Tag Archives: Rolf Kalb

Ding Junhui gewinnt das German Masters

2 Feb

Ein Jahr ist es schon wieder her, dass ich mich auf die Reise nach Berlin machte, um erneut beim German Masters live vor Ort zu sein. Ein wunderbares Turnier, mit einer faszinierenden Atmosphäre und vielen Snooker-Stars praktisch zum Anfassen. Gut, ein Journalistenausweis ist da schon hilfreich und minimiert die Kosten ganz enorm.

Um so trauriger, dass ich in diesem Jahr nicht in Berlin sein und den Erfolg von Ding Junhui im Finale lediglich vor dem TV genießen konnte. Das Finale hielt nach dem 4:4 zum Midsession Intervall leider nicht das, was wir uns alle erhofft hatten. Zu schwach präsentierte sich Judd Trump in den entscheidenden Momenten und Ding siegte mit 9:5.

Andererseits lieferte der Chinese, der sein zehntes Ranglisten-Turnier gewann und damit mit Jimmy White gleichzog, gerade zu Beginn der zweiten Session nahezu perfektes Snooker ab und beeindruckte das nicht immer ganz fachkundig wirkende Publikum – so zumindest meine Empfindung – mit einer Lochquote von 94 Prozent.

Ding junhui gewinnt das German Masters

Ding junhui gewinnt das German Masters

Für Ding war es gleichzeitig der vierte Titel in dieser Saison. Und dies ist durchaus sehr beeindruckend, wenn man sich vor Augen hält, dass zuletzt Stephen Hendry in der Spielzeit 1990/91 dieses Kunststück gelang. Ich hatte vor ein paar Wochen schon die Frage aufgeworfen, ob der 26-jährige Chinese nicht vielleicht momentan der beste Spieler der Welt sei.

Aber diese Frage ist nicht zu beantworten. Kurze Zeit später begann Ronnie O’Sullivan seinen Siegeszug und schaut man auf die Weltrangliste, stehen da noch Neil Robertosn und Mark Selby. Wie dem auch sei, Ding Junhui spielt die Saison seines Lebens und es wäre kaum überraschend, sollte er sich den Titel bei der WM in Sheffield sichern – auch wenn ich nicht dran glaube.

Noch ein Wort zum Publikum: Da will ich nicht falsch verstanden werden. Schon bei meinen beiden Besuchen fiel jedoch auf, dass es eine Art Event-Publikum ist. Natürlich ist das legitim und es ist schön, dass die Main Tour in Deutschland Station macht. Es wirkt nur oft befremdlich, wenn viel Bewegung auf den Rängen ist und der Applaus oft an falschen Stellen ertönt.

Grundsätzlich sind viele Spieler begeistert von der Stimmung, wie es auch Judd Trump nach der Niederlage bestätigte. Natürlich bedankte sich auch Ding Junhui artig und ich schließe mich da an. Die fünf Tische, die große Halle und die komplette Sicht auf alle Matches sind besonders. Vielleicht dauert es auch noch ein wenig, bis Snooker in Berlin Normalität wird.

Weiter hat mich beeindruckt, dass viele der Stars früh die Segel streichen mussten. Bei einem Blick auf den Turnierbaum zeigt sich, dass im Achtelfinale nur fünf Spieler aus den Top 16 vertreten waren. Schön für das Publikum, solch eine Besetzung im Finale gesehen zu haben – auch wenn es im Endeffekt ein sehr einseitiges Endspiel war.

Denn Snooker lebt auch von den großen Namen. Shaun Murphy, Ronnie O’Sullivan, Judd Trump, Neil Robertson und wie sie alle heißen. Sicher hätte auch Ryan Day den Sieg im Halbfinale gegen Ding Junhui verdient gehabt. Aber wäre ein Finale zwischen Day und Rod Lawler ebenfalls als Publikumsmagnet durchgegangen?

Ich denke, es hätte enttäuschte Gesichter gegeben. Aber durch das Aufbrechen der Strukturen ist die Spitze breiter geworden. Ich hatte schon darüber geschrieben: Gerade bei kleineren Turnieren sind es Spieler aus der zweiten Reihe, die auf sich aufmerksam machen. Bei den UK Championship waren es – wenn ich mich recht erinnere – 14 Spieler im Achtelfinale, die aus den Top 16 kamen.

