Snooker-WM: Der Favoritencheck Teil I

10 Apr

32 Spieler bewerben sich um den Titel als Snooker-Weltmeister. Selten was es so schwer, einen klaren Favoriten auszumachen. Natürlich ist es insgesamt schwer geworden, seitdem die Spitze einfach so unsagbar eng zusammengerückt ist. Einen dominierenden Spieler a la Stephen Hendry gibt es nicht mehr. Durch die Vielzahl an Turnieren bekommen die Spieler mehr Matchpraxis.

Das hat sich auch in dieser Saison wieder gezeigt. Kein Spieler konnte mehr als einen Titel (bei Ranglistenturnieren) gewinnen. Ronnie O’Sullivan trat überhaupt nicht an und andere Profis wie John Higgins spielen eine Seuchensaison. Sie deswegen aber abschreiben? Damit würde ich einen ebenso schweren Fehler begehen, wie ein Gegner in der ersten oder zweiten Runde. Schauen wir uns einfach die erste Gruppe der Spieler an.

Barry Hawkins

Hat er es also geschafft: Barry Hawkins qualifizierte sich als die Nummer 14 der Welt für die Snooker-WM im Crucible Theatre. Dabei hat Hawkins in den letzten beiden Jahren sein wohl bestes Snooker gespielt und nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Wobei er vergangene Saison zwar wie fast immer maximal die zweite Runde erreichte, gewann er einen Titel.

Im Snooker-Shootout besiegte er Graeme Dott und strich stolze 32.000 Pfund ein – sein persönliches Highlight bis dato. Dieser Erfolg schien Hawkins Rückenwind gebracht zu haben, auch wenn die große Konstanz sich nicht einstellen wollte. Meiner Meinung nach ist Hawkins nicht der große Champion, der in den kommenden Wochen und Monaten beeindrucken wird.

Barry Hawkins

Barry Hawkins

Dennoch verfügt er über Erfahrung und die ist im Snooker hie und da Gold wert. Nicht ohne Grund steht Hawkins in den Top 16, gewann in dieser Saison immerhin die Australian Open und zog auch beim German Masters ins Halbfinale ein – dort konnte ich ihn mir auch mal aus der Nähe ansehen und war durchaus beeindruckt von der Leistung, die er abliefern kann.

Dennoch, sein Pech ist, dass er in Runde zwei auf Mark Selby treffen würde. Den hatte Hawkins im vergangenen Jahr noch bei der WM ausgeschaltet. Da litt Selby unter einer Nackenverletzung und war ohne Chance. In diesem Jahr wird Hawkins auf der Strecke bleiben und, wenn überhaupt, die erste Runde überstehen. Danach ist Schluss.

Ding Junhui

Tja, was ist los mit Ding Junhui? In den letzten drei Jahren konnte der Chinese zumindest bei einem Turnier einen Erfolg feiern. In diesem Jahr reichte es nur zum Erfolg beim Grand Finale der PTC-Tour. Und dort ist das Feld lange nicht so gut besetzt, wie bei einem klassischen Ranking Event oder dem Masters. Dennoch, ein Erfolg, der sich sehen lassen kann.

Denn immerhin schlug er dort im Finale Neil Robertson, kam zudem zu einem Maximum Break. In den letzten Monaten scheint Ding sich auch stabilisiert zu haben. Gerade zu Beginn der Saison kam er nämlich gar nicht aus den Puschen, schaffte während der ersten sechs Ranking Events maximal den Einzug in Runde zwei – für den Chinesen viel zu wenig.

Bei den Welsh Open schaffte Ding den Einzug ins Halbfinale, bei den World Open kam er ins Viertelfinale und danach stand der Titel beim PTC-Finale. Der Einzug in Runde zwei bei der Snooker-WM ist wohl kaum gefährdet. Danach folgt allerdings ein Schwergewicht, denn er bekäme es dort wahrscheinlich mit Mark Allen zu tun. Und dort ist meiner Meinung nach Feierabend.

Denn natürlich ist Ding nicht mehr der schüchterne Junge, der er mal war – als er nach einer Niederlage gegen Ronnie O’Sullivan in Tränen ausbrach. Dennoch, schaut man sich die Ergebnisse im Crucible an, stehen diverse Niederlagen in Runde eins oder zwei zu Buche. Einzig 2011 schaffte er es bis ins Halbfinale. Die WM ist noch nicht das Turnier des Chinesen.

