Archiv | April, 2013

Snooker-WM in Sheffield: Tag 10

30 Apr

Wie wäre es, wenn ich ein Jahr nicht joggen würde. Eine lange Pause machen, nur um dann wieder die Schuhe zu schnüren und mal eben den Hamburg Marathon gewinnen. Ja, mir war langweilig, ich hab ein bisschen auf einem Bauernhof gearbeitet und dachte mir, ach komm, probiers einfach mal. Vielleicht geht’s schief, vielleicht aber auch nicht.

So kommt mir das bei Ronnie O’Sullivan vor. Mark Williams schrieb gestern auf Twitter, das Ronnie beeindruckend spielen würde nach seiner langen Pause. Und vermutlich habe er sich ein paar Turniere im Verlauf des Jahres angesehen, und die Spieler vor dem TV schallen ausgelacht. So wird es wahrscheinlich nicht gewesen sein, aber ein Fünkchen Wahrheit schwingt da mit.

Gegen Ali ”Elli“ Carter wusste The Rocket zu überzeugen. Er hat seine Leichtigkeit am Tisch nicht verlernt und ist vielleicht sogar noch ein Stück stärker geworden, da er eine Lockerheit an den Tag legt, die man so nicht kannte. Früher rannte er um den Tisch, da er die Halle schnellstmöglich verlassen wollte, heute sieht das bei ihm anders aus – er scheint es zu genießen.

Und Carter war einmal mehr der Prügelknabe. Alle 13 Ranking Matches hat er damit gegen O’Sullivan verloren. Einzig in der Championship League durfte der Captain vor ein paar Jahren einen 3:1-Sieg feiern. Sicher kein schönes Gefühl und hätte Carter gegen einen anderen Gegner gespielt, seine Chancen auf einen Sieg wären gut gewesen.

Ali Carter

Ali Carter scheiterte erneut an Ronnie O’Sullivan

Nun trifft O’Sullivan auf Stuart Bingham. Der Engländer spielte ein starkes Auftaktmatch, sein Achtelfinale gegen Mark Davis war viel Krampf. Es wird ein spannendes Match, bisher trafen sich beide Spieler fünf Mal. O’Sullivan holte dabei vier Siege, musste bei der UK Championship 2010 jedoch eine bittere 6:9-Niederlage einstecken.

Ich bin sehr gespannt, ob Bingham den Lauf des Weltmeisters stoppen kann oder nur ein weiteres Opfer auf dem Weg zum erneuten Titel wird. Viel spannender ist für mich das Match zwischen Shaun Murphy und Judd Trump. Murphy hat bisher auch zwei Seiten gezeigt. Gegen Martin Gould brauchte Murphy einen Moment, zeigte dann eine sehr starke Leistung.

Sein Achtelfinale gegen Graeme Dott war dann schon weniger beeindruckend. Im Gegensatz dazu steht Judd Trump, der gut anfing und sich dann zum Ende des Achtelfinals gegen Marco Fu nochmals steigern konnte. Es ist die Nummer drei gegen die Nummer vier und ich hätte mich nicht beschwert, wäre es das Finale gewesen.

Nur unwesentlich interessanter sind die anderen beiden Viertelfinals. Michael White trifft auf Ricky Walden. Beide werden sich wie im Traum vorkommen, die große Chance zu haben, ins Halbfinale dieser WM einziehen zu können. Wie sich der Druck auf ihr Spiel auswirken wird, dürfte eine spannende Frage sein.

Bliebe Ding Junhui gegen Barry Hawkins. Mit dem Blick auf das andere Viertelfinale dürfte ihnen klar sein, dass es im Halbfinale hätte schwerer kommen können. Auch hier gibt es keinen klaren Favoriten, wie in allen anderen Viertelfinals auch nicht. Normalerweise sehe ich Ding vorne, aber Hawkins kann einfach nicht mehr unterschätzt werden.

Mein Wunschfinale wird es nicht geben. Ronnie O’Sullivan gegen Shaun Murphy oder Judd Trump wäre ein Traum gewesen. Aber wie die Konstellation sich letztendlich zeigen wird, es dürfte interessant werden. Doch vorher genieße ich mal die Viertelfinalspiele, die schon einiges zu bieten haben. Und just in diesem Moment beginnen Murphy und Trump – Dienstagmorgen, was willst du mehr!

Snooker-WM in Sheffield: Tag 9

29 Apr

Wir haben Bergfest und die Hälfte der Snooker-WM ist nun schon wieder rum. Auf der anderen Seite nehmen die Spieler so langsam richtig Fahrt auf. Nicht umsonst heißt es ja, dass die Halbfinalspiele meist die Duelle sind, in denen das höchste Niveau erreicht wird. Noch sind wir natürlich nicht so weit, aber gestern waren die Sessions teilweise eine Augenweide.

Dabei hat Ali Carter es geschafft, den Rückstand auf Ronnie O’Sullivan erträglich zu gestalten. Bei seiner Quote musste man zwischendurch ja Angst haben, dass er wieder einmal hoffnungslos unterlegen sein würde. Keins der bisherigen zwölf Matches bei Ranglistenturnieren hat er gewonnen. Einzig in der Championship League kam er 2010 zu einem 3:1-Erfolg.

Am Nachmittag spielten beide Akteure auf einem wirklich hohen Niveau. Klar, hie und da gab es natürlich Fehler, aber die gehören zum Sport dazu. Und endlich konnte der Captain sein Spiel auch mal durchziehen – gerade in Frame 13, als er mit einer 63er Clearance den Frame noch stehlen und auf 6:7 verkürzen konnte. Es wird eine packende Abendsession heute geben, da bin ich mir sicher.