Auch ich habe mich gefreut, als dieses Finale feststand und ich sehe lieber Ronnie O’Sullivan am Tisch, als zum Beispiel Marcus Campbell. Dazu haben alle Leute, die sich für Snooker interessieren, eine Art Lieblingsspieler und Judd Trump wird wahrscheinlich mehr Fans haben, als Martin Gould.

Dennoch ist es schön, eine breite Palette an Spielern zu sehen, die es in der Vergangenheit nicht in den Fokus geschafft haben. Im nächsten Jahr kann meinetwegen auch passieren, was will. Allerdings habe ich trotzdem noch die Hoffnung, dass Matthew Stevens es eines Tages bis ins Finale schafft. Denn der Walisische Drache ist nunmal mein Lieblingsspieler.

Snooker-WM in Sheffield: noch 12 Tage

8 Apr

Das lange Warten hat bald ein Ende: Die Snooker-Saison ist nahezu beendet und findet ihren Abschluss in der Weltmeisterschaft. Wie immer richten sich alle Augen auf das kleine und beschauliche Städtchen Sheffield, Heimatort des Crucible Theatres – dem Mekka aller Snooker-Fans und Austragungsort des Höhepunkts der Saison.

Die Qualifikation für die WM hat gerade begonnen und nach den China Open war auch klar, welche 15 Profis es geschafft haben, sich für die erste Runde zu qualifizieren. Es sind nur 15, da Ronnie O’Sullivan als Titelverteidiger gesetzt ist und so Mark Davis als Nummer 16 der Welt den Startplatz entriss. Bitter für Davis, aber so ist nunmal das Regelwerk.

Hier vielleicht zu Beginn einmal die Profis, die wir auf jedenfall im Crucible sehen werden:

  • Ronnie O’Sullivan
  • Ali Carter
  • Stuart Bingham
  • John Higgins
  • Shaun Murphy
  • Graeme Dott
  • Matthew Stevens
  • Judd Trump
  • Neil Robertson
  • Ricky Walden
  • Mark Williams
  • Stephen Maguire
  • Mark Allen
  • Ding Junhui
  • Barry Hawkins
  • Mark Selby

Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten und freue mich auf die 17 Tage, die ich zwar selten vor die Tür kommen, dafür aber Snooker ohne Ende sehen werde. Natürlich berichte ich jeden Tag von der WM, einzig die Halbfinals werde ich leider, leider verpassen. Die traditionelle 1. Mai-Tour mit Freunden steht an – einen schlechteren Zeitpunkt kann man dafür eigentlich nicht finden.

Wie dem auch sei, ein paar Tage haben wir noch, bis Ronnie O’Sullivan die Spiele eröffnet. Gegen wen er antreten wird, steht erst am 15. April fest. Denn an diesem Tag wird der Draw letztlich ausgelost. Live übertragen übrigens ab 14:30 Uhr auf Talksport Radio. Immer ein Spektakel und per Stream irgendwie hörbar.

Der Pokal, um den es geht

Der Pokal, um den es geht

Ich versuche via Twitter mal einen Link zu posten. Wer mir dort folgen möchte (@sportal_gunnar), kann das natürlich gerne tun und sich auch während der WM mit mir über die Spiele unterhalten und ein wenig fachsimpeln sowie klugscheißen. Mit dabei wird sicherlich auch wieder unser aller Vorbild Rolf Kalb (nicht der echte) sein (@RolfKalb).

In den folgenden Tagen werde ich mir alle Spieler ansehen und eine kleine Prognose wagen. Dabei beschränke ich mich auf die Top 16, denn es ist für mich sehr unwahrscheinlich, dass ein Qualifikant den Snooker-Titel im Crucible gewinnen wird. Moment, wird jetzt ein Schlaufuchs einwerfen. Shaun Murphy hat es doch auch einmal geschafft.

Das ist richtig, dennoch ist die Spitze mittlerweile so stark besetzt, dass ich es für sehr unwahrscheinlich halte, einen Qualifikanten auf dem Thron sitzen zu sehen. Natürlich bin ich gespannt, wer Euer Favorit ist. Wenn jemand gerne seinen Tipp abgeben will, ich würde mich über Feedback natürlich freuen.

