Archiv | Mai, 2014

Mark Selby ist Snooker-Weltmeister

5 Mai

Er hat es endlich geschafft: Mark Selby hat im Finale der Snooker-WM einen 18:14-Sieg gegen Ronnie O’Sullivan eingefahren und sich zum Weltmeister gekürt. Der Jester From Leicester gehört damit zu einem elitären Club, da er in den Jahren zuvor schon das Masters und die UK Championship gewonnen hat – die Triple Crown.

Er war bereits die Nummer eins der Welt, wird von seinen Gegnern ob der Matchhärte und Kämpfermentalität gefürchtet. Doch der ganz große Wurf war ihm bisher versagt geblieben. Und im Vorfeld des Finals sahen viele Experten seinen Gegner im Vorteil – diese Einschätzung wurden nach den ersten Sessions bestätigt.

Denn Selby lag mit 3:8 und 5:10 im Hintertreffen. Klar, er hatte das schwerere Programm, musste in den Runden zuvor Ali Carter und Neil Robertson ausschalten. Doch von Müdigkeit oder Nervenflattern keine Spur. Das Finale geht eben über eine lange Distanz und auch wenn O’Sullivan ein Front-Runner ist, Selby blieb ruhig und lauerte auf die Schwächen des Gegners.

Beim Rückstand von 5:10 drehte Selby plötzlich auf, gewann zehn der folgenden zwölf Frames und machte dann den Sack zu. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zwei Gründe waren meiner Meinung nach ausschlaggebend: Auf der einen Seite hatte Selby seine Nerven im Griff, blieb mental stark und ließ sich nicht von der Aura des Gegners beeindrucken.

Viel wichtiger war allerdings, er bestrafte die Fehler von O`Sullivan, spielte konstant auf einem hohen Niveau. Das hatten die Gegner des Engländers in den Runden zuvor nicht geschafft. Auch da war der bis dato amtierende Weltmeister nicht ohne Fehler gewesen, bekam jedoch zu selten die Quittung ausgestellt.

Dazu ist Selby einer der komplettesten Spieler der Tour. Einzig im Breakbuilding gibt es zahlreiche Spieler, die ihre Vorteile haben. Diese „Schwäche“ kompensiert der Jester allerdings durch seine Beharrlichkeit, die den Gegnern schon im Vorfeld das Fürchten lehrt. Selby hat so in diesem Finale gezeigt, wie man O’Sullivan schlägt.

Ich freue mich für Mark Selby, der diesen Titel wirklich verdient hat. Seit Jahren spielt er auf einem guten Niveau und ist einer der Spieler, die die ganze Breite des Spiels abdecken. Natürlich macht es viel Spaß, sich O’Sullivan in Top-Form anzuschauen. Hohe und schnelle Breaks, die gerne spektakulär sind.

Aber Snooker ist mehr als hohe Breaks. Ich sehe gerne Safe-Schlachten, verworrene Bilder und Frames von 50 Minuten. Und wenn man ehrlich ist, der Weltmeister muss nicht immer Ronnie O’Sullivan heißen. Freuen wir uns über den Sieg von Mark Selby und ein Finale, das in der entscheidenden Session gerne mehr Spannung hätte bieten können.

Dennoch war es das wohl beste Finale der letzten Jahre. „Ich habe alles versucht, aber Mark war einfach zu stark“, erklärte O’Sullivan nach dem Match. „Ich gebe niemals auf, dass ist eben meine Devise“, beschrieb es Selby, der – um es nochmals zu sagen – ein würdiger Weltmeister ist. Mir hat die WM wie in jedem Jahr sehr viel Spaß gemacht und freue mich nun einfach für den Champion.

Snooker-WM: Das Halbfinale

1 Mai

Halbfinale im Crucible Theatre zu Sheffield und ganz knapp sind wir ein einer kleinen Sensation vorbeigeschlittert. Denn Spaceman Dominic Dale stand kurz davor, in die Runde der letzten Vier einzuziehen. Am Ende unterlag er Barry Hawkins mit 12:13. Neben Hawkins lösten Ronnie O’Sullivan, Mark Selby und Neil Robertson das begehrte Ticket.

