisch zugesehen haben, als Selby den Scheck über 175.000 Pfund entgegennahm.

Eine Woche zuvor hatte sich Trump noch öffentlich beklagt, die Snooker-Spieler würden nicht ausreichend Geld verdienen. Aber dazu hatte ich ja schon einen Eintrag geschrieben. Selby hat nun die große Chance, nach der UK Championship und dem Masters auch die Snooker-WM zu gewinnen – das sogenannte Triple Crown.

Erst drei Spielern gelang dieses Kunststück. Stephen Hendry hat es natürlich doppelt geschafft. Zudem reihten sich auch Steve Davis und Mark Williams in den Kreis der Erlauchten ein. Die Welsh Potting Machine hat es auch als letzter Spieler in der Saison 2002/03 geschafft, den Titel beim Masters zu verteidigen.

Mark Selby

Mark Selby

Selby ist die Nummer eins der Welt, aber es war fraglich, wie er nach der Nackenverletzung zurückkommen würde, die ihm bei der letzten WM eine Niederlage in Runde eins beschert hatte. „Ich hatte keine Zweifel, aber das Selbstvertrauen war natürlich weg. Der Sieg hat mir natürlich einen Schub gegeben“, meinte Selby, nachdem er die UK Championship gewonnen hatte.

Und was er beim Masters gezeigt hat, war eine Demonstration. Dabei geht es nicht um die spielerische Klasse oder ein besonders gutes Breakbuilding – Selby spielte im ganzen Turnier nur ein Century. Er ist der am härtesten zu spielende Gegner, den man erwischen kann. Seine Nervenstärke war ohnehin bekannt. Aber das 6:5 gegen Stuart Bingham war großartig.

Mit 1:5 hatte er schon hinten gelegen und gegen Gegen Graeme Dott drehte Mark Selby einen 1:4-Rückstand. Der Jester from Leicester steht für mich als verdienter Sieger fest. Es war beeindruckend – nicht mehr, aber auch nicht weniger. In dieser Form wird er schwer zu schlagen sein, auch wenn Gegner Neil Robertson nicht seinen besten Tag erwischt hatte.

Bis dato war es der Australier, der mit seinem Spiel für die Highlights beim Masters gesorgt hatte. Interessant, Robertson gewann seine ersten sieben Finalspiele auf der Tour. Nun war es die dritte Niederlage in Folge. Dennoch, eine Quote von 70 Prozent ist beachtlich – alleine, es wird ihm nach der Niederlage wenig geholfen haben.

Man muss allerdings auch erwähnen, dass Selby im Glück war, als Robertson den Anschluss zum 6:8 geschafft hatte, dann aber von einem Fluke Selbys gestoppt wurde. Ob das Match gekippt wäre, ist jedoch schwer zu prognostizieren. „Wenn ich so gespielt hätte, wie bei den drei Matches zuvor, dann hätte ich womöglich gewonnen“, meinte Robertson.

„In den ersten Frames habe ich versucht, Mark nicht beim Spielen zu beobachten. Denn er kann einen sehr lange vom Tisch fernhalten und ich wollte meinen eigenen Rhythmus nicht gefährden. Aber es war ein Fehler, denn meine Körpersprache war nicht gut und als ich dann an den Tisch kam, war ich schlecht vorbereitet.“

Dennoch, es war ein gutes Finale und beide Spieler haben die Woche über für hohe Unterhaltungswerte bei mir gesorgt. Ich freue mich jetzt schon auf das German Masters in Berlin, bei dem ich ab dem 31. Januar vor Ort sein werde. Vielleicht sieht man sich ja in der Halle.

Judd Trump: Die neue Nummer eins der Welt

2 Nov

Judd Trump und Stephen Hendry zu vergleichen, wäre vielleicht ein wenig verfrüht. Dennoch gibt es gewisse Parallelen zwischen beiden Snooker-Spielern. Denn bei den International Championships hat Trump durch ein deutliches 9:1 gegen Peter Ebdon das Finale erreicht, wird deswegen am Montag die neue Nummer eins der Welt werden.

Trump ist 23 Jahre alt und damit der zweitjüngste Spieler, dem dieses Kunststück gelungen ist. Schwer zu erraten, wer die Liste anführt. Es ist natürlich der mittlerweile zurückgetretene Hendry, der es im Alter von 21 geschafft hatte, den Sprung auf Platz eins zu realisieren.

Es war der Beginn einer Dominanz, die es so wahrscheinlich im Snooker nicht mehr geben wird. Vielleicht auch deswegen ist die Leistung von Trump als enorm hoch einzuschätzen. Die Liste der Turniere ist länger geworden, die Breite der Spieler in die Höhe geschnellt. Durch die enorme Breite ist die Leistungsdichte natürlich höher.

