O’Sullivan: Mehr Fairness gegenüber den Spielern

8 Mai

17 lange Tage liegen hinter uns und den Snooker-Profis. Ronnie O’Sullivan hat souverän den Titel im Crucible Theatre gewonnen und mit einer sehr erwachsenen Leistung überzeugt. Sein Breakbuilding, das Lochspiel, die Safetys und das taktische Spiel waren auf den Punkt genau abgestimmt und es hätte keinen verdienteren Weltmeister geben können. Glücklicherweise wird O’Sullivan nicht zurücktreten, allerdings eine Pause einlegen.

Nach der finalen Session äußerte sich O’Sullivan ausgiebig zu der WM, seiner Gemütslage, den einzelnen Matches und natürlich auch zu Barry Hearn. Im Anschluss habe ich seine Statement zusammengefasst und möchte sie einfach unkommentiert im Raum stehen lassen. So hat die große Leere immerhin noch nicht Überhand genommen, denn als ich um 11 Uhr den Fernseher einschaltete, musste ich feststellen, dass die WM wirklich vorbei ist …..

Die Aussagen von Ronnie O’Sullivan nach seinem Titelgewinn

„Erst einmal möchte ich Ali Carter zu einem hervorragenden Turnier gratulieren. Er ist zurückgekommen, hat einige der besten Spieler geschlagen und es ins Finale geschafft. Ich muss wirklich sagen: Gut gemacht Ali.“

Ronnie O'Sullivan

„Ich denke, ich habe sehr flüssig gespielt und habe immer versucht, die Ruhe zu bewahren. Insgesamt habe ich über den gesamten Turnierverlauf nur einmal im Finale ein bisschen die Ruhe verloren. Aber auch das habe ich überstanden, denn ich habe es geschafft, meine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Dazu habe ich versucht, nicht zu kritisch mit mir zu sein, wenn es mal nicht so geklappt hat.“

„Beim nächsten Stoß habe ich mich an den Tisch gestellt und einfach versucht, den besten Stoß, zu dem ich fähig bin, auszupacken. Aber die ganze Geschichte über 17 Tage durchzuhalten, ist wirklich hart – es ist ein Marathon. Ich hatte niemals daran gezweifelt, noch Titel gewinnen zu können. Aber einen WM-Titel, das war schon fraglich.

„Ich muss mich natürlich bei Dr. Steve Peters bedanken, denn er ist ein Experte, wenn es darum geht, wie ein Gehirn funktioniert. Denn wie man Snooker spielt, weiß ich selber. Dafür brauche ich niemanden. Ich bin sehr dankbar dafür, jemanden gehabt zu haben, der mich auf meinem Weg hier begleitet hat. Steve hat mir geholfen, zu verstehen, dass mein Gehirn eine Maschine ist und ich sie steuern kann. Tief in meinem Herzen liebe ich Snooker. Ich habe das Spiel immer geliebt, aber bin auch sehr damit verbunden und es wühlt einen auch auf. Steve hat mir erklärt, dass ich nicht perfekt sein kann. Ich kann mein Bestes geben, mehr aber auch nicht.“

„Das ist die ganze Philosophie dahinter. Wir können uns glücklich schätzen, dieses Spiel zu spielen. Damit bin ich glücklich und kann Snooker auch genießen – wie auch mein Leben. Ich bin jetzt kein besserer Spieler. Aber ich mache mich eben nicht mehr so oft selber fertig und gebe mir mehr Chancen.“

„Ich hätte nicht mehr daran geglaubt, einen solchen Moment zusammen mit meinem Sohn Ronnie genießen zu dürfen. Es ist so schön, ihn hier zu haben. Er liebt Snooker. Ich habe versucht, ihm das auszureden, aber es hat nicht geklappt. Ich bin am Ende ein wenig emotional gewesen, denn es fühlte sich so an, als ob er und ich alleine in der Arena wären. Das war das beste Gefühl, das ich jemals hatte.“

„Ich weiß, ich stehe in der Pflicht, das Spiel in der ganzen Welt zu repräsentieren. Ich denke, dass ich das auch ganz gut mache. Wenn ich könnte, würde ich jedes Turnier spielen. Aber das ist einfach nicht zu schaffen.“