Zum Abschluss noch eine Nachricht zu Mark Allen. Der hat erneut Kritik an Barry Hearn geäußert und meinte, dass die Anzahl der Snooker-Spieler in der kommenden Saison deutlich schrumpfen wird. Denn es ist einfach zu teuer geworden, jedes Turnier auf der Tour zu spielen. Denn Flüge und Hotels müssen von den Spielern bezahlt werden.

Denn alleine fünf der elf Ranking Events finden in Asien statt. Für Spieler außerhalb der Top 16 nicht zu finanzieren, sagt Allen. Und er beschwert sich auch darüber, kaum die Familie sehen zu können und einfach zu wenig Geld zu verdienen. Sein Vorschlag ist dabei nicht uninteressant. Er würde die Übersee-Tour gerne geballt spielen.

Denn momentan müsse er gut 15.000 Euro pro Jahr dafür aufwenden, nach China zu fliegen und dort zu wohnen. ”Es wäre sinnvoller, wenn wir es wie die Golfer auf der European Tour machen würden. Einfach sechs bis acht Wochen in China leben und dann nach Europa zurückkommen“, so Allen. Man darf gespannt sein, ob Hearn den Gedanken aufnimmt.

German Masters in Berlin – Das Fazit

4 Feb

Guten Tag Hamburg, hallo lieber Blog!

Es waren interessante Tage in Berlin und eine abenteuerliche Abreise. Plötzliches Schneegestöber, ein Bus, der doch nicht fuhr, die Bahn mit Verspätung, dann ein Polizeieinsatz, Streckensperrung und nette Gespräche, über in der S-Bahn vergessene Handys. Das alles mit Zeitdruck im Hinterkopf, da ich mir noch den Super Bowl ansehen wollte.

Dieses Einzelschicksal soll Euch aber nicht weiter interessieren und ich wollte im Prinzip auch eher über Snooker schreiben. Und damit geht es jetzt los – zumindest im weitesten Sinne. Vorausschauend, wie man im Alter nunmal wird, habe ich mir eine nette Pension besorgt, die nur fünf Minuten vom Tempodrom entfernt lag und meinen finanziellen Spielraum nicht überstrapazierte.

Gemütlich konnte ich also an den Tagen von Donnerstag bis Sonntag in den Pausen in mein Zimmer und ein wenig an dem Blog schreiben oder einfach nur entspannen. Denn die Sitze im Tempodrom sind schon sehr hart und unbequem, zudem dauert ein kompletter tag schon sehr lange und man schafft es manchmal nicht, überhaupt was zu essen. Als Fazit kann ich aber sagen, dass es sich gelohnt hat, auch in diesem Jahr zum Snooker German Masters zu reisen.

Ali Carter und Rolf Kalb nach dem Finale

Ali Carter und Rolf Kalb nach dem Finale

Vielleicht gewinne ich auch endlich mal einen coolen Preis bei der Tombola. dieses Mal hat es für einen Ronnie O’Sullivan-Pin gereicht. Lieber hätte ich das Queue gewonnen oder die Karten fürs Finale in Sheffield. Wobei ich mich da vielleicht auch akkreditieren kann. Nur finde ich die Preise für Getränke im Tempodrom ein wenig überhöht – das gilt auch für das Essen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nächstes Jahr werde ich dennoch einen Tag früher anreisen, denn der Mittwoch hat es ja bereits in sich. Drei Sessions mit jeweils fünf Tischen sind schon eine Sache, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Zumal in diesem Jahr John Higgins dort bereits die Segel streichen musste und ich ihn so nicht spielen sehen konnte. Zum Wunschkonzert komme ich später nochmal.

Natürlich ist es eine Geldfrage, doch als Journalist muss ich zumindest für den Eintritt nicht aufkommen und das macht es gleich doppelt attraktiv. Apropos Wunschkonzert: So kam es letztlich ja auch zu einem Finale, mit dem man so nicht gerechnet hatte. Marcu Fu ist hier an erster Stelle zu nennen, Ali Carter war jetzt kein Sensationsfinalist. Nun gibt es die Stimmen, die sagen, Fu habe eine einfache Auslosung gehabt.

