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Sonne? Ne, Snooker!

21 Apr

17 Tage läuft sie, die Snooker-WM im Crucible Theatre zu Sheffield. 17 Tage lang schraube ich meine Stromrechnung in die Höhe, da ich zeitgleich – wenn es der Job denn erlaubt – vor dem TV und dem Laptop sitze. Denn es wird an zwei Tischen gleichzeitig gespielt und verpassen möchte man keine Sekunde, da die WM ist das Highlight der Saison ist.

Es ist die Atmosphäre im Crucible, es sind die langen Distanzen und die Besonderheit, der man sich einfach nicht entziehen kann. Selbst im heimischen Wohnzimmer ist diese ganz besondere Stimmung spürbar. Snooker also … Eine besondere Sportart, die auf Partys und Veranstaltungen nicht unbedingt ein „Whooaaa“ hervorlockt, sollte man sich drüber unterhalten.

Es ist eine der Sportarten, die meiner Meinung nach komplett unterschätzt wird. Ein Spiel dauert hier nicht 90 Minuten, sondern in Runde eins der Snooker-WM gerne auch sechs Stunden. Die Fanszene ist größer als man denkt, aber vielen Leuten bleibt die Faszination verborgen, da das Spektakel oft nicht in den ersten Minuten zu erahnen ist.

Man mag über Rolf Kalb denken, was man will. Fachlich und analytisch stößt der Pionier des deutschen Snooker oft an seine Grenzen, aber er leistet unglaubliche Arbeit. Wird während der WM auf Eurosport gezappt und hat man die Muße, als Neuling nur einige Minuten das Geschehen zu verfolgen, ist es nicht unwahrscheinlich, länger zu verweilen.

Gestern Abend wollte ich noch auf ein Bier vor die Tür, als Shaun Murphy gegen Jamie Cope und Ryan Day gegen Stephen Maguire lief. Und an diesem Abend wurde das ganze Ausmaß an Spannung, Dramatik und Faszination deutlich. Beide Matches gingen in den Decider, es wurde über die volle Distanz gespielt.

Die Spieler stoßen hier auch an ihre Grenzen, zeigen Nerven und oft ist zu sehen, dass die Fehlerquote sich häuft. Kaum sieht es so aus, als ob Murphy den Tisch abräumt, läuft der Spielball in die Tasche. Cope hingegen verstellt sich Sekunden später und wenn es gut läuft, gibt es noch eine Safety-Battle.

Bis 0:15 Uhr saß ich vor dem TV, drückte Murphy die Daumen und dachte über das Thema des nächsten Blogs nach. Dabei ertappt man sich, wie man einfach mit dem Spiel mitgeht. Die Hände vors Gesicht schlagend, mit der Faust auf den Tisch hauend und den Blick abwendend, wenn es einen kritischen Moment zu überstehen gilt, war die Thematik schnell gefunden – es ist ein ruhiger sport, aber nicht minder emotional.

Mit Worten mag es nicht passend zu beschreiben sein, aber sollte sich eine verirrte Seele auf diesen Blog verirren, ich mag ihr nur ans Herz legen, sich eine Session anzuschauen. Die Regeln werden auf Eurosport Deutschland permanent erklärt und mit einem gesunden Basiswissen ausgestattet gebe ich eine Garantie dafür, dass es keine verschenkte Zeit sein wird.

Gestern hatten Murphy und Ryan Day das bessere Ende auf ihrer Seite und mit dem Merlin of Milton ist somit der nächste gesetzte Spieler gescheitert. Ich für meinen Teil lasse die Sonne in den kommenden Tagen mal Sonne sein und freue mich einfach auf packende und spannende Matches im Crucible Theatre. Es lohnt sich!

Tag 12 der WM: Die Halbfinals sind komplett

2 Mai

Wer hat im Vorfeld nicht alle Spiele durchgetippt, um zu sehen, wer der neue Weltmeister wird? Ich habe es auf jeden Fall gemacht und bin ganz ehrlich, Matthew Stevens habe ich nicht auf dem Zettel gehabt. Ein Sieg gegen Marco Fu war eingeplant, danach wäre das Aus gegen Mark Selby gekommen.

