Ronnie O’Sullivan gewinnt das Masters 2014

19 Jan

Nein, er sein nicht unplayable. Das sagte Ronnie O’Sullivan, bevor er sich den Titel beim diesjährigen Masters sicherte und einen überforderten Mark Selby mit 10:4 in die Schranken wies. Es ist der fünfte Titel des Engländers bei diesem Non Ranking Snooker Event und damit fehlt ihm noch ein Sieg, um zu Stephen Hendry aufzuschließen.

Mit zehn Finalteilnahmen beim Masters hatte sich O’Sullivan bereits in die Geschichtsbücher eingetragen und nach den teilweise überragenden Auftritten unter der Woche ist es nicht verwunderlich, dass auch Mark Selby ohne Chance war. Nicht unplayable also? Spätestens nach seinem Sieg muss man anderer Meinung sein.

Selby gilt als Spieler mit Nerven aus Stahl. Der Jester from Leicester ist ein Kämpfer, ein Mann, der niemals aufgibt. Vielleicht war es das perfekte Finale, um zu zeigen, dass es keinen besseren Spieler als O’Sullivan gibt. Denn mit seinem taktischen Spiel kann Selby Gegner mürbe machen, sie zu Fehlern zwingen und schließlich knacken.

Das klappte im Finale des Masters nicht. Es hätte durchaus auch eine noch höhere Niederlage geben können, nachdem O’Sullivan bereits mit 5:0 in Führung gegangen war, bei 8:1 Braun vom Spot verschoss und die 9:1-Führung verschenkte. War O’Sullivan nun zu stark oder hatte Selby einen Tag erwischt, an dem nicht mehr möglich war?

Ronnie O'Sullivan gewinnt das Masters 2014

Ronnie O’Sullivan gewinnt das Masters 2014

Selby erwischte zwar einen denkbar schlechten Start, verschoss einige lange Einsteiger und lag schnell 0:3 hinten – gegen O’Sullivan in dieser Form fast schon ein Todesurteil. Die Frage ist jedoch, warum Selby diese leichten Fehler beging. Es auf einen schwachen Tag zu schieben, ist vielleicht zu einfach und würdigt nicht die Leistung seines Gegners bei diesem Turnier.

Sein Sieg gegen Ricky Walden wurde vielerorts als beste Leistung der letzten Jahre angesehen. Es war Snooker aus dem Lehrbuch und das Gegenteil eine Rolle vorwärts beim Kunstturnen. Es war eine Meisterleistung, eine Vorstellung der Extraklasse. Auch Robert Milkins und Stephen Maguire waren mehr Zuschauer, als aktive Teilnehmer.

Ronnie O’Sullivan dirigierte den Spielball, das lange Spiel war großartig, die Safetys saßen und das Lochspiel stand ebenfalls Spalier. Wenn diese vier Faktoren greifen, ist O’Sullivan nicht zu bezwingen. Das wusste auch Selby und war meiner Meinung nach beeindruckt vom Auftreten seines Gegenüber – und auch er ist nicht davor gefeilt, Respekt zu haben.

Ronnie O’Sullivan ist 38 Jahre alt und schaut man sich andere Spieler seiner Altersklasse an, zeigt die Leistungskurve normalerweise nach unten. Bei ihm hat man das Gefühl, sein starkes Spiel, gepaart mit dem Talent, entwickelt sich ständig weiter. Die Ruhepausen – inklusive dem Ausscheiden bei der Qualifikation für das German Masters – mögen dies noch unterstützen.

Vielleicht ist es auch so, das viele Spieler über kein herausragendes B-Spiel verfügen, wie zum Beispiel John Higgins es in Perfektion im Repertoire hatte. Die Crux ist, man braucht einen überragenden Tag, um O’Sullivan bei einem großen Turnier schlagen zu können. So wie Stuart Bingham es bei den UK Championship gelang.

Ist O’Sullivan in Form und gewillt, ein Match auch zu gewinnen, dann ist er momentan nicht zu schlagen. Es gibt eine handvoll Spieler, die es an einem guten Tag schaffen können. Dabei dürfen sie sich jedoch keine Schwäche leisten und bei Ronnie O’Sullivan dürfen nicht alle Faktoren (Lochspiel, Safetys, Ballkontrolle, Long Pots) greifen.

Nach eigener Aussage befindet sich O’Sullivan auf dem Weg zur der Form, die er bei der WM 2012 hatte. Damals fühlte er sich unplayable und meinte, er könne den Spielball präzise auf einer Münze landen lassen. Das hört sich wie eine Kampfansage an und die WM 2014 ist nicht mehr weit entfernt – wie auch das Erreichen der Bestform des Masters-Champions 2014.

2013 wird geprüft

31 Dez

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2013 an.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2013 etwa 18.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 7 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Ronnie O’Sullivan verpasst das German Masters

13 Dez

Ronnie O’Sullivan ist in der Qualifikation zum German Masters in Berlin gescheitert. The Rocket unterlag Thepchaiya Un-Nooh mit 4:5 und wird damit im Januar zwar das Masters spielen, dem Tempodrom jedoch – gezwungenermaßen – fernbleiben. Nun könnte man sagen, dass es sehr schade ist, da die deutschen Fans grundsätzlich treue Anhänger von O’Sullivan sind.

Vielleicht hätte sich O’Sullivan auch geärgert, da er bei seinem letzten Auftritt erklärte, die Atmosphäre zu mögen und auch das Format mit fünf Tischen sehr genossen zu haben. Allerdings wird der Engländer der Niederlage keine Träne nachweinen – und das kann mit Fug und Recht behauptet werden.

Denn zu keiner Phase des Spiels schien O’Sullivan Interesse daran zu haben, einen Sieg gegen den thailändischen Gegner erringen zu wollen. Dabei war es nicht die Masse der Fehler, die zu der Niederlage führte und die man mit einem schlechten Tag vielleicht noch hätte erklären können. Es war die Art des Spiels.

Harakiri ist dabei noch untertrieben und Bälle in der Schwierigkeitsform einer Rolle Vorwärts beim Kunstturnen fanden nicht den Weg in die Tasche. O’Sullivan agierte derart lustlos, dass Thepchaiya Un-Nooh trotz vieler eigener Fehler kaum in Bedrängnis kam – obwohl das Ergebnis am Ende natürlich knapp ausfiel.

