Tag Archives: Neil Robertson

Snooker-WM: Das Halbfinale

1 Mai

Halbfinale im Crucible Theatre zu Sheffield und ganz knapp sind wir ein einer kleinen Sensation vorbeigeschlittert. Denn Spaceman Dominic Dale stand kurz davor, in die Runde der letzten Vier einzuziehen. Am Ende unterlag er Barry Hawkins mit 12:13. Neben Hawkins lösten Ronnie O’Sullivan, Mark Selby und Neil Robertson das begehrte Ticket.

Dabei hat Robertson natürlich beeindruckt und im Spiel gegen Judd Trump sein 100. Century in dieser Saison gespielt. Ein Meilenstein in der Snooker-Geschichte. Natürlich muss man sagen, dass die Spieler früher weniger Turniere absolviert haben. Aber trotzdem, der Australier ist eine Break-Maschine und das zeigte er auch gegen Trump.

Dort stand Robertson mächtig unter Druck, lag mit 8:11 im Hintertreffen. Die letzten fünf Frames holte er sich dann in einem Abwasch und ist auch den Druck los, die 100 Centurys knacken zu wollen und müssen. Das hätte ihn belasten können, nun kann er befreiter aufspielen und das Erreichen der Marke wird ihm zusätzlich Rückenwind geben.

Allerdings trifft Robertson auf Mark Selby, der nach dem Sieg gegen Ali Carter im Schonprogramm das Halbfinale erreichte. Gegen Alan McManus hatte der Jester am Ende wenig Probleme und setzte sich locker mit 13:5 durch. Ob das nun ein Vor- oder Nachteil ist? Auf der einen Seite konnte er Kraft sparen und geht ausgeruht in das Duell.

Aber im Vergleich zu Robertson könnte es passieren, dass er nicht richtig im Wettkampf ist und eine Zeit braucht, um sich an den wesentlich stärkeren Gegner zu gewöhnen. Das ist natürlich Spekulation und bei einem Turnier von 17 Tagen ist es oft die Kraft, die am Ende den Ausschlag gibt. Wie oft haben wir Finals gesehen, die nicht ansatzweise das Niveau der Halbfinals erreichten.

Es wird sicherlich ein spannendes Match, da zwei Philosophien aufeinander prallen. Robertson ist ein Offensivspieler, der mit langen Einsteigern und gutem Breakbuilding glänzt. Selby ist der mental vielleicht stärkste Spieler, der mit hartem Matchplay ganz schwer zu knacken ist und jeden Spieler an den Rand der Verzweiflung bringen kann.

Mein Tipp: 17:14 für Neil Robertson

Im zweiten Halbfinale versucht Ronnie O’Sullivan einen weiteren Schritt zu machen, um seinen Titel zu verteidigen. Bislang konnte der Weltmeister in Teilen durchaus beeindrucken. Runde eins können wir uns schenken, aber in Runde zwei traf er auf Joe Perry und musste sein ganzen Können aufbringen, um am Ende knapp mit 13:11 zu gewinnen.

Wir müssen nicht darüber sprechen, ob O’Sullivan ein guter Snooker-Spieler ist. Beeindruckend ist mittlerweile der Wille und die mentale Stärke. Selbst bei Rückständen bleibt er ruhig und glaubt an seine Chance. Perry kann ein Lied davon singen und auch Shaun Murphy, der im Viertelfinale mit 3:13 unterging, musste hinterher anerkennen, keine Chance gehabt zu haben.

Murphy sprach davon, dass O’Sullivan einfach der beste Spieler der Welt sei und man sich vorkommen würde, als sei man nur Gast am Tisch des Engländers. Wir dürfen gespannt sein, wie Barry Hawkins sich schlägt. Denn Hawkins ist noch ein anderes Kaliber als Murphy. Nicht aus der Sicht des Spielerischen, eher was den mentalen Gesichtspunkt angeht.

Im vergangenen Jahr trafen sich beide Spieler im Finale, Hawkings unterlag mit 12:18. Dennoch attestierte ihm O’Sullivan später, selten so einen hartnäckigen Gegner gehabt zu haben. Und da liegt auch die Chance von Hawkins. Er weiß, dass er spielerisch nicht mithalten kann und sich kaum Fehler leisten darf. Aber er ist mental stark genug, um das aushalten zu können und wird einen Plan haben, den er Schritt für Schritt durchsetzen will.

Mein Tipp: 17:15 für O’Sullivan

 

Snooker-WM: Und schon wieder Bergfest

27 Apr

Wie doch die Zeit vergeht. Kaum hat die Snooker-WM so richtig begonnen, da ist auch schon wieder Bergfest und wir stehen kurz davor, die Viertelfinal-Spiele sehen zu dürfen. Und wie das bei einer WM so ist, haben wir komplett unterschiedliche Runden und Schwerpunkte gesehen.

Nach der ersten Runde war mein Eindruck, dass das Niveau noch nicht da ist, wo ich es gerne hätte. Das ist natürlich auch kein Wunder, da die erste Runde gerade für die gesetzten Spieler meinst eine Zitterpartie ist. Das Motto lautet oft, den Auftakt überstehen zu wollen, um dann richtig angreifen zu können.

Dennoch, ich habe in der Einleitung geschrieben, dass viele Facetten zu sehen waren. In der ersten Runde war es sicherlich die Spannung. Vier Matches gingen über die volle Distanz, zwei Mal gab es ein 10:8. Dabei blieben einige der gesetzten Snooker-Profis auf der Strecke und mit Ding Junhui scheiterte einer der Top-Favoriten auf den Titel.

Woran es letztlich lag, ist schwer zu sagen. Gut zwei Wochen hatte der Sieger von fünf Ranking-Events Zeit, sich nach dem Erfolg bei den China Open zu regenerieren und sich neu zu motivieren. War die Zeitspanne zu kurz? Oder liegt es einfach daran, dass Ding so ein wenig auf Kriegsfuß mit dem Crucible Theatre steht?

