Tag 16 der WM: Folgt der nächste Rücktritt?

6 Mai

So wirklich überraschend kam der Rücktritt von Stephen Hendry nicht. Der siebenmalige Weltmeister hat seinen Zenit überschritten und gemerkt, dass sein Anspruch nicht mehr mit seiner Leistung übereinstimmt. Eine gute Entscheidung, auch wenn Snooker damit einen seiner absoluten Stars verliert.

Die Frage ist nun: Hat auch Ronnie O’Sullivan schon seinen Rücktritt geplant? „Ich habe nicht vor, noch lange Snooker zu spielen, obwohl ich mich wirklich sehr gut fühle. Aber es kann gut sein, dass es mein letzter Auftritt im Crucible ist“, so O’Sullivan nach seinem 17:10-Sieg gegen Matthew Stevens.

„Ich habe das Pro und Contra abgewogen und fühle mich wohl mit meiner Entscheidung. Wenn ich den Titel hole, ist es ein absoluter Bonus, aber wenn es nicht klappt, kann ich trotzdem zufrieden sein.“ Es hört sich sehr nach einem feststehenden Rücktritt an, auch wenn O’Sullivan damit seit gefühlten zehn Jahren kokettiert.

Ronnie O'Sullivan

Von außen ist es immer schwer zu beurteilen, es sprechen viele Dinge für einen Rücktritt, viele Dinge auch dagegen. „Wir sind seit 17 Tagen in Sheffield und es fühlt sich so an, als ob es zwei Monate wären. Keine Ahnung, ob es am Alter liegt. Aber als ich 22 war, kam ich damit besser klar. Wahrscheinlich, weil es damals nichts anderes gab“, so O’Sullivan.

Mittlerweile hat er Familie, spielt hervorragend Golf und ist irgendwie auch erwachsen geworden. „Ich habe zwei junge Kinder und ich würde sie gerne aufwachsen sehen“, so O’Sullivan. Es ist auffällig, dass er seit einiger Zeit befreit aufzuspielen scheint.

Schon beim German Masters hatte man den Eindruck und bei der WM in Sheffield erlebt man einen aufgeräumten O’Sullivan. Er ist immer noch sehr schnell unterwegs, wirkt aber wesentlich entspannter. Sein Safe-Spiel ist eine Augenweide und Frames werden nicht mehr einfach nur abgeschenkt.

Es wirkt, als wolle O’Sullivan mit seinem vierten WM-Titel abtreten und scheint sich akribisch darauf vorbereitet zu haben. Die Zusammenarbeit mit dem Sportpsychologen Steve Peters hat sich ausgezahlt und O’Sullivan erklärte im Vorfeld, sich einfach wohler zu fühlen. Er hat wieder Spaß am Spiel und das sieht man.

Mit seinen 36 Jahren gehört er nun zum alten Eisen und merkt, dass der Nachwuchs seine Ansprüche geltend macht. „Ich spiele gegen Leute, die unheimlich aggressiv auftreten und man muss jederzeit sein bestes Spiel abrufen. Das ist viel Druck.“ Weiter erklärte O’Sullivan: „Aber das ist eben so, wenn man ein Profi-Sportler ist. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das die nächsten zehn Jahre haben will.“

O’Sullivan hatte sich im Jahr 1992 dazu entschieden, als Profi auf der Main Tour zu spielen. 20 Jahre sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Er gehört zu den besten Spielern aller Zeiten und gilt als der talentierteste Snooker-Profi, den die Welt je gesehen hat. Beweise braucht O’Sullivan nicht mehr zu liefern – er hat alles erreicht.

„Die eigenen Erwartungen und die Erwartungen der Leute zu erfüllen, ist nicht immer leicht. Ich habe mein Bestes getan, mehr kann ich nicht machen. Manche Leute denken vielleicht, dass es eine komische Entscheidung ist, aber mein Umfeld kennt mich und weiß, was los ist. Man muss sein Leben auch ein wenig genießen und vielleicht werde ich bei Strictly Come Dancing mit machen.“

Ali Carter gegen Ronnie O'Sullivan

Ob er bei der englischen Ausgabe von Let´s Dance ebenso erfolgreich agieren wird wie beim Snooker …., man mag es bezweifeln, O’Sullivan hatte auch in der Vergangenheit erklärt, vielleicht eine zweite Karriere als Golfprofi starten zu wollen. Wir werden es früh genug erfahren und noch ist die Entscheidung nicht endgültig gefallen.

Erst einmal geht es in vier Sessions gegen Ali Carter um den WM-Titel. „2008 hat Carter sich von der Kulisse beeindrucken lassen. Aber er hat viel dazugelernt, seitdem zwei Turniere gewonnen und war immerhin die Nummer zwei der Welt. Er hatte ein interessantes Jahr, hat dabei aber Stärke gezeigt und das Finale hier erreicht.“

So könnte es ein ganz besonderes Finale werden und noch spannender, als die Frage nach dem Sieger, ist eben die Pressekonferenz nach dem Match. Denn so sehr man O’Sullivan seinen inneren Frieden gönnt, als Snooker-Fan will ich nicht auf seine Genialität verzichten müssen. Denn er ist das Zugpferd und seine Auftritte sind jede Sekunde der Aufmerksamkeit wert.

Eine kleine Hoffnung bleibt für die Fans von The Rocket. Wenn er den Titel gewinnt, darf er die komplette nächste Saison spielen, auch wenn er im Ranking aus den Top-16 fallen würde. Er muss sich also nicht qualifizieren und wäre die Saison 2012/13 immer an Nummer zwei gesetzt.

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Eine Antwort to “Tag 16 der WM: Folgt der nächste Rücktritt?”

  1. Kai 6. Mai 2012 um 18:29 #

    Bitte nicht auch noch Ronnie…

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