Wo wir auch bei der Frage sind, wer denn nun die besten Chancen auf den Titel hat. O’Sullivan spielt trotz der langen Pause ausgesprochen gut, Carter kommt auch langsam auf Temperatur. Und Ding Junhui? Der lag gegen Mark King schon mit 2:6 hinten, aber zeigte gestern eine beeindruckende Leistung und schaffte das Comeback – und wie!

Ronnie O'Sullivan führt gegen den Captain (by World Snooker)

Ronnie O’Sullivan führt gegen den Captain (by World Snooker)

Über die Qualitäten des Chinesen müssen wir nicht groß reden, nur schaffte er es zuletzt nicht so richtig, diese auch auf den Tisch zu bringen. Die zweite Session hat jedoch beeindruckt. Mit 7:1 holte sich Ding die 9:7-Führung und darf ebenfalls Ansprüche auf den Titel anmelden. King freute sich hingegen, immerhin einen Frame gewonnen zu haben.

Und vergessen sollten wir auch nicht Ricky Walden. Der gewann beide Sessions gegen Robert Milkins mit 5:3, führt dementsprechend mit 10:6. An sich hatte ich es ausgeschlossen, Walden im Halbfinale oder gar im Finale zu sehen. Allerdings spielt er bisher sehr beständig und konstant auf einem Niveau. Kaum ein anderer Spieler hat dies bisher geschafft.

So auch Stuart Bingham, der gerade in der ersten Runde unglaubliches Snooker zeigte. Gegen Mark Davis erlebte er, wie auch sein Gegner, einen Einbruch. Beide Akteure mühten sich lange, überhaupt einige Bälle zu lochen. Die Quoten waren bis zum Midsession desaströs und es dauerte, bis es ein ordentliches Match wurde – dort steht es 8:8.

Nun bin ich immer noch nicht schlauer, wer als Favorit taugt, aber das macht diese WM umso spannender. Wenn die Achtelfinals heute durch sind, werde ich wohl nochmal ein Fazit ziehen und schauen, wie die Begegnungen letztlich aussehen. Dabei gibt es mit Shaun Murphy gegen Judd Trump ja schon einen Leckerbissen.

Und ganz nebenbei sollte ich auch erwähnen, dass es in der nächsten Saison vielleicht einen deutschen Spieler bei einem der Turniere zu sehen gibt. Patrick Einsle hat es nämlich geschafft, eine Tourkarte zu gewinnen. Das entscheidende Match gewann er gegen Christopher Keogan mit 4:3 – ein wahrer Krimi. Welche Turniere er spielen wird, steht noch nicht fest.

Denn aus finanziellen Gründen wird er seinen Job behalten und vielleicht schafft er es ja, sich durch die Qualifikation zu quälen, um letztlich auch auf einem der TV-Tische spielen zu können. Es wäre eine tolle Sache für ihn, aber auch für die deutsche Snooker Szene, die ohnehin sehr groß ist. Ein deutscher Spieler würde vielleicht noch einen weiteren Schub geben.

Snooker-WM in Sheffield: Tag 8

28 Apr

Während ich gestern fieberhaft überlegt habe, zu welchem Thema es sich denn lohnen würde, ein paar Worte zu Papier zu bringen, ist das heute nicht so wirklich eine schwierige Aufgabe. Denn Mark Selby wird nicht der vierte Spieler in der Geschichte des Snooker sein, der sich die Triple Crown holt. Masters und UK Championship hatte er gewonnen, die WM ist für ihn nun vorbei.

Steve Davis, Stephen Hendry und Mark Williams hatten das Kunststück geschafft, alle drei Turniere in einer Saison zu gewinnen. Und ganz ehrlich, Selby hatte beste Chancen, in diesen Kreis einzutreten. Aber dieser Barry Hawkins …. In meiner Vorschau hatte ich erwartet, dass er gegen Selby im Achtelfinale scheitern wird, aber ihn auch als harten Spieler bezeichnet.

Er steht nicht umsonst in den Top 16 und wusste in den letzten Monaten durchaus zu beeindrucken. Dazu hat er die Erfahrung und ließ sich gegen Mark Selby auch von einem Rückstand nicht erschrecken. Diese Erfahrung ist gerade bei der WM unglaublich wertvoll. Nun ist also der nächste Top Favorit schon ausgeschieden und man darf sich fragen, wo das noch hinführen soll.

Barry Hawkins schaltete Mark Selby aus (by World Snooker)

Barry Hawkins schaltete Mark Selby aus (by World Snooker)

Auch im letzten Jahr sind einige der Top Spieler bereits früh gescheitert. Das ist zwar richtig, doch darf man nicht vergessen, dass jener Selby beispielsweise unter den Folgen einer Nackenverletzung angetreten war. Stuart Bingham unterlag immerhin Stephen Hendry und Martin Gould war auch gesetzt, aber kein Spieler, der zwingend die zweite Runde erreichen musste.

In diesem Jahr ist es eine andere Geschichte – zumindest meiner Meinung nach. Man kann sicherlich damit argumentieren, Williams und Higgins haben keine gute Saison gespielt. Das ist richtig, aber die Breite der Überraschungen ist schon außergewöhnlich. Dabei war das Aus von Maguire schon eine Überraschung und das Scheitern von Robertson eine Sensation.

Aber warten wir ab, wie sich die Achtelfinals entwickeln. Mit dem Spiel von Judd Trump gegen Shaun Murphy haben wir ja schon einen absoluten Knaller, auf den ich mich jetzt schon freue. Dabei ist die obere Hälfte des Draws meiner Meinung nach die, aus der der Weltmeister hervorkommen wird. Bleibt die Frage, wer sich noch durchsetzen wird.