Wir werden es wohl nie erfahren. Klar, Michael Wasley spielte das Match seines Lebens und schien völlig befreit. Wie es dann ist, wenn man im Achtelfinale plötzlich nicht mehr der absolute Außenseiter ist, musste er gegen Dominic Dale schmerzvoll erfahren. Der Spaceman führt überraschend deutlich mit 12:4 und wird im Viertelfinale wohl auf Barry Hawkins treffen.

Mittlerweile – während ich mir die Spiele von Neil Robertson gegen Mark Allen und Shaun Murphy gegen Marco Fu ansehe – haben sich die Spieler ordentlich eingelebt und wir haben klasse Matches gesehen. Dabei war das Duell zwischen Ronnie O’Sullivan und Joe Perry ein Highlight. Lange sah es so aus, als ob der Gentlemen den Weltmeister hätte stürzen können.

Doch O’Sullivan drehte kurz vor Schluss mächtig auf und steht nach dem 13:11-Sieg bereits im Viertelfinale. Ob er seinen Titel verteidigen kann? Ihn scheint nichts aus der Ruhe bringen zu können und das ist kein gutes Zeichen für seine Gegner. Früher hatte er „nur“ sein begnadetes Spiel, heute ist auch sein Kopf gewappnet und dieses Paket ist gefährlich.

O’Sullivan trifft in der nächsten Runde auf Murphy oder Fu. Ein packendes Match bisher mit einem stark aufspielenden Engländer, der mit bisher wirklich gut gefällt und mit 9:7 aus der Session geht. Starkes Breakbuilding und ein insgesamt sehr souveränes Spiel machen auch Murphy zu einem ernstzunehmenden Kandidaten auf den Titel. Auf ein Match zwischen ihm und O’Sullivan freue ich mich schon jetzt – wenn es denn so kommen sollte.

Ähnlich hochklassig, wenn auch in einer anderen Richtung, geht es zwischen Allen und Robertson zu. Eigentlich war zu erwarten, dass sie sich die Breaks nur so um die Ohren hauen, aber der Fokus liegt hier tatsächlich mehr auf den Safetys. Natürlich haben wir auch hohe Breaks gesehen – dabei das 99. Century von Robertson in dieser Saison. Dennoch gab es viele spannende Safe-Phasen, die den Sport auch so vielfältig und komplex machen.

Der Sieger trifft im Viertelfinale wahrscheinlich auf Judd Trump, der mit 10:6 gegen Ryan Day führt. Das wäre ein weiteres Highlight, wobei mich Trump bisher noch nicht so überzeugen konnte. Allerdings macht es sehr viel Spaß, die unglaubliche Technik von Trump zu bestaunen. Er hat sich schon steigern können und ich denke, er wird Day auch letztlich schlagen.

Ein potentieller Halbfinalist ist Barry Hawkins, der Ricky Walden mit 13:11 bezwang und, wie angesprochen, wohl auf Dale trifft. In dieser Runde ein absolutes Traumlos. Ich bin ein großer Fan des Spaceman, aber gegen Hawkins ist er meiner Meinung nach ohne Chance. Das wird auch Mark Selby denken, der auf Alan McManus trifft.

Mit diesem Tipp hätte man sicherlich viel Geld verdienen können. Denn McManus kann sein Glück wohl selbst kaum fassen, nochmals das Viertelfinale im Crucible erreicht zu haben. Größer kann eine Außenseiterrole nicht sein und alles andere als ein sehr deutlicher Sieg des Jester from Leicester wäre für mich eine Überraschung.

So ist es am Ende eine WM, wie sie es auch in den Jahren zuvor schon war. Wir sehen packende Matches, enge Siege, große Überraschungen und die eine oder andere Kuriosität. Ob es die Schuhe von Dale sind, die Hose von McManus oder Jan Verhaas, der den Boden im Crucible mit Wasser tränkt. Insgesamt macht es bisher einen Heidenspaß und ich freue mich auch die zweite Hälfte der Snooker-WM.

Braucht Snooker eine Revolution?

6 Apr

Die China Open sind absolviert und Ding Junhui darf nach seinem Sieg gegen Neil Robertson als großer Favorit auf den WM-Titel gelten. Erneut setzte sich der Chinese bei einem Ranglisten-Turnier durch und hat damit den fünften Saison-Titel eingefahren. Doch bei aller Freude, der RespottedBlog stellt sich die Frage, ob es im Snooker so weitergehen kann.

Eine solche Leistung hat es seit 23 Jahren nicht mehr gegeben. Damals schaffte es ein gewisser Stephen Hendry, fünf Titel in einer Saison zu gewinnen. Aber auch wenn dieser Sieg ein kleiner Meilenstein ist, es ist ein anderes Thema, das mich beschäftigt: Der enorm volle Terminkalender auf der Main Tour und die Folgen, die daraus resultieren.

In den vergangenen Monaten habe ich schon häufiger über dieses Thema geschrieben und die Vor- sowie Nachteile beleuchtet, seitdem Barry Hearn sich dem Sport angenommen hat. In diesem Falle fehlten Spieler wie Ronnie O’Sullivan, Mark Allen, Matthew Stevens, Stuart Bingham und nicht zuletzt auch Barry Hawkins, der zuletzt das Players Championship Final gewonnen hatte.

Ding Junhui nach seinem fünften Triumph

Ding Junhui nach seinem fünften Triumph

Zwei Tage nach dem Finale starteten bereits die China Open und zwei Tage nach dem Finale des Turniers in Beijing müssen einige Spieler in die Qualifikationsrunde für die Weltmeisterschaft im Crucible Theatre zu Sheffield. Über Langeweile können sich die Snooker-Profis nicht beschweren, aber macht der volle Kalender wirklich Sinn?

Ronnie O’Sullivan mit Lösungen

Natürlich, das Preisgeld ist von 3,5 Millionen Pfund auf zehn Millionen Pfund gestiegen. Hearn wollte die Tour professionalisieren, den Sponsoreneinbruch durch eine Erweiterung des Einzugsgebiets ausgleichen und mehr Spielern die Möglichkeit geben, mit ihrem Sport den Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch geht dieser Plan wirklich auf?

