Tag 15 der WM: So geht Snooker!

5 Mai

Es sind oft die Kleinigkeiten, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Gestern konnte man als Fan von Matthew Stevens schon schlechte Laune bekommen, auch wenn Ronnie O’Sullivan in einer Lehrstunde demonstriert hat, wie Snooker in Reinform gespielt wird. Die Session gewann der Engländer mit 6:2 und es gab nicht viele Argumente für eine Aufholjagd des Walisischen Drachen.

Aber in Session drei gewann Stevens erneut die ersten beiden Frames, erlaubte O’Sullivan dabei nicht einen einzigen Punkt. Der Unterschied im Vergleich zum Tag davor war zweigeteilt. Auf der einen Seite spielte Stevens mit wesentlich mehr Selbstvertrauen, der andere Punkt war das dadurch entstehende konsequentere Spiel.

O’Sullivan bekam keine Chancen, musste – wie Stevens in Session eins und zwei – oft die ganz schwierigen und langen Bälle angehen. Und diese spielt er oft eben ohne Absicherung, daraus entstehen dann die Chancen. Lange sah es gut aus für Stevens, der Frame um Frame gewann, den Rückstand zwischenzeitlich auf drei Frames verkürzte.

Matthew Stevens

Bei 9:12 hatte ich wirklich die Hoffnung, eine spannende Abendsession verfolgen zu dürfen. Abgesehen davon, dass Stevens mein Lieblingsspieler auf der Tour ist, gönne ich ihm den Titel. Er wird ja schon mit Jimmy White verglichen und es wäre schön, wenn dies ein hinkender werden würde.

Aber in den letzten beiden Frames kam es gleich zu zwei Knackpunkten. In Frame 23 war es Pink, in Frame 24 Braun. Diese beiden Bälle hätte Stevens jeweils lochen müssen, um ein 11:13 zu erreichen. Gerade vor Pink lochte Stevens mit atemberaubender Sicherheit Rot von der langen Bande – den Lohn konnte er nicht einheimsen.

O’Sullivan bedankte sich artig und räumte jeweils ab. Nun steht es also 9:15 und die Chancen, das Finale zu erreichen, sind minimal. Bei 11:13 wäre es schon schwer gewesen, nun ist es ein Unterfangen, das nahezu an das Unmögliche erinnert. Nun kann man die Geschichten von kotzenden Pferden und fliegenden Schweinen auspacken.

Aber die hatten es auch nicht mit Ronnie O’Sullivan zu tun. Wie dem auch sei, die dritte Session war eine Augenweide und diesmal hatten beide Spieler großen Anteil daran. So stelle ich mir ein Finale vor. Denn es sind eben nicht nur die hohen Breaks, die maßgeblich an der Faszination mitwirken. Es sind auch die Safeduelle sowie die taktischen Spielchen – und nicht zuletzt die Charaktere.

Ali Carter steht im Finale

Einer dieser Charaktere ist sicherlich Ali Carter. Es ist ein wenig wie bei Phoenix, der aus der Asche aufersteht. Nochmals: Ali Carter hat gesundheitliche Probleme, musste ob der Erkrankung an Morbus Crohn die World Open in China absagen. Ich habe keine Ahnung, wie die Wetten auf ihn stehen, aber er ist jeden Cent wert. Und es ist ja nicht so, dass er ein leichtes Programm gehabt hätte.

Judd Trump schlägt man nicht im Vorbeigehen und das 17:12 gegen Stephen Maguire war ebenfalls eindrucksvoll. So langsam glaube ich schon, dass Peter Ebdon da seine Finger im Spiel hat. Denn was fehlt dem Captain zu einem Weltmeister? Meiner Meinung nach sind es die Nerven, die er manchmal nicht im Griff hat. Erinnern wir uns an 2008, als er im Finale von Ronnie O’Sullivan demontiert wurde.

Vielleicht ist es die Zusammenarbeit mit Ebdon, der Nervenflattern nur aus Erzählungen kennt und weiß, worauf es im Cucible ankommt. Zusammen sind sie eben die Airforce (Captain und The Force) und weitere Höhenflüge sind nicht ausgeschlossen. Zudem zeigt sich Carter sehr stabil, was Safe- und Locherfolg angeht. Warten wir nun ab, auf wen er im Finale trifft.

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