Sollte Ronnie O’Sullivan gegen Ali Carter gewinnen, trifft er auch Stuart Bingham oder Mark Davis. Das sind vier starke Spieler, die den Halbfinalisten unter sich ausmachen. Und unten? Da stehen momentan Michael White, Ricky Walden, Robert Milkins, Barry Hawkins, Mark King und Ding Junhui noch in der Verlosung.

O’Sullivan gegen Trump und Ding Junhui gegen Michael White wären doch zwei klasse Halbfinals. Aber mal sehen, wer sich letztlich durchsetzt. Dazu ist mir übrigens noch aufgefallen, dass mittlerweile viel über die Kicks gesprochen wurde. Ich weiß nicht mehr genau, welcher Profi es war.

Aber im Vorfeld hatte ein Spieler erklärt, es würde ihm auf die Nerven gehen, wenn die Kommentatoren immer darüber sprechen würden. Also praktisch jeden Fehler mit einem möglichen Kick zu erklären. Denn Spieler würden einfach Fehler machen und nicht immer wäre es ein schlechter Ballkontakt. Seit dem höre ich oft, wie die Kommentatoren es explizit erwähnen, wenn es ein Kick war oder eben ein Fehler – achtet mal drauf.

Snooker-WM in Sheffield: Tag 7

27 Apr

Manchmal ist es gar nicht so einfach, sich ein bestimmtes Thema für einen Blog rauszusuchen. Es gibt tatsächlich Tage, an denen sitzt man auf dem Sofa, schaut sich die Snooker-WM an und fragt sich, worüber man eigentlich schreiben soll. Gestern war so einer der Tage. Die erste Session fehlte komplett und schon ab 11 Uhr stellte sich die Frage ein, was man überhaupt nun machen soll?

Ich bin erstmal einkaufen gegangen. Das war mal ganz praktisch, denn ansonsten kann es manchmal etwas hektisch werden, bei drei Sessions an einem Tag. Aber ab heute habe ich zum Glück Urlaub und kann den Rest der WM ohne Ablenkung verfolgen, dazu hat sich das Wetter in Hamburg ebenfalls eine kleine Auszeit genommen.

Somit habe ich immerhin kein schlechtes Gewissen, den ganzen Tag vor dem TV zu hocken und mich via Twitter mit anderen auszutauschen. Und ganz nebenbei wäre es auch bitter gewesen, das Drama des gestrigen Abends nicht komplett miterleben zu können. Denn Shaun Murphy und Graeme Dott haben sich ein fantastisches Match geliefert, dass bis fast ein Uhr andauerte.

Shaun Murphy steht im Viertelfinae (by World Snooker)

Shaun Murphy steht im Viertelfinae (by World Snooker)

Auch die anderen Spiele hatten es natürlich in sich. Michael White hat dabei einen sehr starken Eindruck gemacht und Dechawat Poomjaeng ziemlich auseinander genommen. Ein Sieg in nur zwei Sessions ist beeindruckend. Interessant war, dass der Turnierdirektor den Thailänder angeblich zur Seite genommen hat, um ihm ein bisschen zur Ruhe zu bringen.

Ich hatte ja gestern zu diesem Thema was geschrieben und es ist zumindest kontrovers aufgenommen worden. Natürlich gönne ich jedem Spieler den Sieg, doch war ich auch ein bisschen froh, White in die nächste Runde einziehen zu sehen, denn er ist – meiner Meinung nach – klar der bessere Spieler und gerade beim Snooker finde ich Niveau wichtiger als Unterhaltung.

Das Match Mark Selby gegen Barry Hawkins habe ich leider nur mit einem Auge verfolgt, da ich mich dann komplett auf Murphy gegen Dott konzentriert habe, die mit 8:8 in den Abend gegangen waren und wirklich das vielleicht beste Match dieser WM gezeigt haben – zumindest was Drama und Spannung angeht.

Denn so mag ich Snooker. Es müssen nicht immer nur die hohen Breaks sein. Das würde den Sport auch zu sehr reduzieren und durch die vielen Möglichkeiten, die Snooker bietet, ist die Bandbreite eben sehr hoch. Da hat man packende Frames, die über 50 Minuten gehen und mit einer Respotted Black enden. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und was für Dramen wir noch erleben.

Bei Judd Trump gegen Marco Fu wird es recht einseitig werden, aber ich freue mich auf Ronnie O’Sullivan gegen Ali Carter. Kann der Captain die Schwarze Serie mal beenden? Oder wird O’Sullivan für eine Sternstunde sorgen? Dazu sehen wir auch die erste Session zwischen Mark Kind und Ding Junhui – ebenfalls ein sehr interessantes Match.

Snooker-WM in Sheffield: Tag 6

26 Apr

Das war ein ziemlich interessanter Tag in Sheffield muss ich sagen. Das Thema des Tages war natürlich das Aus von Neil Robertson, der als großer Favorit auf den Titel an Robert Milkins scheiterte. Wenn die Niederlagen von John Higgins, Mark Allen, Stephen Maguire und Mark Williams schon keine Sensation waren, dies war eine.

Dass Milkins es kann, ist unbestritten. Bevor er wegen Alkohol- und Spielsucht bis auf Platz 70 abgerutscht war, spielte er regelmäßig im Konzert der Großen mit. Zwar verpasste er den Spring in die Top 16, stand aber mehrfach kurz davor. Und so wusste er durchaus zu beeindrucken, auf der anderen Seite lieferte Robertson eine sehr schwache Vorstellung ab.

Gerade sein langes Spiel gilt als das vielleicht Beste auf der Main Tour. Und ich muss schon stark nachdenken, um mich an eine ähnlich schwache Leistung des Australiers zu erinnern. Gerade bei der WM sind es ja oft die Top-Spieler, die den Gang hochschalten können, die Atmosphäre kennen und Vorteile gegenüber den Qualifikanten haben.

