Wer gewinnt die Snooker-WM in Sheffield?

17 Apr

Vier Tage sind es also nur noch, bis das Crucible Theatre seine Pforten öffnet und John Higgins sich aufmachen wird, den im letzten Jahr gewonnenen Titel zu verteidigen. Kein leichtes Unterfangen. Denn nach dem Sieg im letzten Jahr gegen Judd Trump konnte er sich kaum mehr dazu motivieren, an den Trainingstisch zu gehen.

John Higgins – Liang Wenbo

Nun trifft er in Runde eins auf Liang Wenbo und der Schotte erklärte im Vorfeld der WM, dass sein Hunger auf Snooker zurück ist. Nach der Niederlage bei den China Open gegen Peter Ebdon hatte er noch erklärt: „Ich spiele nicht so gut, wie es sein sollte. Es war kein gutes Jahr und das liegt daran, dass ich zu wenig trainiert habe.“

John Higgins

Ganz chancenlos sah er sich jedoch nicht. „Es sind noch drei Wochen bis zur Weltmeisterschaft und ich werde mich nun reinhängen. Und wer weiß? Wenn ich am Tisch stehe und ein wenig Selbstvertrauen bekomme, dann habe ich sicherlich eine Chance. Aber ich denke, es gibt andere Spieler, die besser vorbereitet sind.“

Was wir von Liang Wenbo erwarten können ist fraglich. Diese Saison hat der junge Chinese noch nicht viel gerissen und eigentlich dürfte er dem Wizard of Wishaw nicht gefährlich werden – bei den Welsh Open gewann Higgins übrigens mit 4:1 gegen Wenbo. Aber wie gesagt, Higgins ist nicht in Top-Form. Sein bestes Ergebnis feierte er beim Masters, dort erreichte er das Viertelfinale.

Ronnie O’Sullivan – Peter Ebdon

Ronnie O’Sullivan bekommt es in Runde eins mit Peter Ebdon zu tun. Auf Twitter bekamen sich die Experten und Fans kaum ein, als der Draw nach und nach gezogen wurde. Ausgerechnet Ebdon möchte man sagen. Der Zerstörer gegen den Zauberer, der Ferrari gegen den Fiat Panda. Beide kennen sich sehr gut aus vergangenen Tagen, O’Sullivan schrieb in seiner Biographie viel Positives von Ebdon, der früher von O’Sullivan Senior liebevoll Psycho genannt wurde.

Vor ein oder zwei Jahren wäre The Rocket sicher der klare Favorit gewesen, doch Ebbo hat sich gesteigert, die China Open gewonnen und in der Qualifikation ein klares 10:0 über Alfie Burden eingefahren. Aber O’Sullivan ist auch gut in Form und es wird ein Leckerbissen, so viel steht fest. Für mich ist Ebdon fast Favorit, aber natürlich drücke ich Ronnie die Daumen.

Stuart Bingham – Stephen Hendry

Mit Spannung war erwartet worden, wer Hendry zugelost bekommen würde. Der Rekordweltmeister musste sich erstmals ja qualifizieren und ich denke nicht, dass die Freude auf Binghams Seite war. Die Saison von Bingham startete mit dem Sieg bei den Australian Open perfekt und er schaffte den Sprung in die Top 16. Seine guten Leistungen konnte er jedoch nicht konservieren, liegt aber immerhin noch auf Rang 16.

Sollte Bingham in Runde eins verlieren, dürfte er aus den Top 16 fallen. Hendry bräuchte schon einen sehr guten Lauf, um die Rückkehr zu schaffen. Und danach sieht es nun wahrlich nicht aus. Der Rekordweltmeister kann zwar hie und da noch Siege erzielen, mit der Spitze aber nicht mehr mithalten. Drei Achtelfinal-Teilnahmen hat Hendry für sich verbuchen können, allerdings sehe ich in diesem Match keinen wirklichen Favoriten.

Stephen Maguire – Luca Brecel

Da qualifiziert man sich schonmal für die WM und trifft in Runde eins dann direkt auf Maguire – danke schön! Aber Brecel hat in der Quali überzeugen können und ist der jüngste Teilnehmer bei einer WM aller Zeiten. Michael Holt und Mark King schlägt man nicht im Vorbeigehen und so wird Maguire aufpassen müssen. Das Lochspiel des Belgiers und die langen Einsteiger waren seine Stärke.