Selby hatte allerdings Nackenprobleme, unterlag gegen Barry Hawkins. Ohne respektlos zu erscheinen, Hawkins ist ein machbarer Gegner und Stevens, der immerhin momentan die Nummer zehn der Welt ist, konnte auch dieses Spiel gewinnen. Ein dankbarer Baum brachte dann Ryan Day als nächste Hürde.Matthew Stevens

Day hat überraschend Ding Junhui besiegt und schöne Vorarbeit für den Walisischen Drachen geleistet. In der ersten Session dachte ich noch, dass Day sich durchsetzen würde. Der zweite Waliser in diesem Duell hatte zuvor sehr stark gespielt und dominierte eben jene erste Session. Danach traf er nicht mal mehr den viel zitierten Scheunenwagen.

Beim Stand vom 5:3 kam der große Bruch im Spiel von Day. Stevens hat nicht überragend gespielt, keine brandgefährlichen Safetys auf den Tisch gezaubert. Stevens hat es nur geschafft, regelmäßig Breaks von 40 – 50 Punkten einzufahren. So gewann er elf Frames in Folge – eine durchaus beeindruckende Leistung.

„Ich habe keine Ahnung, was da passiert ist“, erklärte Stevens. „Aber beim Snooker geht es nicht nur ums Potten und um hohe Breaks. Manchmal läuft es einfach nicht, aber man muss sich durchkämpfen.“ Für den Welsh Dragon ist es das sechste WM-Halbfinale, das erste seit 2005. „Ich bin derbe aufgeregt“, erklärte Stevens. „Es ist doch schon eine Zeit her.“

Damit stehen die Halbfinalisten auch fest: Matthew Stevens trifft auf Ronnie O’Sullivan und Stephen Maguire auf Ali Carter. Maguire hatte sich ja gestern schon das Ticket gesichert, heute folgten Carter und O’Sullivan. The Rocket bezwang Neil Robertson mit 13:10 und legte den Grundstein in der zweiten Session, als er einen 3:5-Rückstand in eine 9:7-Führung verwandelte.

Dabei zeigte O’Sullivan Snooker zum mit der Zunge schnalzen. Erst am Abend hatte sich der Australier wieder gefangen, doch da war es zu spät.  Carter setzte sich mit 13:11 gegen den Debütanten Jamie Jones durch, der aber eine gute Leistung zeigte und den Vorstoß ins Viertelfinale rechtfertigte sowie untermauerte, dass mit ihm auch in der Zukunft zu rechnen ist. Wenn man mich fragt, ist es eine tolle Besetzung im Halbfinale.

Derweil hat Barry Hearn ein Interview gegeben und das Wuxi Classic in den Status eines Ranglistenturniers gehoben. Das Turnier in der Heimatstadt von Ding Junhui gibt es seit 2008 und nun wird dort um 400.000 Pfund gekämpft – im ersten von fünf festgelegten Jahren. Das Wuxi Classic findet statt vom 25. Juni bis zum 1. Juli und bildet damit den Saisonauftakt.

„Wir freuen uns, das Wuxi Classic in die Familie der Ranglistenturniere in China aufnehmen zu dürfen“, so Barry Hearn. „Es ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie ein Einladungsturnier auch eine Tür öffnen kann, um ein Ranking Event zu werden. (…) Der Markt in China wächst schnell und wir gehen dahin, wo die Leute Snooker sehen wollen.“

Zudem wird es drei PTC-Events in China geben, die Wertung der eigenständigen kleinen Turnierserie fließt in die Asian Order of Merit. Jeder Spieler kann dort starten und versuchen, das Preisgeld in Höhe von 50.000 Pfund zu gewinnen. Die ersten Vier der Rangliste sind – wie auch die Sieger des jeweiligen Turniers – für das große PTC-Finale, bekommen aber zudem eine Tourkarte für die folgende Saison.

Tag 8-11 der WM: Ich bin wieder da

1 Mai

Nun habe ich also die Achtelfinal-Spiele verpasst und wenn ich mir die Ergebnisse und Bilder ansehe, waren es hochklassige und dramatische Matches. Da ist man mal zwei Tage auf der Mai—Tour und schon sorgt sich das Snooker-Forum um meine Gesundheit. Aber alles gut, einzig ein paar Nachwehen sind noch zu spüren. Danke für die besorgten Nachfragen.

