Archiv | Mai, 2012

Ende der Q-School: Snooker-Saison kann beginnen

30 Mai

Die neue Snooker-Saison kann beginnen, denn auch die drei Q-School-Events sind durch und alle Plätze für das Jahr 2012/13 vergeben. Martin O’Donnell, Ian Burns, Chen Zhe, Sam Baird, Daniel Wells, Jamie O’Neill, Paul Davison, Sean O’Sullivan, Joel Walker, Robbie Williams, Rod Lawler und Michael Wasley haben sich so ihr Ticket für die Main Tour gesichert.

Bei jedem dieser Events gab es vier Gruppen mit jeweils vier Spielern. Der jeweilige Gruppensieger durfte sich über eine Tourkarte für die kommenden beiden Spielzeiten freuen. Mit dabei ist auch Joel Walker, der beim dritten Event Justin Astley mit 4:0 bezwang und laut Ronnie O’Sullivan das Zeug zu einem künftigen Weltmeister hat.

Denn 2012 gewann er das Rileys Future Stars-Turnier – dort wurden die talentiertesten Jungstars der Insel gesucht. Neben den 5000 Pfund durfte sich Walker über ein paar Einheiten mit O’Sullivan freuen, der sich später begeistert von dem 18-Jährigen zeigte. „Joel hat die Reife, die Technik und die Einstellung, um ein Top-Spieler zu werden.“

Weiter erklärte der Weltmeister: „Jetzt geht es nur darum, dass er das Spiel genießt und wirklich viele Stunden am Trainingstisch verbringt. Dann kann er ein künftiger Weltmeister werden.“ Walker erklärte nach seinem Sieg über Astley: „Die Einheiten mit Ronnie haben mir sehr geholfen. Zudem habe ich viel mit Nigel Bond gespielt. Es ist wichtig, viel mit den Top-Profis zu spielen.“

Wasley setzte sich knapp gegen Fraser Patrick durch und gewann mit 4:3. Zuvor hatte er beim zweiten Turnier mit dem selben Ergebnis gegen Daniel Wells verloren. „Ich war natürlich sehr enttäuscht“, so Wasley. „Es nun geschafft zu haben, ist natürlich aufregend. Bei 3:3 hatte ich schon Bedenken, aber ich habe es letztlich durchziehen können“, so der Trainingspartner von Robert Milkins.

In die Top 16 möchte hingegen Ronnie Williams, der sich in einem Marathon-Match gegen Mitchell Man durchsetzte. Vier Stunden und 27 Minuten kämpften beide Spieler, bis Williams im entscheidenden siebten Frame eine 102 zum 4:3-Sieg gelang. „Ich wusste, dies ist meine letzte Chance, um auf die Tour zu kommen. Mein Ziel ist es nun, in die Top 16 zu kommen.“

Ein ambitioniertes Ziel des 25-Jährigen, der jedoch noch mehr Zeit vor sich hat, als Rod Lawler. Der 40-Jährige schlug bereits im Jahr 1990 eine Karriere als Profi ein und hat sich nun erneut für die Tour qualifizieren können. Der Mann aus Liverpool setzte sich ungefährdet gegen Joe Delaney durch und gewann mit 4:0.

„Es war schon schwer, mit nach dem ersten Event nochmal zu motivieren“, so Lawler, der beim ersten Turnier noch mit 3:4 gegen Ian Burns verloren hatte. „Vor dem dritten Turnier bin ich ein paar Tage nach Hause gefahren, um mit John Whitty zu trainieren. Ansonsten hätte ich hier wohl nicht gewonnen.“

Dabei hatte Lawler viel Druck auszuhalten, wie er erklärte: „Wäre ich aus der Tour gefallen, hätte ich mir einen richtigen Job suchen müssen. Jetzt muss ich mir allerdings auch einen Halbtagsjob an Land ziehen. Ich mache mir auch keine Illusionen, denn es wird für mich nicht einfacher auf der Tour. Aber es macht mir Spaß und ich möchte noch lange spielen.“

O’Sullivan ist Spieler des Jahres

16 Mai

Nach dem Gewinn des WM-Titels ist Ronnie O’Sullivan zum Snooker-Spieler des Jahres gekürt worden. World Snooker und Journalisten waren sich in ihren jeweiligen Kategorien einig und wählten den Engländer auf Platz eins. Eine andere Wahl wäre sicherlich überraschend gewesen, denn O’Sullivan zeigte in dieser Saison, zumindest in der zweiten Hälfte, eine starke Leistung.

Am 02. Juni tritt er übrigens zu einem kleinen Showkampf gegen Jimmy White an, der unlängst seinen 50. Geburtstag feierte. Im Grosvenor House Hotel zu London wird es die kleine Exhibition geben, gefolgt von einem Konzert. Ronnie Wood spielt dort zusammen mit Mick Hucknall, Charlie Watts und ‚Friends‘. Infos könnt Ihr unter info@whirlwindtestimonial.co.uk anfordern.

Ronnie O'Sullivan

Neben O’Sullivan, der die WM sowie das German Masters gewann, durfte sich auch Judd Trump freuen. Denn der Jungstar wurde von den Fans zum Spieler des Jahres gewählt. Nach der enttäuschend verlaufenen Weltmeisterschaft ein kleiner Trost. The Ace hatte sich in der abgelaufenen Saison den Titel bei der UK Championship gesichert.

