Archiv | November, 2012

Ronnie O’Sullivan sagt die Saison ab

7 Nov

Da kommt man ohne böse Hintergedanken von einem schönen Abend in der Kneipe nach Hause, wirft noch einen flüchtigen Blick in den medialen Blätterwald und wagt es nicht, seinen Augen zu trauen. Ronnie O’Sullivan hat die komplette Saison 2012/13 aus persönlichen Gründen abgesagt – was auch immer das im Genauen heißt.

In jedem Falle wird O’Sullivan die UK Championship, das German Masters – bei dem ich live vor Ort sein werde – sowie die WM nicht spielen. Damit kann er seine in der letzten Saison gewonnenen Titel nicht verteidigen. Es wird gerade sehr viel darüber spekuliert, worin diese persönlichen Gründe genau bestehen. Auch ich kann darüber nur mutmaßen.

Den Spielervertrag hatte er unterschrieben, auch wenn dieser in seinen Augen nicht unbedingt die Erfüllung seines Lebens widerspiegelt. Dennoch wollte O’Sullivan, der nach dem Gewinn des WM-Titels eine Auszeit angekündigt hatte, an den von ihm so geliebten Tisch zurückkehren. An der Motivation scheint es daher nicht zu hapern.

O’Sullivan scheint an privaten Problemen zu leiden. Möglich wäre es auch, dass es noch das Pfeiffersche Drüsenfieber ist, unter dem er in der letzten Saison litt. Auch die Familie könnte eine Rolle spielen. Denn Ronnie O’Sullivan hatte auch erklärt, zu wenig Zeit für seine Kinder zu haben. Bedenkt man nun, dass viele Turniere mittlerweile in China ausgetragen werden …..

Barry Hearn hat in jedem Falle erklärt: ”Ich habe mit Ronnie gesprochen und er hat entschieden, die Saison abzusagen. Es gibt persönliche Gründe, die es für ihn auszuräumen gibt. Wir wünschen ihm alles Gute für die Zukunft.“ Was auch immer die Gründe seien mögen, die Absage trifft jeden Snooker Fan hart.

Sicher gibt es die Fans, die ihn für überflüssig halten, auf der anderen Seite gibt es die Hardcore-Fans von The Rocket. Ich für meinen Teil sehe O’Sullivan einfach unheimlich gerne spielen und bedauere diese Entscheidung natürlich. Er ist und bleibt eines der Zugpferde des Snooker und ich hatte mich sehr darauf gefreut, ihn erneut live in Berlin zu sehen.

Judd Trump: Zeit für einen Machtwechsel?

5 Nov

Judd Trump ist also nicht nur die neue Nummer eins der Welt, er hat auch die International Championships gewonnen. Dazu muss man auch sagen, dass es kein Zuckerschlecken ist, gegen Neil Robertson in einem Finale antreten zu müssen. Zehn von elf Finalspielen – die im TV übertragen wurden – hat der Australier zuvor gewonnen.

Nun kassierte er seine zweite Finalniederlage und hatte dabei schon eine Hand am Pott. Mit 8:6 war Robertson in Führung gegangen und alleine deshalb ist die Leistung von Trump, der dann vier Frames in Folge gewann, aller Ehren wert. Insgesamt war es ohnehin ein packendes Finale in Chengdu, dass ich nach einer Feier in meinen Geburtstag hinein nicht von Beginn an sehen konnte.

Turniere in China sind keine optimale Erfindung, wenn man erst um 6 ins Bett kommt und danach in einem Trümmerfeld aufwacht. Aber zum Glück gibt es Wiederholungen, auch wenn der Reiz da natürlich etwas abhanden kommt. Das ist nun auch obsolet, denn so häufig kommt das nicht vor und das nächste Turnier findet zum Glück in der Heimat des Snooker statt.

Vor ein paar Tagen hatte ich geschrieben, dass es wohl kaum wieder eine Zeit geben wird, in der ein Spieler in der Lage ist, den Snooker-Sport zu dominieren – wie es einst Stephen Hendry zu leisten imstande war. Kollege Rolf Kalb schrieb nun in seinem Blog von einem möglichen Machtwechsel. Ich für meinen Teil denke nicht, dass dies passieren wird.

Trump hat natürlich in den letzten 19 Monaten überragend agiert, in dieser Zeit drei Ranking Events gewonnen. Alleine deswegen steht er auch ganz oben in der Rangliste des Snooker. Über die Fähigkeiten des Judd Trump müssen wir hier sicherlich auch nicht diskutieren. Selbst gegen Peter Ebdon kann er mittlerweile spielen, ohne zwischendurch in den Tisch beißen zu müssen.

