Tag 14 der WM: Der Captain mutiert zur Airforce

4 Mai

Es ist schon eine Überraschung, Ali Carter in den Semis zu sehen. Regelmäßige Leser meines Blogs wissen um die Krankheit der Captain und um den Fakt, dass seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft auf der Kippe stand. Die World Open musste er im Vorfeld absagen, da die Schmerzen nicht zu ertragen waren.

Doch die Diät hat angeschlagen, die Schmerzen hat er scheinbar unter Kontrolle. Und auch wenn Carter der eher unscheinbare Typ ist und sein Können oft unterschätzt wird, ist er einer der besten Spieler auf der Main Tour. Einzig seine Nerven machen ihm öfter einen Strich durch die Rechnung, deswegen hat er in seiner Karriere bisher nur die Welsh Open und das Shanghai Masters gewinnen können.

Ali Carter

Im Halbfinale führt Carter nun mit 14:10, hatte dabei auch die Chance, eine noch höhere Führung herauszuspielen. Zwischenzeitlich lag Stephen Maguire schon mit sieben Frames im Hintertreffen und es sah kurz danach aus, als ob Carter sich die vierte Session hätte sparen können. Bei vier Frames Abstand ist nun noch alles drin für Maguire, aber es wird schwer.

Man muss da natürlich hinterfragen, was bei Maguire los ist. Der Schotte hat in diesem Jahr etwa 60 Prozent seiner Spiele gewonnen, zudem zwei Finalteilnahmen vorzuweisen und einen Titel auf der PTC-Tour geholt. Es galt nicht nur bei mir als Favorit, konnte diese Einschätzung jedoch nicht untermauern.

Ob es an der Unterstützung von Peter Ebdon liegt, der Carter seit Beginn des Turniers mit Rat und Tat zur Seite steht? Wohl kaum, auch wenn in Snooker-Kreisen schon geflachst wird, dass Carter sich nicht mehr „Captain“ nennen soll, sondern „Airforce“ – eine Mischung aus beiden Nicknames. Der Unterschied scheint vielmehr in der Vielseitigkeit und Geduld zu liegen.

Natürlich kann es passieren, dass Maguire das Spiel noch dreht und ins Finale einzieht. Aber daran glauben mag ich nicht. Er hat bisher keine Session gewonnen, am Abend immerhin ein 4:4 erreicht – mit Mühe und Not. Carter hatte die Chance, auf 15:9 zu erhöhen, ein leichter Fehler verhinderte dies. Und während Maguire in Session zwei noch einen Faustabdruck auf dem Tischrand hinterlassen hatte, Schlug der Captain sich das Queue mehrfach an den Kopf.

Bei Maguire kennt man das, allerdings eher aus einer Zeit, als die Emotionen oft Oberwasser bekamen und er sich davon leiten ließ. Bei Carter heißt es oft, dass er sehr klinisch spielt und das ist gegen Maguire genau das richtige Mittel. Der Captain zeigte über alle drei Sessions ein sehr dosiertes Spiel. Mal zog er das Tempo an, dann nahm er das Tempo raus, spielte Safe.

Diesen Mix konnte Maguire lange nicht mitgehen. Ihm fehlte es an Geduld und auch an der Ruhe. Ich denke, mit einem Gegner wie Ronnie O’Sullivan hätte Maguire weniger Probleme, obwohl auch O’Sullivan mittlerweile Gefallen an taktischen Duellen gefunden hat. Vielleicht finden wir es ja im Finale heraus, aber dafür muss er sich mächtig steigern. Die Hoffnung bleibt, denn immerhin hat er gezeigt, dass er kämpfen kann und ein deutliches Zeichen gesetzt.

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