Matthew Stevens ist allerdings kein Spieler, den man schlagen muss – der steht immerhin in den Top-16, auch wenn er nicht mehr sonderlich konstant agiert. Und über Barry Hawkins hatte ich bereits geschrieben. Der hat hier in Berlin tolles Snooker geboten und war zumindest für mich klarer Favorit in dem Halbfinale. Dass Fu es geschafft hat, ist aller Ehren wert und das Finale dann gegen Carter zu verlieren, keine Schande.

Bitter war nur das ”Wie“. Mit 5:3 nach der ersten Session geführt und dann so einen Einbruch erlitten. In den ersten drei Frames nach der Pause hat er keinen einzigen Ball gelocht. Es war teilweise schon fast lustig, wie er es immer wieder versucht hat, aber die Bälle nicht fallen wollten. Also lustig in Form von Slapstick – aber es gibt eben diese Tage.

Langsam sollte ich aber auch mal einen Glückwunsch an Ali Carter aussprechen, der gerade nach der Pause zwei Centurys in Folge spielte und seinem Gegner den Schneid abkaufte. Der Captain ist ein verdienter und sehr sympathischer Sieger. Ich mag seine emotionalen Ausbrüche während eines Spiels. Entweder flachst er mit dem Publikum oder geißelt sich selbst.

Tja, das Tempodrom …. Es wurde schon viel drüber geschrieben, gerade per Twitter. Leider konnte ich da nicht ganz mithalten, da der Empfang in der Halle – zumindest bei mir – kaum gegeben war. Insgesamt ist es schon imposant, was dort abgeht. Ich versuche gleich mal ein Video einzubauen, das ich beim Einlauf im Finale gemacht habe. Mein Rechner arbeitet mit der ihm verliehenden Eile und Ausstattung, um es möglich zu machen.

Der Arbeitsplatz von Rolf Kalb

Der Arbeitsplatz von Rolf Kalb

Die Stimmung ist atemberaubend. Das haben viele Spieler bestätigt und ich halte dieses Turnier für ein absolutes Highlight im Kalender. Einzig die Disziplin des Publikums stieß mir oft negativ auf. Zudem sollen die Tische ja nicht immer optimal gewesen sein. Neil Robertson hat da scheinbar auch seine Probleme mit gehabt, kam nach dem verlorenen Halbfinale auch nicht zur Autogramm-Stunde, da er angeblich dezent angepisst war.

Auch beim Match zwischen Mark King und Matt Stevens waren die Spieler teilweise irritiert ob der komischen Laufbahn des Spielballs und testeten nach einem Frame fleißig und schienen ebenfalls nicht zufrieden. Das kann ich natürlich nicht wirklich genau beurteilen, ich durfte am Tisch nicht spielen. Ansonsten hatte ich den Eindruck, dass viele Zuschauer wegen des Events da waren und überhaupt nicht wussten, wie man sich passend verhält.

Applaus an abstrusen Stellen, nach jedem Frame rannten tausende Snooker-Event-Begleiter raus, weit nach Beginn des nächsten Frames wieder in die Halle und zudem klingelten Handys, wurde Blitzlicht benutzt und sich in der Stoßbahn des Snooker-Spielers permanent bewegt. Ob alle fünf Sekunden gehustet werden muss, sei dahingestellt. Aber während der Stoßvorbereitungen sollte man sich zurückhalten können.

Das ist zumindest meine Meinung, auch wenn bei über 2000 Leuten das alles natürlich relativ ist. Dennoch denke ich, dass dies verbesserungswürdig ist. Was habt Ihr für Erfahrungen gemacht? Sehe ich das zu eng? Ich fand es einfach grenzwertig in vielen Situationen und vielleicht schaffe ich es noch, ein Statement von ein paar Spielern einzuholen. Da bin ich auf Eure Meinung gespannt.