Dabei hat Robertson natürlich beeindruckt und im Spiel gegen Judd Trump sein 100. Century in dieser Saison gespielt. Ein Meilenstein in der Snooker-Geschichte. Natürlich muss man sagen, dass die Spieler früher weniger Turniere absolviert haben. Aber trotzdem, der Australier ist eine Break-Maschine und das zeigte er auch gegen Trump.

Dort stand Robertson mächtig unter Druck, lag mit 8:11 im Hintertreffen. Die letzten fünf Frames holte er sich dann in einem Abwasch und ist auch den Druck los, die 100 Centurys knacken zu wollen und müssen. Das hätte ihn belasten können, nun kann er befreiter aufspielen und das Erreichen der Marke wird ihm zusätzlich Rückenwind geben.

Allerdings trifft Robertson auf Mark Selby, der nach dem Sieg gegen Ali Carter im Schonprogramm das Halbfinale erreichte. Gegen Alan McManus hatte der Jester am Ende wenig Probleme und setzte sich locker mit 13:5 durch. Ob das nun ein Vor- oder Nachteil ist? Auf der einen Seite konnte er Kraft sparen und geht ausgeruht in das Duell.

Aber im Vergleich zu Robertson könnte es passieren, dass er nicht richtig im Wettkampf ist und eine Zeit braucht, um sich an den wesentlich stärkeren Gegner zu gewöhnen. Das ist natürlich Spekulation und bei einem Turnier von 17 Tagen ist es oft die Kraft, die am Ende den Ausschlag gibt. Wie oft haben wir Finals gesehen, die nicht ansatzweise das Niveau der Halbfinals erreichten.

Es wird sicherlich ein spannendes Match, da zwei Philosophien aufeinander prallen. Robertson ist ein Offensivspieler, der mit langen Einsteigern und gutem Breakbuilding glänzt. Selby ist der mental vielleicht stärkste Spieler, der mit hartem Matchplay ganz schwer zu knacken ist und jeden Spieler an den Rand der Verzweiflung bringen kann.

Mein Tipp: 17:14 für Neil Robertson

Im zweiten Halbfinale versucht Ronnie O’Sullivan einen weiteren Schritt zu machen, um seinen Titel zu verteidigen. Bislang konnte der Weltmeister in Teilen durchaus beeindrucken. Runde eins können wir uns schenken, aber in Runde zwei traf er auf Joe Perry und musste sein ganzen Können aufbringen, um am Ende knapp mit 13:11 zu gewinnen.

Wir müssen nicht darüber sprechen, ob O’Sullivan ein guter Snooker-Spieler ist. Beeindruckend ist mittlerweile der Wille und die mentale Stärke. Selbst bei Rückständen bleibt er ruhig und glaubt an seine Chance. Perry kann ein Lied davon singen und auch Shaun Murphy, der im Viertelfinale mit 3:13 unterging, musste hinterher anerkennen, keine Chance gehabt zu haben.

Murphy sprach davon, dass O’Sullivan einfach der beste Spieler der Welt sei und man sich vorkommen würde, als sei man nur Gast am Tisch des Engländers. Wir dürfen gespannt sein, wie Barry Hawkins sich schlägt. Denn Hawkins ist noch ein anderes Kaliber als Murphy. Nicht aus der Sicht des Spielerischen, eher was den mentalen Gesichtspunkt angeht.

Im vergangenen Jahr trafen sich beide Spieler im Finale, Hawkings unterlag mit 12:18. Dennoch attestierte ihm O’Sullivan später, selten so einen hartnäckigen Gegner gehabt zu haben. Und da liegt auch die Chance von Hawkins. Er weiß, dass er spielerisch nicht mithalten kann und sich kaum Fehler leisten darf. Aber er ist mental stark genug, um das aushalten zu können und wird einen Plan haben, den er Schritt für Schritt durchsetzen will.

Mein Tipp: 17:15 für O’Sullivan