Auch erwartet worden war, dass Luca Brecel den Titel als Rookie of the Year bekommen würde. Der 17-jährige Belgier darf sich auf die Fahne schreiben, als jüngster Profi aller Zeiten die Qualifikation für die WM im Crucible geschafft zu haben. Zwar scheiterte er in Runde eins an Stephen Maguire, hinterließ jedoch einen guten Eindruck und bekam für die kommende Saison eine Wildcard ausgestellt.

Dann wurde noch ein Spieler für die beste Performance des Jahres gesucht und natürlich auch gefunden. Stuart Bingham gewann bei den Australian Open sein erstes Ranking Event, schlug dabei im Finale Mark Williams mit 9:8. Für diese Leistung wurde der Engländer ebenso ausgezeichnet, wie auch Stephen Hendry.

Nach der WM hatte der erfolgreichste Spieler aller Zeiten seinen Rücktritt erklärt, diesen aber mit einem Maximum Break zelebriert. Für diese Leistung wurde Hendry mit dem Magic Moment Award ausgezeichnet. Für ihn freut es mich natürlich besonders. Hendry hat seine Aufnahme in die Hall of Fame schon hinter sich, neu dabei sind Walter Donaldson, Mark Williams, John Higgins und Ronnie O’Sullivan.

O’Sullivan: Mehr Fairness gegenüber den Spielern

8 Mai

17 lange Tage liegen hinter uns und den Snooker-Profis. Ronnie O’Sullivan hat souverän den Titel im Crucible Theatre gewonnen und mit einer sehr erwachsenen Leistung überzeugt. Sein Breakbuilding, das Lochspiel, die Safetys und das taktische Spiel waren auf den Punkt genau abgestimmt und es hätte keinen verdienteren Weltmeister geben können. Glücklicherweise wird O’Sullivan nicht zurücktreten, allerdings eine Pause einlegen.

Nach der finalen Session äußerte sich O’Sullivan ausgiebig zu der WM, seiner Gemütslage, den einzelnen Matches und natürlich auch zu Barry Hearn. Im Anschluss habe ich seine Statement zusammengefasst und möchte sie einfach unkommentiert im Raum stehen lassen. So hat die große Leere immerhin noch nicht Überhand genommen, denn als ich um 11 Uhr den Fernseher einschaltete, musste ich feststellen, dass die WM wirklich vorbei ist …..

Die Aussagen von Ronnie O’Sullivan nach seinem Titelgewinn

„Erst einmal möchte ich Ali Carter zu einem hervorragenden Turnier gratulieren. Er ist zurückgekommen, hat einige der besten Spieler geschlagen und es ins Finale geschafft. Ich muss wirklich sagen: Gut gemacht Ali.“

Ronnie O'Sullivan

„Ich denke, ich habe sehr flüssig gespielt und habe immer versucht, die Ruhe zu bewahren. Insgesamt habe ich über den gesamten Turnierverlauf nur einmal im Finale ein bisschen die Ruhe verloren. Aber auch das habe ich überstanden, denn ich habe es geschafft, meine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Dazu habe ich versucht, nicht zu kritisch mit mir zu sein, wenn es mal nicht so geklappt hat.“

„Beim nächsten Stoß habe ich mich an den Tisch gestellt und einfach versucht, den besten Stoß, zu dem ich fähig bin, auszupacken. Aber die ganze Geschichte über 17 Tage durchzuhalten, ist wirklich hart – es ist ein Marathon. Ich hatte niemals daran gezweifelt, noch Titel gewinnen zu können. Aber einen WM-Titel, das war schon fraglich.

„Ich muss mich natürlich bei Dr. Steve Peters bedanken, denn er ist ein Experte, wenn es darum geht, wie ein Gehirn funktioniert. Denn wie man Snooker spielt, weiß ich selber. Dafür brauche ich niemanden. Ich bin sehr dankbar dafür, jemanden gehabt zu haben, der mich auf meinem Weg hier begleitet hat. Steve hat mir geholfen, zu verstehen, dass mein Gehirn eine Maschine ist und ich sie steuern kann. Tief in meinem Herzen liebe ich Snooker. Ich habe das Spiel immer geliebt, aber bin auch sehr damit verbunden und es wühlt einen auch auf. Steve hat mir erklärt, dass ich nicht perfekt sein kann. Ich kann mein Bestes geben, mehr aber auch nicht.“

„Das ist die ganze Philosophie dahinter. Wir können uns glücklich schätzen, dieses Spiel zu spielen. Damit bin ich glücklich und kann Snooker auch genießen – wie auch mein Leben. Ich bin jetzt kein besserer Spieler. Aber ich mache mich eben nicht mehr so oft selber fertig und gebe mir mehr Chancen.“

„Ich hätte nicht mehr daran geglaubt, einen solchen Moment zusammen mit meinem Sohn Ronnie genießen zu dürfen. Es ist so schön, ihn hier zu haben. Er liebt Snooker. Ich habe versucht, ihm das auszureden, aber es hat nicht geklappt. Ich bin am Ende ein wenig emotional gewesen, denn es fühlte sich so an, als ob er und ich alleine in der Arena wären. Das war das beste Gefühl, das ich jemals hatte.“

„Ich weiß, ich stehe in der Pflicht, das Spiel in der ganzen Welt zu repräsentieren. Ich denke, dass ich das auch ganz gut mache. Wenn ich könnte, würde ich jedes Turnier spielen. Aber das ist einfach nicht zu schaffen.“

Ronnie O'Sullivan

„Ich fühle mich auch nicht alt, wenn ich ein Turnier spiele und die ganzen jungen Spieler sehe. Natürlich frage ich mich, wie lange ich noch spielen kann. Meine Chancen, ein Turnier zu gewinnen, nehmen immer weiter ab. Obwohl ich genug Erfahrung habe und meine Möglichkeiten noch immer ausreichen. Mein langes Spiel war nicht so gut, aber insgesamt passabel. So konnte ich einige Frames gewinnen und damit Schaden anrichten.“

„Das härteste Match war das gegen Neil Robertson. Das Spiel habe ich mehr genossen, als alle anderen zuvor, bei denen ich der Meinung war, gegen einen der besten Spieler überhaupt antreten zu müssen. Ich habe sehr aggressiv gespielt und war sehr zufrieden.“

„Zeitweise habe ich gegen Mark Williams fantastisch gespielt. Gegen Neil habe ich sechs großartige Frames gehabt. Gegen Matthew sind mir einige starke Sessions gelungen und auch im Finale hatte ich meine guten Frames. Aber natürlich gab es auch Durchhänger. Jeder Spieler verschießt mal ein paar Bälle. Das muss man akzeptieren. Aber mir fällt es sehr schwer, das zu verstehen. Ich kann mein schlimmster Kritiker sein und das ist nicht gut für mich. Aber ich arbeite daran.“

„Ich habe lange drüber (seine Gedanken zum Rücktritt) nachgedacht und es ist keine Entscheidung, die ich übers Knie gebrochen habe. Ich habe nicht gesagt, dass ich zurücktreten will. Aber ich sage, dass meine Familie das Wichtigste in meinem Leben ist. Ich arbeite so hart,wie jeder andere Spieler auch. Aber ich möchte fair behandelt werden und das verlange ich auch für die anderen Top-Spieler.“

„Die Bosse müssen die Spieler fair behandeln. Sie sagen, dass sie es nicht von jedem Spieler erwarten können, die kompletten 28 Turniere an verschiedenen Orten zu spielen. Auf der anderen Seite führen sie dann eine Geldrangliste ein. Es ist nicht fairer, dies zu machen, als jemanden zu zwingen, alle Turniere zu spielen. Denn spielt man diese kleinen Turniere nicht, wird man in der Rangliste durchgereicht und fällt aus den Top 16.“

„Denn, auch wenn es für die PTC-Events keine Punkte geben würde, würde ich ein paar von ihnen spielen. Denn es geht mir ja nicht nur darum, immer nur im Crucible zu spielen. Ich mag es nicht, wenn man mich erpresst. Vielleicht ist es auch nicht das richtige Wort, aber dieses Drängen ist einfach falsch.“

„Ich habe sehr lange darüber nachgedacht und ich möchte nicht zwei Jahre warten müssen, bis die Dinge sich ändern. Meiner Meinung nach können sie einige Dinge besser machen. Ich für meinen Teil habe Pläne, werde diese aber nicht übers Knie brechen. Jetzt werde ich erst einmal fünf oder sechs Monate Pause machen und mir die Situation dann ansehen.“

„Ein Teil von mir möchte weiterspielen, aber wie ich es im Dezember schon gesagt habe, ich habe keine Lust auf diesen Druck. Da bekommt man eine Woche vor einem Turnier Briefe von World Snooker und muss sich zu irgendetwas rechtfertigen. Meine größten Verfehlungen waren nur, dass ich eine gute Zeit hatte und vielleicht öfter zu lange gefeiert habe.“

„Aber wie gesagt, ich fühle mich gut mit der Entscheidung, meine Karriere fortzuführen und auch eine andere Welt zu betreten, in der es nicht diese Verhaltensregen gibt. Ob es nun Promi-Tanzen ist, oder eine Talk-Sendung. Es gibt viel zu tun für mich, aber ich habe auch noch ein wenig Sprit im Tank, um Snooker zu spielen. Es ist von anderen Leuten abhängig, die die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Ich will nur, das wir fair behandelt werden – mehr nicht.“

Ronnie O’Sullivan gewinnt die Snooker-WM

7 Mai

Nach 17 langen Tagen und aufreibenden Matches hat Ronnie O’Sullivan es geschafft, sich zum vierten Mal zum Weltmeister zu krönen. Der Engländer besiegte im Finale 2012 Ali Carter mit 18:11. Es war nicht das hochklassige Finale, das die Zuschauer im Crucible Theatre zu Sheffield sich gewünscht hatten. Doch spannend war es allemal.

„Es war sehr hart, die 17 Tage hier durchzustehen“, so O’Sullivan bei der Siegerehrung. „Aber ich hatte meine Emotionen immer unter Kontrolle. Ohne Steve (sein Psychologe/ d. Red.) würde ich nicht mehr spielen, er hat mir sehr geholfen. Wir haben gut zusammengearbeitet, aber es war sehr hart. Ich habe ja schon dreiTtitel hier gewonnen, doch dieser toppt alles.“

Ronnie O'Sullivan

Über die zweieinhalb Wochen gesehen, ging kein Weg an O’Sullivan als Favorit vorbei. Die Auslosung hatte es nicht gut mit ihm gemeint und nach der schweren Auftakthürde Peter Ebdon (10:4) traf O’Sullivan erst auf Mark Williams (13:6), dann folgte Neil Robertson (13:10) und im Halbfinale bekam O’Sullivan es mit Matthew Stevens (17:10) zu tun – alles erfahrene WM-Haudegen.