Ali Carter

Der Captain …. ich bin ja schon froh, dass er überhaupt wieder Snooker spielt. Es sah ja eine Zeit so aus, als ob er seine Karriere wegen seiner Krankheit – Morbus Krohn – beenden müsse und plagte sich stetig mit Schmerzen im Magenbereich herum, konnte sich kaum über den Tisch beugen. Dies hat Carter nun ob einer Diät im Griff, auch wenn er bis auf Platz 15 abgerutscht ist.

Ali Carter gegen Ronnie O'Sullivan

Bei der WM ist Carter eine Wundertüte. Mal Finale, mal Runde eins. Dabei denkt er wohl nur ungern an das Finale im letzten Jahr zurück, dort kassierte er eine Klatsche gegen Ronnie O’Sullivan (11:18). Und genau das ist sein Problem, denn in keinem der zwölf Ranking Matches gegen O’Sullivan gelang ihm ein Sieg.

Auf wen würde Carter nun in Runde zwei der WM treffen? Ihr könnt es Euch denken. Dennoch lief die Saison ordentlich für den Captain. Zwei Niederlagen in Runde eins zu Beginn, danach folgte das Halbfinale bei der UK Championship sowie der Titel beim German Masters – vor meinen Augen. Carter ist durchaus ein kompletter Spieler, wenn auch manchmal zu emotional.

Als Zuschauer ist es interessant, wenn er einen dieser Ausbrüche hat. Trotzdem ist Carter so erfahren, dass die erste Runde keine große Hürde darstellen sollte. Andererseits wartet wohl Marco Fu auf einen der Top 16-Spieler. O’Sullivan ist zudem schwer einzuschätzen. Schafft Carter es, den Champion auszuscheiden, ist das Halbfinale drin. Denn die obere Hälfte des Draws ist die leichtere.

Stuart Bingham

Stuart Bingham ist ja sowas wie mein persönlicher Schützling. Ich hatte ihm vor 2011 eine gute Saison prophezeit und erklärt, er wäre einer der Spieler, auf die zu achten wäre. Was passierte also? Bingham gewann die Australian Open und schob sich in die Top 16. Damit zementierte er meinen Status als Snooker-Experte – danke Herr Bingham.

Und in dieser Saison hat Stuart Bingham den einen oder anderen Erfolg eingefahren. Zwei PTC-Siege gehen auf sein Konto, dazu gewann er die Premier League und erreichte zwei Ranking Event-Finals. Drei Niederlagen in Runde eins stehen auch drei Viertelfinals gegenüber. Also, man darf behaupten, Bingham kann im weitesten Sinne zufrieden sein.

Denn bei zehn Turnieren gab es immerhin zehn unterschiedliche Sieger. Das zeigt natürlich auch, dass schon ein Titel eine große Leistung ist – zwei Finals natürlich stehen dem natürlich in nichts nach. Bei der Prognose ist klar, dass, ohne zu wissen, wer der Qualifikant ist, eine Einschätzung schwer fällt.

Bingham wäre vielleicht ein Kandidat für eine Niederlage in Runde eins. Doch ich glaube eher, dass er bis ins Viertelfinale vordringen wird. Zum ganz großen Wurf reicht es meiner Meinung nach aber nicht. Bingham ist zwar ein Gegner, der unangenehm zu spielen ist, aber die WM ist ein ganz besonderes Pflaster. Und gute Erfahrungen hat er dort noch nicht gemacht. Spektakulär wäre natürlich ein Finale gegen Mark Allen.

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2 Antworten to “Snooker-WM: Der Favoritencheck Teil I”

  1. tmv23 10. April 2013 um 15:27 #

    „Kein Spieler konnte mehr als einen Titel gewinnen. “

    dann erklär dem Mark Selby doch mal, dass von seinen Siegen bei UK Championship und Masters einer kein Titel ist. (auf vollwertige Ranglistenturniere bezogen hast du natürlich Recht)

    ansonsten ganz solide geschreiben, auch wenn ich Ding nicht automatisch in Runde 2 sehe (ihm aber ebensogut den Titel zutraue, bei ihm weiß man nämlich nie)

    • Logan Shakeshaft 10. April 2013 um 16:02 #

      Das mit den Titeln ist natürlich auf die Ranglistenturniere bezogen – keine Frage.

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