Leider überschneiden sich in jedem Jahr die Snooker-WM und die traditionelle Mai-Tour mit den besten Freunden, aber zwei Tage sind zu verschmerzen – auch wenn ich natürlich gerne vor Ort gewesen wäre. Der Sieg von Ronnie O’Sullivan hat mich nicht sonderlich überrascht, hat Mark Williams doch nicht die beste Bilanz gegen den Waliser in den letzten Jahren.

Den letzten richtig wichtigen Sieg hat Williams, wenn ich richtig informiert bin, im Jahr 2000 gefeiert, als er O’Sullivan im Halbfinale der UK Championship besiegte. Aber trotzdem hat der Engländer eine beeindruckende Leistung abgeliefert und so langsam glaube ich wirklich daran, dass er seinen vierten WM-Titel holen kann.

Wirklich überrascht bin ich von der Leistung Ali Carters. Der Captain hat Judd Trump besiegt und ich kann es mir kaum erklären, wie der Captain sich in solch einer Form gebracht hat. Über Morbus Crohn haben wir bereits gesprochen und da vielleicht der Hinweis an die Leite, die sich über die Diät oder den Ernährungsplan informieren wollen, einfach den Kontakt zu Carter direkt zu suchen.

Ich bin kein Mediziner und kenne natürlich auch die Pläne von Carter nicht. Ich werde aber versuchen, da ein paar Informationen zu bekommen. Momentan scheint Carter schmerzfrei zu spielen und vielleicht ist er gerade einfach froh, wieder am Tisch stehen zu dürfen. Er hatte es im Vorfeld ja auch gesagt, dass er keinen Druck spüre und sich völlig aus der Verantwortung genommen. Da dürfen wir sehr gespannt sein, wie es weitergeht.

Heute morgen haben Stephen Maguire und Stephen Hendry begonnen, einen der Halbfinalisten auszuspielen und Hendry, der ebenfalls überraschend so weit gekommen ist, hat seine komplette Sicherheit verloren, ist zurück in alte Muster gefallen.Maguire liegt mit 7:1 in Front und bleibt weiterhin ein heißer Kandidat auf den Titel.

War es eine Frage der Zeit, bis die gute Serie von Hendry reißen würde? Der siebenmalige Weltmeister ist ein wenig in die Jahre gekommen und nicht mehr auf dem hohen Level wie früher – damit erzähle ich nichts Neues. Er hat sein Training allerdings umgestellt und scheint bisher davon zu profitieren. Ich denke, wenn er es schafft, die erste Session noch ansatzweise zu retten, hat er noch Chancen.

Aber Hendry hat selber erzählt, dass er früher in die Halle ging und wusste, dass er gewinnen wird. Dieses Gefühl ist weg und wenn man ehrlich ist, ist das Viertelfinale schon ein großer Erfolg für Hendry. Das gilt auch für Ryan Day sowie Matt Stevens. Mehr aber für Day, bei dem ich mich nicht mehr an ein gutes Match in den letzten Jahren erinnern kann.

Ali Carter

Gegen Ding hat er schon überzeugt und in der ersten Session gegen Stevens spielte Day gleich mal zwei Centurys in Folge. Stevens ist auch ob seiner Erfahrung der Favorit, allerdings ist es ein offenes Match beim Stand von 3:5 aus der Sicht des Walisischen Drachen nach der ersten Session. Wenn man sich überlegt, wer schon alles die Heimreise angetreten hat, ein wirklich großer Erfolg für die Waliser, die auch noch von Jamie Jones verstärkt werden.

In jedem Jahr gibt es einen Spieler, der auf sich aufmerksam macht – so auch Jones in diesem Jahr. Es macht Spaß, hie und da andere Gesichter zu sehen, die den Favoriten das Leben schwer machen und ein wenig mehr Farbe ins Spiel bringen. Dennoch glaube ich, dass Ali Carter sich durchsetzt. Zudem tippe ich auf O’Sullivan, Maguire und Stevens.

Tag 7 der WM: Das Duell der Giganten

27 Apr

Für die Chinesen sieht es bei der Snooker-WM in Sheffield nicht sonderlich gut aus. Top-Favorit Ding Junhui ist ebenso ausgeschieden, wie auch Liu Chuang und Liang Wenbo. Einzig Cao Yupeng ist noch im Rennen, liegt allerdings nach der ersten Session mit 2:6 im Hintertreffen. Für Ryan Day momentan fast ein Freilos, obwohl der Waliser sich ebenfalls nicht in bester Form präsentierte.

