Ronnie O’Sullivan steht im Finale

4 Feb

Nun hat Ronnie O’Sullivan es also geschafft und steht im Finale des German Masters. The Rocket bezwang Stephen Lee in einem durchaus spannenden, wenn aber auch nicht hochklassigen Match. Dafür machten beide Spieler einfach zu viele Fehler, aber wie Dave Hendon es schon sagte, beim Snooker können auch die umkämpften Frames einen gewissen Charme haben.

Auch für die Zuschauer ist es nicht unbedingt vorteilhaft, wenn zehn Centurys gespielt werden, das Match dann aber auch in 50 Minuten vorbei ist. Snooker lebt dabei auch von den taktischen Duellen und von den Aufs und Abs, mit dem natürlich in erster Linie die Spieler zu kämpfen haben. Beim 6:4-Erfolg von O’Sullivan war es Lee, der dabei zu oft die falsche Entscheidung traf.

Aber kommen wir zurück zum Publikumsliebling O’Sullivan, der sich auch in Deutschland größter Beliebtheit erfreut und sicherlich der Spieler ist, dem der Großteil der Zuschauer die Daumen drückt. Als ich dann im Tempodrom war, saß neben mit ein älteres, nicht ganz fachkundiges Ehepaar aus dem Osten und zitterte fleißig mit. Mit zaghaften: „Cöme ön Rönnie“-Rufen outeten sie sich dann auch als Fans des Engländers.

Das letzte Finale, in dem O’Sullivan mit an Bord war, ist lange her. In der Premier League gewinnt er so gut wie in jedem Jahr, doch den letzten Titel bei einem Ranking Event gab es in der Saison 2009/10, als es das Shanghai Masters für sich entschied. Seitdem ging es für ihn in der Weltrangliste stetig bergab und Berlin hätte für ihn ein neuer Meilenstein werden können.

Denn zum Auftakt lag er bereits mit 0:4 gegen Andrew Higginson im Hintertreffen und der Engländer brauchte nur noch einen Frame, um O’Sullivan eine der bittersten Niederlagen der letzten Jahre zuzufügen. Gleichzeitig wäre es wohl der Abschied aus den Top 16 gewesen und damit hätte er sich für die WM im Crucible qualifizieren müssen.

Zwar folgen noch die Welsh Open, doch da hatte O’Sullivan wahrscheinlich schon den Titel holen müssen, um den Absturz zu verhindern. Doch es kam anders. Higginson hatte zwar die Chance auf das 5:0, konnte den Sack jedoch nicht zumachen. Ganz zur Freude der Zuschauer, die ihren Liebling bedingungslos unterstützen – aber dennoch auch fair applaudierte, wenn Higginson lochte.

O’Sullivan kämpfte nun, als er den 1:4-Anschluss geschafft hatte. Ich war bereits kurz aus der Halle gegangen, da Mark Selby sein Spiel beendet hatte und ich die Chance nutzen wollte, um kurz mit ihm zu sprechen. Einem Journalisten-Kollegen erklärte ich schon, dass O’Sullivan definitiv verlieren würde. Denn als großer Kämpfer ist The Rocket nicht unbedingt bekannt.

Aber ich täuschte mich und gerade diese Qualitäten hat er in Berlin für sich entdeckt. Er scheint das große Duell zu lieben, den Gegner mit guten Safetys in Bedrängnis zu bringen, um dann die einfachen Punkte machen zu können. Früher stand er für bedingungslose Offensive, für das Spektakel und die grandiosen Pots.

In Berlin agiert er nun defensiver und drehte bei einem der größten Comebacks der letzten Jahre das Match. Er besiegte Higginson mit 5:4 und für ihn war es wie ein Weckruf. Als das Match entschieden war, zeigte er Emotionen, ballte die Faust und wirkte sichtlich erleichtert. Die Fans wurden zu der anschließenden Konferenz nicht eingeladen, nur die Presse durfte einige Fragen stellen.

Seither wirkt er befreit und das 5:1 gegen Joe Perry zeigte dann wieder den O’Sullivan, der sicherlich kein Kandidat dafür ist, aus den Top 16 zu fallen. Auch beim Match gegen Matthew Stevens kam Comeback-O’Sullivan von einem 1:3-Rückstand wieder ins Match, gewann vier Frames in Folge und erreichte das Halbfinale.

Wie erwähnt, war es gegen Lee kein Feuerwerk, doch er hat sich durchgebissen und steht nun im Finale. Da freue ich mich auf einen wunderbaren Sport-Tag, den ich persönlich faul auf dem Sofa verbringe. Erst Snooker, dann den Super Bowl. Allerdings werde ich das doch mit einem weinenden Auge tun, denn wer einmal in Berlin dabei war, der wird wissen, was ich meine.

Klar, mit einem Journalistenausweis kommt man ganz nah an die Stars ran. Man plaudert im Backstagebereich und ist verwundert, wie umgänglich die meisten Spieler sind. Und dazu sieht man die Profis auch einmal in zivil. Dabei rannte Mark Williams in Jogginghose und Polo-Shirt herum, aß fleißig Chili con Carne und präsentierte sich an beiden Armen tätowiert – sieht man ja auch nicht bei dem ganzen Dresscode.

Im nächsten Jahr werde ich definitiv alle fünf Tage vor Ort sein, um diese ganz besondere Atmosphäre erneut zu erleben. Dabei freue ich mich auf ein Bier mit dem Kollegen vom Blog hitandhope, einem Plausch mit den anderen Fans, Gespräche mit den Stars und hoffentlich tollem Snooker – doch zunächst werde ich das Finale genießen.

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