Luca Brecel

Und es sieht nicht so aus, als ob er sich beeindrucken lassen würde vom ehrwürdigen Crucible Theatre. „Je größer die Halle, desto besser spiele ich“, erklärte Brecel. „Mir ist egal, gegen wen ich spiele. Ich habe keine Angst.“ Diese Einstellung ist gut gewählt, dennoch denke ich, der 17-Jährige ist chancenlos.

Den der Merlin of Milton zeigte sich in dieser Saison von seiner guten Seite und hat immerhin zwei Finalteilnahmen vorzuweisen – auf der Main Tour. Maguire war schon immer ein begnadeter Spieler, zeigte bei den China Open im Finale gegen Ebdon zudem auch Geduld, etwas, das man von ihm bisher nicht kannte. Der Schotte wird höchst motiviert sein und Brecel wohl Lehrgeld abnehmen.

Judd Trump – Dominic Dale

Es gibt wohl kaum einen sympathischeren Spieler als den Spaceman. Dale wahrt auch bei Niederlagen stets seine Würde und scheint einer der Spieler zu sein, die wirklich aus Spaß am Spiel dabei sind. Angeblich zieht er im Sommer nach Berlin, nachdem er bisher in Wien wohnte, die Reisen aber einfach zu viel Zeit in Anspruch nahmen.

Natürlich ist er der klare Außenseiter, hat aber in dieser Saison beim zehnten PTC-Event das Finale erreicht, bei den Australian Open immerhin das Viertelfinale. Dale kann ohne Druck aufspielen und vielleicht liefert er nochmals einen Beweis seiner Klasse – zur Not musikalisch. Judd Trump …., was soll man zu ihm schreiben?

Er hat die UK Championship gewonnen, konnte aber nicht wirklich an die Leistungen aus der letzten Saison anknüpfen. Als neuer Superstar gefeiert hat er auch Nerven gezeigt und es scheint, als ob die Leichtigkeit ein wenig dahin wäre. Wie gesagt, er ist der große Favorit gegen Dale, aber wie weit er im Verlauf der WM kommen wird, ist schwer zu sagen.

Das Finale traue ich ihm nicht zu, denn er will mit aller Macht die WM-Krone. Und das ist bei diesem Feld nicht die beste Ausgangslage. Denn hier muss ein Spieler über 17 Tage gutes Snooker spielen und dazu gehört sicherlich auch, den Druck so lange wie möglich von sich abzuhalten. Aber in diesem Jahr ist einfach alles möglich.

Selby, Carter und der ganze Rest

Dann haben wir Graeme Dott gegen Joe Perry. Für mich eine klare Sache, Dott wird die nächste Runde erreichen. Auch Shaun Murphy wird sich gegen den Debütanten Jamie Jones kaum eine Blöße geben. Ein Top-Favorit muss in diesem Jahr auch Stephen Lee sein, der in Runde eins auf Andrew Higginson trifft – alles andere als ein klarer Sieg wäre eine Überraschung.

Knapper sieht es da bei Ali Carter gegen Mark Davis aus. Keiner kann vorhersehen, wie es um den Captain bestellt ist – der an Morbus Crohn leidet. Ich hatte bereits darüber geschrieben. Man gönnt es ihm, aber ganz ehrlich, ich tippe auf Davis, der an die Tür zur Top 16 klopft und den Schritt hindurch machen will.

Mark Williams, der in Runde zwei auf O’Sullivan treffen würde, muss gegen Liu Chuang ran – der nächste Debütant und einer von vier Chinesen. Martin Gould spielt in Runde eins gegen David Gilbert, während Neil Robertson es mit Ken Doherty zu tun bekommt. Ein absoluter Kracher und für den Australier droht nach letztem Jahr die nächste Niederlage in Runde eins.

