Snooker-WM: Der Favoritencheck Teil II

12 Apr

Es folgt Teil II des großen Snooker-Checks, bei dem ich mir immer vier Spieler ansehe und einen Blick auf vergangene Leistungen sowie die aktuelle Saison werfe. Gerade im Snooker ist es unheimlich schwer, einen Weltmeister zu prognostizieren. Der Spieler muss seine Form über 17 Tage bestätigen und schon ein schwacher Tag reicht, um alle Träume zu begraben. Für den zweiten Teil habe ich mir Matthew Stevens, Judd Trump, Neil Robertson sowie Ricky Walden ausgesucht.

Matthew Stevens

Es ist ja kein Geheimnis, dass Stevens mein persönlicher Lieblingsspieler ist. Über die Gründe habe ich mir eigentlich noch nie Gedanken gemacht. Ich mag sein Spiel, seine Art und ihn als sympathische Person. Von daher war es großartig, ihn letztes Jahr bis ins Halbfinale vordringen zu sehen. Das Duell gegen Ronnie O’Sullivan war ein Highlight.

Matthew Stevens

Wäre er ins Finale eingezogen, wer weiß, ob er nicht endlich den Snooker-Titel hätte holen können. So schauen wir uns aber diese Saison an und immerhin hat der Walisische Drache es geschafft, in den Top 16 zu bleiben, stand zwischenzeitlich sogar auf Platz zehn. Meiner Meinung nach wird Stevens auch nicht viel mehr erreichen können, denn er spielt einfach nicht konstant.

Aber ohne Zweifel ist er in der Lage, Matches zu gewinnen. Ich erinnere mich noch gut an die World Open. Dort schlug er Spieler wie Shaun Murphy, Neil Robertson und Judd Trump, unterlag erst im Finale gegen Mark Allen. Im Gegensatz dazu stehen das Shanghai Masters und die China Open, dort unterlag er in Runde eins Gegnern wie Rory McLeod und Joe Perry.

Bei Stevens kann man förmlich darauf warten, dass er irgendwann im Break, so bei 50 Punkten, einen Fehler einbaut. An einem guten Tag kann er jeden Spieler schlagen. Diese guten Tage braucht er dringend bei der Snooker-WM. Einen guten Lauf wie im letzten Jahr traue ich ihm aber nicht zu. Übersteht er Runde eins, wartet Judd Trump. Und so sehr ich es mir wünsche, dort wäre Endstation.

Judd Trump

Kommen wir doch gleich zum möglichen Gegner in Runde zwei. Der nicht echte Rolf Kalb (@RolfKalb) schrieb die Tage noch via Twitter, dass bei Trump der Sport nicht im Mittelpunkt stehe. Das kann durchaus sein, gerade wenn man sich die Extravaganz ansieht, mit der Trump zeitweise auftritt – seine Stachelschuhe sind da wohl legendär.

Er galt so ein wenig als der Snooker-Kronprinz von Ronnie O’Sullivan, hätte sich auch fast im vorletzten Jahr die WM-Krone ausgesetzt. Damals waren John Higgins und seine Risikobereitschaft jedoch noch eine Nummer zu groß. Aber Trump hat dazugelernt, allerdings auch ein wenig seine Unbekümmertheit verloren, die ihn so stark gemacht hat.

Die neuen Schuhe von Judd Trump

Die neuen Schuhe von Judd Trump

Auf einmal kennt man ihn und seine Stärken. Trump selber hat wohl auch ein höheres Anspruchsdenken an sich selbst. Dieses konnte er zeitweise auch in der Saison 2012/13 erfüllen. Beim Shanghai Masters unterlag er Higgins noch denkbar knapp, bei den International Championship schlug er dann im Finale Neil Robertson – dazu erreichte er bei den Welsh Open das Halbfinale.

In Berlin hatten wir hingegen nicht so viel Freude an Judd Trump. Dort unterlag er, wie zuvor bei der UK Championship, in Runde eins. Es ist keine Frage, Trump ist ein großartiger Snooker-Spieler. Doch traue ich ihm den Gewinn des Titels in Sheffield zu? Trump steht auch in der oberen Hälfte des Draws und somit kann er weit kommen. Das Halbfinale ist machbar, vielleicht auch das Finale. Aber die WM gewinnt er nicht.

Neil Robertson

Die gute Nachricht für alle Fans des Australiers: Neil Robertson kann doch noch ein Finale gewinnen. Die ersten sechs im TV übertragenen Finals bei einem Ranking Event entschied er für sich, danach legte er eine Negativserie an den Tag. Zwei Mal unterlag Robertson beim Grand Final der PTC Serie, zudem gab es Niederlagen beim International Open sowie dem Masters.

Selbstzweifel gehören eigentlich nicht zu seinem Spiel. Wer ihn allerdings nach dem Sieg beim China Open gesehen hat, der weiß, was sich angestaut hatte. Ich bin ja auch kein Freund der totalen emotionalen Ausbrüche. Denn aus Respekt vor dem Gegner und der Attitüde des Gentlemensports gehört es sich einfach nicht – aber da gehen die Meinungen auseinander.

Jedenfalls hat Robertson eine gute Snooker-Saison gespielt. Vier Mal stand er im Finale, erreichte zudem zwei Halbfinals. Viel mehr geht nicht und deswegen ist der Thunder from Down Under einer der großen Favoriten auf den Titel. Schwächen findet man in seinem Spiel nicht. Lange Einsteiger, Safe-Battles, Breakbuilding …. alles kein Problem für Robertson.

Zudem hat er durch den Sieg in China unheimlich viel Selbstvertrauen getankt und kennt die Atmosphäre im Crucible als ehemaliger Weltmeister nur zu gut. Aber, auch Robertson muss sich durch die untere Hälfte des Draws kämpfen. Und dort warten fast alle Schwergewichte. Im Viertelfinale könnte er z.B. auf Mark Allen treffen. Mein Tipp lautet: Viertelfinale.

Ricky Walden

Ich mag Ricky Walden. Er ist ein ganz lustiger Zeitgenosse und spielt meist ein ganz ansprechendes Snooker. Macht ihn das aber zu einem Spieler, dem ich bei der Weltmeisterschaft eine große Leistung zutraue? Es ist eher unwahrscheinlich. Denn schon in Runde zwei kommt es wahrscheinlich zu einem Duell mit Neil Robertson.

Die letzten drei Duelle verlor Walden gegen den Australier. Auf der anderen Seite hat Walden das Wuxi Classic gewonnen. Will man ein Haar in der Suppe suchen, könnte man damit argumentieren, dass die Gegner auf dem Weg zum Sieg – mit Ausnahme von Judd Trump – eher ”zweiter Klasse“ waren. Spaceman Dale, Marcus Campbell und Robert Milkins.

Das soll nicht abwertend klingen, zumal Walden im Finale Stuart Bingham klar mit 10:4 besiegte. Trotzdem, außer dem Titel gab es nur noch zwei Teilnahmen an einem Viertelfinale. Ansonsten waren es Niederlagen in den ersten beiden Runden, die seine Saison ausmachten. Und ganz ehrlich, der Sieg beim Wuxi Classic ist schon eine Überraschung gewesen.

Auch Walden muss durch die untere Hälfte des Draws kommen, will er die Snooker-WM gewinnen. Und das halte ich für ausgeschlossen. Neil Robertson wäre schon ein gewaltiger Stolperstein und ich glaube viel eher, dass Walden in Runde eins scheitern wird. Ich korrigiere mich gerne, wenn der Name des Gegners feststeht, aber müsste ich jetzt tippen, ich tendierte zu einer frühen Niederlage.

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