Während des Matches entbrannte auf Twitter eine rege Diskussion über den Auftritt des Superstars. Dragonstars hatte natürlich ein Antrittsgeld für diese Runde gezahlt und es schien so, als ob O’Sullivan dieses Geld locker habe mitnehmen wollen, aber zu keiner Zeit ernsthafte Ambitionen hegte, auch wirklich nach Berlin reisen zu wollen.

Thomas Cesal, Geschäftsführer von Dragonstars-Eventmanagement GmbH, meinte auf Anfrage: „Habe es nicht gesehen. War doch aber knapp 4-5?! Es hat außer Robert Milkins glaube ich jeder Top 16 Spieler die Qualifikation geschafft. Also sind doch nahezu alle da. Außerdem wird er ja dann zur Exhibition Ende Mai sicher dabei sein.“

Eine diplomatische Antwort, die man so selten via Twitter fand. Von „Schiebung“ über „Betrug“ bis „bodenlose Frechheit“ und „verspieltem Kredit“ liefen die Tweets. Um es nochmals zu betonen: Jeder Spieler kann machen, was er will. Aber warum in eine Qualifikation gehen, wenn man nicht den Plan hat, das Turnier auch zu spielen?

Wie im Video ersichtlich ist, war es kein schlechter Tag. Es war gewollt. Dominic Dale schrieb, dass O’Sullivan ohnehin erklärt habe, noch eine Auszeit nehmen zu wollen. Sicherlich ist das Masters höher einzustufen und im April folgt auch schon die WM. Hätte O’Sullivan also einfach verzichtet, es wäre eine Randbemerkung geblieben.

Ich bin ein Fan von O’Sullivan. Sei es sein Spiel, die Art des Spiels oder auch die Person, die ich seinerzeit bei einem Interview erleben durfte. Doch auch ich war geschockt, als ich die zweite Hälfte des Matches sah. Natürlich sollte sich jeder sein eigenes Bild machen, aber meiner Meinung nach ist es kein feiner Zug, in die Qualifikation zu gehen und dann mit offensichtlicher Lustlosigkeit das Match abzuschenken.

Robertson holt die Triple Crown

9 Dez

Tja, wer ist denn nun der beste Snooker-Spieler der Welt? Ding Junhui, der zuletzt drei Turniere gewinnen konnte? Oder ist es Ronnie O’Sullivan, der Sieger beim Champion of Champions? Vielleicht aber auch Neil Robertson, der sich mit dem Sieg bei den UK Championship die Triple Crown gesichert hat.

Der Australier gewann in einem packenden Finale mit 10:7 gegen Mark Selby, der nach der ersten Session und einer zwischenzeitlichen 5:1-Führung wie der sichere Sieger ausgesehen hatte. Gut, beim 5:3 konnte der objektive Zuschauer das Gefühl bekommen, hier geht noch was. Zwei Frames zuvor lag Robertson förmlich am Boden.

Neil Robertson siegt bei den UK Championship

Neil Robertson siegt bei den UK Championship

Um die 70 Prozent Lochquote und die langen Bälle gingen meterweit an den Taschen vorbei. Aber er ist nicht umsonst die Nummer eins der Welt und hat auch nicht wegen diverser Zufälle die Weltmeisterschaft sowie das Masters gewonnen. Natürlich gehört auch Glück dazu. Erinnern wir uns an Frame 16, als Selby nur Schwarz lochen musste, um zum 8:8 auszugleichen.

Er verschoss und das Unglück für ihn nahm seinen Lauf. Dennoch, wenn wir bei der Ausgangsfrage sind, wer denn nun der beste Spieler der Welt ist, gibt es einfach keine klare Antwort. Sicher ist nur, auch Robertson gehört dazu. Nach einem 1:5 so den Schalter umzulegen und den Gegner praktisch in Grund und Boden zu spielen, das schaffen nicht viele Spieler.

Und wenn der Gegner dann noch Mark Selby heißt, dann ist dies eine Meisterleistung. Denn der Jester from Leicester ist der vielleicht härteste Gegner – wenn wir über Matchplay sprechen -, den es zu besiegen gilt. Seine 147 gegen Ricky Walden war zudem eine Augenweide, gleichzeitig hat man aber auch gesehen, dass er Probleme im Breakbuilding hat, zu oft eine zweite Chance braucht.

Natürlich kompensiert er das durch seine taktische Brillanz, allerdings – um nochmals auf den ersten Punkt zu kommen – fehlen ihm so noch ein paar Prozentpunkte, um zu den drei Top-Spielern aufschließen zu können. Und die sind für mich Ding Junhui, O’Sullivan und eben Robertson. Vor einigen Wochen hätte man Ding den WM-Titel schon geben können.

Seine Dominanz war erschreckend. Spielen konnte er auch schon vor Jahren, nun hat er seine Nerven in einen Titanmantel gepackt. Neil Robertson hatte schon immer ein Händchen für Finals, ist zudem einfach der beste Long-Potter der Tour. Zu Ronnie O’Sullivan muss man glaube ich keine weiteren Worte verlieren – er hat Snooker im Blut.

Selby ist sicherlich kein Spieler, der gegen diese drei Gegner ohne Chance ist. Aber Selby, Judd Trump, Stuart Bingham und wie sie alle heißen, liegen meiner Meinung nach eben noch ein Stück hinter diesen drei Spielern und schon jetzt würde ich eine Wette eingehen, dass der künftige Weltmeister Ding Junhui, Neil Robertson oder Ronnie O’Sullivan heißt.

Ding Junhui und die neue Leichtigkeit

22 Nov

Ronnie O’Sullivan, John Higgins und Mark Williams sind drei der besten Snooker-Spieler aller Zeiten. Doch sie alle haben es nicht geschafft, drei Ranglisten-Turniere in Folge zu gewinnen. Dieses Kunststück gelang nun Ding Junhui, als erstem Spieler seit Stephen Hendry im Jahr 1993.

Seit Barry Hearn sich dem Snooker angenommen hat, ist der Sport zu einer globalen Marke gereift. In den Zeiten von Steve Davis oder Stephen Hendry fristete der Sport zwar ein sehr erfolgreiches Dasein, der Großteil der Turniere fand jedoch in England, Schottland, Wales oder Irland statt. Zudem zeigte sich der Kalender bei maximal zehn Ranglisten-Turnieren sehr übersichtlich.

Diese Zeiten gehören der Vergangenheit an. Snooker ist längst eine internationale und globale Marke geworden. Mit Neil Robertson steht ein Australier auf Platz eins der Weltrangliste, die PTC-Tour sorgt für einen vollen Terminkalender und in Asien gibt es eine Vielzahl an Spielern, die mit aller Macht auf die Main Tour drängen.

Ding Junhui: Ein Volksheld in China

Ding Junhui nach seinem Hattrick

Ding Junhui nach seinem Hattrick

Ding Junhui ist dabei als Vorreiter anzusehen. Er ist ein Volksheld in China und wenn er am Tisch steht, schnellen die Einschaltquoten in die Höhe. Sein Hattrick – er gewann das Shanghai Masters, die Indian Open sowie die International Championship – ist dabei ein neuer Meilenstein. Denn zuletzt schaffte dies Stephen Hendry im Jahr 1993.

Ding Junhui hat fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Bei den UK Championship triumphierte er bereits zwei Mal und auch beim Masters trug er sich in die Siegerliste ein. Einzig ein Erfolg bei der Snooker-WM steht noch aus. Aber der Chinese ist gerade einmal 26 Jahre alt und Ronnie O’Sullivan erklärte einst, Ding Junhui habe das Zeug, ein vielfacher Weltmeister werden.

Karrierebeginn im Alter von neun Jahren

Im Alter von neun Jahren begann Ding Junhui mit dem Snooker. Sein Vater sah das Talent des Sohns und überredete dessen Mutter, das Haus zu verkaufen, um dem Jungen eine Karriere als Profi zu finanzieren. Acht Stunden pro Tag stand er am Tisch und genoss jeden Moment, in dem er einen Queue in der Hand hielt. Viele Interessen außerhalb des Sports gab es nicht.

Sein Weg war vorgezeichnet und ganz China hatte in ihm einen Helden gefunden, als die ersten Erfolge sich einstellten. Mit 15 gewann er die Asian U21-Championship sowie die Asien Championship und im September 2003 bekam er von der World Professional Billiards & Snooker Association ein Ticket für die Main Tour, wurde Profi.

Zu dieser Zeit spielte Ding Junhui befreit auf und im März 2005 gewann er als 18-Jähriger sein erstes Ranglistenturnier – im Finale der China Open besiegte er Stephen Hendry. In China sahen 110 Millionen Menschen dieses Match – bis heute Rekord für ein Snooker-Übertragung. Im Dezember des selben Jahres holte er sich auch den Sieg bei den UK Championship – ein weiterer Meilenstein.

Das Wunderkind aus China

Längst war er das Wunderkind aus China, Vergleiche mit Ronnie O’Sullivan – dem talentiertesten Spieler aller Zeiten – wurden angestellt. Als er dann vor seinem 20. Geburtstag auch noch die Northern Ireland Trophy gewann, war er neben John Higgins einer von zwei Spielern, die dieses Kunststück fertiggebracht hatten und kletterte im Provisional Ranking bis auf Platz fünf.

Doch auf einmal verlor Ding Junhui seine Leichtigkeit. Der Druck war spürbar, gerade bei Turnieren in der Heimat lastete viel Verantwortung auf seinen Schultern. Unvergessen ist natürlich auch das Finale beim Masters im Jahr 2007, als Ronnie O’Sullivan seinem jungen Gegner eine Lehrstunde erteilte. Beim Stand von 3:8 aus Sicht des Chinesen flossen erste Tränen.

Dennoch gab es ein versöhnliches Ende, als O’Sullivan ihn in den Arm nahm und später erklärte, dass nur Ding Junhui in der Lage wäre, einen Spieler so verwundbar zu machen, wie seinerzeit Paul Hunter es konnte. Ding Junhui sagte der Daily Mail: „Der Unterschied zu den China Open ist groß, hier fühle ich mich ziemlich alleine.“

Es war eine neue Welt für den jungen Chinesen, der sich als Teenager plötzlich in einer neuen Welt und einer neuen Kultur behaupten musste. Zudem machten es ihm die Fans nicht leicht. Er galt als Roboter ohne Gefühlsregungen und beim Masters-Finale musste er sich zudem noch mit feindseligen Kommentaren auseinander setzen.

Ding Junhui: Ein Spieler wie Stephen Hendry

Sein Talent war unbestritten und sein erstes Maximum spielte er am 14. Januar 2007 beim Masters im Spiel gegen Anthony Hamilton. Sein Breakbuilding ist eine Augenweide und Stephen Hendry meinte unlängst zum express.co.uk: „Ding Junhui ist nach Ronnie O’Sullivan der beste Spieler auf der Tour.“ Nur fehlte es zunächst an Beständigkeit.

Die Durststrecke endete in der Saison 2009/10, als er zwei Finals erreichte und erneut die UK Championship gewann. Die Spitze im Snooker ist mit der Übernahme von Hearn dichter geworden. Viele Spieler aus der zweiten Reihe bekommen durch die neue PTC-Tour mehr Spielpraxis und neuerdings müssen sich die Top-Profis bei Turnieren ab der ersten Runde durch das Feld quälen.

Auch Ding Junhui hat gelernt, wenn auch in anderen Dimensionen. Da viele Spieler aus Asien den Weg auf die Main Tour gefunden haben, ist sein soziales Umfeld stabiler geworden. Auch hat er gelernt, mit dem Druck umzugehen. Insgesamt ist die Akzeptanz auch bei den Fans größer geworden. Das liegt an seinem Spiel, aber auch an der Globalisierung.

Mittlerweile hat Ding Junhui über 300 Century Breaks sowie fünf Maximum Breaks gespielt, neun Ranking Events, zwei Minor-Events und das Masters gewonnen. In der Weltrangliste liegt er auf Rang drei, die beste Platzierung seiner Karriere. In der heutigen Zeit ist es schwer, eine Dominanz zu erreichen, wie Hendry und Steve Davis es schafften.

