Die Leiden des Ronnie O’Sullivan

2 Mai

Ronnie O’Sullivan ist ein Genie am Snooker-Tisch. Darüber muss wohl nicht groß diskutiert werden. Bei dieser WM hat er wieder bewiesen, warum er das Zugpferd dieses Sports ist. Er ist nicht der große Entertainer oder Zampano, der mit Gesten oder Emotionen die Massen begeistert. O’Sullivan ist einfach authentisch und ein Charakter, mit einer Schubkarre voll Talent gesegnet.

Warum ich das zwischen einer Reise nach Wandsbek, einer Falafel plus Fritz Kola schreibe? Ganz einfach: Ronnie O’Sullivan will seine Karriere wohl beenden. Nach der Snooker-WM 2012 erklärte der Superstar, dass er eine Pause einlegen werde. Diese dauerte im Endeffekt ein Jahr, obwohl er zwischendurch ein PTC Event spielte, dabei eine glatte Niederlage in Runde eins kassierte.

Dann war er wieder da. Barry Hearn konnte O’Sullivan zu einem Comeback bewegen und hatte den Titelverteidiger bei der Weltmeisterschaft an Bord. Warum sich der Engländer letztlich wieder an den Tisch stellte, konnte im ersten Moment schwer beurteilt werden. Langeweile war ein Punkt, nachdem er oft genug erwähnt hatte, keinen Lebensinhalt zu haben.

Zwischendurch arbeitete O’Sullivan auf einem Bauernhof, ging oft Joggen. Oft genug hieß es aber auch, er liebe den Sport, könne ohne Snooker nicht leben. Nun hat O’Sullivan nach seinem Sieg gegen Stuart Bingham andere Töne verlauten lassen, die sich wiederum konträr zu seinen Aussagen anhören, die er nach dem Sieg in Runde eins gegen Marcus Campbell vom Stapel ließ.

Seit seiner Zusammenarbeit mit dem Sportpsychologen Dr. Steve Peters zeigte sich O’Sullivan gefestigt. Er habe gelernt, seine Emotionen im Griff zu haben und sein Spiel durchzuziehen. ”Manchmal ist es hart und eine Herausforderung. Aber ich habe es im Griff“, erklärte er gegenüber der BBC und betonte, nie wieder einfach mitten in einem Match den Tisch zu verlassen.

Ronnie O'Sullivan

Ronnie O’Sullivan nach dem Titelgewinn 2012

So weit, so gut. Nun dachte ich, die Rückkehr auf die Main Tour wäre vielleicht ein wirkliches Comeback. Aber O’Sullivan hat mich komplett überrascht, denn er meinte, überhaupt keine Freude am Snooker zu haben. ”Ich habe realisiert, dass ich Snooker nicht vermisse. Aber ich brauche ein bisschen Geld“, so O’Sullivan. ”Ich muss das Schulgeld für meine Kinder zahlen.“

Das ist also der Grund für seine Rückkehr. Das ist natürlich nicht verwerflich, obwohl er in seiner Karriere hinter Steven Hendry der Spieler mit den höchsten Einkünften durch Preisgelder ist. Ich war davon überzeugt, er liebe den Sport, die Fans und den Wettkampf. Zumindest die Fans lobte er, sprach davon, immer viel Unterstützung bekommen und dies genossen zu haben.

Hört man ihn nun reden, bekommt man den Eindruck, dass alleine diese WM eine Qual für ihn ist. Drei bis fünf Tage müsse er noch spielen, so O’Sullivan und nannte es einen harten Kampf. ”Es ist das Licht am Ende des Tunnels, dass ich danach nicht weiter machen muss“, beschrieb er diesen Kampf genauer. Und ganz ehrlich, das finde ich ein wenig erschreckend.

Und weiter heißt es: ”Ich habe überhaupt keine Intention, nochmal zurückzukommen. Ich werde etwas anderes für mich finden. Ich kann die Karten nun offen auf den Tisch legen.“ Andererseits hat er einen Sponsorenvertrag für zehn weitere Turniere unterschrieben. Dies könnten aber auch Showkämpfe sein. Ob er vielleicht das Masters oder die UK Championship spielt, ist noch offen.

Fassen wir zusammen: Nach der WM trat Ronnie O’Sullivan zurück. Ohne wirklichen Lebensinhalt suchte er nach einer Beschäftigung, fand diese aber nur temporär. Die Liebe zum Snooker schien erloschen, aber das Geld hat ihn nun zurück an den Tisch getrieben – dazu ein lukrativer Sponsorenvertrag mit Oval Vodka gewunken.

Ist es wirklich so einfach? So eine kleine Hintertür hält er sich auf, spricht vage davon, wahrscheinlich kein Turnier mehr zu spielen. Man muss auch sagen, er tätigte die Aussagen, nachdem er gegen Bingham gewonnen hatte, mit seinem Spiel in der letzten Session aber unzufrieden war. Was letztlich wirklich in ihm vorgeht, darüber können wir nur spekulieren. Es ist ja bekannt, dass O’Sullivan sich lange mit Depressionen plagte, dazu viel getrunken und gefeiert hat – darüber hatte er in seiner Biographie geschrieben.

Nun folgt ein weiteres Buch und erst dann werden wir wissen, womit sich O’Sullivan beschäftigt hat. ”Im Oktober kommt mein neues Buch raus und da könnt ihr lesen, wie meine Reise verlaufen ist und warum ich eine Auszeit genommen habe. Jeder kann daraus seine eigenen Schlüsse ziehen. Ich wollte keine Pause nehmen und einfach spielen, bekam aber den Rat, es nicht zu tun.“

Damit bleiben natürlich einige Fragen offen. In diesem Statement sagt er, er wollte spielen, nach dem Match gegen Bingham hieß es, er vermisse Snooker nicht. Somit bleibt viel Raum für Spekulationen und es wäre falsch, hier nun damit anzufangen. Ob er wirklich aufhören wird? Wir werden es in ein paar Tagen wissen. Eins ist aber klar, das Buch werde ich lesen.

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2 Antworten to “Die Leiden des Ronnie O’Sullivan”

  1. Olaf 10. Mai 2013 um 18:44 #

    Puh, etwas unübersichtlich geschrieben.

  2. Timmy Welch 19. Mai 2013 um 21:20 #

    «Snooker ist nicht meine Sache», verkündete O’Sullivan im Lauf des gut zweiwöchigen Turniers. Oder: «Ich habe nur gespielt, weil ich etwas Geld brauchte.» Zum Beispiel, um die Schulgebühren seines Sohnes zu bezahlen. Oder Forderungen seiner Ex-Freundin und von Anwälten zu erfüllen. «Es ist ein Gemetzel. Es ist nicht schön, Leuten Geld zu schulden», sagte O’Sullivan. Umgerechnet knapp 300 000 Euro brachte ihm nun der fünfte Titel nach 2001, 2004, 2008 und 2012.

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