Auf der anderen Seite war beispielsweise sein Sieg über Mark Allen knapp. Hätte er dort verloren, stünde nun immer noch Mark Selby an Platz eins der Snooker-Weltrangliste. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass Selby zuletzt lange Zeit wegen einer Nackenverletzung ausgefallen war und nicht seine volle Leistung abrufen konnte.

Ich hatte ebenfalls darüber geschrieben, dass die Spitze wesentlich enger zusammengerückt ist. Es gibt so viele Beispiele, die diese These belegen. Durch die Einführung der PTC-Events kommen auch die Spieler der zweiten Reihe zu wesentlich mehr Tischzeit gegen die absoluten Top-Spieler. Stuart Bingham ist so ein Snooker-Profi, der dadurch den absoluten Durchbruch geschafft hat.

Auch Stephen Lee – wenn er denn jemals wieder an den Tisch darf – hatte wieder die Kurve bekommen und war in der Lage, es mit jedem Spieler aufzunehmen. Natürlich ist Trump eine Ausnahmeerscheinung und er wird ohne Frage auch eines Tages die Snooker-WM gewinnen, dazu noch viele andere Trophäen einsammeln.

Nun folgen also die UK Championship. Titelverteidiger ist jener Judd Trump, der erst als zehnter Spieler seit Einführung der Liste die Nummer eins bildet – zudem auch erst 23 Jahre alt ist. Turniere in China sind eine Sache. Auch wenn die International Championships sehr hoch dotiert waren, glaube ich doch, dass ab dem 1. Dezember noch ein ganz anderer Druck auf ihm lasten wird.

Ich bin sehr gespannt, wie es für ihn läuft. Er ist die neue Nummer 1. Der Spieler, der nun gejagt wird, gegen den man immer noch ein paar Prozent rauskitzeln will. Dass Trump das Zeug zur Titelverteidigung hat, ist keine Frage. Alleine dran glauben kann ich aber nicht. In gut vier Wochen sind wir schlauer.

Judd Trump: Die neue Nummer eins der Welt

2 Nov

Judd Trump und Stephen Hendry zu vergleichen, wäre vielleicht ein wenig verfrüht. Dennoch gibt es gewisse Parallelen zwischen beiden Snooker-Spielern. Denn bei den International Championships hat Trump durch ein deutliches 9:1 gegen Peter Ebdon das Finale erreicht, wird deswegen am Montag die neue Nummer eins der Welt werden.

Trump ist 23 Jahre alt und damit der zweitjüngste Spieler, dem dieses Kunststück gelungen ist. Schwer zu erraten, wer die Liste anführt. Es ist natürlich der mittlerweile zurückgetretene Hendry, der es im Alter von 21 geschafft hatte, den Sprung auf Platz eins zu realisieren.

Es war der Beginn einer Dominanz, die es so wahrscheinlich im Snooker nicht mehr geben wird. Vielleicht auch deswegen ist die Leistung von Trump als enorm hoch einzuschätzen. Die Liste der Turniere ist länger geworden, die Breite der Spieler in die Höhe geschnellt. Durch die enorme Breite ist die Leistungsdichte natürlich höher.

In den 80ern galt Steve Davis eigentlich immer als (Mit-) Favorit, in den 90ern war es nahezu ein Wunder, wenn nicht Hendry den Pokal in die Höhe stemmte. Doch spätestens Ende der 90er wurde das Feld geöffnet. Mit Spielern wie Ronnie O’Sullivan, Mark Williams und John Higgins verbreitetere sich dieser Kreis.

Nun gibt es Snooker-Profis ohne Ende, bei denen ein Turniersieg im Bereich des Möglichen liegt. Auf der PTC-Tour gibt es ohnehin kaum einen Spieler, der zwei Turniere pro Saison gewinnt. Und wie in China gesehen, rücken viele Spieler aus Asien nach, die schon im Alter von 14 Jahren zu beeindrucken wissen.

Für Judd Trump wird es nun aber kein Selbstläufer werden. Das hochdotierte Turnier in China wird, egal wie es kommt, ein Traumfinale erleben. Denn im zweiten Halbfinale stehen sich Shaun Murphy und Neil Robertson gegenüber. Es ist sozusagen die Generalprobe für die UK Championship – dort ist Trump Titelverteidiger.