Vor zehn Jahren hätte kein Profi auch nur ein Turnier ausgelassen. Die Top 16 waren gesetzt, die Fans durften sich darauf freuen, alle Spieler an den Tischen sehen zu können. In China waren die Fans sicherlich enttäuscht, auf O’Sullivan oder auch Allen verzichten zu müssen. Bei den German Open wurde auch vehement über das Fehlen von O’Sullivan diskutiert.

Ein Turnier ist mittlerweile eine Wundertüte und als Außenstehender kann ich die Spieler verstehen, die nicht immer von Zeitzone zu Zeitzone springen wollen, dazu noch mehrmals im Jahr nach Barnsley reisen müssen, da dort die Qualifikationen für die Turniere in China ausgetragen werden. Ronnie O’Sullivan hat sich in seinem Blog für Eurosport ebenfalls zu diesem Thema geäußert.

Der amtierende Weltmeister ist sicherlich in einer ganz anderen Situation, hat durch seine zahlreichen Erfolge, Bücher und Sponsoren genügend Geld verdient, um auch nach seiner Karriere nicht am Hungertuch nagen zu müssen. Dennoch macht er keinen Hehl daraus, den Sport zu lieben und sich immer wieder kontrovers in gewisse Fragen einzumischen.

Warum nicht wie im Golf oder Tennis?

Daher stellt sich schon die Frage, warum Snooker der einzige Sport ist, in dem die Top 64-Profis sich für viele Turniere qualifizieren müssen. O’Sullivan stellte dabei die Frage, ob Tiger Woods dazu bereit wäre, sich zwei Wochen vor dem Masters erst qualifizieren zu müssen. Das Turnier startet in Augusta und endet auch dort. „So, wie es sein muss“, meint O’Sullivan.

Auch im Tennis ist der Kalender weitaus besser geplant als im Snooker. Im Juni geht es nach China, im Juli nach Australien und im September wieder nach China. Im Oktober ist eine Reise nach Indien geplant, bevor es im selben Monat wieder nach China geht – und so ziehen sich die Reisestrapazen weiter wie ein roter Faden durch die Terminkalender der Profis.

„Tennis ist ein gutes Beispiel“, meint O’Sullivan. Erst werden Turniere in Amerika gespielt, die Hartplatz-Saison findet für einige Monate in Europa statt, bevor es nach London und dann zurück in die USA geht. „Sie reisen herum und müssen nicht immer durch verschiedene Zeitzonen. Die Pläne sind gemacht, um den Spielern zu helfen. Ein China-Block für einen Monat ist keine schlechte Idee, wenn es organisierbar ist. Es würde die Reisekosten drücken“, so O’Sullivan.

Und damit ist er schon bei einem grundlegenden Problem angelangt. Zwar ist das Preisgeld gestiegen, aber für eine Niederlage in Runde eins gibt es keine Vergütung. Gerade die Spieler, die in der Rangliste im unteren Teil liegen, müssen die Kosten übernehmen, haben aber keine Garantien, diese überhaupt decken zu können.

Größere Hallen für mehr Spieler?

O’Sullivan schlägt also vor, die Tour wie beim Golf aufzuteilen. „Etwa 50 Spieler sollten um sechs bis sieben Millionen Pfund spielen, die anderen 80 Spieler könnten auf der Lower Tour um die restlichen zwei bis drei Millionen kämpfen. Für die wäre es nicht schlechter, als im Moment und sie könnten um einen Platz auf der Main Tour spielen.“

Abschließend spricht sich der Weltmeister auch noch für größere Hallen aus, damit alle 128 Spieler in Runde eins starten können. Das hätte den Vorteil, dass die Zuschauer wirklich alle Profis sehen können und die leidigen Qualifikationsrunden wegfielen. Die German Open haben gezeigt, dass es auch mit fünf Tischen funktioniert, warum also nicht gleich 16 Tische?

Zusammengefasst sind es durchaus interessante Ansätze, die O’Sullivan präsentiert. Auch ich bin kein Freund davon, im Vorfeld Qualifikationen zu spielen, die zusätzliche Kosten für die Spieler produzieren. Dazu sagte Mark Allen einst, dass er hart gearbeitet hätte, um in die Top 16 zu gelangen. Nun müsse er sich trotzdem vor leeren Rängen durch die Qualifikation quälen.

Mehr Stars für die Fans im Snooker

Seinen Ärger kann ich verstehen. Dass Asien als neuer Markt profitabel ist, muss akzeptiert werden. Dennoch wäre ein Block sinnvoll, um die Kosten für die Spieler zu minimieren – Hearn sollte darüber nachdenken. Denn im Endeffekt müssen die Spieler, die allesamt Profis sind, für ihre Leistung auch entsprechend bezahlt werden und es sich leisten können, den Sport auszuüben.

Aber es geht auch um die Fans, die wegen der Spieler in die Hallen strömen. Sie haben es verdient, die Stars zu sehen. Daher ist es ärgerlich, wenn regelmäßig Top-Profis absagen, da sie sich schon Monate vorher überlegen müssen, ob sie sich die Reise leisten wollen. Und nach einem Finale sofort in ein Flugzeug zu steigen, um zwei Tage später antreten zu müssen, ist kein Zustand.

Daher sollte sich Hearn Gedanken machen, wie er eine vernünftige Planung hinbekommt. Denn die Spieler sind nicht erst zum Schluss auch Privatpersonen, die gerne Zeit mit der Familie verbringen wollen. Am Ende des Tages freuen wir uns trotz aller offenen Fragen über die Leistung von Ding Junhui und die bald beginnende Weltmeisterschaft im Crucible – dem Highlicht des Jahres.