Stuart Bingham könnte von dem Aus profitieren. Denn je mehr vermeintliche Favoriten stolpern, desto größer ist für ihn die Chance, wirklich weit zu kommen. Denn ob es nun Michael White oder jener Milkins sind, die Frage bleibt ja, ob sie diese Leistungen konstant abrufen können. Da traue ich Profis wie Bingham schon zu, auf lange Sicht einfach stärker zu sein.

Michael White hielt die Konzentration hoch (by World Snooker)

Michael White hielt die Konzentration hoch (by World Snooker)

Was mich aber wirklich beschäftigt war das Match zwischen White und Dechawat Poomjaeng, der mittlerweile nur noch Jack genannt wird, ob seines schwer auszusprechenden Vornamens. Gerade auf Twitter ist ein wahrer Boom entstanden, der Thailänder hat sich in kürzester Zeit zum absoluten Publikumsliebling entwickelt.

Er ist emotional, laut, unkonventionell und unterhält das Publikum mit seiner lockeren Art. Doch hier scheiden sich auch die Geister, denn noch immer ist Snooker ein Sport der Gentlemen. Ausreißer gab es schon immer und wird es auch weiterhin geben. Nicht umsonst ist Mark Selby der Jester from Leicester. Auch Ronnie O’Sullivan weiß, wie man mit dem Publikum spielt.

Es gibt viele Beispiele und Snooker soll ja durchaus unterhalten, die Interaktion mit dem Publikum ist auch erwünscht. Nur hat es Poomjaeng meiner Meinung nach ein wenig übertrieben. Gelochte Bälle oder erfolgreich gesetzte Snooker mit dem Publikum zu feiern, sie zu pushen und mit Gestiken zum Applaus aufzufordern,  ist mir zu viel.

Denn man muss auch bedenken, dass Snooker ein Kopfsport ist, es geht um Konzentration. Nicht umsonst sind Fotos verboten, die Zuschauer angehalten, sich nicht in Stoßlinien zu bewegen und sich ruhig zu verhalten. Respekt vor Michael White, der sich nicht aus der Ruhe bringen ließ und sein Spiel gnadenlos durchzog.

Die Frage ist: Braucht Snooker eine Veränderung? Ob Stephen Maguire am Ende verlor, da er zeitweise irritiert war, ist natürlich nicht zu klären. Aber ich bin gespannt, wie es sich in Zukunft verhält, sollten wir Poomjaeng häufiger zu sehen bekommen. Vielleicht war es auch nur die Nervosität, die raus musste. Dennoch bleiben fragen offen.

Gegen White wird er wohl ausscheiden, aber ich hätte ihn gerne noch weiter gesehen und dazu das Verhalten seiner Gegner. Grundsätzlich sind Sportarten wie Dart erfolgreich, da das Publikum mitgehen kann, die Sportler nicht in einem Kodex stecken. Hearn versucht schon alles, um Snooker wieder nach vorne zu bringen.

Nur muss man sehen, inwieweit der Sport sich verändern lässt. Diese Gentlemen-Attitüde macht Snooker aus. Es wird immer mal laut werden, ein Spieler muss auch mal den Druck ablassen – so wie Robertson mittlerweile mitten in den Frames – und Emotionen zeigen. Sollte es aber bedeuten, dass dadurch die Konzentration eines Gegners leidet, bin ich dagegen.

Snooker-WM in Sheffield: Tag 5

25 Apr

Auf Twitter gab es die Feststellung, dass es wohl nicht so ganz meine Snooker-WM sei. Ist dem wirklich so? Ja, ich bin ein Sportjournalist, aber der Blog ist privat. Ergo darf ich hier zumindest eine klare Meinung vertreten. Im vorletzten Jahr war es grenzwertig, als Matthew Stevens in Runde eins in etwa mit 9:5 gegen Mark Allen geführt, dann aber noch 9:10 verloren hatte.

Im letzten Jahr schaffte es der Walisische Drache bis ins Halbfinale. Das Match gegen Ronnie O’Sullivan war trotz des deutlichen Ergebnisses ein Highlight. Nun, wer einen Blick in meine Prognose wirft – gefühlt habe ich alles falsch getippt -, wird aber auch sehen, dass ich ihm maximal das Achtelfinale zugetraut habe. Aus Zeitgründen standen da die Qualifikanten noch nicht fest.

Als ich mir die Auslosung zum Draw angehört habe, musste ich schon mit dem Kopf schütteln, als Marco Fu gezogen wurde. Zweckpessimistisch habe ich mit einer Niederlage gerechnet, aber sie war am Ende doch sehr unglücklich. Die erste Session war schlimm, da Stevens überhaupt nicht in die Bälle gekommen war, am Ende wusste er zu beeindrucken.

Bitter natürlich, als beim Stand von 7:9 und einer langen Blauen ein Zuschauer umkippen musste und Stevens so aus der Konzentration riss. Ob er den Ball gelocht hätte? Schwer zu sagen. Ansonsten wäre es das 8:9 gewesen und ob Fu dann gewonnen hätte ….. Aber was solls, die WM ist kein Wunschkonzert, obwohl es manchmal schön wäre.

Mark Selby bleibt im Rennen um die Triple Crown (by World Snooker)

Mark Selby bleibt im Rennen um die Triple Crown (by World Snooker)

Zurück zu der Frage, ob es nicht meine WM ist. Mit Stevens kann man ja nicht planen und ansonsten halte ich gerne zu Dominic Dale, aber auch er ist eher der Kandidat, bei dem man froh ist, wenn er überhaupt nach Sheffield reisen darf. Schade finde ich persönlich das Aus von John Higgins, den ich einfach gerne spielen sehe – allerdings nicht in dieser Form.

