O’Sullivan: Maximum und Welsh Open-Sieg

2 Mrz

Ronnie O’Sullivan hat die Welsh Open gewonnen, Ding Junhui im Vorbeigehen mit 9:3 besiegt und damit in dieser Saison sein erstes Ranglistenturnier gewonnen. Doch am Ende stand dies nicht im Vordergrund. Denn im letzten Frame des Turniers spielte O’Sullivan sein zwölftes Maximum Break und ist damit alleiniger Rekordhalter.

Dazu war es der 26. Titel bei Weltranglistenturnieren und O’Sullivan schob sich hinter Stephen Hendry und Steve Davis – vorbei an John Higgins – auf Rang drei der Rangliste. Dabei war der deutliche Spielverlauf so nicht zu erwarten gewesen, denn die beiden besten Spieler der letzten Monate hatten in den vorherigen Runden teilweise sehr starke Leistungen gezeigt.

14 der 51 Centurys gingen auf das Konto von O’Sullivan sowie Ding Junhui, aber der Chinese erwischte in der ersten Session einen rabenschwarzen Tag. Böse Fehler mischten sich mit Pech und O’Sullivan brauchte sich nicht groß anzustrengen, um eine hochverdiente 7:1-Führung auf das Scoreboard zu zaubern und die Messe war gelesen.

Ronnie O'Sullivan gewinnt die Welsh Open

Ronnie O’Sullivan gewinnt die Welsh Open

Dabei darf man nicht vergessen, dass Ding Junhui im Verlauf der Saison bereits vier Ranglistenturniere gewonnen hat – er ist sozusagen in der Form seines Lebens und konnte das auch bei den Welsh Open bis zum Finale bestätigen. Warum aber war er gegen Ronnie O’Sullivan so deutlich unterlegen? Kein Spieler kann permanent seine Form behaupten und es ist nur menschlich, einen schlechten Tag zu erwischen. Eine recht einfache Erklärung.

Man darf auch nicht vergessen, dass Ding die Chance zum 2:3 hatte, jedoch mit dem Queue abrutschte und seinem Gegner so das 4:1 schenkte. Ein weiterer Nackenschlag, der nicht unbedingt förderlich für die Motivation ist. Andererseits war das Kind zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht in den Brunnen gefallen, es hatte sich allerdings schon weit über den Rand gelehnt.

Denn es ist fraglich, ob das 2:3 einen Wendepunkt hätte markieren können. Solche Überlegungen sind rein hypothetisch und vielleicht wäre O’Sullivan ins Grübeln gekommen. Aber mir fehlt der Glaube und ich habe für mich eine andere Erklärung gefunden – und damit stehe ich nicht alleine auf weiter Flur: Es liegt einfach ein O’Sullivan.

Rolf Kalb hatte es in der ersten Session kurz angesprochen und meinte: „Als würde der Respekt von Ronnie O’Sullivan ihn lähmen.“ So abwegig dies im ersten Moment klingt, O’Sullivan hat eine enorme Ausstrahlung, gilt weiterhin als der Spieler, der mit dem Queue auf die Welt gekommen ist. Und trotz seiner vielen Pausen umgibt ihn eine ganz gewisse Aura.

Dabei ist es erschreckend, dass er im Vergleich zu Spielern wie Mark Williams oder John Higgins im Alter besser wird. Ist er in den Bällen, gibt es nichts, was ihn stoppen kann. Aber es wirkt, als ob O’Sullivan sich entwickeln würde. Dabei spielt er wesentlich mehr Safetys, schenkt die Frames bei Rückständen nicht sofort ab und ist einfach variabler geworden.

Joe Perry hatte es ebenfalls per Twitter geschrieben: „Es ist schwer zu beschreiben, wie groß der Unterschied ist, ob man gegen Ronnie oder einen anderen Gegner spielt. Und ich denke, die anderen Profis sehen es ähnlich.“ Ein klares Statement, denn als Spieler steht man ab dem ersten Stoß gewaltig unter Druck, in dem Wissen, keine Fehler machen zu dürfen.

Und Ding hat bisher keine großen Erfahrungen gemacht, wenn es um Final-Duelle gegen O’Sullivan geht. Vielleicht kamen ihm auch noch Erinnerungen an das Masters-Finale 2007, was ich aber nicht glaube. Und ob dieser Respekt nun wirklich der Grund für die Niederlage war? Wahrscheinlich war es ein Gemisch aus schlechten Tag und dem Druck.

Klar ist, Ronnie O’Sullivan hat den Titel hochverdient errungen und ist – wie seit Jahren – in jedem Turnier der große Favorit auf den Titel. Dazu denke ich, braucht ein Spieler eine gewisse Mentalität, um O’Sullivan wirklich schlagen zu können. Spontan fällt mir Mark Allen ein, denn der Nordire hat ein gewaltiges Ego und gegen den Weltmeister braucht es das manchmal.

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3 Antworten to “O’Sullivan: Maximum und Welsh Open-Sieg”

  1. Tina 2. März 2014 um 21:33 #

    Ich denke du bringst es ganz gut auf den Punkt. Es ist wohl eine Mischung aus Respekt, dem Wissen keinen Fehler machen zu dürfen und natürlich auch Ronnie’s Leistung. Ich wundere mich schon manchmal, wenn er auf ein mal kontrolliert mit einer guten Safety aussteigt, wo er früher einen riskanten Ball gespielt hätte, der ihn u.U. dann den Frame gekostet hätte. So macht es natürlich riesen Spaß ihm zuzusehen.

    • Logan Shakeshaft 2. März 2014 um 21:44 #

      Danke für den Kommentar und ich stimme dir zu. Sein riskantes Spiel war schon eine Augenweide, aber nun hat er ein neues Level erreicht und ist unglaublich komplett in seinem Spiel.

  2. Juggernaut 4. März 2014 um 15:18 #

    Ding hat hinterher gesagt, er hätte schon als Kind Ronnie immer bewundert, wenn er den im TV sah. Und genau das ist m.E. der Punkt. Im Match wird aus der Bewunderung eben eine Art Schockstarre, die verhindert dass Spieler, die selber große Könner sind, auch nur zu ihrer Normalform finden.

    Vor paar Jahren hat Ronnie mal vor einer WM gesagt, wenn sie ihre Normalform erreichten, sei die WM eine Sache zwischen ihm und John Higgins, weil sie die einzigen seien, die unter Druck in der Lage wären, ihr bestes Snoker auszupacken. Wenn nicht kämen zehn andere Spieler für den Titel in Frage. Das ist Ronnie seinerzeit als Überheblichkeit ausgelegt worden, aber er sollte Recht behalten. Zwar gewann nicht er, aber eben John Higgins den Titel.

    So lange keiner imstande ist, im Match den Respekt von Ronnie abzulegen und, ähnlich wie John Higgins in seinen besten Tagen, seine eigenen Stärken auszuspielen, wird Ronnie brillieren wie er will.

    Ob das wirklich gut für eine Sportart ist, die trotz allem mehr oder weniger ein Nischendasein führt, ist eine andere Frage …

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