Robertson holt die Triple Crown

9 Dez

Tja, wer ist denn nun der beste Snooker-Spieler der Welt? Ding Junhui, der zuletzt drei Turniere gewinnen konnte? Oder ist es Ronnie O’Sullivan, der Sieger beim Champion of Champions? Vielleicht aber auch Neil Robertson, der sich mit dem Sieg bei den UK Championship die Triple Crown gesichert hat.

Der Australier gewann in einem packenden Finale mit 10:7 gegen Mark Selby, der nach der ersten Session und einer zwischenzeitlichen 5:1-Führung wie der sichere Sieger ausgesehen hatte. Gut, beim 5:3 konnte der objektive Zuschauer das Gefühl bekommen, hier geht noch was. Zwei Frames zuvor lag Robertson förmlich am Boden.

Neil Robertson siegt bei den UK Championship

Neil Robertson siegt bei den UK Championship

Um die 70 Prozent Lochquote und die langen Bälle gingen meterweit an den Taschen vorbei. Aber er ist nicht umsonst die Nummer eins der Welt und hat auch nicht wegen diverser Zufälle die Weltmeisterschaft sowie das Masters gewonnen. Natürlich gehört auch Glück dazu. Erinnern wir uns an Frame 16, als Selby nur Schwarz lochen musste, um zum 8:8 auszugleichen.

Er verschoss und das Unglück für ihn nahm seinen Lauf. Dennoch, wenn wir bei der Ausgangsfrage sind, wer denn nun der beste Spieler der Welt ist, gibt es einfach keine klare Antwort. Sicher ist nur, auch Robertson gehört dazu. Nach einem 1:5 so den Schalter umzulegen und den Gegner praktisch in Grund und Boden zu spielen, das schaffen nicht viele Spieler.

Und wenn der Gegner dann noch Mark Selby heißt, dann ist dies eine Meisterleistung. Denn der Jester from Leicester ist der vielleicht härteste Gegner – wenn wir über Matchplay sprechen -, den es zu besiegen gilt. Seine 147 gegen Ricky Walden war zudem eine Augenweide, gleichzeitig hat man aber auch gesehen, dass er Probleme im Breakbuilding hat, zu oft eine zweite Chance braucht.

Natürlich kompensiert er das durch seine taktische Brillanz, allerdings – um nochmals auf den ersten Punkt zu kommen – fehlen ihm so noch ein paar Prozentpunkte, um zu den drei Top-Spielern aufschließen zu können. Und die sind für mich Ding Junhui, O’Sullivan und eben Robertson. Vor einigen Wochen hätte man Ding den WM-Titel schon geben können.

Seine Dominanz war erschreckend. Spielen konnte er auch schon vor Jahren, nun hat er seine Nerven in einen Titanmantel gepackt. Neil Robertson hatte schon immer ein Händchen für Finals, ist zudem einfach der beste Long-Potter der Tour. Zu Ronnie O’Sullivan muss man glaube ich keine weiteren Worte verlieren – er hat Snooker im Blut.

Selby ist sicherlich kein Spieler, der gegen diese drei Gegner ohne Chance ist. Aber Selby, Judd Trump, Stuart Bingham und wie sie alle heißen, liegen meiner Meinung nach eben noch ein Stück hinter diesen drei Spielern und schon jetzt würde ich eine Wette eingehen, dass der künftige Weltmeister Ding Junhui, Neil Robertson oder Ronnie O’Sullivan heißt.

Marco Fu siegt in Australien

14 Jul

Lange musste Marco Fu warten, bis er endlich wieder eine Trophäe in den Himmel heben durfte. Genauer gesagt waren es sechs Jahr. Denn zuletzt gewann der Snooker-Profi aus Hongkong beim Grand Prix 2007. Oft war er nah dran, zum großen Wurf reichte es aber nicht. Zu unkonstant zeigte sich Fu in vielen Situationen, bei den Australian Open konnte er nun glänzen.

Mit 9:6 bezwang er Lokalmatador Neil Robertson und es gibt zwei Sichtweisen, die diesen Erfolg beschreiben. Auf der einen Seite spielte Fu die Woche über stark. Seine Safetys waren stark, sein Spiel sehr konstant und solide – sozusagen ein verdienter Champion. Die andere Seite ist natürlich hypothetisch und damit beziehe ich mich auf das ausgedünnte Teilnehmer-Feld.

Eins vorweg, jeder Snooker-Profi muss sehen, wann, wie und wo er antreten will. Das wird in der kommenden Saison noch eklatanter, wenn die Geldrangliste eingeführt wird. Vor einiger Zeit hatten sich viele Spieler darüber beschwert, nahezu alle Turniere spielen zu müssen, um Punkte für die Weltrangliste zu bekommen und nicht aus den Top 16 zu fallen.

Dies dürfte sich mit der Geldrangliste zum Teil erledigen. Denn schon ein Erfolg kann reichen, um sich den Rest des Jahres entspannt um die Auswahl zu kümmern. Denn durch das relativ hohe Preisgeld bei einem der großen Ranking Events reicht der Sieg, um zumindest in den Top 32 zu liegen – die Punkte sind im Verhältnis schwächer zu bewerten.

Marco Fu gewann in Australien

Aber zurück zur Ausgangsaussage. Fu bekam es bei den Australian Open mit Ken Doherty, Shaun Murphy, Dominic Dale und Robert Milkins zu tun, bevor er im Finale auf Robertson traf, der vom Halbfinale gegen Mark Selby ausgelaugt war. „Ich bin sehr zufrieden, das Finale erreicht zu haben. Aber das Halbfinale hat mich sehr ausgelaugt und ich kam heute nicht richtig in mein Spiel.“

Spieler wie John Higgins, Mark Williams, Judd Trump, Stephen Maguire oder auch Matthew Stevens fehlten und so war der Draw übersichtlich, nicht zu schwer. Man muss hier sehr vorsichtig sein, denn Murphy ist natürlich ein sportliches Schwergewicht und auch Milkins hat in der letzten Saison bewiesen, wieder auf dem Vormarsch zu sein.

