Snooker-WM in Sheffield: Tag 6

26 Apr

Das war ein ziemlich interessanter Tag in Sheffield muss ich sagen. Das Thema des Tages war natürlich das Aus von Neil Robertson, der als großer Favorit auf den Titel an Robert Milkins scheiterte. Wenn die Niederlagen von John Higgins, Mark Allen, Stephen Maguire und Mark Williams schon keine Sensation waren, dies war eine.

Dass Milkins es kann, ist unbestritten. Bevor er wegen Alkohol- und Spielsucht bis auf Platz 70 abgerutscht war, spielte er regelmäßig im Konzert der Großen mit. Zwar verpasste er den Spring in die Top 16, stand aber mehrfach kurz davor. Und so wusste er durchaus zu beeindrucken, auf der anderen Seite lieferte Robertson eine sehr schwache Vorstellung ab.

Gerade sein langes Spiel gilt als das vielleicht Beste auf der Main Tour. Und ich muss schon stark nachdenken, um mich an eine ähnlich schwache Leistung des Australiers zu erinnern. Gerade bei der WM sind es ja oft die Top-Spieler, die den Gang hochschalten können, die Atmosphäre kennen und Vorteile gegenüber den Qualifikanten haben.

Stuart Bingham könnte von dem Aus profitieren. Denn je mehr vermeintliche Favoriten stolpern, desto größer ist für ihn die Chance, wirklich weit zu kommen. Denn ob es nun Michael White oder jener Milkins sind, die Frage bleibt ja, ob sie diese Leistungen konstant abrufen können. Da traue ich Profis wie Bingham schon zu, auf lange Sicht einfach stärker zu sein.

Michael White hielt die Konzentration hoch (by World Snooker)

Michael White hielt die Konzentration hoch (by World Snooker)

Was mich aber wirklich beschäftigt war das Match zwischen White und Dechawat Poomjaeng, der mittlerweile nur noch Jack genannt wird, ob seines schwer auszusprechenden Vornamens. Gerade auf Twitter ist ein wahrer Boom entstanden, der Thailänder hat sich in kürzester Zeit zum absoluten Publikumsliebling entwickelt.

Er ist emotional, laut, unkonventionell und unterhält das Publikum mit seiner lockeren Art. Doch hier scheiden sich auch die Geister, denn noch immer ist Snooker ein Sport der Gentlemen. Ausreißer gab es schon immer und wird es auch weiterhin geben. Nicht umsonst ist Mark Selby der Jester from Leicester. Auch Ronnie O’Sullivan weiß, wie man mit dem Publikum spielt.

Es gibt viele Beispiele und Snooker soll ja durchaus unterhalten, die Interaktion mit dem Publikum ist auch erwünscht. Nur hat es Poomjaeng meiner Meinung nach ein wenig übertrieben. Gelochte Bälle oder erfolgreich gesetzte Snooker mit dem Publikum zu feiern, sie zu pushen und mit Gestiken zum Applaus aufzufordern,  ist mir zu viel.

Denn man muss auch bedenken, dass Snooker ein Kopfsport ist, es geht um Konzentration. Nicht umsonst sind Fotos verboten, die Zuschauer angehalten, sich nicht in Stoßlinien zu bewegen und sich ruhig zu verhalten. Respekt vor Michael White, der sich nicht aus der Ruhe bringen ließ und sein Spiel gnadenlos durchzog.

Die Frage ist: Braucht Snooker eine Veränderung? Ob Stephen Maguire am Ende verlor, da er zeitweise irritiert war, ist natürlich nicht zu klären. Aber ich bin gespannt, wie es sich in Zukunft verhält, sollten wir Poomjaeng häufiger zu sehen bekommen. Vielleicht war es auch nur die Nervosität, die raus musste. Dennoch bleiben fragen offen.

Gegen White wird er wohl ausscheiden, aber ich hätte ihn gerne noch weiter gesehen und dazu das Verhalten seiner Gegner. Grundsätzlich sind Sportarten wie Dart erfolgreich, da das Publikum mitgehen kann, die Sportler nicht in einem Kodex stecken. Hearn versucht schon alles, um Snooker wieder nach vorne zu bringen.

Nur muss man sehen, inwieweit der Sport sich verändern lässt. Diese Gentlemen-Attitüde macht Snooker aus. Es wird immer mal laut werden, ein Spieler muss auch mal den Druck ablassen – so wie Robertson mittlerweile mitten in den Frames – und Emotionen zeigen. Sollte es aber bedeuten, dass dadurch die Konzentration eines Gegners leidet, bin ich dagegen.

Advertisements

Eine Antwort to “Snooker-WM in Sheffield: Tag 6”

  1. Jake R. Oliver 23. Mai 2013 um 01:39 #

    Wie Kollege Dave Hendon auf snookerscene.blogspot geschrieben hat, ist Allen ein sehr fairer Sportsmann. Bei einem Fluke entschuldigt er sich prompt, gibt jeden Fehler zu. Auch ist er ein Entertainer, der dem Publikum bei seinen Auftritten immer etwas zu lachen mit auf den Weg gibt – ähnlich wie Mark Selby, der nicht umsonst Jester from Leicester genannt wird.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: