Stephen Hendry erklärt seinen Rücktritt

1 Mai

Es hätte die WM des Stephen Hendry werden können. Erst setzte sich der siebenmalige Weltmeister gegen Stuart Bingham durch, um dann im Spiel gegen John Higgins ein Maximum zu spielen – in seinem privaten Wohnzimmer. Ich hab jetzt nicht direkt Haus und Hof auf den achten Titel gesetzt, aber so ganz dezent habe ich mit dem Gedanken gespielt.

Also nicht zu wetten, aber einfach mit der Möglichkeit, dass Hendry eine reelle Chance im Viertelfinale gegen Stephen Maguire hat. Aber Pustekuchen, denn Schmal-Hans war heute Küchenchef im Ring und Stephen Hendry erlebte einen derart bösen Abend, dass selbst ein klingelndes Handy keinen noch größeren Schaden hatte anrichten können.

Nun ist nicht nur hier in Sheffield Feierabend für die Legendes des Snooker, denn Hendry hat nach dem Match seinen Rücktritt bekannt gegeben. Schon vor zwei oder drei Monaten habe er den Gedanken gefasst und sei mit sich im Reinen. Ich diese Entscheidung durchaus zweigeteilt, denn der Zenit des Golden Boy war einfach überschritten.

Stephen Hendry

Er ist immer noch ein guter Spieler, keine Frage. Aber er hat es gesagt, die Überzeugung, Turniere gewinnen zu können, sei dahin und von daher ist es ein logischer Schritt. Es ist sicher die richtige Entscheidung, aber damit verlässt der erfolgreichste Spieler aller Zeiten die große Bühne. Stephen Maguire hat also die zweifelhafte Ehre, ihn in den Ruhestand befördert zu haben.

An anderer Stelle werde ich mich sicherlich der Karriere von Stephen Hendry widmen, dies würde hier aber den Rahmen sprengen. Das Crucible ist in jedem Falle geschockt, wie Jan Verhaas via Twitter mitteilte. In kürzester Zeit sammelte sich der Datenstau an und viele Profis schrieben, dass sie diesen Schritt bedauern. Man kam sich vor wie bei einem Kondolenzbuch.

In jedem Fall ist eine Ära zuende gegangen. „Ich habe diese Entscheidung nur ganz wenigen Leuten mitgeteilt. Aber jetzt möchte ich bekannt geben, dass ich zurücktrete. Es war im Endeffekt eine sehr leichte Entscheidung, denn ich spiele nicht mehr das Snooker, das ich spielen will. Zudem macht mir das Training keinen Spaß mehr“, erklärte Hendry.

„Ich möchte andere Dinge machen und habe viele Verpflichtungen in China. Die kann ich nicht wahrnehmen und zudem aktiv spielen. Denn sonst bin ich ja nur noch unterwegs. Es ist die richtige Zeit für diese Entscheidung. Einzig, wenn ich den Titel gewonnen hätte, wäre es besser gewesen. Aber ein Maximum bei meinem letzten Auftritt zu spielen, hat mir viel bedeutet.“

Wenn von Rücktritt die Rede ist, habe ich doch eine perfekte Überleitung zu Ronnie O’Sullivan, der auch öfter mit diesem Gedanken spielt. Aber nicht hier und nicht in diesem Jahr, denn The Rocket spielt momentan richtig gut.

Auch wenn er gegen Neil Robertson 3:5 zurückliegt, sein Spiel kann sich sehen lassen. Ein paar kleine Fehler, ein wenig Pech und ein besser werdender Neil Robertson waren die Faktoren. Das Match ist sicher eines Finals würdig bisher und beide Spieler hatten ihren Anteil. Aber es war erst die erste Session und ich kann Euch nur empfehlen, das Match morgen zu verfolgen.

5:3 führt auch Ali Carter, der es mit der Turnierüberraschung Jamie Jones messen muss. Ich muss zugeben, die meiste Zeit habe ich schon auf den anderen Tisch geschaut. Carter macht weiterhin einen sehr stabilen Eindruck, Jones schien ein wenig Probleme zu haben, ins Spiel zu finden. Es wäre spannend, den Jungen zu sehen, wenn nur noch ein Tisch im Crucible steht.

Dorthin will es Matthew Stevens auch schaffen und es sieht gut aus für den Waliser. Die Tage hatte ich noch Ryan Day gelobt und erzählt, dass ich ihn lange nicht mehr so gut habe spielen sehen. In der zweiten Session war davon nichts mehr zu sehen. Fehler um Fehler schlichen sich ein und so schaffte es Day nicht, überhaupt nur einen Frame zu gewinnen. Beim 11:5 sind die Chancen von Stevens sehr gut, das Halbfinale zu erreichen.

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2 Antworten to “Stephen Hendry erklärt seinen Rücktritt”

  1. Hardy 1. Mai 2012 um 22:59 #

    Hallo.
    Während ich das Match verfolgte, hatte ich den Eindruck, Hendry würde überhaupt nicht mitspielen. Nicht, weil er man ihn nicht gelassen hat, sondern, weil er nicht wollte. Er war quasi gar nicht anwesend.
    Also entweder, man hat ihm eine riesige Menge Geld fürs Verlieren geboten oder er wurde erpresst. Anders war das heute nicht zu erklären. Jede Hausfrau hätte die Standardbälle besser gespielt, als Stephen Hendry heute.
    Ein furchtbar trauriger Abgang für mein großes Idol. NUR durch ihn habe ich Anfang der 90er zum Snooker gefunden.

  2. Logan Shakeshaft 1. Mai 2012 um 23:03 #

    Es gibt eben diese Tage, an denen nicht viel zusammenläuft. Mit dem Erreichen des Viertelfinals hat Hendry nochmals gezeigt, dass er eine Größe ist. Da von Geld oder Erpressung zu sprechen, ist doch ein wenig hart. Auch Ryan Day hat in seiner zwieten Session eine 8:0-Klatsche bekommen und die Beispiele für solche Tage sind überall zu finden.

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