Ganz ehrlich, alleine der Sprung ins Achtelfinale war für Day schon eine Sensation. Dass er dann auch noch auf den Chinesen anstelle von Mark Allen trifft, ist eine weitere glückliche Fügung. Day profitierte von einigen haarsträubenden Fehlern seines Gegners und sollte er das Viertelfinale erreichen, warten entweder Barry Hawkins oder Matt Stevens – auch das geht schwerer.

Aber zurück zu den Chinesen. Gerade wurde bestätigt, dass es in der nächsten Saison ein weiteres Ranglistenturnier geben wird. Vom 28. Oktober bis zum 4. November treffen sich die Stars in einer Stadt, die noch zu bestimmen ist. Bekannt wurde das Preisgeld und das hat es in sich. Der Sieger bekommt 125.000 Pfund und damit ist es nach der WM und dem Masters das bestdotierte Turnier der Main Tour.

Stephen Hendry

Eine dankbare Aufgabe hat auch Stephen Maguire vor der Brust. Joe Perry hatte sich schon in Runde eins gegen Graeme Dott nicht mit Ruhm bekleckert. Ganz ehrlich, der Gentlemen ist bei der WM dabei und sicherlich kein schlechter Spieler, aber gegen Maguire einfach chancenlos. Der Merlin of Milton befindet sich in richtig guter Form und das bewies er auch.

Mittlerweile führt Maguire mit 11:5 und zeigte eine solide bis gute Leistung. Perry kann das Tempo auf Dauer nicht mitgehen und verlor fünf der ersten sechs Frames. Aber ich denke, nur die gewagtesten Experten haben dem Gentlemen eine wirkliche Chance hier eingeräumt – auf der anderen Seite sind schon viele Favoriten an der vermeintlich leichten Hürde gescheitert.

Wirklich vom Hocker gehauen hat mich das Match zwischen John Higgins und Stephen Hendry – wobei ich eingrenzen muss, das nur die erste Sesison Snooker vom Feinsten bot. Elf WM-Titel stehen sich da gegenüber, im Crucible ist es dabei erst ihr erstes Duell. Es ging zwar schleppend los und man mache sich schon Sorgen, dass die Menge an Superlativen, die im Vorfeld herausgegeben wurden, das Spiel lähmen könnte.

Doch spätestens ab Frame drei hauten sich beide Akteure die Centurys um die Ohren. Ich musste zwar arbeiten und eine Vorschau zu dem Manchester-Derby am Montag schreiben. Aber ganz ehrlich, bei so einem Match schaut man doch zumindest mit anderthalb Augen zu – als Brillenträger würde ich sogar dreieinhalb in die Waagschale werfen.

Gerade Hendry beeindruckt mich. Vor etwa einem Jahr habe ich ihn am Telefon gehabt und es wurde ausführlich über den Absturz in der Rangliste und die Tücken des Alters gesprochen. Tja und auf einmal spielt er so, wie zu seiner Blütezeit. Gut, Higgins ist nicht in Bestform, aber kann Hendry diese Form (der ertsen Session) konservieren, der WM-Titel ist in Reichweite.

John Higgins

Hendry führt zu diesem Zeitpunkt mit 12:4 und ähnlich wie in Session eins, brauchte es einen kleinen Anlauf, um in Schwung zu kommen. Im Gegensatz zur ersten Session hat John Higgins allerdings mächtig abgebaut und bekam kein Bein auf den Boden – die zweite Session hat er mit 1:7 verloren. Im Vorfeld hatte er davon gesprochen, nicht richtig im Training zu sein und spätestens jetzt scheint es sich bemerkbar zu machen. Es wäre ein Wunder, würde Hendry sich den Vorsprung noch nehmen lassen.

Es ist ein wenig schade, dass das Niveau doch so abgefallen ist. Hendry spielt auch nur noch im Rahmen, gegen jeden anderen Spieler würde er wahrscheinlich zurückliegen – einem anderen Spieler in ordentlicher Form. Ich frage mich nur, was mit dem Wizard of Wishaw los ist. Er trifft überhaupt nichts und leichteste Bälle fallen nicht – so schlecht habe ich ihn vielleicht noch nie gesehen. Wie dem auch sei, Hendry braucht nur noch einen Frame, um das Viertelfinale zu erreichen.