Dennoch, ich habe es genossen, auch wenn ich es persönlich schade fand, dass der eine oder andere Spieler früh ausgeschieden ist. Da komme ich zum nächsten Punkt: Die Besetzung des Finals. Folgt ihr @RolfKalb bei Twitter? Das ist zwar ein Parodie-Account (eine Hommage an unseren geschätzen und geliebten Rolf Kalb), aber ein sehr guter und mit Liebe gemachter – auch dementsprechend gekennzeichnet. Und jener Rolf Kalb schrieb folgendes:

Es ging darum, dass es im Eurosport-Forum hieß, es sei kein Top-Spieler im Finale und darüber wurde ausgiebig diskutiert. Gut, Ronnie O’Sullivan kann nicht immer im Finale stehen, auch Judd Trump oder was weiß ich wer haben kein Abo darauf, nur weil sie vielleicht beliebter sind, als Marco Fu. Auch der echte Rolf Kalb sah sich genötigt, deutliche Worte an seine User zu verlieren – und das soll schon was heißen.

Da kann man nun perfekt die Brücke schlagen zum Publikum. Geht es um Spieler oder um Snooker? Es war auch nicht mein Traumfinale. Das hätte Stevens gegen Murphy gelautet. Aber der Sport steht im Vordergrund und das Finale war bis zum 6:6 packend, zeitweise hochklassig. Wer nur Spieler sehen will, der soll zu einer Exhibition gehen. Auch ich habe meine Lieblingsspieler, aber da bin ich doch über den Sport hingekommen. Da eine Kritik zu äußern halte ich für sehr fragwürdig.

Falls hier jemand im Eurosport-Forum aktiv ist, würde ich dazu gerne mal eine Meinung hören. Aber um mich zu wiederholen, ich fand es eine sehr gelungene Veranstaltung und die ist eben kein Wunschkonzert. Es geht um Snooker und das sollte auch im Mittelpunkt stehen. Das solls damit auch gewesen sein. Ich werde mich nun von den anstrengenden Tagen erholen und freue mich auf das nächste Turnier.

German Masters in Berlin – Tag II

2 Feb

Die Viertelfinals beim German Masters in Berlin sind absolviert und der Snooker-Gott meinte es nicht gut mit den Favoriten. Shaun Murphy unterlag Neil Robertson mit 4:5 und Mark Selby kassierte erstmals seit etwa 18 Matches eine Niederlage. Gegen Barry Hawkins ging er gar mit 1:5 unter und ich glaube, wir müssen mal ernsthaft über Hawkins sprechen.

Zudem musste mein persönlicher Lieblingsspieler Matthew Stevens eine völlig verdiente 3:5-Niederlage gegen Marco Fu einstecken. Zudem unterlag Hitman Holt dem Captain Ali Carter. Aber zurück zu Hawkins. Selby schlägt man nicht im Vorbeigehen. Auch wenn der Jester from Leicester vielleicht nicht seinen besten Tag hatte, Hawkins hat mich nachhaltig beeindruckt.

Die Situation erinnert mich ein wenig an die Saison, in der Stuart Bingham auf einmal in der Form seines Lebens spielte und in die Top 16 vordrang, dazu im Jahr drauf die ….. Australian Open gewann – wenn ich mich nicht irre. Die gewann auch Hawkings 2012, eine ganz interessante Parallele. Und es würde mich überraschen, wenn er gegen Fu nicht das Finale erreichen würde.

Matthew Stevens, hitman Holt und Barry Hawkins

Matthew Stevens, hitman Holt und Barry Hawkins

Schon sein Sieg gegen Mark Allen war beeindruckend. Absolut sicheres Lochspiel, gutes Breakbuilding und ein gesundes Selbstvertrauen. Ich gehe fest davon aus, dass wir im Verlaufe der restlichen Saison noch einige Spiele von ihm erleben werden. Vielleicht ist er nicht unbedingt der Titelkandidat Nummer eins für die WM. Aber achtet mal auf ihn.

Packend war natürlich auch das Spiel zwischen Murphy und Robertson. Es waren am Ende Kleinigkeiten, die den Ausschlag zugunsten des Australiers gegeben haben. Aber dessen Long Pots sind wirklich eine Augenweide. Schade für Murphy, der Publikumsliebling hier in Berlin ist. Insgesamt ist es ohnehin eine sehr lockere Atmosphäre.

