Zwischen WM-Frust und Comeback von Stephen Hendry

23 Apr

Was ist das bitte für eine verrückte Snooker-WM in diesem Jahr? Im Achtelfinale treffen sich Ken Doherty und Alan McManus. Das alleine ist schon unglaublich. Die beiden Oldies holten sich ihr Ticket mit Siegen über John Higgins und Stuart Bingham. Natürlich gibt es in jedem Jahr Überraschungen, aber gerechnet hatte ich damit nicht.

Und der Knaller kam ja noch: Ding Junhui, Gewinner von fünf Ranking-Events in dieser Snooker-Saison, musste ebenfalls die Segel streichen. Er unterlag Michael Wasley, der ein dermaßen eindrucksvolles Crucible-Debüt gab, dass man nur ungläubig mit dem Kopf schütteln konnte. Eine solche Sensation hat es lange nicht mehr gegeben.

Da ist die souveräne Vorstellung von Neil Robertson schön zu sehen, der – sollte es gut laufen – bei dieser WM die Marke von 100 Centurys in einer Saison knacken könnte. Aktuell steht er bei Nummer 95, aber das Match gegen Robbie Williams läuft noch. Zuvor durften wir uns durch das Match Judd Trump gegen Tom Ford quälen.

Ford, der in der Qualifikation Matthew Stevens bezwungen hat und deswegen auf meiner persönlichen Lieblinge-Liste den mit Abstand letzten Platz einnimmt. Dabei hatte ich von Trump wesentlich mehr erwartet, aber es war scheinbar nicht sein Tag. Er hatte das Glück, auf einen Gegner zu treffen, der ebenfalls nicht auf einem Top-Level agierte.

Wie gesagt, es ist eine komische WM und aktuell muss man Robertson neben O’Sullivan als großen Favoriten auf dem Zettel haben. Andererseits ist die WM lang und vielleicht darf sich Judd Trump freuen, den Tiefpunkt schon erlebt zu haben und trotzdem nicht abreisen zu müssen. Auch Mark Selby hatte viel Glück beim 10:9 gegen Michael White.

Ich glaube, ich wiederhole mich, wenn ich erneut schreibe, dass die Leistungsunterschiede nicht mehr so enorm groß sind, wie noch vor einigen Jahren. Genau so hatte es Barry Hearn beabsichtigt, der den Spielern jenseits der Top 16 mehr Duelle mit den Top-Profis geben wollte. Somit bekommen die Spieler mehr Erfahrung und erstarren auch nicht in Ehrfurcht, wenn sie auf die Top-Stars treffen.

Andererseits kommen Spieler wie Mark Williams, John Higgins, Stephen Maguire und wie sie alle heißen auch langsam in ein Alter, in dem sie eben nicht mehr als Geheimfavoriten gelten. Die nachfolgende Generation ist da und der Machtwechsel wohl längst vollzogen – mit Ausnahme von Ronnie O’Sullivan, der einfach ein Jahrhundertspieler ist.

Wo wir gerade Barry Hearn angesprochen haben: Der Snooker-Boss hat heute eine Pressekonferenz gegeben und das Spiel erneut ein wenig aufgebrochen. Er will, wie ich gerade schon schrieb, eine offene Tour, die transparent ist und allen Spielern die Möglichkeit gibt, an den Geldtöpfen zu schnuppern.

Weiter sagte Hearn, dass in Zukunft nur die Top 16-Spieler gesetzt sind, alle anderen Spieler – insgesamt 144 – müssen sich in die Qualifikation begeben. Das bedeutet, in Runde eins müssen die restlichen 128 Snooker-Profis um ein Ticket kämpfen. In Shanghai startet dieses Format 2015, in Australien 2016.

Interessant sind auch die Änderungen für die kommende WM. Auch dort wird ein Feld von 144 Spielern starten und nur die Top 16 sind gesetzt. Bitter für den Spieler, der nach den China Open auf Rang 17 liegt. Er muss sich, wie alle anderen, durch die komplette Qualifikation kämpfen. Interessant ist, dass alle ehemaligen Weltmeister eine Einladung für die erste Runde erhalten.

Ob sich das Format ändern wird, ist schwer abzusehen. Hearn erklärte, dass es in allen Runden mindestens ein Best-of-19 geben wird. Was das für das Finale bedeutet, wird sich in der Zukunft zeigen. Auch, welche ehemaligen Profis eine Einladung für ausgewählte Turniere bekommen. Denn Hearn möchte Spieler belohnen, die sich um den Sport verdient gemacht haben. Sicher dabei sind Stephen Hendry und Steve Davis.

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