Hearn und der Faktor Angst

11 Nov

Ende Oktober hatten einige Spieler sich darüber beschwert, zu viele Turniere spielen zu müssen und deshalb auch wenig Zeit mit der Familie verbringen zu können. Ronnie O’Sullivan war gar so weit gegangen, von Erpressung und Vergewaltigung zu sprechen. Für Letzteres hatte er sich offiziell, alleine wegen der unglücklichen Wortwahl, entschuldigt. Es änderte allerdings nichts daran, dass eine große Unzufriedenheit unter den Profis herrscht.  Nun hat Barry Hearn sich geäußert

Gegenüber der Daily Mail erklärte der Snooker-Boss: „Ronnie hat völlig recht, dass er in einer bestimmten Form erpresst wird. Ich bekenne mich schuldig.“ Im ersten Moment natürlich ein unglaubliches Eingeständnis, aber Hearn hat es natürlich auch begründet. „Wenn ich sie nicht dazu zwinge, wie zum Beispiel bei einem Einladungsturnier in Brasilien, dann sagen neun der Top 16-Spieler ab, da ihnen der Weg zu weit ist,“

Die Spieler hatten sich für mehr Turniere ausgesprochen und in der Vergangenheit hatte sich Snooker nicht unbedingt als Sport präsentiert, der mit großen Schritten ins neue Jahrtausend aufbrechen wollte. „Wie bei allen anderen Dingen ist es eine Entwicklung, die ihre Zeit braucht“, so Hearn weiter. „In den letzten 20 Jahren hat sich Snooker nicht bewegt, und wenn ich eine Schuld eingestehen muss, dann die, dass ich den Umbruch vielleicht zu schnell betrieben habe.“

Dabei hat Hearn natürlich die schwierige Aufgabe vor sich, nicht nur den besten 32 Spielern Honig um den Bart zu schmieren. Er muss eine ganze Sportart auf den Weg bringen und die Zukunft sichern. Die ganz fetten Jahre sind erst einmal vorbei, in denen Tabakkonzerne hohe Summen in den Pott warfen und der Weltmeister fast 300.000 Pfund für den Titel kassieren konnte.

Es hat sich ja angedeutet und alleine die Tatsache, dass ein Maximum nun keine sechsstellige Summe mehr einbringt, war ein Meilenstein. „Ich kann ja kaum in einer egoistischen Lebenswelt überleben, in der die Spieler nur auf das Preisgeld schauen. Ich habe sie (die PTC Turniere) zu Ranking Events gemacht und zwinge sie dadurch, daran teilzunehmen“, erklärte Hearn.

Hearn verteidigte zudem die Einführung der PTC-Events: „Diese Tour ist auch dazu da, alle 96 Spieler zu unterstützen – nicht nur einen oder zwei. Damit habe ich auch den Amateuren und weniger professionellen Spielern die Chance gegeben, ihre Karrieren voranzutreiben.“ Für die Profis hatte der 63-Jährige auch noch einen Rat parat: „Ich habe den Spielern damit klargemacht, dass Snooker auch ihr Job ist. Es ist keine Freizeit oder ein Hobby.“

Gegenüber der Yorkshire Post wurde Hearn noch deutlicher: „Wenn die Top-Spieler wie Ronnie O’Sullivan nur auf das Geld schauen, verstehen sie nicht, wofür ich stehe. Ich möchte den Sport globaler machen und ihm ein starkes Fundament verpassen, um alle Spieler zu unterstützen.“ Dafür ist ihm jedes Mittel recht.

„So wie es im Moment aussieht, müssen die Spieler eben dafür auch spielen. Es ist vielleicht eine Art von Erpressung, aber es funktioniert. (…) Leider habe ich nicht nur Zuspruch auf meiner Seite. Aber dafür gibt es den Faktor Angst: Wenn du Snooker nicht unterstützt, wird Snooker Dich nicht unterstützen.“

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Eine Antwort to “Hearn und der Faktor Angst”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Presseschau vom 17. 11. 2011 « Hit and Hope - 17. November 2011

    […] Der Respotted Blog befasst sich mit Barry Hearn und seinen Folgen für die Sportart. Dieser bestätigt die schlimmsten […]

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