Und klar, ich bin ein Fan von Ronnie O’Sullivan. Von daher sieht es momentan gar nicht so schlimm aus. Mark Selby ist weiter und bei Neil Robertson muss man sehen, wie die zweite Session läuft. Sollte er ausscheiden, wäre es für das Niveau und die Spannung ein herber Verlust. Gespannt bin ich auf die weiteren Auftritte von Dechawat Poomjaeng und Michael White.

Denn wenn man ehrlich ist, brauchen wir eine Generation nach Mark Williams, John Higgins, Ronnie O’Sullivan und wie die alten Recken auch immer heißen. Mit Robertson, Allen und Selby oder Shaun Murphy gibt es ja Spieler, die noch Jahre spielen und beeindrucken können. Dennoch ist es auch schön, junge Spieler nachrücken zu sehen, die im Laufe der Zeit ein Profil bekommen.

Und vergessen wir hier nicht Judd Trump und Ding Junhui. Der Chinese mag der sympathischere Spieler sein, aber so richtig warm werde ich mit seiner Spielweise nicht. Da schaue ich mir lieber Trump an, auch wenn er hie und da die Grenze des guten Geschmacks, optisch wie verbal, mit stachligen Schuhen kurz überschreitet.

Nun aber: Es ist nicht unbedingt meine WM, aber wenn ich mir die Vorzeichen anschaue, unter denen es meine WM werden könnte, dann stehen die Chancen immer schlecht, vollkommen zufrieden zu sein. Bisher fühle ich mich gut unterhalten und wenn ich mir alte Blogs auf sportal.de ansehe, saß ich auch schon bei 28 Grad im Schatten 17 Tage lang vor dem TV. Es geht also schlimmer und ich genieße die WM weiterhin rund um die Uhr.

Snooker-WM in Sheffield: Tag 4

24 Apr

Was ist eigentlich los bei der Snooker-WM in Sheffield? Nach Mark Williams und John Higgins hat es nun auch Stephen Maguire erwischt. Und wenn die Niederlagen der beiden Ex-Weltmeister schon überraschend, aber nicht sensationell waren, hat Dechawat Poomjaeng wirklich für einen Paukenschlag gesorgt.

Der Thailänder liegt nur auf Rang 70 in der Welt, feierte im Crucible in diesem Jahr sein Debüt. Und es gibt wirklich leichtere Auftaktgegner als Maguire. Und der Merlin of Milton hatte nach dem 3:5-Rückstand in Session eins auch zunächst zugelegt. In meinem Blog hatte ich ja auch geschrieben, dass ich eine klare Steigerung erwarte, denn der Rhythmus bei der WM ist ein anderer.

Maguire gewann so die ersten Frames mit Breaks von 70, 91 und 93. An diesem Punkt sah ich mich bestätigt und Poomjaeng spürte vielleicht den Druck der entscheidenden Session. Dennoch war beeindruckend, mit welcher Ruhe er trotzdem auf seine Chancen wartete und diese auch immer wieder bekam. Beim Stand von 9:8 wurde die Session dann abgebrochen.

Am Abend ließ sich Poomjaeng dann das Ticket für das Achtelfinale nicht mehr nehmen und so kommt es dort zum Duell mit Neuling Michael White. Das bedeutet auch, wir sehen einen Debütanten im Viertelfinale. Von einer Wachablösung im Snooker zu sprechen halte ich dabei zwar ein wenig verfrüht, doch bin ich schon jetzt auf die neue Saison gespannt.

Dechawat Poomjaeng (by World Snooker)

Dechawat Poomjaeng (by World Snooker)

In jedem Jahr gibt es Top-Spieler, die in Runde eins ausscheiden. Doch nach vier Tagen haben wir bereits drei absolute Spitzenspieler verloren und das halte ich schon für außergewöhnlich. Dabei ist die erste Runde ja noch nicht ansatzweise komplett absolviert. Vielleicht ist es auch einfach nur der fehlende Hunger, den Higgins angesprochen hatte.

Auf der anderen Seite rückt die Spitze durch die vielen Turniere und PTC Events einfach enger zusammen, viele Profis jenseits der Top 16 bekommen vermehrt Matchpraxis und messen sich häufiger mit den absoluten Top-Profis. Warten wir einfach ab, wie sich die Snooker-WM entwickelt und dann auch, ob sich eine Art Trend zeigt.

Weniger von einem Trend sprechen kann man beim Match zwischen Marco Fu und Matthew Stevns, denn hier agieren zwei Spieler auf Augenhöhe. Fu führt mit 6:3, da Stevens gerade zu Beginn kein Bein auf den Boden brachte, sich erst im Verlauf des Matches steigern konnte. Das Match geht am Mittwoch weiter und ich hoffe noch auf ein Comeback der Walisischen Drachen.

Ansonsten gab es wenig Überraschendes zu berichten. Ali Carter hatte am Ende wenig Mühe mit Ben Woollaston, auch wenn er kaum zu hohen Breaks kam. Sein 10:4 war erwartet worden, auch wenn es in der Höhe dann doch überraschend war, wenn man die erste Session gesehen hatte. Er trifft nun auf Ronnie O’Sullivan und wir haben eine Neuauflage des Finals von 2012.

Mark Selby hat ebenfalls gezeigt, dass er in diesem Jahr einer der absoluten Top-Favoriten ist. Matthew Selt konnte einem dabei zunächst leidtun. Schnell lag er 0:4 hinten, hatte ein Top Break von 15 absolviert und drohte komplett unterzugehen. Immerhin hat er sich in ein 3:6 gerettet, ist für mich aber komplett ohne Chance.

Auch Alan McManus hat kaum noch eine Chance auf das Achtelfinale, liegt gegen Ding Junhui mit 2:7 im Hintertreffen. Ein Sieg wäre auch eine Sensation gewesen. Und Dominic Dale ist sicherlich einer der großen Sympathieträger, kam gegen Judd Trump zu einem 3:6. Er kann vielleicht noch ein spannendes Match liefern, aber an einen Sieg glaube ich nicht.