Auf Tisch zwei hatte David Gilbert zwar den Anschluss an Neil Robertson geschafft, musste sich einem stark aufspielenden Weltmeister von 2010 aber mit 9:13 geschlagen geben. Robertson hatte zwischenzeitlich 77 Prozent Locherfolg bei langen Bällen vorzuweisen und da ist man als Gegner auch irgendwo machtlos. Allerdings hatte Robertson ein wenig an Fahrt verloren im Verlauf des Matches, denn zunächst sah es nach einer Klatsche für Gilbert aus, der sich ausgezeichnet präsentiert hat.

Im Viertelfinale kommt es nun zu einem richtigen Kracher. Denn Robertson trifft auf den Sieger des Duells zwischen Williams und O’Sullivan – alles vorgezogene Finalspiele. Es wird spannend und ich wage zu diesem Zeitpunkt keine Prognose, wer letztendlich den Titel ausspielt.

Tag 4 der WM: Engländer und das Essen

24 Apr

Das englische Essen ist nicht unbedingt weltberühmt, böse Zungen behaupten, die Leute auf der Insel hätten die Fritteuse erfunden. Nun wird sich der geneigte Leser sicher fragen, ob er auf dieser Seite wirklich richtig gelandet ist – soll es doch um Snooker gehen. Aber Essen spielt heute eine nicht unerhebliche Rolle.

Als ich heute Morgen den Fernseher einschaltete, wähnte ich mich zwar nicht in einer Geisterbahn, habe mich aber schon ein wenig erschrocken, als Judd Trump die heilige Snooker-Halle betrat. Hätte er sich vor eine weiße Wand gestellt, wäre die Chance groß gewesen, ihn zu übersehen. Schuld war nicht eine durchzechte Nacht, sondern schlechtes Essen.

Das ist ein wenig spekulativ, aber World Snooker erklärte, dass er sich eine Lebensmittelvergiftung zugezogen hatte und krank sei. Selten war die Chance für den Spaceman Dominic Dale so groß, den Finalisten aus dem letzten Jahr zu schlagen. Trump hat noch Glück gehabt, nicht gegen Peter Ebdon hatte antreten zu müssen – so hielt sich die Qual rein zeitlich in Grenzen und am Ende fand Trump auch seine Form – er geht mit 5:4 in die zweite Session.

Judd Trump

Sehr gefreut habe ich mich als anerkannter Ska-Liebhaber über Ryan Day, der mit „One Step Beyond“ in die Halle marschiert kam. Der Waliser gehört meiner Meinung nach zu den leichter zu bezwingenden Qualifikanten, komischerweise tat sich Ding Junhui sehr schwer und liegt mit 4:5 im Hintertreffen. Gut, dass ich meine Wett-Ambitionen ad acta gelegt habe.

Ein kurzes Wort vielleicht noch zur Situation um Mark Allen, der seinen Twitter-Account geschlossen hat – eine ganz gute Entscheidung, wobei ich die Einträge immer gerne gelesen habe. Jedenfalls wurden seine Aussagen wohl mit einer Geldstrafe geahndet. Leider konnte ich noch nicht rausfinden, wie viel ihn die Kritik an seinen chinesischen Kollegen kostet.

Angeblich handelt es sich um 1000 Pfund, aber nichts Genaues weiß man eben nicht. Zumindest hat er nun 14 Tage Zeit, sich zu den Vorfällen zu äußern. Barry Hearn hat ihn auch nochmal darauf hingewiesen, dass Allen auch den Schiedsrichter hätte auf das angebliche Foul hinweisen können. Warum er das nicht gemacht hat, bleibt sein Geheimnis.

Mit Spannung war die zweite Session von Ronnie O’Sullivan gegen Peter Ebdon erwartet worden. Aber wenn ich ehrlich bin, das Duell hat mich nicht so vom Hocker gerissen. Ebdon war einfach zu schwach und auch O’Sullivan zeigte sich bei unter 90 Prozent Lochquote nicht so richtig in Zauberstimmung. Dennoch hat The Rocket klar mit 10:4 gewonnen. Interessant war die Diskussion über seine neue Frisur – dafür hat er viel Kritik geerntet im Social Media Bereich. Irritieren fand ich die Häme von Mark King, aber das war wohl der Neid der Bowlingkugel.

