Archiv | Juli, 2012

Barry Hawkins gewinnt die Australian Open

15 Jul

Barry Hawkins hat die Australian Open gewonnen und Peter Ebdon in einem sehr einseitigen Finale mit 9:3 geschlagen. Für Hawkins war es der erste große Titel auf der Main Tour, obwohl er schon seit 16 Jahren als Profi mit dabei ist. In Abwesenheit von einigen Top Ten-Profis wetzte er diese Scharte nun aus.

„Auch wenn es gut lief, blieb immer die Frage nach einem Titel. Man fragt sich selber, ob man es überhaupt schaffen wird, endlich ein Turnier zu gewinnen. Ich war ein paar Mal nah dran, aber das ist auch schon eine ganze Weile her. Ich hatte nicht mal ein Viertelfinale erreicht in der letzten Zeit und da geht das Selbstvertrauen schon ein wenig in den Keller“, erklärte Hawkins nach dem Sieg.

Ebdon hatte sich den ersten Frame geholt, Hawkins konterte mit Breaks von 57, 74, 106 und 114. Ebdon wirkte sehr passiv, wobei es wohl keine Nachwirkungen des verbalen Angriffs von Judd Trump waren, der sich einmal mehr über das unheimlich langsame Spiel des ehemaligen Weltmeisters echauffiert hatte.

Vor Ende der ersten Session gewann Ebdon zwar noch zwei der letzten drei Frames und verkürzte auf 3:5, doch es sollte nicht mehr reichen. Denn Hawkins kam stark aus der Pause und legte mit einer 133 den Grundstein zum Erfolg. „Ich hatte heute keinen guten Tag“ erklärte Ebdon. „Es lief einfach alles gegen mich.“

Doch The Force hatte auch Lob für seinen Gegner im Köcher: „Barry hat sehr gut gespielt. Gerade sein Allround-Spiel war hervorragend und er hat sehr gut gelocht. Bei ihm passte heute alles zusammen. Ich freue mich natürlich für ihn, da er sein erstes Ranking-Event gewonnen hat. Es wäre natürlich schön gewesen, wenn es nicht unbedingt gegen mich passiert wäre.“

Doch wir müssen sicherlich auch drüber sprechen, wie dieser Erfolg letztendlich zustande gekommen ist. Wie schon angesprochen, fehlten einige Spieler aus den Top Ten. Klar, Ronnie O’Sullivan ist momentan so oder so nicht mehr dabei. Aber auch John Higgins, Mark Allen sowie Mark Williams hatten die Reise nach Australien gescheut.

So traf Hawkins im Verlaufe der Australian Open auf Xiao Guodong, Matthew Stevens, Matt Selt, Mark Davis und Peter Ebdon. Stevens war dabei völlig außer Form, nachdem er sich am Rücken verletzt hatte und eine Zeit nicht trainieren konnte. Selt ist dann nicht unbedingt der härteste Brocken.

Aber wie dem auch sei, auch diese Spiele muss man erstmal gewinnen und Hawkins überzeugte mit unheimlich konstantem und starkem Spiel. Was er an Bällen lochte, war schon stark und es ist natürlich auch müßig zu diskutieren, ob er gegen Higgins oder Allen gewonnen hätte – denn sie waren nicht am Start.

Dabei geht es vornehmlich darum, dass es keine lohnenswerte Reise für die Spieler ist, wenn man dies aus der finanziellen Perspektive betrachtet. Schon vor einem Jahr hatte Williams seinen Verzicht angekündigt. Denn er erklärte, dass selbst bei einem Finaleinzug nach Abzug der Steuern praktisch eine Nullrechnung herauskommen würde.

Dennoch ist die Spitze, und da wiederhole ich mich gerne, enger zusammengerückt. Gerade die Spieler ab Platz 16 sind heiß ob der vielen Turniere, sehen ihre Chance gekommen, die Top 16 angreifen zu können. Für die Top-Profis reicht es nun nicht mehr, sich sporadisch vorzubereiten. Es geht um harte Arbeit und ich wage mal die Prognose, dass es im Laufe der Saison noch einige Überraschungen geben wird.

Dennoch war auch bei Hawkins eine klare Entwicklung zu sehen. Bei der WM 2011 hatte er sein erstes Match überhaupt gewonnen, als er Stephen Maguire ausschaltete. Weitere gute Leistungen, nach denen er einige Achtelfinals vorweisen konnte sowie der Erfolg beim Shoot Out ließen zumindest aufhorchen.

Bei einem Preisgeld von 70.000 Pfund wird Hawkins sehr zufrieden sein, dank der 5000 Ranglistenpunkte liegt er nun auf Platz 20 der Weltrangliste. Man darf gespannt sein, wie diese Saison sich entwickelt und welche Spieler der zweiten Reihe bei den kommenden Turnieren für Überraschungen sorgen werden.