Auch wenn Trump nicht immer den ganz sicheren Eindruck hinterlassen hat. Viele kleine Fehler schleichen sich immer wieder in sein Spiel, dennoch hat er auch eine 142 produziert und das zeigt, wozu The Ace in der Lage ist. Dale braucht schon eine ganz besondere Leistung, will er Trump noch in Gefahr bringen.

Mein Glück mit den WM-Tipps

23 Apr

Es ist an der Zeit, sich mit halbgaren Ausreden aus der Affäre zu ziehen und alles, was man im Vorfeld der Snooker-WM geschrieben hat, irgendwie mit guten Argumenten für nichtig zu erklären. Und alles nur, da Mark Allen gestern in Runde eins ausgeschieden ist. Grundsätzlich also nicht meine Schuld. Da fragt man sich, warum man überhaupt einen Tipp abgibt.

Ich hätte auf Mark Selby oder Neil Robertson setzen sollen, aber man will ja auch ein wenig polarisieren, nicht unbedingt den Tipp nehmen, den alle haben. Und sind wir ehrlich, Allen war nicht der schlechteste Tipp. Bitter nur, dass er mit Mark King eben einen der stärksten Qualifikanten bekommen hat – neben John Higgins sowie Matthew Stevens.

Higgins und Allen sind schon gescheitert. Higgins meinte später, dass er seit Jahren in der Weltspitze aktiv ist und es Abnutzungserscheinungen geben kann. Die Bissigkeit kann natürlich den Ausschlag geben und da waren Davis und King sicherlich heißer. Zumindest fiel das bei Higgins gegen Davis auf, wobei man auch sagen muss, dass Higgins viel Pech hatte.

Mehrfach war er dran, den Rückstand zu verkürzen und oft hatte er Pech mit dem Spielball, der regelmäßig in die Tasche lief. Dennoch war der Sieg von Davis hochverdient, da der Wizard of Wishaw es eben nicht geschafft hat, zu seinem Spiel zu finden. Das hatte sich im Verlauf der Saison auch schon abgezeichnet und ist irgendwie eine logische Konsequenz.

Mark King setzte sich gegen Mark Allen durch (by World Snooker)

Mark King setzte sich gegen Mark Allen durch (by World Snooker)

Bei Allen hatte ich lange das Gefühl, als könne er das Match gewinnen. Beim Stand von 7:5 sah er wie der sichere Sieger aus, schien dann aber Probleme mit der Konzentration sowie Kondition zu haben. King spielte bis dato sicherlich kein überragendes Snooker, aber alleine ein Blick in sein Gesicht sprach Bände. Man sah die Motivation und Konzentration.

Allen wirkte hingegen müde, konnte überhaupt nicht mehr zulegen. Drei hohe Breaks und einige Fehler von Allen waren dann der Faktor für King. Damit ist also mein Favorit raus und ich werde mich ab jetzt raushalten in der Frage, wer den Titel holt. Erste Anwärter sind nun natürlich Mark Selby und Neil Robertson.

Ein Wort noch zu Dechawat Poomjaeng und Ben Woollaston, die eine wirklich gute Visitenkarte abgegeben haben. So ein Match im Crucible Theatre ist keine leichte Geschichte, denn die Atmosphäre in den heiligen Hallen ist speziell. Und dann noch Gegner wie Stephen Maguire und Ali Carter zu bekommen, macht es nicht einfacher.

Beide haben sich gut aus der Affäre gezogen. Wobei Poomjaeng mit einer 5:3-Führung in die zweite Session geht und Woollaston bei 4:5 ebenfalls alle Chancen hat, das Match noch zu gewinnen. Während Carter noch eine gute Leistung ablieferte, fand ich den Auftritt von Maguire enttäuschend. Ich denke, er wird sich durchsetzen, muss sich aber gehörig steigern.

Die erfahrenen Spieler wissen ja auch, dass in der ersten Session keine Entscheidung fällt und können mit den Kräften haushalten, um einen Rückstand zu drehen. Man darf also gespannt sein, ob beide Außenseiter das Niveau halten können und wie sie reagieren, sollten sie noch unter Druck geraten.

Das Schlusswort soll Peter Ebdon und Graeme Dott gehören. Viel war geschrieben und über Twitter erzählt worden, als klar war, dass sich beide in der ersten Runde treffen. Ein episches Match würde es werden und so sollte es dann ja auch kommen. Man konnte schon Mitleid mit Dott haben, als Ebdon vier Frames zum 6:6 gewann und dafür eine gefühlte Ewigkeit brauchte.

Das Spiel von Ebdon ist legitim, wenn auch nicht immer schön anzusehen. Aber es gehört dazu und wenn ich nicht unbedingt am nächsten Tag früh aufstehen muss, kann ich diese langen Safe-Battles schon genießen. Und wenn wir ehrlich sind, freuen wir uns über jede Minute Snooker im TV. Von daher war es fast schon schade, dass Dott am Abend nur 30 Minuten brauchte, um das Match zu gewinnen.

Snooker-WM in Sheffield: Tag 3

23 Apr

Nach Mark Williams sind mit John Higgins und Mark Allen zwei weitere prominente Spieler bei der Snooker-WM im Crucible Theatre zu Sheffield gescheitert. Higgins musste sich Mark Davis geschlagen geben, Titelfavorit Allen unterlag einem stark aufspielenden Mark King.

Higgins hatte zu Beginn der Saison das Shanghai Masters für sich entschieden, erreichte zudem bei den World Open das Halbfinale. Ansonsten präsentierte sich der Wizard of Wishaw in schwacher Form und hatte zudem das Pech, in Runde eins auf Mark Davis zu treffen, der sich als Nummer 16 der Welt nur hatte qualifizieren müssen, da Ronnie O’Sullivan als Titelverteidiger gesetzt war.