Unbestritten ist allerdings, dass Ding Junhui es schaffen kann, die WM im Crucible Theatre zu gewinnen. Nachdem er Marco Fu im Finale des International Masters besiegt hatte, sagte Fu: „Ding spielt im Bereich Break Building wie Hendry zu besten Zeiten.“ Wie seine Zukunft auch aussehen mag, ein besseres Kompliment kann man einem Spieler nicht machen.

Paul Hunter

9 Okt

Vor genau sieben Jahren erlag Paul Hunter einem Krebsleiden. Elf Jahre hatte der „Beckham of the baize“ als Profi auf der Main Tour gespielt und mit seiner Art viele Freunde auf der ganzen Welt gewonnen. Sein großes Talent zeigte er bei den drei Masters-Erfolgen und den zwei Titeln bei den Welsh Open. Zum fünften Todestag widmet der Respotted-Blog ihm ein Porträt.

Ronnie O’Sullivan, John Higgins und Mark Williams gehören dem Goldenen Jahrgang der Snooker-Spieler an (geboren 1975). Sie dominierten Anfang der Jahrtausendwende das Spiel. Sieben der elf WM-Titel gingen an die drei Spieler. Zudem gewannen sie acht der letzten 14 Ausgaben der UK Championship.

Ob Paul Hunter (Jahrgang 1978) das Aushängeschild eines neuen Jahrgangs hätte werden können, ist schwer zu sagen. Er hatte im Vergleich zu den drei Profis auf jeden Fall noch eine andere, ganz besondere Qualität. Stetig mit einem Lächeln im Gesicht auftretend, war er einer von den Akteuren, die dem Sport neues Leben einhauchten, ihn bei der Jugend – gerade auch den weiblichen Fans – sehr populär machten.

Von diversen MC´s wurde er daraufhin als „The Beckham of the baize“ bezeichnet und das lag nicht nur daran, dass er eine ganze Generation für den Sport gewann. Auch seine langen blonden Haare, die er gerne modisch stylte, ließen diese Assoziation aufkommen. Die englische Times schrieb seinerzeit, dass sich bei den China Open gerade die „I love Paul Hunter“-Shirts bei den weiblichen Fans großer Beliebtheit erfreuten.

„Das ist ein ganz trauriger Moment für dieses Spiel. Paul hat das Snooker sexy gemacht“, wurde Ken Doherty zum Tode von Hunter einst von der Süddeutschen zitiert. Neben diesen Qualitäten war Hunter natürlich auch ein hochbegabter Snooker-Spieler, gewann das prestigeträchtige Masters drei Mal und holte drei weitere Titel bei Ranglistenturnieren. Am 09. Oktober 2006 – fünf Tage vor seinem 28. Geburtstag – erlag er nach langem Kampf dann einem Krebsleiden.

Ein Weltmeister als Förderer

Am 14. Oktober 1978 wurde Hunter in Leeds geboren. Mit seinem Vater Alan reiste er quer durch die Lande, um an diversen Junioren-Turnieren teilzunehmen. Schnell wurde klar, dass der junge Paul ein außergewöhnliches Talent besaß. Er gewann Turniere am Fließband und hatte im früheren Weltmeister Joe Johnson (1986) und Jimmy Michie später zwei Förderer, von denen er lernte.

Schon im Alter von zwölf Jahren hatte sich Hunter durch seine guten Leistungen einen Namen gemacht und gewann den ersten Titel mit 14, als er zusammen mit Richard Brooke die English Doubles Championship gewann. Als „teenage professional“ konnte sich seine Siegesserie sehen lassen und so kassierte er nur eine Niederlage in 37 Matches.

Ob seiner Klasse spielte er vornehmlich gegen ältere Jungs, und da seine Gegner meist schon Profis waren und dementsprechend die Schule schon verlassen hatten, waren sie nicht unbedingt die Vorbilder, die ein Junge in seinem Alter gebraucht hätte. „Das Problem war, dass ich so gut war, um zu der Zeit schon Profi zu werden“, erklärte er im Interview mit der BBC.

„Aber man musste mindestens 16 sein. Meine älteren Freunde, die ich im Training regelmäßig schlug, wurden alle Profis. Da habe ich die Schule dann auch verlassen.“ Im Juli 1995 war dann aber auch seine Zeit gekommen und er wurde wie erwartet Profi.

Alan McManus kein Gradmesser für Hunter

Dass er gut genug war, um es mit den Großen des Sports aufzunehmen, bewies er vier Monate später. In der ersten Runde der UK Championship schaltete er Alan McManus aus – zwischenzeitlich immerhin die Nummer sechs der Weltrangliste. Und nur ein Jahr später wurde er nach Siegen über Chris Small und Stephen Hendry der jüngste Spieler aller Zeiten, der das Halbfinale eines Ranking Events erreichte. Im Halbfinale der Welsh Open unterlag er dann John Parrot.

Seit jener Zeit war er ständiges Mitglied auf der Main Tour und entwickelte eine ganz besondere Beziehung zu den Welsh Open, die er zweimal gewann – erstmals 1998. In dem Jahr schaltete er bei seinen Matches Top-16-Größen wie Steve Davis, Peter Ebdon, Nigel Bond und Alan McManus aus. Und im Finale wartete mit John Higgins ebenfalls eines der großen Talente des Snooker. Der Wizard of Wishaw hatte in der Saison 1994/95 drei Ranglisten-Events gewonnen und sicherte sich 1998 seinen ersten WM-Titel.

Hunter gewann das Finale mit 9:4 und holte sich sieben der letzten acht Frames. Als er dann auch noch das Halbfinale der UK Championship erreichte, kürte man ihn zum Young Player of the Year. Dank seiner Erfolge lag er bereits auf Platz 43 der Weltrangliste und sein Aufstieg ging steil nach oben. Abseits des Sports musste Hunter zunächst jedoch Lehrgeld zahlen – gerade was sein Leben als Person des öffentlichen Lebens anging.