Mich wundert es schon ein wenig, wie viel zwischen und während der Frames gescherzt wird. Smalltalk zwischen den Kontrahenten bekommt man im TV vielleicht nicht so oft zu sehen. Aber ich denke auch, es liegt an der offenen Halle mit den fünf Tischen – das scheint aufzulockern. Und die Snooker-Spieler kennen sich ja natürlich.

Schon beim Warmspielen hinter den Kulissen kommt man sich vor, wie bei einem Kaffeeklatsch. Heute hatte ich übrigens kurz Gelegenheit, mich ein wenig mit Rolf Kalb zu unterhalten. Interessanterweise mag er seinen Twitteracount nicht so recht und würde den gerne abschalten lassen. Da muss ich ihm morgen mal ins Gewissen reden.

Interessant sind auch die deutschen Schiedsrichter. Während Jan Verhaas heute mehrfach das Publikum ermahnte und zur Ruhe rief – ich schrieb schon gestern darüber -, schienen sich Stevens und Fu einen Spaß aus der Situation zu machen. Während der deutsche Referee nach den Frames immer seine Zeit brauchte, holten die Spieler die Bälle aus den Taschen und fingen an, sie wieder ordnungsgemäß an ihre Stellen zu bauen. Das hatte ich so auch noch nie gesehen.

Nun sind leider alle meine Favoriten raus, was für mich persönlich auf der einen Seite sehr schade ist. Stevens, John Higgins und Murphy sind nicht mehr dabei und auch Selby schaue ich mit mittlerweile sehr gerne an. Nun sind es eben Robertson, Fu, Carter und Hawkins. Da passt es ganz gut, dass ich die Abendsession morgen verpasse – ich bin auf einem Festival.

So kann ich immerhin mit ansatzweise ruhigem Gewissen der Musik frönen und am Sonntag in Ruhe die Finalsessions genießen. Allerdings geht der letzte Zug gen Heimat um 22:55 Uhr. Vielleicht machen mir die Spieler eine Freude und spielen schnell. Ansonsten muss Plan B her. Aber nicht der von Paul Hunter, wenn ihr wisst, was ich meine.

German Masters in Berlin Tag 1 – Teil II

1 Feb

Der erste Tag ist abgehakt und ich habe direkt viel erlebt. In erster Linie spannende Spiele, die sich hie und da ziemlich lange hingezogen haben und mich gleich hungrig ins Bett gehen lassen. Denn zunächst machten es Anthony Hamilton und Judd Trump ziemlich spannend und überzogen gnadenlos. Trump hat dabei teilweise überhaupt keinen Ball getroffen, was teilweise grotesk wirkte.

Im Endeffekt steht der Sheriff of Pottingham verdient in der nächsten Runde, machte mir nur den Plan zunichte, vor der Session am Abend etwas zu essen. Denn Matthew Stevens gegen Mark King wollte ich unbedingt sehen und auch das Spiel hatte es in sich. Zwischendurch ist Mark Allen ausgeschieden und auch Ken Doherty hat es erwischt – im Gegensatz zu Neil Robertson.

Stevens gegen King (5:4) ging über die volle Distanz und das Spiel hatte, abgesehen vom teilweise schwachen Niveau, wirklich alles zu bieten, was Snooker ausmacht. Lange Safeduelle, erbitterte Kämpfe, Flukes und auch schöne Breaks. Zunächst war die Stimmung bombig, beide Spieler trafen nicht viel, ließen sich dadurch den Spaß aber nicht verderben.

Judd Trump

Judd Trump

King ist auch ein lustiger Vogel und macht ganz gerne mal einen Spaß. Das änderte sich, als er im Break stehend – im siebten Frame beim Stand von 3:3 – Schwarz nicht traf, sondern unter den Ball kam, der daraufhin in die Luft flog. Vom Schiedsrichter bekam er ein Foul und Stevens die sieben Punkte. Dadurch brauchte King Snooker.

Es ist nicht ganz klar, wofür er das Foul bekam, denn der Spielball hatte Schwarz getroffen. Daraufhin entbrannte eine lautstarke Diskussion. Ohne Zeitlupe kann ich nicht genau sagen, ob das Foul berechtigt war. Es wurde recht hitzig und bringt mich zu dem nächsten Punkt, der mit dieser Situation eine Symbiose der Grauens herstellte.