Peter Ebdon

Seinen großen Auftritt hatte der Ire in Australien, als er bis ins Halbfinale vorstieß. Im Normalfall sollte sich Robertson durchsetzen, aber neben Ebdon und Hendry ist Doherty sicherlich der größte Brocken, den es aus der Qualifikations-Runde zu erhalten gab. Da hat Ding Junhui mit Ryan Day eine leichtere Aufgabe zu bewältigen und auch Mark Allen hat einmal mehr Glück in der Auslosung gehabt – er trifft auf Cao Yupeng, wird dabei wenig Mühe haben.

Mein persönlicher Favorit Matthew Stevens hat Marco Fu gezogen und ich bin mir nicht sicher, ob das ein gutes Los ist. An guten Tagen ist Fu ein ungemein starker Gegner. Bei der UK Championship schaltete er immerhin mit Mark Selby den Führenden der Welt aus und erreichte das Viertelfinale. An schlechten Tagen läuft gar nichts zusammen. Aber ich denke, Stevens wird sich durchsetzen.

Bliebe eben Mark Selby, der zuletzt mit Nackenproblemen zu kämpfen hatte und die China Open nicht spielen konnte. Bis vor einer Woche dachte er, die WM absagen zu müssen, doch es geht – ohne viel Training. Selby …., er ist immerhin die Nummer eins der Welt, ohne aber wirklich mal die großen Turniere zu gewinnen.

In dieser Saison gewann er das Shanghai Masters, doch der ganz große Wurf – abgesehen vom Masters-Titel – fehlt in seiner Bilanz. Selby ist ungemein schwer zu spielen und ist abgezockt ohne Ende. Gegen Barry Hawkins sollte der Jester from Leicester schon gewinnen. Danach würde wohl Stevens warten und spätestens dann Mark Allen.

Wer wird Weltmeister?

Die Frage, die in den kommenden Wochen so ziemlich jeden Snooker-Fan interessieren wird. Selten war eine WM gefühlt so ausgeglichen wie in diesem Jahr. Es gab bisher keinen Überflieger. Ich persönlich tippe auf Shaun Murphy. Hier könnt Ihr selber den Baum durchtippen und schauen, was bei Euch rauskommt – lasst es mich bitte wissen.

Der Knackpunkt bei Murphy ist meiner Meinung nach Runde zwei, in der es wohl gegen Stephen Lee geht. Mark Allen ist für mich ein Kandidat für das Finale, denn er scheint sich keinen Druck zu machen, spielt einfach frei nach vorne und ist von daher mein Favorit – aber nur fürs Finale, ansonsten bin ich kein großer Fan von dem Nordiren.

John Higgins ist außer Form, und deswegen in meinen Augen chancenlos. Selby hatte, wie angesprochen, Probleme mit dem Nacken und ist nicht in der Verfassung, 17 Tage auf ganz hohem Niveau zu spielen. Stephen Lee ist so ein Spieler, dem auch der Titel zuzutrauen ist – aber bei meinem Tipp verliert er gegen Murphy.

Ronnie O'Sullivan

O’Sullivan hat schon gegen Ebdon eine unglaublich schwierige Aufgabe vor sich, würde danach gegen Mark Williams spielen. Er hat keine gute Auslosung erwischt – genau so wie Judd Trump. Gegen Dale wird er gewinnen. Es würden Davis oder Carter folgen, bevor es auch für ihn eng würde.

Meine Halbfinals sind Stephen Maguire gegen Shaun Murphy und Ronnie O’Sullivan gegen Mark Allen. Zugegeben, das ist sehr optimistisch und wäre natürlich eine höchst attraktive WM. Wie es letztendlich kommen wird, ist wie gesagt nicht vorhersehbar und alle Experten und Fans kommen mit anderen Tips um die Ecke. Sicher ist nur, es wird eine spannende und grandiose Zeit und ich kann es schon jetzt kaum erwarten – zumindest habe ich mir die 17 Tage Urlaub genommen.

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Eine Antwort to “Wer gewinnt die Snooker-WM in Sheffield?”

  1. Robert 23. April 2012 um 15:05 #

    Bei O’Sullivan gegen Allen stimme ich dir zu. Aber ich glaube kaum, dass Maguire es in’s Halbfinale schafft. Ist aber ein toller Beitrag von dir, um mal einige Eindrücke und Informationen zu den Snooker-Stars zu bekommen.

    Liebe Grüße,
    Robert

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