Masters: Trump gewinnt und redet Unsinn

21 Jan

Neil Robertson hat es im siebten Anlauf geschafft, das Finale beim Masters zu erreichen. Der Australier hatte dabei die schwere Aufgabe, den neuen Fanliebling Judd Trump aus dem Turnier im Alexandra Palace zu werfen. Und Robertson machte dies höchst effektiv und setzte sich letztendlich mit 6:3 durch. Ein wenig peinlich waren dann die Reaktionen des Unterlegenen.

Robertson hatte zwar im Vorfeld erklärt, keine Rachegelüste zu hegen, doch nach den Niederlagen bei der letzten Weltmeisterschaft und auch der UK Championship stand ihm ein gewisser Wunsch ins Gesicht geschrieben, sich nicht auch im Masters gegen den neuen Stern am Snooker-Himmel verabschieden zu wollen.

Allerdings hatte Robertson das Pech, mit einer neuen Pomeranze antreten zu müssen. Die alte hatte sich gegen Mark Williams vom Queue gelöst und der Australier war sich nicht so richtig sicher, ob ein paar Stunden Einspielzeit auch wirklich genügen würden. Während der erste Frame noch umkämpft war und von keinem hohen Niveau zeugte, holte Robertson sich das 2:0 mit einer glatten 100.

Trump konnte nicht an die guten Leistungen der ersten beiden Matches anknüpfen, obwohl er mit einer 76 auf 1:2 verkürzte. Der Thunder from Down Under legte eine 88 nach und freute sich zum Midsession Interval über die 3:1-Führung, die er sich auch verdient hatte. Nach der Pause kam dann der entscheidende Moment.

Trump hatte den Frame so gut wie in der Tasche und musste nur noch Blau zum Framegewinn einlochen. Doch ihm versagten die Nerven. Robertson räumte ab, baute seinen Vorsprung auf drei Frames aus und legte sogar noch einen drauf. Beim 1:5 drohte Trump dann fast die Höchststrafe. Und wer nun glaubte, das Match wäre entschieden, hatte sich – zumindest in den folgenden Minuten – geirrt.

Robertson verschoss Rot, Trump räumte ab und auf einmal stand es nur noch 2:5. Eine 95 später hatte The Ace fast den Anschluss hergestellt, verschoss im folgenden Frame jedoch einmal mehr Blau und die Messe war gelesen. Robertson ballte die Faust und leistete sich einen kleinen emotionalen Ausbruch ob des erreichten Finales.

Zu Beginn habe ich ja von der Peinlichkeit des Trump geschrieben und er erklärte bei World Snooker: „Robertson hat eben sein Tempo gespielt und das ist sehr langsam. Er ist in Führung gegangen, für mich war es ein wenig langweilig und ich habe ein wenig das Interesse verloren.“

Das ist schon ein wenig respektlos, doch damit nicht genug: „Wenn ich gut drauf gewesen wäre, hätte ich ihn leicht geschlagen. (…) Er macht eben, was er mit seinem Talent zu leisten imstande ist. So hat er einige Turniere gewonnen, hat hart gearbeitet und macht das gut.“ Nun kann man darüber nachdenken, was eigentlich passiert ist.

Der Junge ist 22, hat vielleicht ein wenig Testosteron zu viel in sich und wird als neuer Stern des Snooker angepriesen. Vielleicht ist es da normal, dass man ein wenig über das Ziel hinausschießt und auch mal eine Aussage macht, die nicht unbedingt von Respekt begleitet wird. Neil Robertson hatte dazu seine eigene Meinung.

„Ich habe eine 80 in knapp sechs Minuten gespielt und denke nicht, dass das so langsam war“, so der Australier. Und dass Trump ihn an einem guten Tag locker geschlagen hätte, war auch eine Aussagen, die er nicht so ganz nachvollziehen konnte. „Jeder kann das behaupten. An einem sehr guten Tag hätte er mich vielleicht geschlagen. Aber wenn ich dann auch einen guten Tag habe, sieht das dann schon anders aus.“

Weiter sagte er: „Er ist in einer sehr starken Form, aber er spielt auch Snooker seitdem er sechs oder sieben Jahre als ist. Theoretisch spielt er also schon länger als ich. Wenn ich in dem Alter schon Snooker gespielt hätte, hätte ich mehr gewonnen als er.“

Das hört sich nicht unbedingt so an, als ob die beiden Profis in nächster Zeit gute Freunde werden würden. Man mag über Judd Trump denken, was immer man will. Er hat schon jetzt viel für den Sport getan, nimmt sich aber auch einige Dinge heraus – kurz gesagt: er polarisiert. Das ist nun nicht schlimm, Ronnie O’Sullivan hat oder hatte eine ähnliche Rolle.

Robertson hatte aber noch mehr zu sagen: „Viele Leute mögen ihn, andere eben nicht. Vor der UK Championship habe ich unheimlich viele SMS bekommen und mir wurde gesagt, dass ich ihn unbedingt schlagen muss. Das hat mich ein wenig zu sehr unter Druck gesetzt. Aber viele Fans mögen ihn, da er einfach anders ist und gewisse Dinge auch anders macht.

Aber er ist eben nicht so. Wenn man ihn 24 Stunden filmen würde, könnte man sehen, dass er nicht so ist. Er ist ein Art Porträt und will so sein wie Mario Balotelli. Aber warum kann er nicht einfach Judd Trump sein?“ zu seiner geballten Faust nach dem Sieg meinte Robertson: „Als er mich bei der WM besiegt hat, hat er ebenfalls seine Gesten zum Publikum gemacht.

Ich habe ihm trotzdem alles Gute gewünscht, aber er hat heute überhaupt nichts zu mir gesagt. Normalerweise, wenn man in einem Halbfinale besiegt wird, wünscht man seinem Gegner eben das Beste für das Finale. Bei den UK Champs habe ich ihm gesagt, er möge das Finale gewinnen. Es sind eben die kleinen Dinge, aber nicht jeder macht das.“

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Eine Antwort to “Masters: Trump gewinnt und redet Unsinn”

  1. Erhard 3. Februar 2012 um 22:16 #

    Wirklich Super! Gefaellt mir sehr! Wo ist denn der Facebook-Like-Button?

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