In den 80ern galt Steve Davis eigentlich immer als (Mit-) Favorit, in den 90ern war es nahezu ein Wunder, wenn nicht Hendry den Pokal in die Höhe stemmte. Doch spätestens Ende der 90er wurde das Feld geöffnet. Mit Spielern wie Ronnie O’Sullivan, Mark Williams und John Higgins verbreitetere sich dieser Kreis.

Nun gibt es Snooker-Profis ohne Ende, bei denen ein Turniersieg im Bereich des Möglichen liegt. Auf der PTC-Tour gibt es ohnehin kaum einen Spieler, der zwei Turniere pro Saison gewinnt. Und wie in China gesehen, rücken viele Spieler aus Asien nach, die schon im Alter von 14 Jahren zu beeindrucken wissen.

Für Judd Trump wird es nun aber kein Selbstläufer werden. Das hochdotierte Turnier in China wird, egal wie es kommt, ein Traumfinale erleben. Denn im zweiten Halbfinale stehen sich Shaun Murphy und Neil Robertson gegenüber. Es ist sozusagen die Generalprobe für die UK Championship – dort ist Trump Titelverteidiger.

Reaktionen zum Rücktritt von Stephen Hendry

2 Mai

Mit Stephen Hendry hat eine Legende das Queue in den Schrank gestellt. Der siebenmalige Weltmeister hatte schon im Vorfeld der WM eine Entscheidung gefällt, wollte seinem Wohnzimmer noch einen letzten Besuch abstatten, bevor es in den Ruhestand geht. Das Crucible Theatre war dann ein letztes Mal Bühne für Hendry, die er zu nutzen wusste.

Bis ins Viertelfinale trug ihn sein Wohnzimmer und spendierte als kleinen Bonus für seine Leistungen der letzten 20 Jahre noch einmal ein Maximum Break. Die 2:13-Niederlage war sicherlich ein kleiner Dämpfer, auf der anderen Seite aber auch die Bestätigung, den richtigen Schritt gemacht zu haben.

Die Snooker-Welt zeigte sich natürlich erschüttert über diese Nachricht. Hendry hat den Sport revolutioniert, den langen Einsteiger so richtig salonfähig gemacht und den Split über Blau praktisch erfunden. Im Anschluss habe ich einige Reaktionen zusammengefasst, die über diverse Medien verbreitet wurden.

Stephen Hendry

„Er war und ist ein unglaublicher Spieler“, erklärte Jimmy White. „Er muss nichts mehr beweisen. Ich hoffe er genießt seinen Ruhestand. Snooker stand immer an erster Stelle und Hendry war so ein Vorzeigeprofi. Er war ein Glücksfall für Snooker und ich hoffe, ihn in Zukunft auf der Legends-Tour zu sehen.“

Sein gestriger Gegner Stephen Maguire zeigte sich geschockt: „Ich war natürlich geschockt, als ich es gehört habe. Er ist sicher der beste Spieler, der jemals ein Queue in die Hand genommen hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemals einen größeren Sportler aus Schottland geben wird. Der Mann ist eine Legende.“

Aus meiner Sicht hat der beste Spieler aller Zeiten seinen Rücktritt erklärt“, so Dennis Taylor. „Einige sagen, dass Steve der beste Spieler sei, andere nennen Ronnie. Ich habe gegen sie alle auf dem Höhepunkt der Karrieren gespielt. Stephen übertrifft sie alle. Er hat sein erstes Major im Jahr 1987 gegen mich gewonnen und diese Erinnerung werde ich in Ehren halten.“

„Ein schlimmer Tag für Snooker“, meinte Stuart Bingham. „Der beste Spieler aller Zeiten tritt zurück. Es war mir eine große Ehre, mit ihm an einem Tisch zu stehen.“ Eine besondere Erinnerung hat Schiedsrichter Paul Collier vorzuweisen: „Ich habe sein letztes Spiel geleitet und jedes Match mit ihm war eine Freunde. Danke für all die Erinnerungen.“

„Ich kann es nicht glauben“, twitterte Mark King am Abend. „Die Tour wird ohne ihn nicht mehr die selbe sein. 1997 hat er mich in Wales 9:2 geschlagen. Das war eine Snooker-Lektion aller erster Güte und er hat mir derart den Hintern versohlt, dass er hinterher knallrot war.“ Alfie Burden sagte: „Ich werde niemals vergessen, wie er – da war ich 16 – eine 148 gegen mich gespielt hat.“

Stephen Hendry erklärt seinen Rücktritt

1 Mai

Es hätte die WM des Stephen Hendry werden können. Erst setzte sich der siebenmalige Weltmeister gegen Stuart Bingham durch, um dann im Spiel gegen John Higgins ein Maximum zu spielen – in seinem privaten Wohnzimmer. Ich hab jetzt nicht direkt Haus und Hof auf den achten Titel gesetzt, aber so ganz dezent habe ich mit dem Gedanken gespielt.