Der 40-jährige Davis spielte dabei die Saison seines Lebens, erreichte drei Halbfinals und ging nicht wirklich als Außenseiter in das Match. Einen 0:2-Rückstand in Session eins drehte er zu einer 6:3-Führung und ließ sich zu Beginn von Session zwei von einer 92 seines Gegners zum 4:6 nicht beeindrucken. Konstant hielt er Higgins auf Distanz.

Mit einer 34er Clearance sowie Breaks von 81 und 47 gelang Davis die 9:5-Führung. Dabei profitierte er von vielen kleinen Fehlern seines Gegners, der allerdings auch viel Pech mitgebracht hatte. Mehrfach war Higgins drauf und dran, den Rückstand zu verkürzen, bis ihm der Spielball immer wieder in die Tasche fiel. Eine 87 von Mark Davis besiegelte dann das Schicksal von Higgins.

„Es war hart da draußen. Mark hat mich für jeden Stoß bestraft, den ich verfehlt habe – und ich habe einfach viele leichte Bälle vergeben“, sagte ein enttäuschter Higgins nach dem Match. Große Freude herrschte beim Sieger: „Das ist mein größter Sieg überhaupt. Ich weiß, dass ich ihn bei der UK Championship geschlagen habe, aber ich habe hier in Sheffield bislang nie gut gespielt. Ich bin wirklich stolz auf mich, so stark gespielt zu haben.“

Mark King besiegt Mark Allen

Ebenfalls mit Spannung erwartet wurde die zweite Session zwischen Mark Allen und Mark King, in der der Qualifikant sich mit 10:8 durchsetzte. King war schon im Vorfeld als hartes Los ausgemacht worden, galt unter den Spielern außerhalb der Top 16 als einer der unbequemsten Gegner. Das zeigte er schon in Session eins, als er mit 5:4 in Führung gegangen war.

Doch Allen, einer der großen Favoriten auf den Titel, gewann zu Beginn der zweiten Session die ersten beiden Frames, trieb seinen Gegner dann in fast aussichtsloser Lage in drei Fouls und schien beim 7:5 eine Vorentscheidung erreicht zu haben. King schlug allerdings zurück und je länger das Match dauerte, desto mehr schien Allen Probleme mit seiner Kondition zu bekommen.

Zwar schaffte Allen dank eines fantastischen Snookers das 8:6, danach spielte aber nur noch King. Mit Breaks von 74, 89 und 81 drehte er das Match, profitierte von den Fehlern Allens und führte mit 9:8. Als Allen in Frame 18 erneut eine gute Chance liegen ließ, machte King den Sack zu. Das Aus von Allen, der schon im Vorjahr eine Niederlage in Runde eins kassiert hatte, war bisher wohl die größte Überraschung der Snooker-WM.

Dechawat Poomjaeng mit einem starken Debüt

Einen sehr starken Eindruck hinterließ derweil Dechawat Poomjaeng, die Nummer 70 der Snooker Weltrangliste. Der Thailänder hatte sich durch vier Qualifikationsrunden quälen müssen, um dann auf Stephen Maguire zu treffen, der immerhin die Welsh Open gewann und bei den China Open erst im Halbfinale an Neil Robertson gescheitert war.

Der Merlin of Milton gilt als einer der besten Techniker auf der Main Tour, ist auf der anderen Seite aber auch dafür bekannt, hie und da an seiner Emotionalität zu scheitern, sollte er in Drucksituationen kommen. So war es Poomjaeng, der vor dem Midsession Intervall mit Breaks von 72, 59 und 60 eine 3:1-Führung herausspielte.

Maguire, der in den ersten beiden Frames keine Farbe gelocht hatte, kam zwischendurch mit einer 96 zum 1:2, wusste nach der Pause aber weiterhin nicht zu überzeugen. Die letzten vier Frames wurden geteilt und so geht Poomjaeng, der als erster Spieler aus Thailand seit 14 Jahren ein Match im Crucible gewinnen kann, mit 5:3 in den Dienstag. Im Achtelfinale wartet dann der junge Michael White.

Graeme Dott und Peter Ebdon sitzen nach

Ali Carter holte sich indes eine 5:4-Führung über den Debütanten Ben Woollaston, der wie schon Michael White eine gute Visitenkarte abgegeben hatte. Carter, der im letzten Jahr noch das Finale erreicht hatte, musste all seine Erfahrung aufbringen, um den Jungstar in Schach zu halten. Woollaston hatte zur Pause gar mit 3:1 geführt.

Ein nahezu episches Match lieferten sich Graeme Dott und Peter Ebdon. Dott gewann am Ende mit 10:8, musste dazu aber in die Verlängerung am späten Abend. Denn das Match hätte in der Morning Session eigentlich beendet werden sollen, doch dazu kam es nicht. Ebdon war mit einem 2:6 in den Tag gestartet, holte dann vier Frames in Folge. Dott schien mit den Nerven und Kräften ob des langsamen und zähen Spiels seines Gegners am Ende.

Die letzten beiden Frames, bevor die Session abgebrochen wurde, gingen jedoch an den Pocket Dynamo. Um 0 Uhr, nach dem Match zwischen Carter und Woollaston, mussten beide Kontrahenten dann nachsitzen. Und dort machte Dott kurzen Prozess, brauchte knapp 30 Minuten, um den Sieg einzufahren und das Publikum zu entlassen.