Drogen, Sex und der Boulevard

1999, nach der Feier seines 21. Geburtstages, bekam er beispielsweise während des Grand Prix in Bournemouth eine Strafe wegen des Konsums von Cannabis aufgebrummt und so wurde auch die Boulevard-Presse auf ihn aufmerksam. Allerdings hatte er seine Lektion (das Preisgeld und die Punkte wurden ihm aberkannt) gelernt und zeigte sich seitdem als verantwortungsvoller Profi. Mit der Jahrtausendwende konzentrierte er sich komplett auf sein Spiel und den Sport.

Ob seiner offenen und freundlichen Art machte er sich zudem kaum Feinde, unterschätzte aber hier und da seinen Status. So auch im Jahr 2001, als er erstmals das Finale des Masters erreichte und es auch gewann. Und hinter diesem Erfolg steht eine ganz besondere Geschichte. Im Finale führte Fergal O’Brien bereits mit 6:2 und Hunter war nicht bei der Sache.

Sein Manager Brandon Parker animierte ihn daraufhin zu Plan B. Dies war keine einstudierte Taktik, sondern das B stand für „bonk“ – umgangssprachlich war damit Sex gemeint. „Sex war wirklich das Letzte, woran ich gedacht habe“, so Hunter gegenüber der BBC.

„Aber es musste etwas passieren. Es war eine schnelle Nummer, die vielleicht zehn Minuten ging. Aber danach habe ich mich großartig gefühlt. Sie (Lindsey Fell/d. Red.) ging dann ins Bad, während ich eine Zigarette geraucht habe. Danach habe ich einfach traumhaft gespielt, vier Centuries in sechs Frames geschafft und leicht und locker gewonnen.“

Die Liebe zum Masters

Dreimal gewann er das Masters (2001/ 2002/ 2004) und war neben Stephen Hendry und Cliff Thorburn einer von drei Spielern, die das Masters mindestens drei Mal gewannen. Bei jedem seiner Erfolge musste er einen Rückstand aufholen und als nächsten Gegner traf es Mark Williams, der bereits mit 5:0 in Führung gelegen hatte. Der dritte Erfolg ging über Ronnie O’Sullivan, der sich beim 7:2 schon als sicherer Sieger wähnte.

Keine Frage, dass Plan B bei jedem seiner Erfolge zum Einsatz kam. Natürlich war dies ein gefundenes Fressen für die Presse und sein Image war gefestigt. Später erklärte er der BBC: „Die meiste Zeit über fühle ich mich gar nicht als Sex-Gott. Um ehrlich zu sein, habe ich mich noch nie so gefühlt.

Aber irgendwie kommt immer jemand vorbei und begrüßt mich als Sex-Pot oder fragt mich, ob ich nicht der Snooker-Spieler bin, der Sex mit seiner Freundin in der Pause hatte. Niemand fragt mich, ob ich nicht der dreimalige Masters-Champion oder die Nummer vier der Welt bin. Sie wollen immer nur diese Geschichten hören.“

Doch gestört hat es ihn nie, wie er der BBC – die Zigarette locker zwischen den Fingern haltend – erklärte. „Ich bin ein träger Sack. (…) Ich bin einfach ein normaler Kerl aus Leeds. Dazu habe ich das normale Leben eines 25-Jährigen gelebt. Vielleicht will ich ein Weltmeister sein, aber ich bin genauso daran interessiert, einen Drink zu nehmen und eine Zigarette zu rauchen – tja und auch hier und da eben ein wenig Sex zu haben. Keine große Sache, aber manche Menschen machen da ein riesen Ding draus.“

Freude für Jimmy White

Seine Natürlichkeit war sicherlich einer der Gründe dafür, dass er bei Spielern, Offiziellen und Fans so beliebt war. Ob es nun bei den China Open 2005 war, als er lieber Autogramme gab, anstelle zu einer Pressekonferenz zu gehen, oder seine sportliche Art. Rolf Kalb erklärte gegenüber der Süddeutschen: „Bei Niederlagen hat er seine Gegner gelobt, bei Siegen hat er sie getröstet.“

So auch bei der Players Championship im Jahr 2004 in Glasgow. Im Finale unterlag Hunter Jimmy White und freute sich einfach mit dem Whirlwind, der erstmals seit elf Jahren wieder eine Trophäe in die Luft stemmen durfte. Zu Jimmy White hatte Hunter in den Jahren auch eine enge Freundschaft aufgebaut.

White, der es in seiner großartigen Karriere verpasst hatte, die WM zu gewinnen, war auch einer seiner großen Vorbilder. Und so wurden Erinnerungen wach, als Hunter im Jahr 2003 das Halbfinale der WM im Crucible erreichte und dort Ken Doherty auseinander zu nehmen drohte. Doch trotz einer 15:9-Führung verlor er mit 16:17 und war sich nicht zu schade, den Iren nach der Niederlage zu umarmen und ihm viel Glück für das Finale zu wünschen.

Diesen herben Rückschlag verdaute Hunter jedoch ohne Probleme und erklärte dem Guardian vor der WM 2004: „Natürlich wäre es fantastisch, die WM in diesem Jahr zu gewinnen. Aber auch wenn es nicht klappt, ich werde eines Tages Weltmeister sein. Können Sie sich vorstellen, wie Jimmy White sich fühlt, nachdem er es nie geschafft hat, diesen Titel zu gewinnen? Er war mein großes Vorbild, als ich ein Kind war. Aber ich will nicht, dass so etwas mir passiert.“

Die Zeit der Rückschläge

Bei der WM unterlag er in Runde zwei jedoch seinem besten Kumpel Matthew Stevens mit 12:13, doch das Highlight sollte noch kommen, denn nur drei Monate später heiratete er seine Freundin Lindsey auf Jamaica. Allerdings sollte es nicht lange dauern, bis das junge Glück mit einer niederschmetternden Diagnose konfrontiert wurde.

Denn ob seiner häufig auftretenden Magenschmerzen wurde bei Hunter schließlich Krebs im Darm diagnostiziert. Bei einem Event in China erklärte er sich gegenüber seiner Kollegen. „Paul nahm mich beiseite und zusammen mit zwei Flaschen Vodka besprachen wir die Sache“, erklärte White gegenüber dem Independent.