Also nicht zu wetten, aber einfach mit der Möglichkeit, dass Hendry eine reelle Chance im Viertelfinale gegen Stephen Maguire hat. Aber Pustekuchen, denn Schmal-Hans war heute Küchenchef im Ring und Stephen Hendry erlebte einen derart bösen Abend, dass selbst ein klingelndes Handy keinen noch größeren Schaden hatte anrichten können.

Nun ist nicht nur hier in Sheffield Feierabend für die Legendes des Snooker, denn Hendry hat nach dem Match seinen Rücktritt bekannt gegeben. Schon vor zwei oder drei Monaten habe er den Gedanken gefasst und sei mit sich im Reinen. Ich diese Entscheidung durchaus zweigeteilt, denn der Zenit des Golden Boy war einfach überschritten.

Stephen Hendry

Er ist immer noch ein guter Spieler, keine Frage. Aber er hat es gesagt, die Überzeugung, Turniere gewinnen zu können, sei dahin und von daher ist es ein logischer Schritt. Es ist sicher die richtige Entscheidung, aber damit verlässt der erfolgreichste Spieler aller Zeiten die große Bühne. Stephen Maguire hat also die zweifelhafte Ehre, ihn in den Ruhestand befördert zu haben.

An anderer Stelle werde ich mich sicherlich der Karriere von Stephen Hendry widmen, dies würde hier aber den Rahmen sprengen. Das Crucible ist in jedem Falle geschockt, wie Jan Verhaas via Twitter mitteilte. In kürzester Zeit sammelte sich der Datenstau an und viele Profis schrieben, dass sie diesen Schritt bedauern. Man kam sich vor wie bei einem Kondolenzbuch.

In jedem Fall ist eine Ära zuende gegangen. „Ich habe diese Entscheidung nur ganz wenigen Leuten mitgeteilt. Aber jetzt möchte ich bekannt geben, dass ich zurücktrete. Es war im Endeffekt eine sehr leichte Entscheidung, denn ich spiele nicht mehr das Snooker, das ich spielen will. Zudem macht mir das Training keinen Spaß mehr“, erklärte Hendry.

„Ich möchte andere Dinge machen und habe viele Verpflichtungen in China. Die kann ich nicht wahrnehmen und zudem aktiv spielen. Denn sonst bin ich ja nur noch unterwegs. Es ist die richtige Zeit für diese Entscheidung. Einzig, wenn ich den Titel gewonnen hätte, wäre es besser gewesen. Aber ein Maximum bei meinem letzten Auftritt zu spielen, hat mir viel bedeutet.“

Wenn von Rücktritt die Rede ist, habe ich doch eine perfekte Überleitung zu Ronnie O’Sullivan, der auch öfter mit diesem Gedanken spielt. Aber nicht hier und nicht in diesem Jahr, denn The Rocket spielt momentan richtig gut.

Auch wenn er gegen Neil Robertson 3:5 zurückliegt, sein Spiel kann sich sehen lassen. Ein paar kleine Fehler, ein wenig Pech und ein besser werdender Neil Robertson waren die Faktoren. Das Match ist sicher eines Finals würdig bisher und beide Spieler hatten ihren Anteil. Aber es war erst die erste Session und ich kann Euch nur empfehlen, das Match morgen zu verfolgen.

5:3 führt auch Ali Carter, der es mit der Turnierüberraschung Jamie Jones messen muss. Ich muss zugeben, die meiste Zeit habe ich schon auf den anderen Tisch geschaut. Carter macht weiterhin einen sehr stabilen Eindruck, Jones schien ein wenig Probleme zu haben, ins Spiel zu finden. Es wäre spannend, den Jungen zu sehen, wenn nur noch ein Tisch im Crucible steht.

Dorthin will es Matthew Stevens auch schaffen und es sieht gut aus für den Waliser. Die Tage hatte ich noch Ryan Day gelobt und erzählt, dass ich ihn lange nicht mehr so gut habe spielen sehen. In der zweiten Session war davon nichts mehr zu sehen. Fehler um Fehler schlichen sich ein und so schaffte es Day nicht, überhaupt nur einen Frame zu gewinnen. Beim 11:5 sind die Chancen von Stevens sehr gut, das Halbfinale zu erreichen.