Denn es wird, gerade in China, immer über das Publikum gemeckert. Aber war heute im Tempodrom zu Berlin los war, überschritt die Grenze der Peinlichkeit. Gut, es gibt an den ersten beiden Tagen fünf Tische und dementsprechend ist das Publikum auch in Bewegung. Aber am Abend nahm dies doch überhand.

Telefone klingelten und ständig rannte ein Zuschauer dem Spieler durch die Stoßbahn. Ich konnte am Ende nicht mehr mitzählen, wie oft Stevens oder King den Stoß unterbrechen mussten oder der Schiedsrichter mahnende Worte in die Masse raunte. Ich meine, wir befanden uns dann in einem Decider, es ging um den Einzug ins Viertelfinale.

Kein Wunder, dass die Spieler mehr oder weniger ohne sich für die Unterstützung zu bedanken, die es auch gab, die Halle verließen. Vielleicht ist nicht jeder Besucher mit der Etikette vertraut, aber Rolf Kalb erwähnt es oft genug, auch wenn er die Halle auf die Spiele vorbereitet. Ich kann einfach nicht verstehen, wie respektlos manche Menschen sind.

Ich hoffe wirklich, dass es morgen besser wird. Denn das German Masters erfreut sich bislang im Snooker großer Beliebtheit. Shaun Murphy hat es heute noch getwittert und meinte, diese Veranstaltung sei sein Lieblingsturnier. Nun denn, ich freue mich natürlich trotzdem auf den morgigen Tag.

Bis dahin also

KURT MAFLIN 3 – 5 MICHAEL HOLT

NEIL ROBERTSON 5 – 1 ANDREW HIGGINSON

MATTHEW STEVENS 5 – 4 MARK KING

MARK ALLEN 1 – 5 BARRY HAWKINS

John Higgins gewinnt das Shanghai Masters

23 Sep

Gerade, als ich nach meinem Feierabend auf dem Balkon stand, habe ich versucht, mir das gerade Gesehene nochmal ins Gedächtnis zu rufen. Ein packendes Finale beim Shanghai Masters und beste Werbung für Snooker. John Higgins ist einfach ein grandioser Spieler. Man mag von ihm denken, was man will.

Ich für meinen Teil bin ein großer Fan des Wizard of Wishaw. In früheren Blogeinträgen, gerade bei sportal.de, als ich dort noch eine Kolumne hatte, wurde er oft angefeindet. Es war die Zeit, als er vor einer Sperre wegen angeblicher Spielabsprache stand. Aber wie er damals zurückgekommen ist, direkt die UK Championship sowie die WM gewann, das war phänomenal.

Ronnie O’Sullivan gilt als das große Zugpferd und auch Finalgegner Judd Trump ist sicherlich die Zukunft des Sports. Aber wie O’Sullivan es schon erklärt hat, gehört John Higgins einfach zu den faszinierenden Spielern auf der Tour. Sein B-Spiel ist schon stark, aber wenn er den Gang hochschaltet, dann ist es eine Augenweide.

Shanghai Masters: John Higgins spielt ein Maximum Break

Beim Shanghai Masters lag er mit 0:5 hinten. Rolf Kalb hatte gerade angesetzt, die alte Weisheit auszupacken, dass man ein Match in der ersten Session nicht gewinnen, dafür aber verlieren kann. Und was passierte? John Higgins feuerte ein Maximum Break ab – das sechste seiner Karriere, wenn ich da richtig informiert bin.

Ein kleiner Exkurs vielleicht noch in den asiatischen Raum. Wie immer mussten die Schiedsrichter das Publikum in schöner Regelmäßigkeit dazu ermahnen, doch mal die Fresse zu halten oder den Fotoapparat doch nicht auszupacken. Es ist verständlich, aufgeregt zu sein oder was auch immer. Aber bei 140 Punkten und nur noch Schwarz auf dem Tisch hat man wirklich still zu sitzen.

Zum Glück hat John Higgins, nachdem er abgesetzt hatte, die Konzentration behalten und Schwarz versenkt. Zu dem Zeitpunkt war ich schon am arbeiten, musste diese dann aber auch die letzten fünf Minuten ganz dezent unterbrechen. Es folgte ja das 2:7 und es war irgendwie eine logische Folge. Neil Robertson ist das auch schon passiert.