Ronnie O'Sullivan

Noch schlimmer scheint es Graeme Dott zu ergehen, der nur körperlich anwesend zu sein scheint. Der Pocket Dynamo geht mit einem 1:8 aus der Session und es sieht bei einer Lochquote von 68 Prozent nicht so aus, als ob er die erste Runde überstehen wird. Joe Perry zeigte ebenfalls keine überragende Leistung, nutzte allerdings immerhin jede zweite Chance auf ein Break.

Bei Dott wird spekuliert, dass die Umstellung auf ein neues Unterteil am Queue eventuell für Irritationen sorgt, auch im Vorfeld der WM hatte sich Dott sorgenvoll über sein Spiel geäußert. Mit viel Selbstvertrauen ist er jedenfalls nicht angetreten und das macht sich bemerkbar.

Heute Abend greift dann der am Nacken noch leicht verletzte Mark Selby ins Turnier ein und trifft auf Barry Hawkins – da bin ich sehr gespannt, denn hier wird der nächste Gegner von Matt Stevens ausgespielt. Zudem wird die zweite Session des Matches Stephen Lee gegen Andrew Higginson gespielt. Das bisher beste Match des Turniers.

O’Sullivan besiegt Steve Davis – Selby demontiert Day

5 Dez

Ronnie O’Sullivan hat den Absturz aus den Top-16 vorerst abgewendet und Steve Davis in Runde eins der UK Championship mit 6:1 besiegt. Das Ergebnis hört sich jedoch klarer an, als das Match im Endeffekt lief. Davis hatte seine Chancen, schaffte es nur nicht, genügend Kapital daraus zu schlagen.

Dabei ging The Nugget mit 1:0 in Führung und O’Sullivan, der die Woche über wegen Magenproblemen nicht trainieren konnte, wirkte nicht unbedingt konzentriert. Doch die Fehler bei Davis häuften sich und die Spielfreude kam auf beim viermaligen Champion. Mit Breaks von 54, 123, 97, 53 und 62 sicherte er schließlich das Weiterkommen.

„Es hätte in den ersten drei oder vier Frames auch anders ausgehen können“, erklärte O’Sullivan nach dem Match gegenüber Eurosport. „Aber ich bin zufrieden mit meiner Leistung. Die Woche über habe ich mich nicht gut gefühlt und wusste nicht, wie ich letztlich drauf bin. Aber ich fühle mich ganz ok.“

Dass der Sieg enorm wichtig war, um im Elitekreis zu bleiben, interessierte ihn nicht sonderlich. „Auf die Rangliste schaue ich nicht, ich konzentriere mich darauf, Turniere zu gewinnen. Nur darum geht es mir. Zudem kann ich es fühlen, ich kann immer noch mit den Besten mithalten.“

Dieses Gefühl ist auch zwingend notwendig, wenn man sich die Leistung von Mark Selby ansieht, der Ryan Day komplett auseinander nahm und den Waliser mit 6:0 abfertigte. Der zweifache Ranglisten-Sieger spielte beeindruckendes Snooker und mit Serien von 86, 111, 90 und 69 schickte er ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz.

„Ich bin sehr glücklich mit meinem Spiel“, so Selby nach der Demonstration seines Könnens. „Zu Beginn der Saison habe ich zwei Turniere in China gewonnen, aber es fühlt sich so an, als ob es eine Ewigkeit her wäre. Wenn ich meine Form halten kann, werde ich auch noch mehr Titel gewinnen.“

Das war auch der Plan von Stuart Bingham, der einen wahren Leistungsschub bekommen hat und nun auch fester Bestandteil der Top-16 ist. Allerdings musste er als erster gesetzter Spieler die UK Championship verlassen. Er unterlag ein wenig überraschend Marco Fu mit 4:6. Wobei Fu wirklich kein Gegner zum auf die leichte Schulter nehmen ist. Allerdings führte Bingham bereits mit 3:1.

Trotzdem hatte ich mehr von Bingham erwartet, aber mal sehen, wie er mit diesem Rückschlag umgehen wird. Sicher weiter ist hingegen Martin Gould. Der Power Snooker-Champion gewann mit 6:2 gegen Peter Linies und Ali Carter setzte sich gegen Robert Milkins mit 6:4 durch. Als letzter Spieler am Sonntag zog Shaun Murphy ins Achelfinale ein. Der Magician bezwang Li Yan mit 6:3.