O’Sullivan: Nur den Titel im Blick

Von Beginn an war O’Sullivan auf den Titel fokussiert. Dafür hatte er hart mit dem Sportpsychologen Dr. Steve Peters gearbeitet und das Ergebnis konnte sich sehen lassen. An Offensivpower hatte er nichts eingebüßt, sein Repertoire jedoch um knallharte Safetys und eine große Portion Geduld erweitert.

Die Achillesferse war damit entfernt und Carter bekam dies zu spüren. Der Captain, der unter Morbus Crohn leidet, hatte seinerseits ein starkes Turnier gespielt. Die World Open waren noch der Krankheit zum Opfer gefallen und ein Karriereende in Betracht gezogen. Doch in Sheffield spielte Carter groß auf, lieferte sein Husarenstück beim 13:12-Sieg im Achtelfinale gegen Judd Trump.

Carter und das Ende der Kräfte

Im Finale merkte man Carter den großen Kräfteverschleiß dann spätestens ab der zweiten Session an. Bis zum 3:3 hatte er mithalten können, danach drehte O’Sullivan auf. Ab dem 3:5 lief Carter zumeist hinterher, hatte noch großes Glück, den ersten Tag mit einem 7:10-Rückstand beendet zu haben.

Die dritte Session drohte dann zum Debakel zu werden, als O’Sullivan vier Frames in Folge gewann. Auch die Zuschauer fieberten mit, denn eine Absage der vierten Session stand im Raum. Allerdings nahm O’Sullivan sich zum ersten Mal in diesem Turnier eine Auszeit, gab drei Frames hintereinander ab.

Als es noch einmal spannend zu werden drohte, fand der Superstar des Snooker jedoch zu seiner Form. Zwar rettete sich Carter noch in die Abendsession, musste sich dann aber mit einem Frame begnügen. O’Sullivan ließ sich nicht mehr von seinem Weg abbringen und schaukelte das Match mit 18:11 nach Hause.

„Ich möchte nun erst einmal diesen Moment genießen und viel Zeit mit meiner Familie verbringen. Es war nicht mein letzter Auftritt hier, aber zunächst will ich eine Pause von vielleicht sechs Monaten einlegen“, erklärte ein bewegter O’Sullivan. Der neue Weltmeister und auch Ali Carter gehören sicherlich zu den Gewinnern dieser WM. Wer sonst noch dazu gehört und für wen die Titelkämpfe eine Enttäuschung waren, erfahren Sie hier.

Die Gewinner der Snooker-WM

Stephen Hendry

Über die Legende Hendry muss man kaum viele Worte verlieren. Er hat das Spiel revolutioniert, dabei sieben WM-Titel in seinem Wohnzimmer gewonnen. Bei seinem letzten Auftritt schaffte er es immerhin bis ins Viertelfinale und das allein ist schon aller Ehren wert. Seine deutliche 2:13-Niederlage gegen Stephen Maguire war bitter, aber zu verschmerzen.

Sein Rücktritt war abzusehen und verständlich. Somit verlässt der vielleicht beste Spieler aller Zeiten die große Bühne, nicht aber, ohne mit einem Paukenschlag abzutreten. In Runde eins hatte Hendry mit Stuart Bingham ein Schwergewicht aus dem Weg zu räumen und tat dies auf seine Art – er spielte das elfte Maximum seiner Karriere. Ein grandioser Abschluss einer einmaligen Karriere.

Matthew Stevens

Lange ist er her, dass man den Walisischen Drachen in einer solchen Form bewundern konnte. Man erinnere sich an die WM im letzten Jahr, als er trotz einer 9:6-Führung in Runde eins noch gegen Mark Allen verlor. Zu der Zeit war er aus den Top 16 herausgefallen, doch Stevens hat sich erholt und liegt momentan auf Platz neun in der aktualisierten Weltrangliste.

Bei der WM hatte er vielleicht ein leichtes Programm, schlug dabei immerhin Marco Fu, Barry Hawkins und Ryan Day, bevor er an Ronnie O’Sullivan scheiterte. Doch auch dort machte Stevens eine gute Figur, beeindruckte mit starken Long Pots. Der große WM-Triumph bleibt ihm weiter verwehrt, aber sein Auftritt machte Lust auf mehr.

Michaela Tabb

Sie war die erste Frau, die ein WM-Finale leiten durfte. Die resolute und nett anzusehende gebürtige Engländerin hat eine enorm große Fangemeinde und durfte nun ihr zweites Finale im ehrwürdigen Crucible Theatre leiten. Eine große Ehre für sie und ihren Job machte Tabb ausgezeichnet.

Sie ist das weibliche Aushängeschild und die richtige Wahl, für das Finale gewesen. In mehreren undurchsichtigen Situationen behielt sie die Ruhe, sorgte dabei mit ihren Kommentaren für eine lockere Stimmung. Mit ihren 44 Jahren war es wohl auch das letzte Finale im Crucible.

Den Rest des Artikels gibt es hier bei sportal.de.

Tag 16 der WM: Keine Vorentscheidung an Tag eins

7 Mai

Ob gegen Ali Carter, Peter Ebdon oder eine Kombination aus beiden Spielern – Ronnie O’Sullivan lässt sich auf dem Weg zu seinem vierten WM-Titel nicht aufhalten. Nach den ersten beiden Sessions im Finale führt der Engländer mit 10:7 und hat sich bereits am ersten Tag ein kleines Polster geschaffen, um erneut die Crucible-Krone aufsetzen zu dürfen.

Dabei war die erste Session wieder einmal eine Augenweide. O’Sullivan spielte dabei zwei Centurys, mit einer 141 holte er sich letztendlich das 5:3. Aber auch Carter hatte Anteil an unterhaltsamen acht Frames, konnte bis zum 3:3 sein Spiel immer wieder durchsetzen und verhindern, dass O’Sullivan zu viel Fahrt aufnahm.

Erst in den letzten beiden Frames zog der Favorit das Tempo wieder an und Carter konnte wohl froh sein, die erste Session nicht weiter fortführen zu müssen. O’Sullivan hatte dabei eine Lochquote von 95 Prozent auf dem Zettel. Er erlaubt sich eben keine Schwächephase. Zwar verliert er auch mal zwei Frames in Folge, kontert dann aber immer mit mindestens zwei Spielgewinnen.

WM-TrophäeUnd wieder war es Session zwei, in der das Pendel zu Gunsten von O’Sullivan ausschlug. In den letzten Matches hat O’Sullivan es immer geschafft, irgendwann eine Serie von sechs Frames in Folge einzustreuen. Und die Chance war auch gegen Carter da, der ein wenig von der Rolle wirkte, diese Serie aber gerade noch verhindern konnte. Was den Unterschied ausmachte, ist schwer zu sagen.

Ob es die Konzentration war oder fehlende Kraft. Dies paarte sich bei Carter mit Pech, während O’Sullivan öfter das Glück auf seiner Seite hatte. Carter kam kaum noch in die Breaks und lieferte sich einen Privatkrieg mit Schwarz vom Spot. Gleich mehrfach scheiterte der Captain, brachte O’Sullivan so immer wieder an den Tisch.

Peter Ebdon und Carter duellierten sich um den Titel des langen Gesichts, O’Sullivan behielt indes die Ruhe. Es war eine von Taktik geprägte Session, in der O’Sullivan mit vielen kleinen Breaks zwischen 30 und 60 Punkten regelmäßig zu Erfolgen kam. Bei 10:6 hatte er sich erstmals einen Vorsprung von vier Frames erarbeitet.

Besonders beeindruckend ist meiner Meinung nach die unglaubliche Ruhe, mit der O’Sullivan agiert. Er wirkt fast wie ein Ebdon-Klon und mich würde es nicht überraschen, wenn Ebdon in einem direkten Duell sich einen Ausraster leisten würde. Die Achillesferse ist operativ entfernt, kein Schwachpunkt mehr zu finden. Dass es am Ende keine Vorentscheidung gab, verdankt Carter auch einem Fluke im abschließenden Frame.

Denn 7:10 ist ein Ergebnis, mit dem Carter leben kann. Ein 6:11 wäre deutlich schlechter gewesen und ich glaube, auch Carter hätte sich so seine Gedanken gemacht. Gewinnt der Captain drei der ersten vier Frames in Session drei, ist alles möglich. wobei ich nicht dran glauben mag, denn wie beschrieben, ist O’Sullivan einfach zu stabil. Aber ich habe mich schon so oft geirrt und wer weiß, was morgen passiert.

Tag 16 der WM: Folgt der nächste Rücktritt?

6 Mai

So wirklich überraschend kam der Rücktritt von Stephen Hendry nicht. Der siebenmalige Weltmeister hat seinen Zenit überschritten und gemerkt, dass sein Anspruch nicht mehr mit seiner Leistung übereinstimmt. Eine gute Entscheidung, auch wenn Snooker damit einen seiner absoluten Stars verliert.

Die Frage ist nun: Hat auch Ronnie O’Sullivan schon seinen Rücktritt geplant? „Ich habe nicht vor, noch lange Snooker zu spielen, obwohl ich mich wirklich sehr gut fühle. Aber es kann gut sein, dass es mein letzter Auftritt im Crucible ist“, so O’Sullivan nach seinem 17:10-Sieg gegen Matthew Stevens.

„Ich habe das Pro und Contra abgewogen und fühle mich wohl mit meiner Entscheidung. Wenn ich den Titel hole, ist es ein absoluter Bonus, aber wenn es nicht klappt, kann ich trotzdem zufrieden sein.“ Es hört sich sehr nach einem feststehenden Rücktritt an, auch wenn O’Sullivan damit seit gefühlten zehn Jahren kokettiert.

Ronnie O'Sullivan

Von außen ist es immer schwer zu beurteilen, es sprechen viele Dinge für einen Rücktritt, viele Dinge auch dagegen. „Wir sind seit 17 Tagen in Sheffield und es fühlt sich so an, als ob es zwei Monate wären. Keine Ahnung, ob es am Alter liegt. Aber als ich 22 war, kam ich damit besser klar. Wahrscheinlich, weil es damals nichts anderes gab“, so O’Sullivan.

Mittlerweile hat er Familie, spielt hervorragend Golf und ist irgendwie auch erwachsen geworden. „Ich habe zwei junge Kinder und ich würde sie gerne aufwachsen sehen“, so O’Sullivan. Es ist auffällig, dass er seit einiger Zeit befreit aufzuspielen scheint.

Schon beim German Masters hatte man den Eindruck und bei der WM in Sheffield erlebt man einen aufgeräumten O’Sullivan. Er ist immer noch sehr schnell unterwegs, wirkt aber wesentlich entspannter. Sein Safe-Spiel ist eine Augenweide und Frames werden nicht mehr einfach nur abgeschenkt.