Snooker-WM in Sheffield: Tag 2

21 Apr

Tag zwei der Snooker-WM ist absolviert und gab es irgendwelche großartigen Überraschungen? Nein, ich finde nicht. Ich hatte es heute ja schon geschrieben, dass Mark Williams noch froh sein konnte, nur mit 4:5 ins Hintertreffen geraten zu sein. Logische Konsequenz war die 6:10-Niederlage gegen Debütant Michael White, der nachhaltig beeindrucken konnte.

Breaks von 65, 72, 90 und 96 reichten, um Williams letztlich in die Schranken zu weisen. Der ehemalige Weltmeister war beeindruckt von der Leistung seines Gegners und war damit nicht alleine. ”Er hat einige Frames mit nur einer Chance gewonnen und das ist genau das, wie man es machen muss“, so Williams.

”Er ist einer der besten Nachwuchsspieler. Manche Leute sagen, dass Jack Lisowski der kommende Spieler ist. Aber ich denke, er kann das noch toppen. Mit neun Jahren hat er bereits ein Century gespielt. Ich habe es im Training nicht geschafft, bis ich 13 war.“ Williams ist dabei eine Art Vorbild für White, der acht Jahre alt war, als die Welsh Potting Maschine erstmals Weltmeister wurde.

Shaun Murphy steht im Achtelfinale (by World Snooker)

Shaun Murphy steht im Achtelfinale (by World Snooker)

Williams hat ohnehin eine schwache Saison gespielt, wie ich im Vorbericht geschrieben habe. Für mich ist es also keine Überraschung, dass er hier die Segel streichen musste. ”Für mich war es eine Saison zum Vergessen“, bestätigte Williams. ”Der Sieg bedeutet mir alles“, meinte White. ”Er war immer mein Vorbild und es war unglaublich, gegen ihn zu spielen.“

Der angesprochene Lisowski musste indes eine 3:10-Niederlage gegen Barry Hawkins einstecken und auch das ist keine Überraschung. Lisowski schien dabei einfach zu beeindruckt vom Crucible und Hawkins nutzte dies, um letztendlich locker ins Achtelfinale einzuziehen. Das Talent bestätigte später, Probleme mit der Konzentration gehabt zu haben.

Und ganz ehrlich, es ist doch völlig normal, wenn man das erste Mal in den heiligen Hallen spielt. Er hat sein Potenzial mehrfach gezeigt und wird in den kommenden Jahren sicherlich eine gute Rolle spielen. Die Erfahrung wird ihn weiterbringen und seine Siege gegen Spieler wie Mark Selby und Judd Trump im Verlauf der Saison zeigen ja seine Klasse.

Hawkins spielte zwar nur ein Top-Break von 68, zeigte aber, wie man gegen einen jungen Mann spielen muss. ”Ich habe ihn permanent unter Druck gesetzt und meine Safetys waren sehr gut. So habe ich mir viele Chancen erarbeitet. Ich wusste, dass Jack gut lochen kann und wäre er in einen Lauf gekommen, hätte er einige Frames mit hohen Breaks gewonnen.“

Shaun Murphy kann ebenfalls ein Lied davon singen, schaffte es aber 2005 als Qualifikant, die WM zu gewinnen. Ob Michael White dazu in der Lage ist, glaube ich zwar nicht, aber wir werden sehen. Der Magician ist in seinem Spiel gegen Martin Gould letztlich souverän mit 10:5 in die nächste Runde eingezogen. Gestern hatte er noch zu Beginn Probleme.

Dies lief in der zweiten Session anders und wie ich es geschrieben hatte, schaffte er so den klaren Sieg. Frame zehn gewann er mit kleineren Breaks, bevor er mit Breaks von 95 und 78 die Entscheidung erzwang. Letztlich hat Murphy gezeigt, wozu er fähig ist. Mit einer 106 und einer 95 beendete er das Match und gehört in jedem Falle zu den Favoriten auf den Titel.

Wobei Martin Gould heute auch nicht in der Verfassung war, in der er vor einem Jahr seine Saison gespielt hat. Bei ihm hat man das Gefühl, dass er es auf Dauer nicht mehr schaffen wird, an die Top 16 ranzukommen. Das ist natürlich nur ein Gefühl, aber mit fehlt bei ihm einfach der letzte Funke Klasse, um in einem dichter werdenden Feld von Top-Spielern zu bestehen.

Diese Probleme hat auch John Higgins, der mit Mark Davis aber auch einen Brocken zu bewältigen hat. Zwischendurch blitzt seine Klasse immer wieder auf, aber der Schotte macht auch Fehler, die vor einem Jahr noch undenkbar waren. So verspielte er eine 2:0-Führung und sieht sich nun einem 3:6-Rückstand ausgesetzt.

Natürlich wird Davis einen Teufel tun und Higgins nun unterschätzen. Man gewinnt kein Ranking Event, wenn man nicht die Klasse besitzt. Ich frage mich nur, ob Higgins daran glaubt, nachdem seine Saison nach dem Sieg zum Auftakt eher mau war. Ich setzte auf Davis, würde mich aber auch freuen, Higgins im Achtelfinale zu sehen.

Bliebe das Match zwischen Graeme Dott und Peter Ebdon, das in etwa so verlief, wie man es erwartet hatte. In der ersten Session konnten nicht alle neun Frames gespielt werden und wen das verwundert, der schaut sich Snooker nicht so oft an. Alleine Frame drei ging über 40 Minuten und Ebdon schaffte so das 1:2 mit einem 25er Break.

Es war eine Safeschlacht, die ihren Höhepunkt nach dem Midsession Intervall fand, als Ebdon dank vier Fouls von Dott noch den 2:3-Anschluss schaffte. Am Ende hatte Dott das Spiel aber unter Kontrolle, da Ebdon zu viele Fehler machte. Der Pocket Dynamo geht mit einem 6:2 in den Montag, an dem die Zuschauer wieder viel Geduld werden aufbringen müssen. Aber das mache ich gerne.