Paul Hunter unterzog sich einer Chemotherapie und verlor mit seinen Haaren auch sein Markenzeichen, der Humor blieb ihm aber treu. Als er in der ersten Runde der WM 2005 an Michael Holt scheiterte, erklärte er: „Ich habe weniger Haare, als Willie Thorne.“ Trotz seiner Probleme, die mit der Krankheit und der Behandlung einhergingen, kehrte er auch in der folgenden Saison auf die Main Tour zurück.

Doch die mittlerweile zweite Chemotherapie sorgte dafür, dass Paul Hunter mit Nebenwirkungen zu kämpfen hatte. Aufgrund von Problemen mit seiner Sehfähigkeit war er chancenlos und fiel im Laufe der Saison aus den Top 32. Bei sechs Teilnahmen an Ranking Events gewann er lediglich ein Spiel und besiegte Jamie Burnett mit 9:8 bei den UK Championship.

Sein letztes Spiel bestritt er bei der WM, als er Neil Robertson unterlag und mit stehenden Ovationen verabschiedet wurde. Zwar wollte er seine Karriere fortsetzen und hatte auch den Kampf angenommen, doch ein erneuter Rückfall verhinderte seine Teilnahme an der Saison 2006/07. Immerhin änderte die World Snooker Association ihre Satzung und fror die Punkte für die Weltrangliste ein, sodass er bei einer Rückkehr wieder auf Platz 34 hätte einsteigen können.

Seine Gesundheit hatte sich jedoch mehr und mehr verschlechtert und an eine Rückkehr auf die Main Tour war nicht mehr zu denken. Mitten in die dunklen Tage fiel dann aber die Geburt seiner Tochter Evie Rose (26. Dezember 2005). In ihrem Buch „Unbreakable“ (Mein Leben mit Paul) schrieb Lindsey:

„Am 26.Dezember wurde Evie Rose geboren. In der Zeit der Dunkelheit und der Angst vor dem Tod mit all dem Schmerz und den Sorgen hatten wir neues Leben erschaffen. In der ersten Woche haben wir alles zu Dritt unternommen und kaum das Haus verlassen. Ich wäre die glücklichste Person der Welt, wenn ich diese Woche noch einmal erleben könnte.“

Viel Zeit konnte die junge Familie nicht mehr zusammen verbringen, denn mit Hunters Gesundheit ging es rapide bergab. Er wusste, dass er sterben würde und am 9. Oktober 2006, kurz vor seinem 28. Geburtstag, erlag er seinem Leiden.

Anteilnahme aus der ganzen Welt

Die Snooker-Welt nahm Anteil und das Kondolenzbuch im Internet quoll über ob der Vielzahl an Einträgen von Fans rund um die Welt. In Fürth wurden die German Open in Paul Hunter Classic umbenannt und World Snooker benannte seither den Newcomer-Preis nach ihm. „Er war ein unglaublich netter Kerl, der es sich niemals mit anderen Menschen verscherzt hat. Er wollte einfach nur das Spiel spielen“, so Stephen Hendry.

Matthew Stevens, der ein enger Freund von Hunter und auch einer der Sargträger war, erklärte auf matthew-stevens.han.ks.ua: „Ich denke, niemand kommt so leicht mit dem Tod seines besten Freundes zurecht und ich habe es immer noch nicht ganz verarbeitet. Jedes Turnier wird nun schwierig zu spielen sein, denn wir haben dort immer viel Zeit miteinander verbracht. Es wird einsamer werden. Ich vermisse ihn und Snooker vermisst ihn auch. Er war ein populärer und sehr liebenswürdiger Kerl.“

Das Abschlusswort soll noch mal seiner Frau Lindsey gehören, die nach seinem Tod schrieb: „Ich werde seine Liebe in meinem Herzen behalten, solange ich lebe. Ich wünschte, ich könnte ihm sagen, dass auch wenn ich gewusst hätte, wie unser Leben verlaufen wäre: Ich würde Dich wieder nehmen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Mark Allen siegt in Mühlheim

8 Okt

Die RWE-Arena in Mühlheim war also der Austragungsort für die Ruhr Open im Rahmen der europäischen Snooker Tour und Mark Allen durfte sich als erster Sieger in die Geschichtsbücher schreiben. Um es vorweg zu nehmen, nicht nur im asiatischen Raum ist Snooker weiter auf dem Vormarsch, auch in Deutschland zeigten die Fans erneut, dass der Weg für die Profis sich lohnt.

Wie auch beim German Masters in Berlin gibt es gut 2.500 Plätze zu vergeben, das Highlight waren dabei sicherlich die elf Tische, an denen gespielt wurde. Ich finde schon Berlin ist eine großartige Location, denn man hat als Zuschauer alle Tische weitestgehend im Blick, kann durch den Rundlauf jederzeit die Plätze wechseln – natürlich nur, wenn Plätze frei sind.

Und die Weltspitze war auch fast ausnahmslos vertreten, lockten so Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet an. Selbst aus der Schweiz soll ein Team vor Ort gewesen sein, um Bilder und Beiträge zu machen. Das Niveau war auch beachtlich, auch wenn der Sieg von Allen im Finale über Ding Junhui vorhersehbar war.

Mark Allen siegte in Mühlheim

Mark Allen siegte in Mühlheim

Denn der Chinese hatte nach seinem Halbfinale eine knappe Stunde Zeit, um sich zu regenerieren. Allen durfte sich länger entspannen, wirkte so auch frischer. „Nach meinem Halbfinale konnte ich mir eine Pause gönnen“, so Allen. „Ding hatte ein sehr langes Match zu absolvieren und daher war er wohl nicht so frisch.“

Wobei der Nordire auch gerne am Druck scheitert. Allerdings meinte Allen auch, dass er nicht mit einem Erfolg gerechnet habe. Doch die Arbeit mit Coach Terry Griffiths habe ihm sehr geholfen. „Es ist eine große Sache, hier gewonnen zu haben. Gerade wenn ich mir meine Form der letzten Monate ansehe“, bestätigte Allen.