Es wirkt, als wolle O’Sullivan mit seinem vierten WM-Titel abtreten und scheint sich akribisch darauf vorbereitet zu haben. Die Zusammenarbeit mit dem Sportpsychologen Steve Peters hat sich ausgezahlt und O’Sullivan erklärte im Vorfeld, sich einfach wohler zu fühlen. Er hat wieder Spaß am Spiel und das sieht man.

Mit seinen 36 Jahren gehört er nun zum alten Eisen und merkt, dass der Nachwuchs seine Ansprüche geltend macht. „Ich spiele gegen Leute, die unheimlich aggressiv auftreten und man muss jederzeit sein bestes Spiel abrufen. Das ist viel Druck.“ Weiter erklärte O’Sullivan: „Aber das ist eben so, wenn man ein Profi-Sportler ist. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das die nächsten zehn Jahre haben will.“

O’Sullivan hatte sich im Jahr 1992 dazu entschieden, als Profi auf der Main Tour zu spielen. 20 Jahre sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Er gehört zu den besten Spielern aller Zeiten und gilt als der talentierteste Snooker-Profi, den die Welt je gesehen hat. Beweise braucht O’Sullivan nicht mehr zu liefern – er hat alles erreicht.

„Die eigenen Erwartungen und die Erwartungen der Leute zu erfüllen, ist nicht immer leicht. Ich habe mein Bestes getan, mehr kann ich nicht machen. Manche Leute denken vielleicht, dass es eine komische Entscheidung ist, aber mein Umfeld kennt mich und weiß, was los ist. Man muss sein Leben auch ein wenig genießen und vielleicht werde ich bei Strictly Come Dancing mit machen.“

Ali Carter gegen Ronnie O'Sullivan

Ob er bei der englischen Ausgabe von Let´s Dance ebenso erfolgreich agieren wird wie beim Snooker …., man mag es bezweifeln, O’Sullivan hatte auch in der Vergangenheit erklärt, vielleicht eine zweite Karriere als Golfprofi starten zu wollen. Wir werden es früh genug erfahren und noch ist die Entscheidung nicht endgültig gefallen.

Erst einmal geht es in vier Sessions gegen Ali Carter um den WM-Titel. „2008 hat Carter sich von der Kulisse beeindrucken lassen. Aber er hat viel dazugelernt, seitdem zwei Turniere gewonnen und war immerhin die Nummer zwei der Welt. Er hatte ein interessantes Jahr, hat dabei aber Stärke gezeigt und das Finale hier erreicht.“

So könnte es ein ganz besonderes Finale werden und noch spannender, als die Frage nach dem Sieger, ist eben die Pressekonferenz nach dem Match. Denn so sehr man O’Sullivan seinen inneren Frieden gönnt, als Snooker-Fan will ich nicht auf seine Genialität verzichten müssen. Denn er ist das Zugpferd und seine Auftritte sind jede Sekunde der Aufmerksamkeit wert.

Eine kleine Hoffnung bleibt für die Fans von The Rocket. Wenn er den Titel gewinnt, darf er die komplette nächste Saison spielen, auch wenn er im Ranking aus den Top-16 fallen würde. Er muss sich also nicht qualifizieren und wäre die Saison 2012/13 immer an Nummer zwei gesetzt.

Tag 15 der WM: O’Sullivan trifft auf Carter

5 Mai

Das Wunder ist ausgeblieben und Matthew Stevens hat es verpasst, das Finale der Snooker-WM noch zu erreichen. Mit 9:15 war er in die vierte Session gegangen und schaffte es immerhin, mit einem Century den zehnten Frame zu gewinnen. Danach war es aber O’Sullivan, der erst mit einem Century antwortete und danach den Sieg unter Dach und Fach brachte.

Ist O’Sullivan nun also der Favorit im Finale gegen Ali Carter? In der Form scheint O’Sullivan einfach nicht zu bezwingen. Das ganze Turnier über hat er stark gespielt, immer seine Phasen gehabt, in denen er seinen Gegnern auf und davon gezogen ist. Ob es gegen Ebdon war, oder danach gegen Williams oder Robertson.

Auch gegen Stevens legte er in Session zwei einen 6:2-Lauf hin, baute damit seinen Vorsprung auf 11:5 aus. Damit war die Messe gelesen. Gut, in der frühen dritten Session hatte er einige Probleme, kam aber nicht mehr ernsthaft in Gefahr – auch wenn Stevens seine Chancen hatte. Dennoch glaube ich an den vierten Titel für den Engländer.

Carter hat natürlich auch seine Chancen und ich denke nicht, dass er – wie 2008 – im Finale einbrechen wird. Damals hatte er mehr Druck, O’Sullivan spielte zudem ungemein starkes Snooker. Das macht er heute auch, aber Carter ist wesentlich gefestigter. Über den Einfluss von Peter Ebdon haben wir schon gesprochen und auch über die verminderte Erwartungshaltung.

Keine Frage, wer im Finale steht, will das Ding auch gewinnen. Für den Captain wäre es der erste große Titel und auch er wird den Druck spüren – der er schon kurz gegen Ende des Halbfinals hatte. Das Publikum wird zudem auf der Seite von O’Sullivan sein. Aber mit The Force im Rücken hat Carter den Vorteil, an dessen Erfahrung teilhaben zu können.

Wie dem auch sei, 15 Tage liegen nun hinter uns und wir haben wahrlich tolle Spiele gesehen. Die Zeit ist wie im Flug vorbei gestrichen und ich persönlich freue mich auf die letzten beiden Tage und hoffe dabei auf ein spannendes Finale. Ich gönne es beiden Spielern und von daher habe meine Nerven Urlaub.

