Archiv | März, 2013

Neil Robertson gewinnt die China Open

31 Mrz

Es wäre auch zu einfach gewesen, hätte Mark Selby die China Open gewonnen. Durch den 10:6-Erfolg von Neil Robertson gibt es nun zehn Gewinner bei zehn Ranking Events. Denn Robertson hatte nach seiner beeindruckenden Serie von Finalsiegen zuletzt kein glückliches Händchen gehabt, als es um die Trophäe ging.

In dieser Saison scheint der Australier den Dreh wieder gefunden zu haben. Ein PTC-Event sowie das Masters gingen in seine Sammlung über, davor hatte Robertson im September 2010 die World Open für sich entschieden. Nun ist der letzte Formcheck vor dem Beginn der Weltmeisterschaft im Crucible zu Sheffield absolviert und wirklich schlauer sind wir nicht geworden.

Einige der Sorgenkinder haben es durch die ersten Runden geschafft, andere Spieler wie Judd Trump mussten früh die Segel streichen. Aber meine Einschätzung zur WM kommt in ein paar Tagen. Hier soll es um die China Open gehen und Neil Robertson ist ein wirklich verdienter Sieger. Sein 5:1 gegen Mark allen hat mich beeindruckt, auch das 6:5 gegen Stephen Maguire war stark.

”Erster Turniersieg in China – Wow. Das Rennen um die Nummer eins ist eröffnet“, twitterte Robertson nach seinem Sieg. Und wie unser Freund Rolf Kalb immer zu sagen pflegt, man kann ein Match nicht in der ersten Session gewinnen, allerdings kann man es dort verlieren. Auch wenn Mark Selby vielleicht der größte Comeback-König im Snooker ist.

Neil

Sechs Frames hatte Robertson in Session eins in Folge gewonnen und es war einmal mehr alles dabei, was wir an diesem Sport so faszinierend finden. Hohe Breaks, taktische Duelle, starke Safetys und ein störendes Publikum. Ansonsten profitiere ich ja von meinem Job, diesmal kamen mir die frühen Zeiten nicht entgegen – zumindest wenn Kollegen darauf bestehen, die Flandern Rundfahrt schauen zu wollen. Das muss man sich mal vorstellen.

In der zweiten Session deutete Selby dann auch an, dass man ihn niemals abschreiben darf. Nicht umsonst ist er die Nummer eins der Welt und hat in dieser Saison vier Titel geholt. Allerdings haftet ihm ja der Makel an, in den entscheidenden Momenten oft nicht sein ganzes Leistungsvermögen abrufen zu können. So hat er immerhin sechs seiner neun Ranking Finals verloren.

Bitter war dabei ja auch sein verpasstes Maximum, aber das ist eine andere Geschichte. In dieser Saison hat er gezeigt, wozu er fähig ist und schaffte in Session zwei den Anschluss zum 4:6, spielte dabei Breaks von 81, 125 und 66. Am Ende war die Hypothek aber zu groß, um die Wende noch schaffen zu können. Dennoch war er sehr zufrieden, plagte sich zudem mit einer Krankheit rum.

”Ich bin hier angetreten, mit einigen schlechten Resultaten im Gepäck. So wusste ich nicht, was ich erwarten kann. Zeitweise war ich mit meiner Leistung zufrieden, aber heute habe ich eine ganz schwache erste Session gespielt und Neil hat meine Fehler bestraft. Aber ich bin sehr stolz, wie ich danach zurückgekommen bin“, meinte Selby nach dem Match.

”Die letzten beiden Tage habe ich mich nicht wohl gefühlt und auch nicht viel gegessen. Ich konnte lediglich Bananen essen und Wasser trinken. Aber ich will das nicht als Ausrede benutzen, weil Neil wesentlich besser gespielt und den Sieg auch verdient hat. Aber ich nehme viele positive Dinge mit zur Weltmeisterschaft.

Mark Allen gewinnt die Haikou World Open

3 Mrz

Was habe ich mich auf mein freies Wochenende gefreut. Das mag für viele Leute dezent komisch klingen, aber als Sportjournalist hat man nicht nur Vorteile. Klar, man darf sich den ganzen Tag Sport ansehen, wenn Eurosport nicht gerade schwachsinnigen Wintersport oder die Wiederholung der Rallye Dakar überträgt.

Der Nachteil an der Geschichte ist, dass die Wochenenden oft mit Arbeit blockiert sind und deswegen freie Samstage und Sonntage ein kleines Highlight darstellen. Dies verträgt sich nicht gut mit Snooker Ranglistenturnieren in China. Die ersten Sessions um 7:30 Uhr waren deswegen schon eine Zumutung, gerade, wenn man ansonsten zumeist Spätschichten zu absolvieren hat.

Dies ist einer der Gründe, warum die Haikou World Open nicht zu meinen favorisierten Turnieren auf der Main Tour gehören. Als Snooker-Liebhaber wäre es natürlich billige Anstellerei, wenn ich nicht trotzdem früh aufstehen und mir die Spiele ansehen würde. Dennoch gibt es andere Faktoren, die mit in das Gesamtbild spielen. Und ich denke, da geht es nicht nur mir so.