Nach einem Maximum, das zumindest bei Higgins Nachwirkungen zeigte – in Form eines strahlenden Lächelns -, ist die Konzentration eben unten. Aber was er in der zweiten Session geleistet hat, war einfach Snooker, wie ich es liebe. Gerade Higgins kann ich stundenlang zusehen, sein Breakbuilding ist unerreicht.

Gratulation an John Higgins

Die fünf Frames in Folge haben das Match natürlich kippen lassen, auch wenn Trump gekämpft hat. Es war ein Finale, wie ich es mir gewünscht habe, dazu den Decider am Ende. Wenn ich ehrlich bin, mag ich ja auch die PTC-Tour und die daraus resultierende Breite in der Spitze. Aber ganz ehrlich, ein Halbfinale mit Shaun Murphy, Mark Williams, Judd Trump und John Higgins mag ich.

Die Zeit der Spieler, mit denen ich aufgewachsen bin, ist nahezu vorbei. Stephen Hendry ist ebenso in Rente wie auch Jimmy White. Zumindest wird White kaum noch ein Halbfinale bei einem Ranking Event erreichen. Und es ist auch schön, mal Joe Perry, Marcus Campbell oder Barry Hawkins zu sehen, aber die wirklich grandiosen Matches sind es meist nicht.

Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht, jeder Spieler, der in einem Halbfinale steht, hat es auch verdient. Aber hie und da die alten Helden zu sehen, ist doch eine feine Sache. Meine Gratulation gilt nun John Higgins, der neben dem ersten Maximum seit langer Zeit den Titel gewann und mir einen wunderbaren Nachmittag beschert hat.

Die PTC-Tour in der Diskussion

1 Dez

Ronnie O’Sullivan sprach von Erpressung und viele andere Spieler haben sich ob der Vielzahl der Termine im Snooker-Kalender negativ zu der Entwicklung der letzten Monate geäußert. Im Zentrum steht auch die Players Tour Championship, die in zwölf Turniere aufgeteilt ist und aufgrund der teilweise weiteren Reisen und der niedrigen Dotierung nicht attraktiv ist.

Ich habe mich mit drei Experten unterhalten und wollte wissen, wohin der Weg unter Barry Hearn geht und ob die PTC-Serie noch eine Zukunft hat. Mit dabei ist die Eurosport-Legende Rolf Kalb, der Eurosport Kommentator und englische Kolumnist Dave Hendon (snookerscene.blogspot.com) sowie Deutschlands vielleicht bester Snooker-Spieler Lasse Münstermann.

Vielen Dank für die Teilnahme an der Diskussion. Wie ist ihre persönliche Meinung zu der PTC-Tour?

Dave Hendon: Die Serie dient zwei Gründen. Erstens sollen die Lücken im Terminkalender gefüllt werden. Zweitens sollen auch Turniere in den Ländern stattfinden, in denen Snooker sehr populär ist. Dort werden die Turniere auch wohl noch wachsen. Die Events in Sheffield haben wenig Wert. Dort können die Profis nur spielen und vielleicht ein wenig Geld gewinnen.

Rolf Kalb: Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Tour den Spielern eine Reihe von Möglichkeiten eröffnet. Das ist eine Entwicklung, die hier aber auch noch nicht zu Ende sein wird. Aber man kann auch deutlich beobachten, dass dieser konstante Spielbetrieb einer Reihe von Spielern sehr gut tut und ihnen dabei hilft, ihr Leistungspotenzial besser zu entfalten. Gerade Leute wie Stuart Bingham und Martin Gould profitieren davon.

Lasse Münstermann: Ich habe seit 2005 versucht, auf die Tour zu kommen und finde die Idee großartig, dass man Amateurspielern die Chance gibt, gegen die großen Stars zu spielen. So wird das Feld geöffnet, denn vorher war es eine elitäre Angelegenheit. Daher finde ich eine PTC-Serie eine super Idee und die Lücke zwischen Profis und Amateuren wird geschlossen.

Den vollständigen Artikel gibt es hier zu lesen.