Tag 15 der WM: So geht Snooker!

5 Mai

Es sind oft die Kleinigkeiten, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Gestern konnte man als Fan von Matthew Stevens schon schlechte Laune bekommen, auch wenn Ronnie O’Sullivan in einer Lehrstunde demonstriert hat, wie Snooker in Reinform gespielt wird. Die Session gewann der Engländer mit 6:2 und es gab nicht viele Argumente für eine Aufholjagd des Walisischen Drachen.

Aber in Session drei gewann Stevens erneut die ersten beiden Frames, erlaubte O’Sullivan dabei nicht einen einzigen Punkt. Der Unterschied im Vergleich zum Tag davor war zweigeteilt. Auf der einen Seite spielte Stevens mit wesentlich mehr Selbstvertrauen, der andere Punkt war das dadurch entstehende konsequentere Spiel.

O’Sullivan bekam keine Chancen, musste – wie Stevens in Session eins und zwei – oft die ganz schwierigen und langen Bälle angehen. Und diese spielt er oft eben ohne Absicherung, daraus entstehen dann die Chancen. Lange sah es gut aus für Stevens, der Frame um Frame gewann, den Rückstand zwischenzeitlich auf drei Frames verkürzte.

Matthew Stevens

Bei 9:12 hatte ich wirklich die Hoffnung, eine spannende Abendsession verfolgen zu dürfen. Abgesehen davon, dass Stevens mein Lieblingsspieler auf der Tour ist, gönne ich ihm den Titel. Er wird ja schon mit Jimmy White verglichen und es wäre schön, wenn dies ein hinkender werden würde.

Aber in den letzten beiden Frames kam es gleich zu zwei Knackpunkten. In Frame 23 war es Pink, in Frame 24 Braun. Diese beiden Bälle hätte Stevens jeweils lochen müssen, um ein 11:13 zu erreichen. Gerade vor Pink lochte Stevens mit atemberaubender Sicherheit Rot von der langen Bande – den Lohn konnte er nicht einheimsen.

O’Sullivan bedankte sich artig und räumte jeweils ab. Nun steht es also 9:15 und die Chancen, das Finale zu erreichen, sind minimal. Bei 11:13 wäre es schon schwer gewesen, nun ist es ein Unterfangen, das nahezu an das Unmögliche erinnert. Nun kann man die Geschichten von kotzenden Pferden und fliegenden Schweinen auspacken.

Aber die hatten es auch nicht mit Ronnie O’Sullivan zu tun. Wie dem auch sei, die dritte Session war eine Augenweide und diesmal hatten beide Spieler großen Anteil daran. So stelle ich mir ein Finale vor. Denn es sind eben nicht nur die hohen Breaks, die maßgeblich an der Faszination mitwirken. Es sind auch die Safeduelle sowie die taktischen Spielchen – und nicht zuletzt die Charaktere.

Ali Carter steht im Finale

Einer dieser Charaktere ist sicherlich Ali Carter. Es ist ein wenig wie bei Phoenix, der aus der Asche aufersteht. Nochmals: Ali Carter hat gesundheitliche Probleme, musste ob der Erkrankung an Morbus Crohn die World Open in China absagen. Ich habe keine Ahnung, wie die Wetten auf ihn stehen, aber er ist jeden Cent wert. Und es ist ja nicht so, dass er ein leichtes Programm gehabt hätte.

Judd Trump schlägt man nicht im Vorbeigehen und das 17:12 gegen Stephen Maguire war ebenfalls eindrucksvoll. So langsam glaube ich schon, dass Peter Ebdon da seine Finger im Spiel hat. Denn was fehlt dem Captain zu einem Weltmeister? Meiner Meinung nach sind es die Nerven, die er manchmal nicht im Griff hat. Erinnern wir uns an 2008, als er im Finale von Ronnie O’Sullivan demontiert wurde.

Vielleicht ist es die Zusammenarbeit mit Ebdon, der Nervenflattern nur aus Erzählungen kennt und weiß, worauf es im Cucible ankommt. Zusammen sind sie eben die Airforce (Captain und The Force) und weitere Höhenflüge sind nicht ausgeschlossen. Zudem zeigt sich Carter sehr stabil, was Safe- und Locherfolg angeht. Warten wir nun ab, auf wen er im Finale trifft.

Tag 14 der WM: Der Tisch ist zu klein

4 Mai

Ob es im Vorfeld einen Menschen gegeben hat, der sein Geld auf Matthew Stevens als Favorit gesetzt hat? Ich meine, hoffen wird man ja dürfen. Aber wenn ich Ronnie O’Sullivan heute so spielen sehe ….., wer soll diesen Mann stoppen? Franz Beckenbauer hat eben schon gesagt, der O’Sullivan ist auf Jahr unschlagbar.

Damit wird er sicher besser fahren, als nach dem EM-Titel 1996 für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Stevens ist hier beim 5:11 nicht zu beneiden. Er gewann dabei sogar die ersten beiden Frames in der zweiten Session und ich habe es natürlich in die Welt posaunt. Danach stand er vielleicht noch fünf oder sechs Mal am Tisch.

O’Sullivan hat es wieder einmal geschafft, das Niveau auf ein Level zu heben, das kein anderer Spieler auf der Tour so beherrscht. Das ist vielleicht hoch gegriffen, aber wer soll den Engländer stoppen? Mit Peter Ebdon, Mark Williams und Neil Robertson hat er bereits drei Weltmeister aus dem Turnier geschossen und Stevens ist immerhin die Nummer neun im Provisional Ranking.