„Terry Griffiths hat großen Anteil an diesem Erfolg. Wir haben die letzte Woche hart gearbeitet und ein paar Veränderungen an meiner Technik vorgenommen und dazu hat er mir geholfen, etwas mehr Positiv an die Aufgabe zu gehen. Von daher werden wir weiter arbeiten und ich hoffe, dass es sich bei den kommenden Turnieren auszahlt.“

Ich denke, die Technik-Frage stellt sich nicht unbedingt, denn Allen war immer ein Spieler, der über eine ganz hervorragende Technik verfügt. Manchmal geht er ein zu großes Risiko, lässt sich zudem leicht von seiner Stimmung beeinflussen. Wobei seine wirklich depressive Phase wohl vorbei ist. Sein Spiel war schon immer eine Augenweide, einzig die Konstanz war mangelhaft.

Es ist ähnlich wie bei Ronnie O’Sullivan oder auch Stephen Maguire finde ich. Wobei O’Sullivan vom Talent her oder den Möglichkeiten vielleicht eine Ausnahmestellung hat. Allen ist schon abhängig von seiner Laune. Ist diese gut, gewinnt er Turniere. Ist sie schlecht … Vielleicht haben auch die Rahmenbedingungen ihren Teil geliefert.

Denn die Stimmung in der Halle war sehr gut und es gab einmal mehr kaum Anlass zur Kritik. Sicher muss sich das gesamte Team noch einspielen, aber man darf davon ausgehen, dass Mühlheim auch im nächsten Jahr wieder Ausrichter des Turnier sein wird. „Das Publikum und die Atmosphäre waren brillant“, meinte auch Allen.

Stephen Lee für zwölf Jahre gesperrt

25 Sep

Nun ist es also offiziell: Stephen Lee wird für zwölf Jahre gesperrt und das dürfte wohl das Ende seiner Karriere im Snooker sein. Vorgeworfen wurde dem 38-Jährigen, dass er insgesamt sieben Spiele – Malta Cup 2008, UK Championships 2008, China Open 2009, World Championships 2009 – in bestimmter Form manipuliert habe.

Im offiziellen Statement heißt es: „Stephen Lee wird für schuldig befunden, ein Arrangement eingegangen zu sein, beziehungsweise Geld angenommen oder angeboten zu haben, Geld anzunehmen, in Verbindung mit der Einflussnahme auf den Ausgang von sieben Matches, bei denen Regel 2.9 verletzt wurde.“

Die Matches, auf die sich bezogen wird, waren gegen Ken Doherty und Marco Fu (Malta Cup 2008), dazu soll Lee den ersten Frame gegen Stephen Hendry und Mark King verloren haben (UK Championship 2008). Weiter habe Lee jeweils gegen Neil Robertson (Malta Cup 2008) sowie Mark Selby (China Open 2009) eine Niederlage in abgesprochener Höhe kassiert.

Stephen Lee wurde für zwölf Jahre gesperrt

Stephen Lee wurde für zwölf Jahre gesperrt

Auch bei der Snooker-WM 2009 habe Lee in der ersten Runde absichtlich gegen Ryan Day mit 4:10 verloren. Interessant dabei ist, dass der Vorsitzende der Ausschusses, Adam Lewis, erklärte, auch eine lebenslange Sperre wäre möglich gewesen. Allerdings halte er den Spieler für „schwach“, und meinte, er wäre von diversen Leuten ausgenutzt worden.

Diese Leute bestanden aus einer Gruppe von drei Männern, die von diversen Konten Geld auf die Spiele von Lee gesetzt und dabei etwa 100.000 Pfund verdient hätten. Die Sperre gilt rückwirkend vom 12. Oktober 2012, an diesem Tag war Lee suspendiert worden. Damit wäre ein Comeback frühestens am 12. Oktober 2024 möglich – dem 50. Geburtstag von Stephen Lee.

Lee meinte: „Ich bin am Boden zerstört, denn ich habe nichts falsch gemacht.“ Weiter meinte er: „Ich bin unschuldig und ich werde mich bald in der Öffentlichkeit äußern. Vorher werde ich mich mit meinem Anwalt besprechen.“ Es ist die längste Strafe, die je im Snooker ausgesprochen wurde. Zudem muss Lee die Kosten des Verfahrens in Höhe von 40.000 Pfund tragen.

WPBSA-Vorsitzender Jason Ferguson meinte: „Wir sind natürlich nicht stolz darauf, uns mit diesem Fall beschäftigen zu müssen. Aber wir wollen sicherstellen, dass der Sport frei von Korruption ist (…). Wir arbeiten eng mit Partnern auf der ganzen Welt zusammen und stellen klar: Wenn ein Spieler in Korruption verwickelt ist, werden wir dies rausfinden und ihn aussortieren.“

Gegenüber der BBC hat sich Mark King geäußert und meinte, er habe „absolut keine Sympathie“ für Stephen Lee. Der Spieler habe „Schande“ über den Snooker-Sport gebracht. Ähnlich sieht es auch Shaun Murphy, der Lee als netten Typen kennengelernt habe, aber im Snooker gäbe es keinen Platz für Spielabsprachen.

„Wenn es wirklich Leute gegeben hat, die ihn dazu angestiftet haben, Dinge zu tun, für die er die Schuld bekommen würde, dann hätte er einfach ablehnen müssen“, meinte Murphy zu BBC Radio 5. „Aber noch wichtiger ist, als Snooker-Profi hat er nicht nur sich selbst geschadet, er hat dem Sport und dessen Ansehen geschaden. Ich hoffe, wir werden ihn nie wieder am Tisch sehen.“

„Ich denke nicht, dass er nochmal zurückkommt“, meinte Ken Doherty. „Er kann sicher noch Exhibitions spielen, aber wie lange kann man das als Spieler machen? Er ist 39 und hat eine Familie zu ernähren. Das sollte allen anderen Sportlern eine Lehre sein.“

Mark King meinte: „Ich bin ein Freund von Stephen. Er ist ein guter Mensch, ein Familienvater und er tut mir sehr leid, da er auch vier Kinder hat. Aber als Spieler muss ich sagen, dass ich keine Sympathien für ihn hege. Ich verstehe es auch nicht, wenn er keine Waffe an den Kopf gehalten bekommen hat, macht das für mich alles keinen Sinn.“

