Tag 6 der WM: Carter-Airline fliegt wieder

26 Apr

Ich hatte es vor einigen Wochen schon geschrieben, Ali Carter hat sich mit Rücktrittsgedanken gequält. Und bevor es nun heißt, Carter ist doch nur ein Trittbrettfahrer und springt auf den O’Sullivan-Zug auf, ist dies einer Unwissenheit geschuldeten Aussage. Der Captain leidet unter Morbus Crohn.

Das ist eine Darmerkrankung und die ist leider nicht heilbar. Die Krankheit ist zeitweise mit großen Schmerzen verbunden und deswegen hat Carter die Saison über kaum trainieren können, hat zudem das Problem, sich manchmal nicht auf den Tisch legen zu können, ob der Schmerzen. Nun hat er eine Diät für sich entdeckt, bei der er auf Weizen- und Milchprodukte verzichtet.

„Die Symptome sind seit meiner Diät abgeschwächt. Aber es fühlt sich komisch an, mit einer Lunchbox in ein Restaurant zu gehen. Ich fühle mich ein wenig wie ein Idiot. Aber nach drei Wochen fühle ich mich nun wirklich besser und ich hoffe, dass es helfen kann.“ Im Spiel gegen Mark Davis hatte man das Gefühl, den alten Carter zu sehen.

Ali Carter

Mit 10:2 schickte er Mark Davis nach Hause und trifft nun auf Judd Trump, vor dem er höchsten Respekt hat. „Dominic Dale ist bis zum 7:7 dran geblieben und hätte er einen Gang höher schalten können, er hätte das Spiel gewonnen. Aber das ist der Unterschied zwischen Top-Spielern und denen, die in der Rangliste weiter unten stehen – sie haben diesen Gang eben nicht.“

Im Dezember hat Carter noch über eine Auszeit von einem Jahr nachgedacht, nun steht er im WM-Achtelfinale und spürt weit weniger Druck als Trump. „Ich fühle keinen Druck“, so Carter. „Kein Mensch erwartet etwas von mir und darum warten wir mal ab, was passiert. Judd hat gut gespielt, reitet auf einer Welle des Erfolgs und die Dinge laufen für ihn. Mal sehen, was passiert, wenn sich das ändert.“

Neil Robertson befindet sich derweil auf dem Weg ins Viertelfinale. Der Australier hat schon beim Auftakt gegen Ken Doherty nichts anbrennen lassen und scheint auch David Gilbert fast im Vorbeigehen schlagen zu können. Gilbert, der in Runde eins Martin Gould besiegte, machte Robertson zwar zunächst das Leben schwer, doch dann spielte sich der Weltmeister von 2010 in einen Rausch.

Es sind diese Spiele, bei denen das Zusehen eine derartige Freude mit sich bringt, dass man diesem Sport verfällt. Bei 1:3 hatte ich schon kurz per Twitter geschrieben, dass es vielleicht die nächste Überraschung geben könnte. Danach drehte Robertson dann auf und holte sich vier Frames in Folge. Gilbert sieht natürlich die Felle davonschwimmen, aber mit dem 3:5 ist er noch gut bedient. Robertson hatte eine Lochquote von 93 Prozent und bei Long-Pots stolze 73 Prozent.

Neil RobertsonGroße Klasse gab es auch beim Match zwischen Joe Perry und Stephen Maguire zu sehen. Drei Centurys in den ersten drei Frames lieferten die Akteure, bevor beide Herren es ein wenig ruhiger angehen ließen. Ein Klasse-Match, das Maguire mit 5:3 anführt.

Lehrgeld hätte Liu Chuang fast gegen Mark Williams gezahlt, der erneut von einigen Zuschauern mit Buh-Rufen bedacht wurde. Alles sah nach einer 3:10-Niederlage aus, doch der Waliser verlor im Glauben des sicheren Sieges die Konzentration und der junge Chinese verkürzte Frame um Frame, musst sich am Ende aber mit 6:10 geschlagen geben.

Die Abneigung des Publikums macht der Welsh Potting Machine hingegen nichts aus und das hat er auch vor dem Match erklärt. „Es gab ja einige Buh-Rufe, aber das habe ich erwartet. Aber danach war es ok. Sie bezahlen ja auch Eintritt und haben auch das Recht, ihre Meinung zu äußern.“

Weiter meinte Williams nach der ersten Session: „Ich bin immer gut mit dem Publikum in Sheffield klargekommen und sie haben später ja auch applaudiert, als ich meine 111 gemacht habe. Ich denke, wir werden morgen herausfinden, ob sich die Sache damit erledigt hat.“ Hatte sie nicht, aber Williams nahm es locker und gewann sicher. Möglich auch, dass die Buh-Rufe zu einer Art amüsanter Tradition werden …

Man darf gespannt sein, wie sich das Publikum im Achtelfinale verhält, wenn er auf Liebling Ronnie O’Sullivan trifft. Beide mögen sich überhaupt nicht und man muss kein großer Prophet sein, um zu erahnen, wie die Stimmung aussehen könnte. Der Sheffield-Pöbler gegen den Liebling der Massen.

Das Schlimmste an der Sache ist, ich befinde mich während der Achtelfinal-Spiele auf der vorgezogenen 1. Mai-Tour und verpasse diesen Leckerbissen. Am morgigen Freitag gibt es nochmal einen Blog, danach erst wieder am Montag-Abend. Euch schonmal viel Spaß dabei.

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Eine Antwort to “Tag 6 der WM: Carter-Airline fliegt wieder”

  1. Heike Strassner 29. April 2012 um 12:28 #

    Ich habe seit 18 Jahren Morbus Crohn und leide schon an den Nebenerkrankungen die dieser mit sich bringt hätte gerne mehr über die Diät von Carter erfahren .Würde mich über eine Antwort freuen .Und wünsche ihm alles gute und viel Erfolg.

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