Peter Ebdon gewinnt die China Open

1 Apr

Wer hätte es für möglich gehalten, dass Peter Ebdon jemals wieder ein Turnier gewinnen würde? Doch der 41-Jährige setzte sich nun bei den China Open durch und hat sich dabei sicherlich nicht viele Freunde gemacht. In erster Linie dürften es natürlich Matthew Stevens, John Higgins, Neil Robertson, Ding Junhui und Stephen Maguire sein, die gemeint sind.

Peter Ebdon ……… ich musste den Namen nochmal eben kurz laut aussprechen. Abstrus ist wohl die richtige Bezeichnung für das heute Gesehene. Hätte ich es nicht gesehen, es wäre ein schlechterer April-Scherz gewesen. Aber zurück zum Text.

Schaut man sich die Namen an, fällt auf, dass Ebdon es in China keinesfalls mit Fallobst zu tun hatte. Das Finale gewann der Engländer mit 10:9 gegen Maguire und man kann, darf und muss sagen, den Titel hat er sich verdient. Nicht durch übermäßig attraktives Spiel, aber durch Beharrlichkeit und phasenweise einfach starkes Snooker. Ebdon hat die Ruhe einfach weg und mit seiner Erfahrung ist er – wenn sein Spiel auch funktioniert – immer noch gefährlich.

Peter Ebdon

Zu Beginn des Turniers habe ich noch gedacht, dass Stevens eine vielleicht dankbare Aufgabe vor die Nase gesetzt bekommen hatte. Doch nach dem anschließenden Sieg über John Higgins musste man Ebdon ernst nehmen und in der heutigen Zeit scheint Ebdon ein wesentlich gefährlicherer Gegner zu sein, als noch vor ein paar Jahren.

Das Spiel ist offensiver und schneller geworden. Vielleicht kommt es Ebdon entgegen, denn er kann seine Gegner zermürben. Lokalmatador Ding Junhui, der sonst nicht für übermäßige Mimik bekannt ist, schien zeitweise innerlich zu zerreißen, als Ebdon ihn mit seinem Spiel an den Stuhl fesselte. Nun kann man ja geteilter Meinung sein, wenn es um das Spiel Ebdons geht.

Manchmal habe zumindest ich das Gefühl, als ob er mit Bedacht gefühlte zehn Mal um den Tisch geht, ansetzt, wieder aufsteht und nochmals ganz genau nachsieht, ob die Lösung denn auch richtig ist. Nicht umsonst musste die erste Session heute im Finale mangels verfügbarer Zeit abgebrochen werden. Spieler wie Ding Junhui oder auch Maguire haben ihre Probleme mit diesem stockenden Spiel.

Umso beeindruckender ist die Leistung von Maguire, der sich nach einem 1:5-Rückstand wieder fing und sogar zum 8:8 ausgleichen konnte. Via Twitter machten alle Instanzen zudem ihre Scherze. Ob man dem Gras im Garten lieber beim Wachsen zusehen wollte oder darüber spekulierte, mit wie viel Alkohol Maguire sich in der Pause betäuben mag. Allerding geht es eben nicht um den Preis des schönsten Spiels – und Respekt hat sich Ebdon verschafft, auch wenn ordentlich gelästert wurde.

Das Finale ging letztendlich über siebeneinhalb Stunden und alleine die erste Session dauerte gefühlt eine Ewigkeit. Nun war es das neunte Turnier in dieser Saison, kein Spieler hat es dabei geschafft, zwei Titel zu gewinnen. Für Ebdon bedeutet der Sieg gleichzeitig die Qualifikation für die Premier League – dort gibt es jedoch eine 20 Sekunden-Shotclock und ich bin gespannt, wie er damit umgehen wird.

Ronnie O'Sullivan

Durch seinen Sieg hat Ebdon den Sprung auf Platz 20 im Provisional Ranking geschafft, trotzdem muss er sich natürlich für die Weltmeisterschaft im Crucible qualifizieren. Vorhin habe ich gelesen, wer sein Auftaktgegner in Runde eins wäre – Stephen Maguire wird es nicht gerne hören, aber vielleicht steht bald die nächste epische Schlacht an.

Ein Wort muss man vielleicht auch noch über die Fans verlieren. In der kommenden Saison gibt es fünf Turniere in Asien und so ganz glücklich bin ich damit nicht. Es wird immer noch häufig mit Blitz fotografiert und Handys klingeln überdurchschnittlich oft. Besonders abgefahren war ein Zuschauer, der das Gespräch auch noch annehmen wollte. Da besteht vielleicht noch Nachholbedarf.

Doch nun freuen wir uns auf die kurze Pause, bevor es in drei Wochen mit der WM losgeht. 17 Tage Snooker ohne Pause. Vorher wird eingekauft, denn das Haus zu verlassen ist ja fast unmöglich. Hoffen wir für Ebdon, dass er den Schwung mitnehmen kann und bei der WM dabei ist. Denn verdient hätte er es allemal. Doch werde ich besser vorbereitet sein auf ein Match von ihm – Stichwort Koffein.

PS: Ronnie O’Sullivan hat sich übrigens in China einmal mehr daneben benommen. Er kam mit einer brennenden Zigarette im Mund in die Pressekonferenz – einem Nichtraucher-Bereich – und erklärte: „In England darf man nicht rauchen, aber ich China kann man machen, was man will. Das mag ich.“

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3 Antworten to “Peter Ebdon gewinnt die China Open”

  1. BlauPause 1. April 2012 um 20:14 #

    Ich dachte die Paarungen werden erst noch ausgelost. Also woher weißt du dass Ebdon gegen Maguire spielen wird in der WM?

    • Logan Shakeshaft 1. April 2012 um 20:47 #

      Ich habe das bei einem englischen Kollegen auf Twitter gelesen, aber ganz sicher bin ich dabei auch nicht.

      • BlauPause 1. April 2012 um 21:48 #

        Zitat von worldsnooker.com: „talkSPORT will exclusively broadcast the draw for the Betfred.com World Snooker Championship live on Monday 16 April. The top snooker players in the world will find out live on air who they are due to face at the sport’s longest running and most famous tournament.“

        Demnach weiß mans erst am 16. April genau.

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