Und auch Judd Trump hatte seine Meinung: „Ich hatte auf eine Strafe von über zehn Jahren gehofft. Das ist eine Hausnummer und zeigt den Spielern, dass Snooker das so nicht toleriert. Für mich ist es so, dass ich jedes Spiel gewinnen will, aber manche Spiele denken scheinbar anders.“

Ding Junhui gewinnt das Shanghai Masters

22 Sep

Ding Junhui hat also das Shanghai Masters für sich entschieden und für einen Triumph im historischen Finale gesorgt. Es war tatsächlich das erste rein chinesische Finale auf der Snooker-Tour. Kaum vorstellbar eigentlich und ich denke, in Zukunft dürfte das öfter passieren. Der Fokus der Tour liegt ja schon sehr auf China und dort wachsen und gedeihen die Spieler heran.

Ding Junhui setze sich letztlich klar mit 10:6 gegen Xiao Guodong durch und gewann neben seinem siebten Titel auch ein Preisgeld von 80.000 Pfund. Zuletzt hatte er ein Heimturnier im Jahr 2005 gewonnen, als er bei den China Open das Finale für sich entschieden hatte – übrigens sein erster Titel. Ding Junhui, wenn man sich daran erinnert, wie oft er in entscheidenden Situationen mit den Nerven haderte.

Klar, uns allen ist die Geschichte noch im Kopf, wie er gegen Ronnie O’Sullivan demontiert wurde und den Tränen nahe war. Dieses Manko hat er mittlerweile abgelegt und das ist schön zu sehen. Glückwünsche gab es natürlich vonseiten des Engländers, der ein großer Fan von Ding Junhui ist. Dessen Leistung war auch stark, bei einem Century und sieben Breaks von über 50 Punkten.

Bei Xiao Guodong muss man mal abwarten, wie es weitergeht. Es gab schon einige Spieler aus China, – wie auch Liang Wenbo -, die vor einer großen Karriere standen, dann aber nicht die Konstanz bewiesen, um sich auf der Main Tour wirklich oben festzubeißen. Die Ansätze sind definitiv da und wir werden sehen, wie die Entwicklung weitergeht.

„Vor dem Finale wusste ich, dass ich eine Führung brauchte und meine Safetys stark sein müssen, um mir Chancen zu erarbeiten“, erklärte Ding Junhui später, nachdem er sein Gewinn des Titel äußerst emotional gefeiert hatte. „Die Emotionen zeigen ja auch, wie sehr ich diesen Titel gewinnen wollte. Ich wollte es mehr, als alles andere.“

Irgendwie gefallen mir die Turniere besser, bei denen ich nicht früh aufstehen oder die Kollegen dazu überreden muss, sich Snooker anzusehen. Aber auch daran muss man sich auf Dauer gewöhnen. Die Pause wird nun nicht sonderlich lang ausfallen und alle Menschen in Mühlheim freuen sich sicher auf die European Tour, die dort am 4. Oktober gastiert.

Stephen Lee schuldig gesprochen

16 Sep

Nun ist es also soweit: Stephen Lee wurde der Spielmanipulation für schuldig befunden. Dem Snooker-Profi droht nun eine sehr lange Strafe. Die endgültige Entscheidung über das Ausmaß der Bestrafung fällt am 24. September. Allgemein wird davon ausgegangen, dass es kaum mildernde Umstände geben wird.

Es ist bereits der fünfte Fall, den es bisher im Snooker gegeben hat. Joe Jogia wurde 2012 für zwei Jahre gesperrt, John Higgins bekam eine Sperre von sechs Monaten aufgebrummt, Quinten Hann (2004) – der sich mit Mark King schon einen Boxkampf geliefert hat – durfte sich gar für acht Jahre nicht am Snooker-Tisch blicken lassen und Peter Francisco saß eine Strafe von fünf Jahren ab. (1995).

Stephen Lee ist dabei ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt. Die Anklage stützt sich dabei auf Auffälligkeiten bei insgesamt sieben Matches. Mit dabei war ein Spiel bei der Snooker-WM 2009, sowie drei Spiele beim Malta Cup 2008, zwei Spiele bei der UK Championship aus dem selben Jahr und ein Spiel der China Open.

Stephen Lee

Stephen Lee

Lee, der im Jahr 1992 als Profi auf die Tour kam und fünf Rankind Events gewonnen hat, bestreitet die Vorwürfe, ist allerdings schon seit Oktober 2012 suspendiert. Damals lag er auf Rang acht der Weltrangliste. Im Jahr 2010 war er zudem festgenommen worden, da es auffällige Wetten gegeben haben soll – von diesem Vorwurf wurde er zunächst freigesprochen.

Die World Professional Billiards and Snooker Association erklärte nun, dass Stephen Lee in für schuldig befunden wird, diverse Absprachen getroffen habe, für Geld oder andere Dinge Einfluss auf Spiele zu nehmen.Es ist nicht nur eine vage Vermutung, sondern das Ergebnis harter Recherchearbeit.

Ein Manager sowie ein Sponsor plus eine dritte Person aus dem Umfeld des Spielers sollen Konten eröffnet haben, aus denen dann die identischen Wetten finanziert wurden. Lee soll im Vorfeld der Spieler dann Kontakt zu den Gruppen gehabt haben. Die Erlöse einer Wetten sollen zudem kurze Zeit später zur Hälfte auf dem Konto von der Frau des Spielers eingezahlt worden sein. Insgesamt geht es dabei um über 200.000 Pfund.

Judd Trump hatte schon zuvor erklärt: „Sollte ein Spieler schuldig gesprochen werden, muss er komplett aus dem Spiel genommen werden.“ Genau das droht nun Stephen Lee. Auch wenn er nur eine Strafe von vier bis acht Jahren bekommen sollte, die Karriere wäre wohl beendet. Ronnie O’Sullivan twitterte indes: „Stephen Lee ist nur die Spitze des Eisbergs. Ich habe gehört, es gibt viel mehr Spieler, die Spiele verschieben.“