Und wie schon erwähnt, ist Fu ein verdienter Sieger, denn sein Spiel – auch eben im Finale – war sehr gut anzusehen. Es ist allerdings schade, so viele Top-Spieler nicht am Tisch gesehen zu haben. Marco Fu wird es egal sein, er hat den Titel und das Preisgeld gewonnen, steht auch wieder unter den Top 16. Es war übrigens auch erst sein zweiter Sieg bei einem Ranking Event.

Daraufhin entbrannte unter den Snooker-Fachleuten eine Diskussion, welche Spieler denn eigentlich zu wenig aus ihren Möglichkeiten gemacht haben. Mit dabei sind Jamie Cope, Anthony Hamilton und Ryan Day. Aber auch ein Spieler wie Mark Selby hat erst drei Ranking-Titel gewonnen. Auch Ali Carter, Shaun Murphy und Tony Drago wurden auf Twitter gehandelt.

Die Saison ist jedoch noch jung und vielleicht gibt es erneut einige Außenseiter-Siege. Die Chance dürfte allerdings bei keinem der anderen Turniere so hoch sein, wie bei den Australian Open. Alleine acht Spieler aus den Top 16 traten nicht an. Wie es mit dem Turnier weitergeht? Ich habe da ein eher schlechtes Gefühl.

Der Vertrag mit World Snooker ist nach meinem Wissensstand ausgelaufen. Es war ein alter Vertrag, weswegen die Top 16-Spieler in diesem Jahr noch gesetzt waren. Durch die hohen Steuern und die weite Anreise ist es wenig attraktiv. Selbst Robertson soll gesagt haben, wenn er nicht aus Australien kommen würde, hätte er die Teilnahme abgesagt – allerdings ist dies nicht verbrieft.

So dürfte es spannend werden, ob Barry Hearn noch ein As im Ärmel hat, um Australien weiter im Kalender zu behalten. Klar ist, dass es ein attraktives Paket sein müsste, um die Snooker-Spieler davon zu überzeugen, nicht zu diesem Zeitpunkt eine Auszeit zu nehmen. Für Marco Fu hat sich die Reise allerdings gelohnt und ein bisschen Preisgeld bleibt ja auch noch übrig.

Neil Robertson gewinnt das Wuxi Classic

23 Jun
Die neue Snooker-Saison hat also begonnen und erstmals mussten alle Top-Spieler in der ersten Qualifikations-Runde antreten. Einzig bei der WM, dem Shanghai Masters und den Australian Goldfield Open sind die Top 16-Spieler gesetzt und man durfte gespannt sein, welche Auswirkungen dies auf den Turnierverlauf haben würde.

Keinen großen, wenn man sich die ersten beiden Turniere ansieht. Das erste PTC-Event, die Bulgarian Open, gewann John Higgins im Finale gegen Neil Robertson, beim Wuxi Classic drehte der Australier den Spieß um, und setzte sich in einem hochklassigen Finale mit 10:7 gegen den Wizard of Wishaw durch.

Dabei gab es schon im Vorfeld lobende Worte des Weltranglisten-Ersten, der den Vorsprung auf Mark Selby mit seinem Sieg noch weiter ausbauen konnte. ”Wuxi ist auf dem besten Weg, eine richtige Snooker-Stadt zu werden“, so Roberton. ”Auch in den Schulen wird es gespielt und wir haben eine Schule besucht – es war sehr aufregend. Über 1000 Schüler haben uns zugesehen.“

64 Spieler hatten sich auf den Weg gemacht und erstmals gewann Reanne Evans ein KO-Match auf der Tour. In der Wildcard-Runde scheiterte sich dann jedoch und konnte sich nicht für die erste Runde qualifizieren. Zuvor hatte es in Gloucester eine Qualifikationsrunde gegeben, in der unter anderem Mark Selby gescheitert war.

Mark Allen mag seinen Top 16-Status

Man mag nun darüber denken, wie man will. Es gibt sicherlich Vor- und Nachteile. Mark Allen hatte moniert, dass er nicht umsonst lange hart trainiert habe, um sich diese Runden als Mitglied der Top 16 sparen zu können. Und natürlich wollen auch die Zuschauer, die immerhin nicht wenig für eine Eintrittskarte ausgeben, auch die besten Spieler sehen.

Doch wer sind die besten Spieler? Neben Selby scheiterte auch Shaun Murphy in der Qualifikation und man kann sicherlich auch so argumentieren, dass ein Top 16-Spieler eine solche Runde durchaus überstehen sollte. Das Feld könnte möglicherweise noch viel enger zusammenrücken, denn die Spieler jenseits der Top 32 bekommen häufiger Matchpraxis gegen die Großen des Sports.

Aber Qualität setzt sich ja trotzdem durch, wie wir gesehen haben. Zweimal Higgins gegen Robertson bei den ersten beiden Turnieren. Man wird sich trotzdem wohl daran gewöhnen müssen oder dürfen, dass in den Schlussrunden auf einmal Spieler stehen, die man dort früher nicht unbedingt erwartet hätte.

Underdogs mit gutem Lauf

Beim Wuxi Classic standen neben den Finalisten auch Anthony Hamilton, Robert Milkins, Cao Yupeng, Joe Perry, Matthew Stevens und David Morris im Viertelfinale – für Morris war es dabei seine Premiere, denn soweit hatte er es bei einem Ranking Event noch nie geschafft. Am ende siegte Robertson und holte sich den achten Ranking-Titel seiner Karriere.

Dabei scheint er sich in China wohlzufühlen, zuvor hatte er im April die China Open gewonnen. Higgins, der im Halbfinale gegen Stevens ein starkes Match zeigte, war zwar mit 5:2 in Führung gegangen, danach holte sich Robertson jedoch sechs Frames in Folge und legte so den Grundstein zum 10:7-Erfolg. In der Qualifikation zeigte der Australier übrigens auch ein Maximum Break.