Ronnie O'Sullivan

„Ich fühle mich auch nicht alt, wenn ich ein Turnier spiele und die ganzen jungen Spieler sehe. Natürlich frage ich mich, wie lange ich noch spielen kann. Meine Chancen, ein Turnier zu gewinnen, nehmen immer weiter ab. Obwohl ich genug Erfahrung habe und meine Möglichkeiten noch immer ausreichen. Mein langes Spiel war nicht so gut, aber insgesamt passabel. So konnte ich einige Frames gewinnen und damit Schaden anrichten.“

„Das härteste Match war das gegen Neil Robertson. Das Spiel habe ich mehr genossen, als alle anderen zuvor, bei denen ich der Meinung war, gegen einen der besten Spieler überhaupt antreten zu müssen. Ich habe sehr aggressiv gespielt und war sehr zufrieden.“

„Zeitweise habe ich gegen Mark Williams fantastisch gespielt. Gegen Neil habe ich sechs großartige Frames gehabt. Gegen Matthew sind mir einige starke Sessions gelungen und auch im Finale hatte ich meine guten Frames. Aber natürlich gab es auch Durchhänger. Jeder Spieler verschießt mal ein paar Bälle. Das muss man akzeptieren. Aber mir fällt es sehr schwer, das zu verstehen. Ich kann mein schlimmster Kritiker sein und das ist nicht gut für mich. Aber ich arbeite daran.“

„Ich habe lange drüber (seine Gedanken zum Rücktritt) nachgedacht und es ist keine Entscheidung, die ich übers Knie gebrochen habe. Ich habe nicht gesagt, dass ich zurücktreten will. Aber ich sage, dass meine Familie das Wichtigste in meinem Leben ist. Ich arbeite so hart,wie jeder andere Spieler auch. Aber ich möchte fair behandelt werden und das verlange ich auch für die anderen Top-Spieler.“

„Die Bosse müssen die Spieler fair behandeln. Sie sagen, dass sie es nicht von jedem Spieler erwarten können, die kompletten 28 Turniere an verschiedenen Orten zu spielen. Auf der anderen Seite führen sie dann eine Geldrangliste ein. Es ist nicht fairer, dies zu machen, als jemanden zu zwingen, alle Turniere zu spielen. Denn spielt man diese kleinen Turniere nicht, wird man in der Rangliste durchgereicht und fällt aus den Top 16.“

„Denn, auch wenn es für die PTC-Events keine Punkte geben würde, würde ich ein paar von ihnen spielen. Denn es geht mir ja nicht nur darum, immer nur im Crucible zu spielen. Ich mag es nicht, wenn man mich erpresst. Vielleicht ist es auch nicht das richtige Wort, aber dieses Drängen ist einfach falsch.“

„Ich habe sehr lange darüber nachgedacht und ich möchte nicht zwei Jahre warten müssen, bis die Dinge sich ändern. Meiner Meinung nach können sie einige Dinge besser machen. Ich für meinen Teil habe Pläne, werde diese aber nicht übers Knie brechen. Jetzt werde ich erst einmal fünf oder sechs Monate Pause machen und mir die Situation dann ansehen.“

„Ein Teil von mir möchte weiterspielen, aber wie ich es im Dezember schon gesagt habe, ich habe keine Lust auf diesen Druck. Da bekommt man eine Woche vor einem Turnier Briefe von World Snooker und muss sich zu irgendetwas rechtfertigen. Meine größten Verfehlungen waren nur, dass ich eine gute Zeit hatte und vielleicht öfter zu lange gefeiert habe.“

„Aber wie gesagt, ich fühle mich gut mit der Entscheidung, meine Karriere fortzuführen und auch eine andere Welt zu betreten, in der es nicht diese Verhaltensregen gibt. Ob es nun Promi-Tanzen ist, oder eine Talk-Sendung. Es gibt viel zu tun für mich, aber ich habe auch noch ein wenig Sprit im Tank, um Snooker zu spielen. Es ist von anderen Leuten abhängig, die die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Ich will nur, das wir fair behandelt werden – mehr nicht.“

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