Die Leistungen waren zeitweise fantastisch, das steht außer Frage. Das Highlight war sicherlich das Match von Mark Allen im Halbfinale gegen John Higgins. Allen, der im Finale Matthew Stevens klar mit 10:4 besiegte und seinen Titel verteidigte, nahm den Schotten komplett auseinander, spielte Snooker vom anderen Stern. Doch dazu später mehr.

China mag für World Snooker ein guter Markt sein. Die Einschaltquoten sind hoch, viele junge Spieler drängen auf die Tour. Doch rein organisatorisch war es wie so oft ein Debakel. Abgesehen vom defekten Hallendach, was sicherlich passieren kann, mussten, mindestens zwei Snooker-Profis zunächst auf ihr Queue verzichten – es war schlicht und einfach nicht mitgekommen.

Natürlich können die Veranstalter da nichts für. Dieses Problem tritt allerdings nahezu jedes Jahr auf. Und treue Leser meines Blogs haben mitbekommen, dass ich mich sehr über das Publikum beim German Masters echauffiert habe. Im Vergleich zum Haikou World Open war es jedoch sehr zivilisiert. Matthew Stevens hat viele Probleme mit den Fans gehabt.

Mark Allen nach dem Gewinn der Haikou World Open

Mark Allen nach dem Gewinn der Haikou World Open

Ich habe nicht mitgezählt, wie viele Zuschauer letztendlich der Halle verwiesen wurden. Aber auch im Finale konnte der letzte Frame erst mit Verspätung begonnen werden, da eine ungeheure Unruhe herrschte. Und das bei gefühlten 20 Personen. Die Gründe für die leere Halle scheinen dabei vielfältig zu sein. Denn die Eintrittspreise liegen angeblich in nicht bezahlbarer Reichweite.

Auch sollen viele Karten für politische Funktionäre reserviert sein, die nicht erscheinen. So waren die Ränge an der Kopf- bzw Fußbande nahezu unbesetzt, während die Längstribünen immerhin spärlich gefüllt waren. Das wirkt schon komisch und die Atmosphäre ist gewöhnungsbedürftig. Schade, dass so viele Fans eben nicht zusehen können/dürfen.

Auch die hohe Luftfeuchtigkeit ist immer wieder ein Ärgernis, da die Tücher anders reagieren, als die Snooker-Spieler es gewohnt sind. Das ist zwar Berufsrisiko, für das Niveau aber nicht immer förderlich. Doch insgesamt war es ein gutes Turnier. Nicht zuletzt deshalb, da Matt Stevens das Finale erreicht hat. In den Genuss komme ich ja nicht so wirklich häufig.

Es ist schon außergewöhnlich. Denn Stevens ist kein Front-Runner und auch kein sonderlich guter Brakbuilder. Zwei Dinge, die man schon mitbringen muss. Zudem ist sein Safe-Spiel nicht immer optimal. Er bleibt inflationär häufig an den kleinen Farben hängen und schafft es nur in den seltensten Fällen, den Tisch in einem Besuch abzuräumen.

Ich hatte es schon über Twitter (@sportal_gunnar) geschrieben, man wartet förmlich drauf, dass Stevens den einen Fehler macht und den Frame noch abgibt. Sein Snooker auf Gelb beim Stand von 3:6 war da sinnbildlich. Dennoch hat er es bis ins Finale geschafft, dabei Shaun Murphy, Judd Trump sowie Neil Robertson ausgeschaltet – eine starke Leistung, die ihm hoffentlich weiter Auftrieb gibt. Vielleicht schafft er es ja nochmal, einen Titel zu gewinnen.

Im Finale war Stevens dann ohne Chance, konnte seinem Gegner nicht viel entgegensetzen. Mark Allen bringt alles mit, was man braucht, um ein Champion zu sein. Sein Breakbuilding ist Spitzenklasse, die Ballbehandlung einfach schön anzusehen. Auch die Long-Pots und neuerdings scheinbar auch die Geduld sind auf Top-Niveau.

Er wird bei der Vergabe um den WM-Titel ein Wörtchen mitreden. Dabei ist es schon abstrus, dass er hier gewonnen und damit den zweiten Ranking Titel auf der Snooker-Tour eingefahren hat. Denn wie sagte Rolf Kalb, Mark Allen ist nicht unbedingt der Spieler, der es mag, andere Kulturen kennenzulernen. Und China gehört sicherlich nicht zu seinen Lieblings-Ländern.

Zu oft hat er sich schon über die Turniere und auch Spieler beschwert. Da ist es eben abstrus, dass er der erste Spieler überhaupt ist, der seine ersten beiden Titel beim gleichen Turnier und dann auch noch in Folge gewinnt. Seit John Higgins (Welsh Open 2011) hat ansonsten überhaupt kein Spieler es geschafft, einen Titel zu verteidigen.

Damit war es das auch schon wieder mit den Haikou World Open. Noch ungefähr sechs Wochen und die Snooker-WM in Sheffield startet. Das bedeutet gleichzeitig, der Frühling und das gute Wetter kommen. Einzig die Snooker-Fans werden davon nicht viel mitbekommen. Aber trotzdem freuen wir uns schon wie ein Radkappendieb auf diese Zeit.