Zudem erklärte Robertson, dass er früher zu Higgins aufgeschaut habe. ”John war früher mein Held, von daher ist es fantastisch, gegen ihn ein Finale zu spielen. Es ist dann ein Traum, ihn auch noch zu besiegen“, so der Sieger. ”Dazu ist es unglaublich, zwei Titel in China in Folge zu gewinnen. Früher wäre ich froh gewesen, zwei Matches in Folge zu gewinnen.“

Am 08. Juli geht es schon mit den Australian Open weiter und hier dürfen sich ob der alten Verträge noch alle Top 16-Spieler sicher sein, in der ersten Runde antreten zu dürfen – wenn sie dieses Turnier denn Spielen wollen. Denn ob der weiten Reise ist eine Niederlage in Runde eins ein Verlustgeschäft.

Snooker-WM in Sheffield: Tag 8

28 Apr

Während ich gestern fieberhaft überlegt habe, zu welchem Thema es sich denn lohnen würde, ein paar Worte zu Papier zu bringen, ist das heute nicht so wirklich eine schwierige Aufgabe. Denn Mark Selby wird nicht der vierte Spieler in der Geschichte des Snooker sein, der sich die Triple Crown holt. Masters und UK Championship hatte er gewonnen, die WM ist für ihn nun vorbei.

Steve Davis, Stephen Hendry und Mark Williams hatten das Kunststück geschafft, alle drei Turniere in einer Saison zu gewinnen. Und ganz ehrlich, Selby hatte beste Chancen, in diesen Kreis einzutreten. Aber dieser Barry Hawkins …. In meiner Vorschau hatte ich erwartet, dass er gegen Selby im Achtelfinale scheitern wird, aber ihn auch als harten Spieler bezeichnet.

Er steht nicht umsonst in den Top 16 und wusste in den letzten Monaten durchaus zu beeindrucken. Dazu hat er die Erfahrung und ließ sich gegen Mark Selby auch von einem Rückstand nicht erschrecken. Diese Erfahrung ist gerade bei der WM unglaublich wertvoll. Nun ist also der nächste Top Favorit schon ausgeschieden und man darf sich fragen, wo das noch hinführen soll.

Barry Hawkins schaltete Mark Selby aus (by World Snooker)

Barry Hawkins schaltete Mark Selby aus (by World Snooker)

Auch im letzten Jahr sind einige der Top Spieler bereits früh gescheitert. Das ist zwar richtig, doch darf man nicht vergessen, dass jener Selby beispielsweise unter den Folgen einer Nackenverletzung angetreten war. Stuart Bingham unterlag immerhin Stephen Hendry und Martin Gould war auch gesetzt, aber kein Spieler, der zwingend die zweite Runde erreichen musste.

In diesem Jahr ist es eine andere Geschichte – zumindest meiner Meinung nach. Man kann sicherlich damit argumentieren, Williams und Higgins haben keine gute Saison gespielt. Das ist richtig, aber die Breite der Überraschungen ist schon außergewöhnlich. Dabei war das Aus von Maguire schon eine Überraschung und das Scheitern von Robertson eine Sensation.

Aber warten wir ab, wie sich die Achtelfinals entwickeln. Mit dem Spiel von Judd Trump gegen Shaun Murphy haben wir ja schon einen absoluten Knaller, auf den ich mich jetzt schon freue. Dabei ist die obere Hälfte des Draws meiner Meinung nach die, aus der der Weltmeister hervorkommen wird. Bleibt die Frage, wer sich noch durchsetzen wird.

Sollte Ronnie O’Sullivan gegen Ali Carter gewinnen, trifft er auch Stuart Bingham oder Mark Davis. Das sind vier starke Spieler, die den Halbfinalisten unter sich ausmachen. Und unten? Da stehen momentan Michael White, Ricky Walden, Robert Milkins, Barry Hawkins, Mark King und Ding Junhui noch in der Verlosung.

O’Sullivan gegen Trump und Ding Junhui gegen Michael White wären doch zwei klasse Halbfinals. Aber mal sehen, wer sich letztlich durchsetzt. Dazu ist mir übrigens noch aufgefallen, dass mittlerweile viel über die Kicks gesprochen wurde. Ich weiß nicht mehr genau, welcher Profi es war.

Aber im Vorfeld hatte ein Spieler erklärt, es würde ihm auf die Nerven gehen, wenn die Kommentatoren immer darüber sprechen würden. Also praktisch jeden Fehler mit einem möglichen Kick zu erklären. Denn Spieler würden einfach Fehler machen und nicht immer wäre es ein schlechter Ballkontakt. Seit dem höre ich oft, wie die Kommentatoren es explizit erwähnen, wenn es ein Kick war oder eben ein Fehler – achtet mal drauf.

Snooker-WM in Sheffield: Tag 6

26 Apr

Das war ein ziemlich interessanter Tag in Sheffield muss ich sagen. Das Thema des Tages war natürlich das Aus von Neil Robertson, der als großer Favorit auf den Titel an Robert Milkins scheiterte. Wenn die Niederlagen von John Higgins, Mark Allen, Stephen Maguire und Mark Williams schon keine Sensation waren, dies war eine.

Dass Milkins es kann, ist unbestritten. Bevor er wegen Alkohol- und Spielsucht bis auf Platz 70 abgerutscht war, spielte er regelmäßig im Konzert der Großen mit. Zwar verpasste er den Spring in die Top 16, stand aber mehrfach kurz davor. Und so wusste er durchaus zu beeindrucken, auf der anderen Seite lieferte Robertson eine sehr schwache Vorstellung ab.

Gerade sein langes Spiel gilt als das vielleicht Beste auf der Main Tour. Und ich muss schon stark nachdenken, um mich an eine ähnlich schwache Leistung des Australiers zu erinnern. Gerade bei der WM sind es ja oft die Top-Spieler, die den Gang hochschalten können, die Atmosphäre kennen und Vorteile gegenüber den Qualifikanten haben.