Ronnie O'Sullivan

Ich glaube, wenn ich von einer Sternstunde des Sports rede, übertreibe ich nicht. Eine Lochquote von 94 Prozent und eine Erfolgsquote bei den Safetys von 91 Prozent – das sind Werte, die einfach unbeschreiblich gut sind. Nun kann man sagen, dass Stevens auch nur eine Lochquote von 85 Prozent hatte. Aber wie ist die zustande gekommen?

Ich kann mich ad hoc an vielleicht zwei einfache Bälle erinnern, die Stevens als Einsteiger bekommen hat. Ansonsten musste er immer lang spielen und so kommt eine solche Quote zustande. Was bedeutet das für morgen? Entweder World Snooker zimmert schnell einen größeren Tisch zusammen und verhindert so ein weiteres Festival des O’Sullivan, oder wir können uns die Session am Abend sparen.

An sich keine schlechte Idee, denn ein bisschen frische Luft gepaart mit einem Bier könnten mir nicht schaden. Auf der anderen Seite bin ich eben Fan des Walisischen Drachen und drücke doch kräftig die Daumen, dass er in Session drei zumindest ein 5:3 erreicht. Aber das ist auch schon das Minimalziel.

O’Sullivan hat wahrscheinlich zu Hause wieder den Tisch ausgepackt, auf dem er gespielt hat, als er 17 war. Da hat er die Taschen extra schmal geschnitten, um das Spiel interessanter zu machen. Mit der Sicherheit, mit der er heute gelocht hat, eine lohnenswerte Geschichte. Wie dem auch sei, so bitter es aus der Sicht von Stevens war, als Fan durfte man aus dem mit der Zunge schnalzen nicht herausgekommen sein.

Tag 14 der WM: Der Captain mutiert zur Airforce

4 Mai

Es ist schon eine Überraschung, Ali Carter in den Semis zu sehen. Regelmäßige Leser meines Blogs wissen um die Krankheit der Captain und um den Fakt, dass seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft auf der Kippe stand. Die World Open musste er im Vorfeld absagen, da die Schmerzen nicht zu ertragen waren.

Doch die Diät hat angeschlagen, die Schmerzen hat er scheinbar unter Kontrolle. Und auch wenn Carter der eher unscheinbare Typ ist und sein Können oft unterschätzt wird, ist er einer der besten Spieler auf der Main Tour. Einzig seine Nerven machen ihm öfter einen Strich durch die Rechnung, deswegen hat er in seiner Karriere bisher nur die Welsh Open und das Shanghai Masters gewinnen können.

Ali Carter

Im Halbfinale führt Carter nun mit 14:10, hatte dabei auch die Chance, eine noch höhere Führung herauszuspielen. Zwischenzeitlich lag Stephen Maguire schon mit sieben Frames im Hintertreffen und es sah kurz danach aus, als ob Carter sich die vierte Session hätte sparen können. Bei vier Frames Abstand ist nun noch alles drin für Maguire, aber es wird schwer.

Man muss da natürlich hinterfragen, was bei Maguire los ist. Der Schotte hat in diesem Jahr etwa 60 Prozent seiner Spiele gewonnen, zudem zwei Finalteilnahmen vorzuweisen und einen Titel auf der PTC-Tour geholt. Es galt nicht nur bei mir als Favorit, konnte diese Einschätzung jedoch nicht untermauern.

Ob es an der Unterstützung von Peter Ebdon liegt, der Carter seit Beginn des Turniers mit Rat und Tat zur Seite steht? Wohl kaum, auch wenn in Snooker-Kreisen schon geflachst wird, dass Carter sich nicht mehr „Captain“ nennen soll, sondern „Airforce“ – eine Mischung aus beiden Nicknames. Der Unterschied scheint vielmehr in der Vielseitigkeit und Geduld zu liegen.

Natürlich kann es passieren, dass Maguire das Spiel noch dreht und ins Finale einzieht. Aber daran glauben mag ich nicht. Er hat bisher keine Session gewonnen, am Abend immerhin ein 4:4 erreicht – mit Mühe und Not. Carter hatte die Chance, auf 15:9 zu erhöhen, ein leichter Fehler verhinderte dies. Und während Maguire in Session zwei noch einen Faustabdruck auf dem Tischrand hinterlassen hatte, Schlug der Captain sich das Queue mehrfach an den Kopf.

Bei Maguire kennt man das, allerdings eher aus einer Zeit, als die Emotionen oft Oberwasser bekamen und er sich davon leiten ließ. Bei Carter heißt es oft, dass er sehr klinisch spielt und das ist gegen Maguire genau das richtige Mittel. Der Captain zeigte über alle drei Sessions ein sehr dosiertes Spiel. Mal zog er das Tempo an, dann nahm er das Tempo raus, spielte Safe.

Diesen Mix konnte Maguire lange nicht mitgehen. Ihm fehlte es an Geduld und auch an der Ruhe. Ich denke, mit einem Gegner wie Ronnie O’Sullivan hätte Maguire weniger Probleme, obwohl auch O’Sullivan mittlerweile Gefallen an taktischen Duellen gefunden hat. Vielleicht finden wir es ja im Finale heraus, aber dafür muss er sich mächtig steigern. Die Hoffnung bleibt, denn immerhin hat er gezeigt, dass er kämpfen kann und ein deutliches Zeichen gesetzt.