Ricky Walden gewinnt das Wuxi Classic

3 Jul

Nun sind doch schon ein paar Tage ins Land gezogen, seit das Wuxi Classic die neue Saison so richtig eröffnet hat. Das Turnier in Wuxi war erstmals ein Ranking Event und Ricky Walden nutzte die Gunst der Stunde. Für den Engländer war es nach dem Erfolg beim Shanghai Masters 2008 sein erst zweiter großer Titel.

Im Finale schlug er Stuart Bingham klar und deutlich mit 10:4, erhielt dafür 75.000 Pfund sowie 7000 Punkte für die Rangliste. Damit machte Walden einen erheblichen Sprung, liegt nun auf Platz zehn und kann dem Rest der Saison etwas entspannter entgegenblicken. Am 22. Juli, nach den Australian Open und dem ersten UK PTC-Event gibt es die erste offizielle Aktualisierung.

Die Trophäe, die Walden bekam, sieht zwar ein wenig wie eine Teekanne aus, wurde aber in liebevoller Kleinarbeit von der 48-jährigen Künstlerlin Ye Yongjun hergestellt, die schon Queen Elisabeth II mit einer Teekanne überraschte. Dabei liest sich das Ergebnis klarer, als das Match in Wirklichkeit lief.

Die Trophäe beim Wuxi Classic

Walden gewann die ersten beiden Frames nämlich auf Schwarz, lief in beiden Fällen einem Rückstand hinterher. Mit einem Top-Break von 69 führte er dann mit 4:0 zum Midsession Interval. Und nach der Pause ging es gut weiter, denn Walden erhöhte auf 5:0, bevor Stuart Bingham das Highlight des Finals setzte.

Nach einem langen Einsteiger räumte er den Tisch in einem Durchgang ab, spielte dabei das dritte Maximum Break seiner Karriere. Er ist dabei der erst dritte Spieler nach Stephen Hendry und John Higgins, dem eine 147 in einem Ranking Final gelang. John Higgins war übrigens ebenso wie Ronnie O’Sullivan, der den neuen Vertrag nicht unterschreiben will, nicht in Wuxi dabei.

Das Maximum war eine feine Sache, gebracht hatte es Bingham nicht viel – außer 7000 Pfund. Walden gewann prompt Frame sieben und zog danach auf 9:1 davon. Wenn Bingham mal einen Frame gewann, dann tat er es kaum unter 100 Punkten. Mit Breaks von 100 und 103 verkürzte er auf 4:9, bevor Walden den Sack zumachte.

„Ich bin natürlich sehr glücklich, dieses Event gewonnen zu haben“, verkündete Walden, den ich beim German Masters als sehr entspannten Typ kennengelernt habe. „Es war ein hartes Match und ich habe die beiden ersten Frames auf Schwarz gewonnen. Danach habe ich sehr solide gespielt. Stuart hat ein paar Bälle verschossen und ich habe diese Chancen gut nutzen können.“

Bingham war natürlich weniger zufrieden: „Natürlich bin ich ein wenig enttäuscht. Ich war eine Zeit ungeschlagen, aber heute hat es nicht geklappt. Es war ein wenig wie ein schlechter Tag im Büro. Die 147 war aber natürlich ein Highlight, besonders in einem Finale. Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich hier das erste PTC-Turnier gewinnen würde und dann im Finale stehe, wäre ich aber zufrieden gewesen.“

Enttäuschend verlief das Turnier hingegen für Martin Gould, Shaun Murphy, Peter Ebdon, Neil Robertson, Ding Junhui, Stephen Maguire, Ali Carter und Stephen Lee. Sie alle schieden in der ersten Runde aus. Judd Trump, der zuvor noch erklärt hatte, die Dominanz eines Ronnie O’Sullivan erreichen zu wollen, verlor in Runde zwei.

Es ist auffällig, dass die Top Spieler seit geraumer Zeit Probleme bekommen haben, die Spieler der zweiten Reihe zu schlagen. Das hat sicherlich viele Gründe. Zu Beginn einer Saison gibt es immer Phasen, in denen es noch nicht läuft. Aber ob der kurzen Sommerpause haben es einige Spieler mit dem Training schleifen lassen

Als die PTC-Tour eingeführt wurde, ist die Leistungsdichte schon größer geworden. Ist man nun nicht mit dem ganzen Herzen dabei, bekommt man große Probleme. Und es dürfte nicht das letzte Turnier gewesen sein, in dem es ein überraschendes Halb- oder sogar Finale gibt.