Stuart Bingham könnte von dem Aus profitieren. Denn je mehr vermeintliche Favoriten stolpern, desto größer ist für ihn die Chance, wirklich weit zu kommen. Denn ob es nun Michael White oder jener Milkins sind, die Frage bleibt ja, ob sie diese Leistungen konstant abrufen können. Da traue ich Profis wie Bingham schon zu, auf lange Sicht einfach stärker zu sein.

Michael White hielt die Konzentration hoch (by World Snooker)

Michael White hielt die Konzentration hoch (by World Snooker)

Was mich aber wirklich beschäftigt war das Match zwischen White und Dechawat Poomjaeng, der mittlerweile nur noch Jack genannt wird, ob seines schwer auszusprechenden Vornamens. Gerade auf Twitter ist ein wahrer Boom entstanden, der Thailänder hat sich in kürzester Zeit zum absoluten Publikumsliebling entwickelt.

Er ist emotional, laut, unkonventionell und unterhält das Publikum mit seiner lockeren Art. Doch hier scheiden sich auch die Geister, denn noch immer ist Snooker ein Sport der Gentlemen. Ausreißer gab es schon immer und wird es auch weiterhin geben. Nicht umsonst ist Mark Selby der Jester from Leicester. Auch Ronnie O’Sullivan weiß, wie man mit dem Publikum spielt.

Es gibt viele Beispiele und Snooker soll ja durchaus unterhalten, die Interaktion mit dem Publikum ist auch erwünscht. Nur hat es Poomjaeng meiner Meinung nach ein wenig übertrieben. Gelochte Bälle oder erfolgreich gesetzte Snooker mit dem Publikum zu feiern, sie zu pushen und mit Gestiken zum Applaus aufzufordern,  ist mir zu viel.

Denn man muss auch bedenken, dass Snooker ein Kopfsport ist, es geht um Konzentration. Nicht umsonst sind Fotos verboten, die Zuschauer angehalten, sich nicht in Stoßlinien zu bewegen und sich ruhig zu verhalten. Respekt vor Michael White, der sich nicht aus der Ruhe bringen ließ und sein Spiel gnadenlos durchzog.

Die Frage ist: Braucht Snooker eine Veränderung? Ob Stephen Maguire am Ende verlor, da er zeitweise irritiert war, ist natürlich nicht zu klären. Aber ich bin gespannt, wie es sich in Zukunft verhält, sollten wir Poomjaeng häufiger zu sehen bekommen. Vielleicht war es auch nur die Nervosität, die raus musste. Dennoch bleiben fragen offen.

Gegen White wird er wohl ausscheiden, aber ich hätte ihn gerne noch weiter gesehen und dazu das Verhalten seiner Gegner. Grundsätzlich sind Sportarten wie Dart erfolgreich, da das Publikum mitgehen kann, die Sportler nicht in einem Kodex stecken. Hearn versucht schon alles, um Snooker wieder nach vorne zu bringen.

Nur muss man sehen, inwieweit der Sport sich verändern lässt. Diese Gentlemen-Attitüde macht Snooker aus. Es wird immer mal laut werden, ein Spieler muss auch mal den Druck ablassen – so wie Robertson mittlerweile mitten in den Frames – und Emotionen zeigen. Sollte es aber bedeuten, dass dadurch die Konzentration eines Gegners leidet, bin ich dagegen.

Snooker-WM in Sheffield: Tag 5

25 Apr

Auf Twitter gab es die Feststellung, dass es wohl nicht so ganz meine Snooker-WM sei. Ist dem wirklich so? Ja, ich bin ein Sportjournalist, aber der Blog ist privat. Ergo darf ich hier zumindest eine klare Meinung vertreten. Im vorletzten Jahr war es grenzwertig, als Matthew Stevens in Runde eins in etwa mit 9:5 gegen Mark Allen geführt, dann aber noch 9:10 verloren hatte.

Im letzten Jahr schaffte es der Walisische Drache bis ins Halbfinale. Das Match gegen Ronnie O’Sullivan war trotz des deutlichen Ergebnisses ein Highlight. Nun, wer einen Blick in meine Prognose wirft – gefühlt habe ich alles falsch getippt -, wird aber auch sehen, dass ich ihm maximal das Achtelfinale zugetraut habe. Aus Zeitgründen standen da die Qualifikanten noch nicht fest.

Als ich mir die Auslosung zum Draw angehört habe, musste ich schon mit dem Kopf schütteln, als Marco Fu gezogen wurde. Zweckpessimistisch habe ich mit einer Niederlage gerechnet, aber sie war am Ende doch sehr unglücklich. Die erste Session war schlimm, da Stevens überhaupt nicht in die Bälle gekommen war, am Ende wusste er zu beeindrucken.

Bitter natürlich, als beim Stand von 7:9 und einer langen Blauen ein Zuschauer umkippen musste und Stevens so aus der Konzentration riss. Ob er den Ball gelocht hätte? Schwer zu sagen. Ansonsten wäre es das 8:9 gewesen und ob Fu dann gewonnen hätte ….. Aber was solls, die WM ist kein Wunschkonzert, obwohl es manchmal schön wäre.

Mark Selby bleibt im Rennen um die Triple Crown (by World Snooker)

Mark Selby bleibt im Rennen um die Triple Crown (by World Snooker)

Zurück zu der Frage, ob es nicht meine WM ist. Mit Stevens kann man ja nicht planen und ansonsten halte ich gerne zu Dominic Dale, aber auch er ist eher der Kandidat, bei dem man froh ist, wenn er überhaupt nach Sheffield reisen darf. Schade finde ich persönlich das Aus von John Higgins, den ich einfach gerne spielen sehe – allerdings nicht in dieser Form.

Und klar, ich bin ein Fan von Ronnie O’Sullivan. Von daher sieht es momentan gar nicht so schlimm aus. Mark Selby ist weiter und bei Neil Robertson muss man sehen, wie die zweite Session läuft. Sollte er ausscheiden, wäre es für das Niveau und die Spannung ein herber Verlust. Gespannt bin ich auf die weiteren Auftritte von Dechawat Poomjaeng und Michael White.

Denn wenn man ehrlich ist, brauchen wir eine Generation nach Mark Williams, John Higgins, Ronnie O’Sullivan und wie die alten Recken auch immer heißen. Mit Robertson, Allen und Selby oder Shaun Murphy gibt es ja Spieler, die noch Jahre spielen und beeindrucken können. Dennoch ist es auch schön, junge Spieler nachrücken zu sehen, die im Laufe der Zeit ein Profil bekommen.

Und vergessen wir hier nicht Judd Trump und Ding Junhui. Der Chinese mag der sympathischere Spieler sein, aber so richtig warm werde ich mit seiner Spielweise nicht. Da schaue ich mir lieber Trump an, auch wenn er hie und da die Grenze des guten Geschmacks, optisch wie verbal, mit stachligen Schuhen kurz überschreitet.

Nun aber: Es ist nicht unbedingt meine WM, aber wenn ich mir die Vorzeichen anschaue, unter denen es meine WM werden könnte, dann stehen die Chancen immer schlecht, vollkommen zufrieden zu sein. Bisher fühle ich mich gut unterhalten und wenn ich mir alte Blogs auf sportal.de ansehe, saß ich auch schon bei 28 Grad im Schatten 17 Tage lang vor dem TV. Es geht also schlimmer und ich genieße die WM weiterhin rund um die Uhr.

Mein Glück mit den WM-Tipps

23 Apr

Es ist an der Zeit, sich mit halbgaren Ausreden aus der Affäre zu ziehen und alles, was man im Vorfeld der Snooker-WM geschrieben hat, irgendwie mit guten Argumenten für nichtig zu erklären. Und alles nur, da Mark Allen gestern in Runde eins ausgeschieden ist. Grundsätzlich also nicht meine Schuld. Da fragt man sich, warum man überhaupt einen Tipp abgibt.

Ich hätte auf Mark Selby oder Neil Robertson setzen sollen, aber man will ja auch ein wenig polarisieren, nicht unbedingt den Tipp nehmen, den alle haben. Und sind wir ehrlich, Allen war nicht der schlechteste Tipp. Bitter nur, dass er mit Mark King eben einen der stärksten Qualifikanten bekommen hat – neben John Higgins sowie Matthew Stevens.

Higgins und Allen sind schon gescheitert. Higgins meinte später, dass er seit Jahren in der Weltspitze aktiv ist und es Abnutzungserscheinungen geben kann. Die Bissigkeit kann natürlich den Ausschlag geben und da waren Davis und King sicherlich heißer. Zumindest fiel das bei Higgins gegen Davis auf, wobei man auch sagen muss, dass Higgins viel Pech hatte.

Mehrfach war er dran, den Rückstand zu verkürzen und oft hatte er Pech mit dem Spielball, der regelmäßig in die Tasche lief. Dennoch war der Sieg von Davis hochverdient, da der Wizard of Wishaw es eben nicht geschafft hat, zu seinem Spiel zu finden. Das hatte sich im Verlauf der Saison auch schon abgezeichnet und ist irgendwie eine logische Konsequenz.

Mark King setzte sich gegen Mark Allen durch (by World Snooker)

Mark King setzte sich gegen Mark Allen durch (by World Snooker)

Bei Allen hatte ich lange das Gefühl, als könne er das Match gewinnen. Beim Stand von 7:5 sah er wie der sichere Sieger aus, schien dann aber Probleme mit der Konzentration sowie Kondition zu haben. King spielte bis dato sicherlich kein überragendes Snooker, aber alleine ein Blick in sein Gesicht sprach Bände. Man sah die Motivation und Konzentration.

Allen wirkte hingegen müde, konnte überhaupt nicht mehr zulegen. Drei hohe Breaks und einige Fehler von Allen waren dann der Faktor für King. Damit ist also mein Favorit raus und ich werde mich ab jetzt raushalten in der Frage, wer den Titel holt. Erste Anwärter sind nun natürlich Mark Selby und Neil Robertson.

Ein Wort noch zu Dechawat Poomjaeng und Ben Woollaston, die eine wirklich gute Visitenkarte abgegeben haben. So ein Match im Crucible Theatre ist keine leichte Geschichte, denn die Atmosphäre in den heiligen Hallen ist speziell. Und dann noch Gegner wie Stephen Maguire und Ali Carter zu bekommen, macht es nicht einfacher.

Beide haben sich gut aus der Affäre gezogen. Wobei Poomjaeng mit einer 5:3-Führung in die zweite Session geht und Woollaston bei 4:5 ebenfalls alle Chancen hat, das Match noch zu gewinnen. Während Carter noch eine gute Leistung ablieferte, fand ich den Auftritt von Maguire enttäuschend. Ich denke, er wird sich durchsetzen, muss sich aber gehörig steigern.

Die erfahrenen Spieler wissen ja auch, dass in der ersten Session keine Entscheidung fällt und können mit den Kräften haushalten, um einen Rückstand zu drehen. Man darf also gespannt sein, ob beide Außenseiter das Niveau halten können und wie sie reagieren, sollten sie noch unter Druck geraten.

Das Schlusswort soll Peter Ebdon und Graeme Dott gehören. Viel war geschrieben und über Twitter erzählt worden, als klar war, dass sich beide in der ersten Runde treffen. Ein episches Match würde es werden und so sollte es dann ja auch kommen. Man konnte schon Mitleid mit Dott haben, als Ebdon vier Frames zum 6:6 gewann und dafür eine gefühlte Ewigkeit brauchte.

Das Spiel von Ebdon ist legitim, wenn auch nicht immer schön anzusehen. Aber es gehört dazu und wenn ich nicht unbedingt am nächsten Tag früh aufstehen muss, kann ich diese langen Safe-Battles schon genießen. Und wenn wir ehrlich sind, freuen wir uns über jede Minute Snooker im TV. Von daher war es fast schon schade, dass Dott am Abend nur 30 Minuten brauchte, um das Match zu gewinnen.